Joanna & William

Anno Domini 1155...Henry II regiert über England. Immer an seiner Seite ist dabei sein Cousin, William of Cornwall. Als er sich in Joanna of Warwick, eine junge Frau unter seinem Stand, verliebt, beginnt sein eigener Kampf gegen das Denken seiner Zeit,
 
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 Archiv - Beiträge bis 08.09.12

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GreyStorm



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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Di Jul 21, 2015 12:49 am

Joanna

Joanna hatte das letzte bisschen Mut zusammengekratzt, das sie noch hatte aufbringen können, und die Box verlassen. Nahezu sofort richteten sich zwei Augenpaar auf sie. Sie wusste, dass es William nicht gefiel, dass sie nicht dort geblieben war, aber sie konnte es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren ihn in Gefahr zu bringen. Sie kannte Beaumont zu gut um anzunehmen, dass er einfach gegangen wäre ohne William eine Abreibung zu verpassen für seine Drohung. 
So deutete sie in seine Richtung nur ein Kopfschütteln an und fixierte dann den Earl of Warwick. 
"Lord Cornwall war lediglich so gütig für mich einzutreten, da wohl offensichtlich ist, dass ich nicht mit Euch sprechen möchte, Mylord Warwick. Da die Möglichkeit besteht, dass Ihr wieder Hand an mich legt, vermeide ich Eure Gesellschaft weitestgehend und das solltet Ihr akzeptieren, ob Ihr nun unglücklicherweise mein Vormund seid oder nicht.", begann sie langsam. Sie wunderte sich selbst darüber, wie fest ihre Stimme blieb. 
"Was wollt Ihr von mir? Diese Gerüchte entsprechen nicht der Wahrheit, das sagte ich bereits. Lasst mich doch in Ruhe weiter meiner Königin dienen." In diesem Moment musste sie den Drang unterdrücken zurückzuweichen, denn seine wutentbrannte Miene flößte ihr wirklich Angst ein; wie er einen Schritt auf sie zukam...

William

Joannas Worte wirkten wie ein Eimer kaltes Wasser in sein Gesicht. Der Zorn kühlte sich auf ein erträgliches Maß hinunter und die Vernunft nahm in William wieder Oberhand. 
Ein kurzes Lächeln huschte über seine Lippen als er Joanna allen Mut zusammen nehmen sah. Sie war wirklich etwas besonderes. Er hatte bisher kaum eine Frau getroffen, die so für sich und ihre eigene Meinung einstand wie Joanna. 
Als Beaumont nun mit wutverzerrtem Gesicht einen Schritt auf sie zu trat, machte William einen Schritt zur Seite und versperrte ihm mit der Hand den Weg. 
"Mylord, wenn ich Euch bitten darf." eine Stimme hatte nun die ruhige Neutralität zurück gewonnen mit der er Beaumont bereits gestern hatte auflaufen lassen. 
Es hatte keinen Zweck sich auf ein hitziges Wortgefecht einzulassen, das unweigerlich zu Handgreiflichkeiten führte. Viel mehr würde er seinen Gegenüber ausbremsen, wenn er nicht auf dessen Zorn einging.

Joanna

Joanna hatte Mühe seinem Blick standzuhalten, aber irgendwie bekam sie es dann doch hin sich ihre zunehmende Panik nicht anmerken zu lassen. 
Doch sie war nicht allein, rief sie sich ins Gedächtnis, und dies war der Moment in dem William wieder einmal einschritt und Beaumont den Weg zu ihr versperrte. 
Dessen Blick vermittelte nun einen Eindruck von Mordlust und ließ Joanna einmal mehr schlucken, ehe sie tapfer weiter sprach: "Ich bitte Euch, Mylord, ich habe nichts Unrechtes getan und verdiene Euren Zorn nicht. Das Andenken Eures Vaters wurde durch mich nicht beschmutzt." 
Der Earl of Warwick ließ sich davon wenig beeindrucken, rang aber sichtlich mit seiner Wut, denn wenn William nicht mehr auf seine Provokationen einging, hatte er keine Entschuldigung mehr, wenn er handgreiflich wurde. Dann würde der König wohl wenig Verständnis haben. Er fixierte Joanna und kam einen kleinen Schritt näher. 
"Lügnerin!", zischte er nur, machte dann auf dem Absatz kehrt und rauschte davon. Joanna wusste ganz genau, dass er ihr nicht glaubte. Dass dies nicht der letzte Zusammenstoß gewesen sein würde, wenn er noch lange blieb. Diesmal war sie wirklich kurz davor in Tränen auszubrechen.

William

William atmete sichtlich erleichtert aus als Beaumont verschwunden war. Einen Moment lang fragte er sich, ob er wohl den Atem angehalten hatte, sein Atmen klang gerade so laut in seinen Ohren. 
Dann sah er lächelnd zu Joanna hinüber - wobei sein Lächeln in dem Augenblick gefror in dem er Joannas Blick begegnete. 
"Ach Liebes." murmelte er leise und legte dann seine Arme um sie. 
Es begann langsam ihm zusätzlich Schmerzen zu bereiten, dass Joanna so unter Beaumonts Anwesenheit litt. William fragte sich langsam, wie ihr es wohl bei dessen Vater ergangen war. Irgendwann würde er sie wohl darauf ansprechen, irgendwann ... 
Gleichzeitig rasten seine Gedanken auf der Suche nach einer Lösung ihres Problems. Doch so wirklich wollte ihm nichts einfallen. 
"Ich wünschte ich wüsste eine Lösung." brach William die kurze Stille mit gedämpfter Stimme. "Aber ich finde einfach keine. Ich weiß einfach keine ..." 
Ich weiß nicht wie ich dir helfen kann

Joanna

Joanna hielt noch einen Moment an sich, doch als William sie in seine Arme nahm, fiel ihre ruhige Fassade in sich zusammen und heiße Tränen tropften über ihre Wangen, während dann und wann ein unterdrücktes Schluchzen sie schüttelte. 
Sie schmiegte sich haltsuchend in seine Umarmung und verschwendete nicht einen Gedanken daran, dass jemand hereinkommen könnte. Das war ihr gerade so egal. Es dauerte eine Weile, bis sie sich soweit gesammelt hatte, dass sie wieder klare Sätze formulieren konnte, wenn sich auch immer noch vereinzelt Tränen aus ihren langen Wimpern lösten und feine Spuren auf ihr Gesicht malten. 
"Ich weiß. Du tust schon genug für mich. Aber ich weiß nicht, wie ich das Aushalten soll, wenn er noch lange hier bleibt. Er verfolgt mich, er wird mir irgendwo auflauern und dann bist du nicht da um dazwischen zu gehen. Ich fürchte seine Unbeherrschtheit und seinen Zorn. Dabei weiß ich nicht, warum er plötzlich so den Sittenwächter spielen möchte. Er ist selbst kein Heiliger. Ich weiß nicht, was ich machen soll, William...Mich in meinen Gemächern einsperren, bis er abreist? Den ganzen Tag?"

William

Williams Hand glitt unbewusst zu seiner Hüfte und erst im letzten Moment konnte er sich davon abhalten an der verheilenden Wunde zu kratzen. Er seuftzte und schüttelte dann den Kopf. Das würde noch hart werden. 
Der Arzt hatte sich endlich darauf eingelassen nicht mehr Williams kompletten Oberkörper zu bandagieren. Nun musste er sich allerdings beherrschen, wenn die Verletzung juckte, da er sich nicht leisten konnte, auch nur die kleinste Stelle wieder aufzukratzen. 
William nahm das Hemd vom Stuhl und zog es sich mit einer geübten Bewegung über den Kopf. Mittlerweile wusste er, wie weit er sich bewegen konnte ohne dass seine Schulter schmerzte. 
Er versuchte noch einmal seine Haare zu ordnen, dann verließ er sein Gemach. Er war heute ausgesprochen früh auf den Beinen und steuerte deshalb zunächst einmal die Küche an, um sich etwas zu Essen zu holen, bevor er seine Runde durch die Burg machte. 
Die letzten Tage waren entspannend gewesen, nachdem Beaumont vor einer Woche ziemliche Unruhe mit sich gebracht hatte.

Joanna

Joanna wusste inzwischen nicht mehr, wie sie die wenigen Tage überstanden hatte, die Beaumont noch am Hofe geblieben war. Sie hatte nur noch selten ihr Gemach verlassen, um ihm ja nicht mehr über den Weg zu laufen. Es hatte funktioniert und er hatte wohl eingesehen, dass es keinen Sinn mehr hatte ihr aufzulauern. Er war abgereist und Joanna hatte endlich wieder Ruhe finden können. 
Sie war William unglaublich dankbar, dass er ihr die ganze Zeit über beigestanden hatte, so gut es eben gegangen war. Und bald würde es nach Frankreich gehen, dann gewannen sie sowieso erst einmal Abstand. 
Es war noch früh, doch auch Joanna war bereits auf den Beinen. Sie hatte zu lange einfach rumgesessen und nichts tun können, weil sie zu viel Angst gehabt hatte. 
Darum trat sie nun gerade auf den Burghof hinaus in die kühle Luft des Morgens, der Himmel noch grau, weil die Sonne es noch nicht geschafft hatte die Wolkendecke zu durchbrechen. Sie atmete tief ein und genoss die Stille, die um sie herum herrschte, nur durchbrochen von einigen zwitschernden Vögeln und dem Ankommen eines einsamen Reiters. Sie wollte nur noch eine Weile hier stehen und dann Herakles besuchen. Eigentlich, überlegte sie, war das Wetter perfekt für einen Ausritt. Aber wenn William herausfand, dass sie allein gegangen war, würde er nicht begeistert sein. Vermutlich würde sie es erst einmal lassen.

William

Nachdem William sich mit Brot, Käse und Wein gestärkt hatte, ging er nun mit einem Apfel in der Hand nach draußen. Als erstes würde er kurz im Stall vorbei sehen und seinen Apfelrest an seine Vierbeiner abtreten. Danach würde er den Wachen einen kurzen Besuch abstatten bevor der allgemeine Alltag losbrach. 
Ein wenig überrascht zog William die Augenbrauen nach oben als er entdeckte, wer da am frühen Morgen auf dem Burghof stand. Dann musste er lächeln. Langsam trat er von hinten an Joanna heran, um ihr dann ins Ohr zu flüstern. 
"Guten Morgen, Mylady. Was treibt Euch denn schon so früh nach draußen?" 
Es war wirklich verwunderlich, denn mittlerweile kündigte der Winter sich deutlich an und besonders morgens war es ausgesprochen frisch. William hatte es aufgegeben nur im Hemd nach draußen zu gehen. 
Sein Blick huschte kurz zu einem Reiter hinüber, der erst vor wenigen Minuten eingetroffen war und nun sein Pferd versorgte.

Joanna

Joanna drehte sich nicht um, als William ihr ins Ohr flüsterte. Aber ein glückliches Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. 
"Guten Morgen, Mylord. Das Selbe könnte ich Euch fragen, nicht? Aber ich will nicht so sein und es Euch verraten. Ich genieße die Ruhe und spielte gerade mit dem Gedanken einen Ausritt zu unternehmen, es wäre die perfekte Witterung dafür, wisst Ihr. Ich bin sicher, Herakles würde sich freuen. Aber leider kenne ich da jemanden, der nicht ganz so begeistert von solchen Plänen sein dürfte und was läge mir ferner, als ihn zu verärgern." 
Joanna verbiss sich ein Lachen und widerstand dem Drang sich umzudrehen und ihn zu küssen. 
Allerdings hatte sie so das gefühl, dass er auf dem Weg in den Stall war und so konnten sie wohl ein wenig Zeit zusammen verbringen, denn dahin wollte sie ja auch. Außerdem war zu dieser frühen Stunde kaum jemand unterwegs. Umso besser, denn neugierige blicke waren das Letzte, was sie gebrauchen konnten. 
Fürs Erste hatte sie Aufregung genug gehabt.

William

William atmete geräuschvoll aus. Wie gerne würde er einen Ausritt machen. Aber das war wohl zu viel des Guten. Er würde wollte morgen das erste Mal wieder aufs Pferd steigen, doch ein langer Ritt würde dabei nicht heraus kommen. Er war froh, wenn er überhaupt vernünftig in den Sattel kam. 
Dann grinste er. 
"Nun, solltest du es schaffen, dich nicht in eine missliche Lage zu bringen, hätte ich nichts dagegen." William legte ihr eine Hand auf die Schulter und dirigierte Joanna in Richtung Stall. "Aber aus irgendeinem Grund bezweifle ich, dass du dazu in der Lage bist." 
Er konnte jedoch nur zu gut verstehen, weshalb es Joanna nach draußen zog. Die kühle Luft und der feuchte Herbstgeruch hatten etwas besonderes an sich, besonders wenn man zuvor nur in den Mauern der Burg eingeschlossen war. Dazu verdammt untätig herum zu sitzen. 
Ihm ging es nicht anders. William wollte am liebsten gar nicht darüber nachdenken wie lange er bereits eben jenes Schicksal teilte und tatenlos durch die Gänge der Burg wanderte.

Joanna

Joanna lächelte. "Aus diesem Grund warte ich, bis mein Beschützer wieder in der Lage ist mich zu begleiten. Herakles wird es mir verzeihen, schließlich dürfte er wenig wert darauf legen wieder einem Keiler gegenüber zu stehen. Ich scheine wirklich ein Talent dafür zu haben, Unheil anzuziehen, scheint mir." 
Nachdem sie Herakles begrüßt und die weichen Nüstern gestreichelt hatte, die sich ihr vertrauensvoll entgegen streckten, kehrte sie zu William zurück, der sich seinen beiden Reittieren zugewandt hatte. Auch Joanna kraulte Cuivre nun hinter dem Ohr, denn aus irgendeinem Grund hatte sie den roten Hengst besonders ins Herz geschlossen. Vielleicht, weil er William bei jenem Ausritt getragen hatte, bei dem sie sich zum ersten Mall geküsst hatten. 
Ihre Gedanken wanderten zu dieser Szene zurück und ihr Lächeln gewann einen verträumten Ausdruck. 
"Weißt du noch, an dem kleinen Bach im Wald? Irgendwann müssen wir wieder dorthin reiten. Es fühlte sich fast an wie ein Traum.", sinnierte sie dann leise, während ihr Blick langsam zu ihm hinüber schweifte. "Da hat es wirklich begonnen..."

William

Williams Lippen zuckten belustigt, während er Joanna zu hörte. Als sie endete, schloss er sie mit einem leisen Lachen in die Arme. 
"Stell dir vor ... es war kein Traum." lachte er und küsste sie dann zärtlich. 
Umso mehr Zeit er mit Joanna verbrachte, desto mehr wünschte er sich, dass sie auf diese ganze Geheimniskrämerei und die Vorsicht verzichten zu können. 
Ja, er erinnerte sich noch zu gut an diesen Tag. An diesem Tag hatte er alle Bedenken über Bord geworfen und das erste Mal erfolgreich verdrängt, dass er einigen Schwierigkeiten gegenüber stehen würde, wenn er sich zu Joanna bekennen wollte. 
Seitdem war einiges geschehen und einiges hatte sich geändert, doch William war sich nun nur noch sicherer, dass er Joanna in seinem Leben nicht mehr missen wollte. 
"Wisst Ihr, Mylady, wo ich jetzt gerade gerne wäre?" er grinste unverschämt und küsste sie noch einmal bevor er seine Frage selbst beantwortete. "In meinem warmen Bett."

Joanna

Joanna genoss es sehr, dass er sie in den Armen hielt und sie hier einfach einmal ohne irgendwelche Bedenken sein konnten. Auch sie hätte gerne auf die Heimlichtuerei verzichtet, doch bevor sie solche Minuten wie diese missen musste, nahm sie das gern in Kauf. 
Seine ziemlich zweideutigen Worte hätten wohl viele Frauen einer Krise samt Ohnmachtsanfall nahe gebracht, doch sie war inzwischen vertraut genug mit ihm, so dass sie sich nicht mehr völlig aus der Bahn werfen ließ. 
Sie grinste zurück. "Eine Vorstellung, der ich durchaus etwas abgewinnen könnte, Mylord." 
Eigentlich benahmen sie sich beide hier gerade fürchterlich unpassend, aber es war ihr selten so egal gewesen, was die Etikette vorschrieb. Ihr Grinsen wurde eine Spur breiter. 
"Aber Euer Bett ist so furchtbar groß, Ihr werdet sicher sehr einsam sein." Ihre Augen funkelten belustigt auf, dann streckte sie sich und versiegelte nun ebenfalls seine Lippen. 
Es waren solche Momente, in denen Joanna wirklich vollends glücklich war. Wenn sie so unbeschwert miteinander sein konnten...

William

Er lachte gegen ihre Lippen und zog sie noch ein wenig enger an sich. 
"Nun, ich schätze, Mylady, dann müsst Ihr mir wohl Gesellschaft leisten, damit ich nicht zu einsam bin." 
William war wirklich froh, dass es noch so früh am Morgen war und sie sich somit recht sicher sein konnten, noch für ein paar Minuten ungestört zu sein. Die ersten Stallburschen würden zwar bald auftauchen, doch ein wenig Zeit blieb bis dahin noch. 
Also legte William eine Hand an Joannas Wange und küsste sie erneut. 
"Oder was meint Ihr?" knüpfte er dann grinsend an seine Worte an. 
Seine Finger glitten langsam an ihrem Ohr vorbei und vergruben sich dann in ihren Haaren. 
Diesen Moment müsste er anhalten können.

Joanna

Sie schloss einen Moment lang die Augen und gab sich vollkommen der Situation hin. Schließlich tat sie so, als müsse sie überlegen, dabei würde diese Entscheidung ihr wohl niemals schwer fallen, wenn sie dabei in seine Augen blickte. 
"Ja, das denke ich auch. Ich würde mir ja nie verzeihen, wenn ich Euch der Einsamkeit überließe. Die Temperatur wäre außerdem wohl viel angenehmer als hier." 
Sie lachte leise und legte die Arme vorsichtig um seinen Hals, damit sie ihm nicht wehtat. "Ich frage mich manchmal, wie ich vorher ohne dich gelebt habe. Alles muss so trostlos gewesen sein." 
Denn er hatte wieder etwas Farbe in ihr recht langweiliges Leben als der Königin Hofsame gebracht. Die Minuten, in denen sie ihn sehen konnte, waren die Schönsten ihres Tages. 
Sie lächelte. "Und was hast du nun vor?"

William

"Hmmm." William tat als müsste er erst noch über seine Antwort nachdenken. 
"Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Entweder ich setzte meine Runde fort und halte Rücksprache mit den Wachen oder ..." er legte eine Pause ein, um Joanna zu küssen und sie dann verschmitzt anzugrinsen. "oder ich zerre Euch mit mir in mein Bett." 
Ein leises Lachen bahnte sich den Weg seine Kehle hinauf, dann machte William einen kleinen Schritt zur Seite und lehnte sich gegen die Boxentür. Um ja keinen größeren Abstand zwischen sich und Joanna zu bringen, zog er sie wieder an sich. 
"Ich habe das Gefühl, dass Ihr einen schlechten Einfluss auf mich habt, Mylady." scherzte er dann. "Bevor ich Euch kannte, war ich in solchen Belangen deutlich diskreter." 
Einen Sekundenbruchteil fragte William sich, ob es vielleicht besser gewesen wäre, wenn er den Tag nicht mit Wein begonnen hätte. Er konnte nur drauf hoffen, dass Joanna es ihm nicht übelnahm, sondern wie schon zuvor Kontra gab.

Joanna

Joanna hob belustigt eine Augenbraue. "Und was lässt dich glauben, dass ich mich in dein Bett zerren ließe? Entweder ich komme freiwillig mit dir oder du musst in schnöder Einsamkeit verharren. Du solltest dir etwas überlegen, wie du mich überzeugen kannst." 
Sie legte erneut ihre Arme um ihn und lächelte spöttisch zurück. "Die Frage nach dem schlechten Einfluss ist äußerst strittig, wie ich finde, Mylord. Sollte ich vielleicht sagen: bevor ich Euch kannte, hätte ich nicht einmal gewagt solche Belange anzusprechen?" 
Ein leises Kichern kam über ihre Lippen. "Bevor ich Euch kannte, war ich noch eine ehrbare Witwe in Trauerkleidung." 
Sie hatte sich wirklich verändert, das wurde ihr deutlicher denn je bewusst. Bei Roger de Beaumont hätte sie an solche Bemerkungen nicht einmal denken dürfen, William hingegen schränkte ihren regen Geist nicht ein und er versuchte nicht, sie zu ändern. Er nahm sie, wie sie war, auch, wenn das manchmal Unverschämtheiten beinhaltete, die man einer Dame normalerweise nicht zugetraut hätte. Sie war eben nicht normal.

William

William sah Joanna einen Moment lang ein wenig verblüfft an, dann brach er in schallendes Gelächter aus. Er genoss es unwarscheinlich mit ihr zusammen zu sein, da sie mit ihrer herrlich erfrischenden Art seinen Tag jedes Mal zu versüßen wusste. 
"Offensichtlich haben wir beide einen schlechten Einfluss auf den anderen." erklärte er noch immer lachend. 
Während er eine Hand noch immer in ihren Haaren vergruben hatte, ließ er die andere nun langsam ihren Rücken hinunter zu ihrer Taille wandern. 
"Ah, ich schätze, dann werde ich wohl noch etwas Überzeugungsarbeit leisten müssen." ging William dann auf Joannas erste Worte ein und grinste verschmitzt. 
Langsam suchte er ihre Lippen und ließ die seinen dann bis an ihren Hals hinabwandern, um die zarte Haut zu liebkosen. 
Dann hob William wieder den Blick und sah sie mit funkelnden Augen an. 
"Was meint Ihr, bin ich auf dem richtige Weg?"

Joanna

"Ob der Einfluss wirklich so schlecht ist, wird sich noch zeigen, meinst du nicht?" Joanna lächelte amüsiert, schnappte dann aber nach Luft, als er die Art seiner Liebkosung veränderte und weiter ging als bisher. Sie schloss die Augen und vergrub ihrerseits die Finger in seinem dunklen Haarschopf, während ein wohliger Schauer ihr über den Rücken rieselte. 
Eigentlich war es ziemlich riskant, was sie hier taten, denn jeden Moment konnte einer der Stallburschen hereinkommen und sie sehen. Dann würden es am Abend die Spatzen von den Dächern der Burg pfeifen, dass Joanna of Warwick, Witwe des Roger de Beaumont, und William of Cornwall, Cousin des Königs, eine heimliche Liebschaft führten. 
Unter normalen Umständen hätte sie diese Aussicht sehr wohl geschreckt, aber gerade viel es ihr schwer überhaupt noch klar zu denken. Ihre vernunft hatte sich fröhlich winkend verabschiedet und sie spürte deutlicher denn je, wie viel Einfluss William auf sie hatte. Sie öffnete die Augen wieder und das Lächeln kehrte zurück. Dieses Funkeln in seinen Augen... 
"Ja, ich schätze schon. So ungern ich das auch zugebe.", erwiderte sie dann. "Aber du solltest deine Überzeugungsarbeit lieber irgendwohin verlegen, wo nicht jeden Moment ein Stallbursche hereinkommen kann. Auf noch mehr Gerüchte legen wir wohl beide keinen Wert." Ihr Lächeln wurde eine Spur spöttischer. "Ich verspreche auch dir nicht davonzulaufen." Nun konnte sie ein leises Lachen nicht mehr unterdrücken.

William

William grinste und verschloss Joannas Lippen dann erneut mit den seinen. 
"Das sind ausgesprochen vielversprechende Aussichten, die du mir da offenbarst." murmelte er, löste sich dann aber im nächsten Augenblick von Joanna und trat sogar einen Schritt zur Seite als er ein leises Poltern und dann Schritte näher kommen hörte. 
William seuftzte theatralisch. "Ich fürchte Ihr habt Recht, Mylady. Doch wann erbarmt Ihr Euch meiner und schenkt mir mehr von Eurer Zeit, die wir nicht hier im Stall verbringen?" 
Er breitete seine Hände aus, so als wollte er seine Worte noch unterstreichen. Dann stahl er Joanna einen letzten kurzen Kuss gerade rechtzeitig bevor sich die Tür öffnete und ein reichlich verschlafen aussehender Stallbursche herein kam. 
Mit einem Grinsen auf den Lippen ergriff er Joannas Hand, um sich formvollendet mit einem Handkuss von ihr zu verabschieden. 
Dann wandte er sich mit gewohntem Tonfall an den Stallburschen. "Du warst aber auch schon einmal früher auf den Beinen. Ich warte schon eine Weile hier." Obwohl sein Ton kaum tadelnd war, errötete der Junge, senkte den Blick und nuschelte eine Entschuldigung.
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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Di Jul 21, 2015 12:44 pm

Joanna

Joanna unterdrückte ein Grinsen und hob nur vielsagend eine Augenbraue. "Wann Ihr wollt, Mylord. Ihr wisst doch, wo Ihr mich findet. Ich fürchte nur, Ihr werdet mich entführen müssen.", flüsterte sie. 
Sie verkniff sich einen Kommentar dazu, wie viel Zeit sie jetzt schon mit ihm verbrachte und bewunderte einmal mehr sein schauspielerisches Geschick. Nichts hätte darauf hingedeutet, dass gerade noch mehr zwischen ihnen passiert war als eine höfliche Plauderei, als der Stallbursche hereinkam. 
Ihre Augen funkelten belustigt auf, als er so typisch für ihn den Jungen tadelte und dieser sich sofort getroffen fühlte. Keine Frage, William wusste, wie er sich Respekt verschaffte. 
Schließlich besann sich Joanna doch noch auf die Etikette und knickste. "Dann werde ich mich wohl verabschieden, Mylord. Ich wollte nur nach meinem Pferd sehen. Ich hoffe, Ihr habt ein Auge darauf, dass er auch wirklich sein Futter bekommt.", sagte sie dann hochmütig und wandte sich zum Gehen. Dabei streifte sie vor dem Blick des Knechtes verborgen seine Hand und wisperte: "Ihr könnt ja nachkommen, Mylord, falls Eure Aufgaben das zulassen. Ich denke, den Weg kennt Ihr noch." Sie lächelte, senkte den Kopf und machte sich gemessenen Schrittes auf den Weg.

William

Es dauerte einen Augenblick bis William den Blick von der Tür abwenden konnte, durch die Joanna gerade nach draußen gegangen war. Und noch eine ganze Weile meinte er ihre Berührungen auf seiner Hand und ihre Lippen auf den seinen zu spüren. 
William drehte seine Runde durch die Burg und sprach mit der ein oder anderen Wache. Da er heute bis zum späten Nachmittag jedoch Ruhe hatte, fand William sich gegen Mittag bereits wieder in den Gängen der Burg wieder auf dem Weg zu Joanna. 
Er war heute morgen noch kurz bei Henry gewesen, der ihn bat gegen abend wieder vorbei zukommen, damit sie einige Dinge für die Reise nach Frankreich besprechen konnten. 
William war mittlerweile sehr optimistisch, dass Henry ihn ohne größere Diskussionen mitnehmen würde. Letztlich stand und fiel es natürlich mit seinem ersten Reitversuch morgen. Aber darüber wollte er sich jetzt noch keine Gedanken machen. 
Stattdessen klopfte er nun an Joannas Tür und wartete auf ihre Reaktion.

Joanna

Wieder in ihrem Gemach angekommen, hatte Joanna das Gespräch erst einmal Revue passieren lassen. Es hatte immer noch etwas Unwirkliches, fand sie, dass sie so mit William reden konnte und dass sie jedes Mal ziemlich guter Stimmung war, wenn sie in seiner Nähe gewesen war. Insgeheim hoffte sie, dass er wirklich kommen würde. 
In der Zeit, in der sie keine Beschäftigung hatte, saß sie auf ihrem Bett und träumte vor sich hin. Ohne große Verwunderung stellte sie fest, dass ihre Gedanken immer wieder bei einem gewissen jungen Lord landeten und musste über sich selbst lächeln. Es war wirklich seltsam, dass es ihr wirklich noch passiert war nach ihrer Ehe mit Roger de Beaumont, aber sie war wahrhaftig und vollkommen verliebt. 
Aus ihren Gedanken gerissen wurde sie durch ein Klopfen und sofort durchströmte sie freudige Erwartung. Ob es William war? Sie stand auf, strich mit den Fingern noch einmal einige wirre Strähnen ihres kupferfarbenen Haars zurück und öffnete dann die Tür. Es war William. Sofort kehrte ein Leuchten in ihre Augen zurück. 
"Ihr habt den Weg also doch nicht vergessen, wie ich langsam zu glauben begann, Mylord."

William

Ein leises Lachen ließ Williams Brust vibrieren als er Joannas Gemach betrat und die Tür hinter sich schloss. 
Als er sich zu Joanna umdrehte, lag ein verschlagenes Grinsen auf seinen Lippen. "Darf ich Euren Worten entnehmen, dass Ihr mich vermisst habt, Mylady?" fragte er unschuldigem Tonfall. 
William musste sich innerlich selbst belächeln. Er hatte den gesamten Vormittag über mit seiner Konzentration kämpfen müssen. Ständig waren seine Gedanken abgedriftet und nur mit Mühe hatte er sie wieder von Joanna zurück zu seinen Aufgaben lenken können. 
William war weiß Gott kein Heiliger, aber dieses Mal war es keine kleine Spielerei, die wie ein Strohfeuer schnell entbrannte, aber ebenso schnell wieder erlosch. 
Joanna of Warwick hatte ihn wahrlich in seinen Bann gezogen und ließ ihn nun nicht mehr los. Im Gegenteil, je öfter er sie sah und je mehr Zeit sie zusammen verbrachten, desto mehr hoffte er darauf, sie für sich zu haben. Und auf diese Geheimniskrämerei verzichten zu können. 
William trat auf Joanna zu und legte ihr, wie schon heute Morgen, eine Hand an die Wange, um sie dann in Ruhe zu küssen.

Joanna

Joanna grinste zurück. "Darfst du. Ich habe dich schrecklich vermisst, man könnte meinen, wir hätten uns Tage nicht gesehen, dabei ist es erst einige Stunden her." 
Sie erwiderte den Kuss mit Hingabe und legte eine Hand in seinen Nacken. Als sie sich wieder von ihm löste, funkelten ihre Augen auf. "Daraus schließe ich, dass du mich auch vermisst hast? Ist es mir etwa gelungen deine Gedanken zu fesseln?" 
Sie lächelte nun und fragte sie einmal mehr, wie sie früher ihre Tage verbracht hatte. Erinnern konnte sie sich nicht. Es war so viel geschehen, viele Dinge hatten sich geändert. 
Die Hoffnung, dass sie irgendwann ohne sich verstecken zu müssen, öffentlich, an seiner Seite sein konnte und sie endlich ohne die Furcht entdeckt zu werden zusammen sein konnten, drängte sich von selbst auf und sie konnte nichts dagegen tun. Nun stand sie ihm gegenüber, schaute in seine Augen und verlor sich darin. Ihre Miene wurde eine Spur ernster, als sie ihn anschaute und dann das kurz eingekehrte Schweigen durchbrach. "Ich liebe dich." 
Nie hatte sie es gesagt, doch jetzt fühlte es sich so richtig an.... 

William

Auf Williams Lippen zeichnete sich ein schiefes Lächeln ab als er langsam nickte. "Das kannst du wohl laut sagen. Ich hatte den ganzen Vormittag über Probleme mich zu konzentrieren." gestand er dann. 
Dann gefror das Lächeln auf seinen Lippen und für eine Sekunde stockte sein Atem. 
Langsam hob William die Augenbrauen und war nicht in der Lage irgendetwas zu erwidern, da ihm Joannas Geständnis schier die Sprache geraubt hatte. Und so verstrich ein nahezu endloser Moment der Stille bis sich endlich ein Lächeln auf auf seinen Lippen abzeichnete. 
William legte seine Hände an ihr Gesicht und seine Stirn gegen ihre. 
"Ich dich auch." murmelte er schließlich. 
Dann suchten seine Lippen langsam die von Joanna und er hatte den Eindruck, die Welt würde sich für diesen Moment nur um sie beide drehen. Alles andere war unwichtig und drängte sich in den Hintergrund. Nur das Hier und Jetzt zählten noch.

Joanna

Einen Augenblick lang beschlichen sie Zweifel, als eine ihr unendlich erscheinende Zeit lang tiefes Schweigen herrschte. War sie zu weit gegangen, würde er sich abwenden von ihr? 
Dann breitete sich ein Lächeln auf seinen Zügen aus und eine Welle der Erleichterung rollte über sie hinweg. Wie hatte sie denn nur zweifeln können? Sie kannte ihn doch und sie spürte jeden Tag, dass er es ernst meinte. 
Trotzdem war es das schönste Gefühl der Welt, befand sie, als sie seine Erwiderung hörte. Es war wieder einer dieser Momente, die man fast als magisch bezeichnen mochte, ebenso wie der am Bach im Wald, wo alles begonnnen hatte. Nur wusste Joanna diesmal ganz genau, was sie wollte, und die Folgen waren ihr vollkommen gleichgültig. Alles war gleichgültig bis auf die Tatsache, dass er hier war, dass er sie liebte, dass er sie küsste. 
Ihre Augen strahlten, als sie die Arme um ihn legte und sie war glücklich, fühlte sich zum ersten Mal wirklich vollkommen. Sie hoffte, dass dieses Gefühl nie enden würde. Niemals, solange sie lebte. Die Ungewissheit, die durchaus noch gegenüber einer gemeinsamen Zukunft bestanden, waren in diesem Moment ganz weit fort.

William

Williams Mundwinkel zuckten spöttisch. "Hat es dir die Sprache verschlagen?" raunte er Joanna ins Ohr und legte einen Arm um ihre Taille. 
Er war mehr als froh, dass sie sich in ihrem Gemach befanden, denn so war dieser Moment nicht davon gefährdet, dass jeden Augenblick jemand um die Ecke kommen würde. 
Sie konnten jetzt einfach den Moment genießen. 
William hauchte Joanna einen Kuss auf die weiche Haut an ihrem Hals und lachte dann als er ihr wieder ins Gesicht sah. 
"Normalerweise würde ich dich jetzt hochheben und zum Bett hinüber tragen, aber ich fürchte, damit kann ich noch nicht wieder dienen, meine Liebe." 
Das war auch etwas, das er nur Joanna gegenüber zugeben konnte. Wenn er mit ihr zusammen war, hatte er sich abgewöhnt seinen angeschlagenen Gesundheitszustand verleugnen zu wollen.

Joanna

"Nein, ich war nur gerade damit beschäftigt festzustellen, wie viel Glück ich eigentlich habe."
Sie lächelte, stand ihm gegenüber und hatte die Hände noch auf seinen Schultern liegen. Sie wusste es durchaus zu schätzen, dass er ihr nichts mehr vorzumachen versuchte, wenn es um den Zustand seiner Verletzung ging. 
"Das kannst du ja nachholen, wenn du wieder in der Lage dazu bist. Ich würde ja dich tragen, aber dazu reichen meine Kräfte leider nicht aus. Aber bis du den Part wieder übernehmen kannst, habe ich durchaus noch Beine zum Laufen vorzuweisen." 
Sie lachte leise und zog ihn mit sich. "Du solltest dich aber beeilen mit dem Gesundwerden." 
So unbeschwert hatte sie sich lange nicht gefühlt, alles erschien ihr noch so unwirklich. Passierte das gerade wirklich? 
"Sag mir bitte, dass das kein Traum ist. Falls doch, sorg dafür, dass ich nicht mehr aufwache." Joanna schüttelte lächelnd den Kopf über sich selbst.

William

William grinste breit, ersparte sich aber einen Kommentar. Stattdessen zog er es vor sie erneut zu küssen. Erst als er sich wieder von ihr löste, setzte er zu einer Antwort an. 
"Sag mir, fühlte sich das wie ein Traum an?" fragte er dann und ließ sich langsam auf Joannas Bett sinken. Mit funkelnden Augen sah er abwartend zu Joanna auf und konnte nicht anders als weiterhin breit zu grinsen. 
Es fühlte sich einfach so richtig an wie es gerade war. Und da fiel es William leicht die Schwierigkeiten auszublenden, denen er sich noch würde stellen müssen, wenn er seinen Plan durchsetzen wollte. 
Schweigend streckte er die Hand nach Joanna aus und forderte sie damit auf, sich zu ihm auf das Bett zu setzen. 
Dann musste er an Geoffreys Worte vor einiger Zeit denken und lächelte. 
"Weißt du, Geoffrey sagte als du das erste Mal bei mir warst, dass du offenbar eine gute Medizin für mich bist ... vielleicht kannst du ja noch ein wenig nachhelfen, dass ich schneller wieder gesund werde."

Joanna

Joanna nahm seine Hand und setzte sich zu ihm, lehnte den Kopf vorsichtig an seine Schulter. "Nein, du hast recht. Viel zu real für einen Traum. In einem Traum wäre ich nicht darauf gekommen, dass Geoffrey solche Bemerkungen machen würde. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Aber wenn du denkst, dass er Recht hat..." 
Sie grinste und beugte sich zu ihm hinüber, suchte seine Lippen und küsste ihn zärtlich. "Hm...besser?" 
Ihre Fingerkuppen streichelten wie abwesend seinen Nacken. 
"Ich weiß gar nicht, wie ich meine viele Zeit ohne dich verbringen würde. Und ich freue mich schon auf den Tag, an dem wir wieder zusammen ausreiten können. Vielleicht in Frankreich."
Sie lächelte und küsste ihn noch einmal. Sie wusste, dass es noch Schwierigkeiten geben würde, irgendwann. Und trotzdem kamen William und sie sich von Tag zu Tag näher. 
Doch es war einfach sich keine Sorgen zu machen, wenn sie zusammen waren. Joanna war sicher: mit ihm konnte sie alles schaffen. "Was hätten wir alles verpasst, wenn ich dich nicht auf dem Gang umgerannt hätte, nicht allein in den Wald geritten wäre..."

William

William lachte kurz auf. "Du kennst den guten Geoffrey einfach noch nicht gut genug." Es hatte schon einen triftigen Grund, weshalb William so große Stücke auf Geoffrey hielt, und das waren nicht nur seine organisatorischen Fähigkeiten. 
Dann lenkte Joanna seine Aufmerksamkeit jedoch in einem Sekundenbruchteil auf sie zurück. William erschauderte als ihre Finger sanft über seinen Nacken strichen und er ließ ein leises, zufriedenes Brummen erklingen. 
"Etwas" murmelte er dann. "Aber ich bin sicher, dass da noch mehr Spielraum besteht." 
Er küsste sie erneut und als er sich wieder von ihr löste, ließ er sich zurück auf das Bett sinken. 
"Außerdem" er lächelte spitzbübisch. "bin ich ein ziemlich kranker Mann. Ich brauche noch eine Menge Medizin um wieder gesund zu werden."

Joanna

"Dann werde ich hoffentlich noch Zeit genug haben seine verborgenen Talente kennenzulernen." Sie saß da und schaute auf ihn herunter, als er neben ihr lag, betrachtete ihn und spürte, wie ein ebenso schelmisches Lächeln sich auf ihre Lippen stahl. 
"Du bist wirklich bemitleidenswert. Nicht, dass du noch tot umfällst, weil du so krank bist. Ich denke, ich sollte lieber vorsichtig sein, damit ich dich nicht überanstrenge." 
Sie beugte sich zu ihm herunter, ihre Gesichter nur noch Zentimeter voneinander entfernt. Ihre kupferfarbenes Haar bildete einen weichen Vorhang. 
"Allerdings...", wisperte sie dann. "...kann ich dir ja nicht die Möglichkeit einer schnellen genesung vorenthalten. Schließlich profitiere ich davon ebenfalls. Du kannst mich ja erst, wenn du wieder gesund bist, auf Händen tragen. Das würde ich zu gerne erleben. Also will ich einmal nicht sparsam mit meiner Gunst sein." 
Und mit einem Lächeln überbrückte sie auch noch die letzte Distanz, um ihn zun küssen und dann die Lippen ebenfalls an seinem Hals hinabwandern zu lassen. Ihre Fingerkuppen streiften seine Kehle. "Welch Glück für dich, dass ich dich so liebe, sonst wärest du nun so hilflos, dass jeder deiner Feinde mich beneiden würde."

William

William schluckte und schloss für einen Moment die Augen. Er gestattete sich einfach die Berührungen von Joannas Lippen und Fingern auf seiner Haut zu genießen. 
Dann öffnete er wieder die Augen und sah Joanna mit einem gewinnenden Lächeln an. "Welch Glück für mich." bestätigte William bevor er sie an sich heran zog und ihre Lippen für einen leidenschaftlichen Kuss suchte. 
"Aber ich schätze meine Feinde würden eher mich beneiden, wenn sie hier von wüssten." murmelte er gegen ihre Lippen. "Denn keiner von ihnen wurde so liebevoll von einer so wunderschönen Frau umsorgt und darf diese nun auch noch küssen." ein kurzes, raues Lachen bahnte sich den Weg über seine Lippen. 
Er strich mit einer Hand durch die kupferfarbenen Haare, die auf ihn hinabfielen, und vergrub sie schließlich darin. 
Wahrlich, davon hatte selbst er nicht geträumt und doch war es so gekommen. Er war bis über beide Ohren in sie verliebt und sie erwiderte eben diese Liebe. Was hätte er sich mehr wünschen können? 
"Und noch dazu verehre ich diese Frau unglaublich."

Joanna

"Hmm, ich fühle mich äußerst geschmeichelt. Was bezweckst du denn mit deinen vielen Komplimenten?" 
Sie hob eine Augenbraue, nachdem sie sich wieder voneinander gelöst hatten. Ihr Atem hatte sich ein wenig beschleunigt. 
"Was bin ich froh, dass wir noch ein wenig Zeit für uns haben, bevor du wieder weg musst. Und William...überzeug Henry davon, dass du mitkommen musst nach Frankreich. Wie soll ich so lange Zeit ohne dich aushalten, wenn mir schon Stunden ohne dich sinnlos erscheinen? Das wäre wirklich schrecklich. Mach ihm einfach klar, dass es dir hier viel schlechter gehen würde." 
Sie begann wieder zu grinsen. "Schließlich bist du ja deines wirksamsten Heilmittels beraubt, wenn du hier verweilst, und das kann man dir ja nicht antun. Ich bin sicher, das kann selbst Henry sich nicht aufs Gewissen laden, oder? Dazu hat er dich viel zu gerne."

William

"Ah, Mylady, ich möchte lediglich Eure Gunst für mich gewinnen." entgegnete William betont höflich, konnte dabei jedoch nicht lange ernst bleiben und musste schließlich lachen. 
"Mach dir keine Sorgen. Wenn ich morgen nicht gerade bewusstlos vom Pferd stürze, wird Henry mich mitnehmen. Ihm bleibt auch gar nichts anderes übrig." 
Williams Finger strichen zärtlich über Joannas Rücken und zeichneten kleine Kreise auf den Stoff ihres Kleides. Er verlagerte ein klein wenig das Gewicht, um nicht zu viel Druck auf seinen Oberkörper entstehen zu lassen, was unweigerlich nur wieder Schmerzen mit sich gebracht hätte. 
Irgendwie schien seine Verletzung auch etwas Gutes gehabt zu haben. Ansonsten wären er und Joanna sich wohl nicht so schnell so viel näher gekommen. Ob es mit allen Schicksalsschlägen so war? Ob alles seine schlechten, aber auch seine guten Seiten hatte? 
William suchte erneut Joannas Lippen. "Und was machen wir nun noch mit der uns verbliebenen Zeit hier im Bett?" Innerlich machte William drei Kreuze, dass sich seine Stimme nicht annähernd so dreckig angehört hatte, wie es gerade in seinen Gedanken noch geklungen hatte.

Joanna

Joanna war zufrieden. Dann standen die Chancen ja wesentlich besser, als sie befürchtet hatte. Einen ganzen Winter ohne ihn, sie wäre vor Sehnsucht umgekommen. Sie lächelte und beobachtete genau, was er tat. Seine letzte Bemerkung allerdings war doch etwas sehr zweideutig. Joannas Gesicht wurde todernst. 
"Worauf willst du hinaus? Schlafen natürlich, was dachtest du denn? Du bist noch nicht gesund, du brauchst viel Ruhe." 
Sie hielt etwa zehn Sekunden ihre ernste Miene durch, dann begann sie zu lachen. Es dauerte eine Weile, bis sie sich wieder beruhigt hatte und wieder klare Sätze zustande brachte. Als sie ihre Stimme wieder unter Kontrolle hatte, legte sie den Kopf schief und sagte dann: "Ich harre deiner Vorschläge, Liebster, ich bin ganz Ohr." 
Sie streckte sich seitlich neben ihm aus. 
"Ich habe übrigens recht behalten. Du hast mich nicht in dein Bett gezerrt. Ich würde sagen, das Gegenteil ist eingetreten, du befindest dich in oder zumindest auf meinem Bett.", fügte sie dann leise hinzu.

William

William blinzelte sie irritiert an. Für einen Moment beschlich ihn tatsächlich das Gefühl zu weit gegangen zu sein. Als Joanna dann jedoch in Gelächter ausbrach, atmete er erleichtert aus. 
Ein Grinsen stahl sich schließlich wieder auf seine Lippen und er wartete geduldig bis Joanna ihren Lachanfall beendet hatte. "Oh ich wüsste da schon etwas." murmelte er, war sich jedoch nicht sicher, ob er laut genug gesprochen hatte, dass Joanna ihn verstanden hatte. 
Bei ihren letzten Worten blitzten seine Augen amüsiert auf und er beugte sich langsam über sie hinüber, stets darauf bedacht nicht zu viel Last auf seinen rechten Arm zu verlagern, da seine Schulter ihm in solchen Fällen noch immer arge Probleme bereitete. 
William sah Joanna einen Augenblick schweigend in die Augen, dann küsste er sie kurz und zärtlich. 
"Ganz offensichtlich befinde ich mich hifllos in deiner Hand." er grinste. "Du bist scheinbar überzeugender als ich. Oder ich bin einfach schwächer als du und bin dir schneller erlegen."

Joanna

Joanna hatte genau die Reaktion von ihm bekommen, die sie hatte erreichen wollen. Seine Irritation und die Zweifel an seinen Worten standen ihm ins Gesicht geschrieben, ebenso wie die Erleichterung, als er begriff, dass sie das nicht ernst gemeint hatte. 
"Beides, schätze ich. Ich kann sehr überzeugend sein, wenn ich das möchte, das hat du ja schon festgestellt. Und mir erlegen bist du ohnehin. Was deinen Vorschlag zur Gestaltung der freien Zeit angeht...ich habe zu meinem allergrößten Bedauern nicht genau verstanden, worauf du anspielst.", sagte sie dann mit einem listigen Lächeln. "Du müsstest ein wenig deutlicher werden" 
Sie hoffte irgendwie, dass er das nicht wirklich ernst meinte. So sehr sie ihn auch liebte, eigentlich wollte sie sich ungern auf das Niveau einer Mätresse herablassen. Aber ob sie ihm würde widerstehen können, wenn er es darauf anlegte, das wusste sie nicht und zurückstoßen wollte sie ihn auch nicht unbedingt. Sie beide würden mit solchen Dingen warten müssen bis zur Hochzeit, falls es denn jemals so kommen würde. Sie hoffte nur, dass er genauso vernünftig dachte wie sie.

William

Lächelnd strich William ihr durch die Haare. Auch wenn man keine wirkliche Reaktion sehen konnte, bemerkte William die leichte Anspannung die durch ihren Körper huschte. 
"Ich bin dafür, dass du mich noch ein wenig verwöhnst, damit ich mich weiter erhole." erklärte William dann grinsend und suchte mit seinen Lippen ihre zarte Haut und wanderte langsam von ihrem Hals bis hin zu ihren Lippen. Dann ließ er den Kopf wieder zurück auf das Bett sinken und sah zu Joanna auf. 
Er hatte durchaus bemerkt, dass Joanna ganz bewusst nicht auf seinen Kommentar eingegangen war. Und deshalb lenkte er auch ein. 
Auch wenn er nur zu gerne mit ihr das Bett geteilt hätte, so sehr respektierte er ihren unausgesprochenen Wunsch. 
William war sich mehr als sicher, dass der richtige Zeitpunkt dafür schon noch kommen würde. Und er würde warten. 
"Du willst ja schließlich, dass ich schnell gesund werde, nicht wahr?" er zwinkerte ihr verschwörerisch zu und lachte dann leise.
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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Di Jul 21, 2015 1:13 pm

Joanna

Joanna war erleichtert und überaus froh, dass er sie offensichtlich verstanden hatte und ihr das nicht übel nahm. Sie lächelte ihn an. "Ja, du hast Recht. Das will ich. Ich glaube, ich habe eine Idee, die bestimmt in deinem Sinne ist." 
Sie betrachtete ihn einen Moment lang prüfend und zog nun auch ihre Beine aufs Bett, soe das sie neben ihm hockte. 
"Allerdings müsstest du dein Hemd ausziehen, dich hinsetzen oder umdrehen und mir ein bisschen Vertrauen schenken, dass ich dir nicht wehtun werde." 
Joanna legte den Kopf schief und sah ihn abwartend an. "Eine Massage würde dir bestimmt gefallen. Vor allem von mir." Sie begann zu grinsen. "Ich passe auch auf, dass ich deine Verletzung nicht in Mitleidenschaft ziehe. Was denkst du?" 
Es war immerhin ein kleiner Schritt zu mehr körperlicher Nähe und das war etwas, was sie sich auch wünschte. Jetzt, wo sie endlich einmal Zeit für sich hatten, ungestört sein konnten.

William

Erst zog William ein wenig überrascht die Augenbrauen in die Höhe. Als Joanna jedoch weitersprach verschwand der fragende Gesichtsausdruck und ein Grinsen trat an seine Stelle. 
"Das klingt in meinen Ohren nach einem sehr guten Vorschlag." 
William richtete sich auf, um sich dann vorsichtig das Hemd über den Kopf zu ziehen. 
"Hauptsache, du wirst nicht wieder rot." neckte er sie, bewusst auf das letzte Mal anspielend bei dem er sich seines Hemdes entledigt hatte. 
Im Gegensatz zu dem zurückliegenden Tag war heute nicht mehr sein kompletter Oberkörper bandagiert, sondern lediglich noch seine rechte Schulter knapp bis zur Brust. 
In seinen Augen blitzte der Schalk auf, bevor er sich einen kurzen Kuss abholte und sich dann auf dem Bett ausstreckte. Dabei legte er die Arme unter den Kopf, damit sein Gewicht nicht auf seiner verletzten Brust lag. 
"Nun bin ich aber wirklich gespannt." murmelte er mit einem kleinen Hauch freundlichem Spotts in der Stimme.

Joanna

"Es hätte mich auch gewundert, wenn der Vorschlag dir nicht gefiele." Sie widerstand dem kindischen Drang ihm die Zunge herauszustrecken und meinte nur trocken: "Du solltest besser nicht über mich spotten, William, es könnte dich später reuen, wenn ich dir deine Medizin vorenthalte." Immerhin war sie normalerweise keinem so gut aussehenden Mann so nah, sie war eben Anderes gewohnt, da durfte sie doch wohl einmal ein bisschen verlegen werden! 
Ohne das Ganze weiter zu kommentieren, widmete sich die junge Frau nun Williams Rücken. 
Sie beschränkte sich mehr auf die linke Schulter, damit sie den Verband nicht verschob und ihm möglicherweise Schmerzen bereitete. Die Wunde war eben noch da, wenn auch schon ein wenig vernarbt. 
Sie stellte fest, dass durch die schonende Haltung, die die letzten Wochen automatisch mit sich gebracht hatten, sich seine Muskeln doch ein wenig verhärtet, verkrampft hatten. Also ging Joanna behutsam vor und ließ ihre Hände auf Wanderschaft gehen. Es war auch für sie etwas Neues, solche Momente inniger Zuneigung zu teilen. Das hatte es mit Roger de Beaumont natürlich nicht gegeben.

William

"Das würde ich doch nie wagen, Mylady. Ich glaube tief und fest an Eure Fähigkeiten." murmelte William, dann schloss er die Augen. 
Seine gesamte Rückenmuskulatur war reichlich verspannt, so dass es nicht lange dauerte bis Joanna einen verspannten Punkt fand, der William aufstöhnen ließ. "Willst du mich umbringen?" keuchte er, musste dabei jedoch gleichzeitig bereits das Lachen unterdrücken. 
Er wollte auch lieber gar nicht darüber nachdenken, wie lange es her war, dass seine überspannten Muskeln das letzte Mal eine Massage bekommen hatten. 
Gleichzeitig war diese Massage jedoch noch etwas zusätzlich besonderes, denn schließlich war es nicht irgendjemand, der seine verkrampfte Muskulatur lockerte. Und Joannas Finger auf seiner Haut jagten ihm kurz einen leichten Schauer über den Rücken. 
Erst jetzt unter ihren Berührungen merkte William erst wie sehr er seine link Körperhälfte durch die schwere Verletzung überbelastet hatte. Es überraschte ihn fast, dass diese Überbelastung nicht auch gleich zu Problemen geführt hatte.

Joanna

Joanna schüttelte grinsend den Kopf. "Jetzt sei nicht so empfindlich, großer Krieger. Später wirst du dich sicher viel besser fühlen." 
Nach und nach entwickelte sie ein besseres Gespür dafür, die Punkte zu finden, an denen die Verspannungen sich bündelten und für besonders unangenehme Verhärtungen sorgten. 
"Mich wundert viel mehr, dass du nicht ständig Rückenschmerzen hast , so wie du dich anfühlst. Was würdest du nur ohne mich tun...dann wäre ja niemand da um dich armen Mann zu verwöhnen." 
Eine gute halbe Stunde später beendete sie die Massage und strich mit den Fingerkuppen über sein Genick. 
"Nun, fühlen wir uns auch schön entspannt? Ich hoffe, Ihr wart mit mir zufrieden, Mylord." 
Sie ließ sich langsam ebenfalls zurücksinken und lag halb ausgestreckt neben ihm, die Situation in vollen Zügen genießend. Am Liebsten hätte sie den Moment für immer festgehalten, aber es würde wohl so nicht bleiben. Irgendwann würden wieder Probleme auf sie zukommen, aber die waren gerade so weit weg wie es nur ging.

William

Als Antwort brummte William nur zufrieden und hielt die Augen noch eine Weile geschlossen bis er merkte, dass Joanna sich neben ihn gelegt hatte. 
Er öffnete langsam die Augen und drehte sich langsam zu Joanna um. 
Während die Massage selbst teilweise recht unangenehm gewesen war, setzte nun die Phase der Entspannung ein. Am liebsten hätte William jetzt seine Arme um Joanna gelegt und wäre eingeschlafen. 
Ersteres setzte er dann auch in die Tat um. 
"Zufriedener könnte ich nicht sein." verkündete er dann und strich mit seinen Fingern zärtlich über ihre Wange. 
Dann ging er seiner Lieblingsbeschäftigung nach und suchte Joannas Lippen für einen sanften Kuss. 
"Ich gehe jede Wette ein, dass so gut wie jeder Mann in der gesamten Burg gerade beineiden würde." murmelte er dann gegen ihre Lippen und ließ den Kopf dann wieder zurück in die Kissen sinken. 
William sah Joanna schweigend an und musste schließlich lächeln. Wann immer sie in seiner Nähe war, fühlte es sich schlichtweg richtig an.

Joanna

Joanna schmiegte sich an ihn und beobachtete ihn aus halb geschlossenen Augen. "Hm...ich glaube nicht. Den Meisten wäre ich viel zu schwierig, zu schlagfertig, zu temperamentvoll. Ich wette mit dir, du wirst dir irgendwann noch Bemerkungen und Fragen anhören dürfen, wie du es geschafft hast die anstrengende Lady Warwick zu zähmen. Und ich rate dir, überleg dir eine gute Antwort." 
Sie schloss die Augen gänzlich und genoss einfach die Wärme, die er abgab und die wohltuende Nähe. Sie hätte stundenlang hier liegen bleiben können. 
"Ich hoffe, du musst noch nicht allzu bald wieder gehen, William. Ich glaube, es fiele mir recht schwer dich jetzt einfach gehen zu lassen. Aber du hattest Recht: viel angenehmer hier als im Stall." 
Ihre Gedanken huschten kurz zu dem, was noch auf sie zukommen würde. Wenn William Recht behielt, würde der Earl of Cornwall seinen Sohn noch aufsuchen, bevor sie sich aufmachten nach Frankreich. Ob es nicht vielleicht ratsamer war, diesem aus dem Weg zu gehen und sich nicht in einer solchen Situation überraschen zu lassen? Er würde von der Wahl seines Sohnes sicher nicht begeistert sein.

William

William lachte und zog Joanna noch etwas enger an sich, um sie zu küssen. "Oh, ich werde antworten, dass es mich viel Mühe und Anstrengungen gekostet hat, es sich letztlich aber mehr als gelohnt hat." 
Grinsend küsste er sie erneut und ließ seine Hand ihren Rücken hinunter und wieder hinauf wandern. 
"Ich kann dich beruhigen, ich habe noch bis heute Nachmittag Ruhe. Henry erwartet mich erst später und dank Geoffreys Organisation habe ich meine wichtigsten Aufgaben bereits erledigt." beruhigte William ihre Befürchtungen. 
Am liebsten hätte er die Zeit angehalten und Joannas Anwesenheit einfach nur genossen. Stattdessen musste er sich bereits an den Gedanken gewöhen, dass er zwar noch etwas Zeit hatte, aber diese letztlich doch recht begrenzt war. 
"Darf ich Euch nachher noch auf einen kleinen Spaziergang einladen?" fragte er dann und dachte daran, dass es ein mehr als angenehmer Zeitvertreib wäre, um nachher noch etwas Ablenkung zu bekommen.

Joanna

Einige Tage später hatten die Beiden sich erneut zu einem Spaziergang verabredet und befanden sich gerade auf dem Weg zu den Ställen, um noch einmal nach den Pferden zu sehen. 
Williams erster Reitversuch hatte den Umständen entsprechend recht gut funktioniert, nur das Aufsteigen war mit der verletzten Schulter noch etwas schwierig. Joanna allerdings war zuversichtlich, dass Henry der jetzige Stand genügt um William mit nach Frankreich zu nehmen. Das erfüllte sie mit Zufriedenheit, denn ein Winter ohne ihn in Frankreich wäre wohl sterbenslangweilig geworden. 
Sie hatte gerade den Burghof überquert, als ein Reiter eintraf. Irgendwie kam ihr das Wappen auf seinem Mantel bekannt vor, aber es dauerte einen Moment, bis sie begriff. 
"Sag, William....ist das nicht einer der Männer deines Vaters, sein Wappen? Sieht ganz so aus, als bekämst du Nachrichten von ihm." 
Das bedeuete wohl, dass er bald vorschauen würde und dann hieß es wohl wieder einmal vorsichtig sein, wenn William ihm die Sache mit ihr nicht gleich auf die Nase binden wollte. Er hatte gesagt, er wolle erst erst nach Frankreich handeln. Also hieß es wohl abwarten und hoffen, dass sein Vater keine Fragen stellte oder sie zusammen sah.

William

Ein Schatten huschte über Williams Gesicht als er sich zu dem Reiter umdrehte und erkannte, dass Joanna recht hatte. Das Eintreffen des Boten konnte nur bedeuten, dass sein Vater bald hier eintreffen würde. 
Der Reiter zügelte sein Pferd, das ihm sogleich von einem Stallburschen abgenommen wurde, um kam direkt auf William zu. 
William runzelte die Stirn, bemühte sich aber um eine neutrale Begrüßung als der Mann vor ihm stehen blieb und sich verbeugte. 
"Mylord, ich habe eine Nachricht für Euch von Lord Cornwall." 
Er hielt ihm eine Pergamentrolle entgegen, die uverkennbar das Siegel seines Vaters trug. 
"Ich danke dir, John." damit entließ er den Boten, der sich mit einer weiteren Verbeugung zurückzog. 
William atmete tief durch und brach dann das Siegel, um die Nachricht zu lesen. Eilig flogen seine Augen über die saubere, schräge Schrift seines Vaters und als er endete, war William reichlich blass. 
"So wie es aussieht, kommt mein Vater am Ende der Woche hier her. Er will dem König seine Aufwartung machen bevor er in die Normandie aufbricht. Und mich besuchen ..." seine Stimme klang rau und eine Unruhe machte sich unweigerlich in William breit.

Joanna

Joanna sagte nichts und wartete, bis er gelesen hatte. Doch seine Miene verriet nichts Gutes und erfüllte sie mit Unruhe. 
"Dich besuchen....", wiederholte sie langsam. Sie war nicht sicher, ob der Earl of Cornwall wirklich nur nach der Genesung seines Sohnes schauen wollte oder ob etwas Anderes dahinter steckte. 
Trotzdem legte Joanna ihre Hand beruhigend auf seinen Arm. "Er wird sicher nur sehen wollen, ob es dir wieder besser geht. Du brauchst dir bestimmt keine Sorgen zu machen." Sie schaute ihn unsicher an. "Willst du...ihm von uns erzählen oder lieber warten, bis wir wieder aus Frankreich zurück sind? Nur, dass ich weiß, wie ich mich zu verhalten habe, wenn er hier ist. Schließlich sollte ich mich wohl besser von dir fernhalten, wenn du es geheimhalten willst. Sonst...dürfte das Ganze woh offensichtlich sein." 
Sie wusste nicht recht, was sie persönlich bevorzugte. Einerseits wäre es wohl der erste Schritt, wenn sein Vater davon wusste, andererseits würde das sicherlich Schwierigkeiten geben. Große Schwierigkeiten. Trotzdem... 
"Es ist deine Entscheidung."

William

"Ich ..." begann William, brach dann jedoch ab, da er gar nicht wusste was er sagen sollte. Seine Gedanken liefen Sturm in seinem Kopf und doch wusste er weder was er Tun noch was er Lassen sollte. 
Die Ankündigung vom Eintreffen seines Vaters versetzte ihn in stets Unruhe. Er wusste weder was er dieses Mal zu erwarten hatte noch wie er dem Earl of Cornwall entgegenzutreten hatte. 
Ein kleiner Teil in ihm hielt hingegen wohl noch immer an den Familienbanden fest, denn ein Funken Freude schien ebenfalls in ihm aufzukeimen. 
Überwiegend herrschte jedoch die Sorge in ihm vor. Nach wie vor litt er noch unter den Auswirkungen seiner Verletzung. Und seinem Vater würde das nicht eine Sekunde lang entgehen. Was daraufhin folgen würde, konnte William sich dennoch bereits ausmalen. Sein Vater würde darauf bestehen, dass er zurück nach Cornwall kam, schließlich nutzte Reginald jede Gelegenheit seinen Sohn wieder zu sich in seine Mauern zuholen. 
William blinzelte und es schien einen Augenblick als würde er erst jetzt wieder Joannas Gegenwart gewahr. 
"Ich ..." begann er erneut, dann hustete er kurz, seine Kehle fühlte sich an als hätte er seit Tagen nichts getrunken. "Ich sollte gehen. Ich will noch ein paar Übungen mit dem Schwert hinter mich bringen. Und ich muss Vorbereitungen treffen ..." seine Stimme klang abwesend, so als wäre er mit seinen Gedanken bereits wieder an einem ganz anderen Ort.

Joanna

Sein Verhalten war höchst beunruhigend und sie fragte sich, was das Verhältnis zu seinem Vater wirklich ausmachte. Sie erzählten sich normalerweise so gut wie alles, aber das hier war etwas Anderes. Irgendetwas machte ihm Sorgen. Etwas, von dem sie nichts wusste. Sie schaute ihn fragend an, als er sich abwenden wollte. Auch so geistesabwesend kannte sie ihn nicht. Das war nicht der William, den sie vor Wochen kennengelernt hatte und auch nicht der William, der vor einigen Tagen mit ihr auf dem Bett gelegen, geredet hatte und ihr so nahe gewesen war. Es war ihr nicht entgangen, dass sie keine Antwort bekommen hatte. Hatte er ihre Frage nicht gehört oder absichtlich nicht geantwortet? 
Joanna erhöhte den Druck ihrer Hand ein wenig um ihn aufzuhalten. "William...tu, was du tun musst, ich halte dich nicht auf, aber bitte gib mir eine Antwort.", sagte sie eindringlich, hoffend, dass in der angespannten Lage dieses Verhalten nicht zu Auseinandersetzungen führen würde. "Was willst du tun? Außerdem...weißt du, dass du mit mir über alles reden kannst, was dich bedrückt. Ich wollte dir das nur noch einmal bewusst machen."

William

Williams Augen huschten hin und her und es dauerte einen Moment bis er Joanna fokusieren konnte. Er blinzelte und verengte dann die Augen ein wenig. "Ich werde jetzt gehen." erklärte er. "Ich werde gehen und mit meinem Schwert üben in der Hoffnung, dass ich es auch mit der Linken gut führen kann." er strich sich mit einer unruhigen Geste über das Kinn.
"Darüber hinaus weiß ich noch nicht was ich tun will. Was ich tun sollte." 
Die Worte, die er mit beinahe kühler Stimme gesprochen hatte, waren die Wahrheit. Er wusste nicht, was das Klügste war. Nein, das hieß, er wusste nicht, was er lieber tun sollte. Denn das Klügste war ganz offensichtlich. Er dürfte seinem Vater gegenüber nichts von Joanna erzählen. Vermutlich wäre selbst eine beiläufige Überlegung, sie zur Frau nehmen zu können, etwas, das das Maß überspannte. Und dennoch hätte er nichts lieber getan als seine Pläne offen zu legen. 
Williams Magen zog sich schmerzhaft zusammen als er realisierte vor welchem Problem er stand. Denn die Anwesenheit seines Vaters gepaart mit dem Entschluss Stillschweigen zu bewahren würden bedeuten, dass er und Joanna sich nicht einmal näher kommen durften.

Joanna

Joanna unterdrückte den Zorn, denn sie in sich aufsteigen spürte. Er behandelte sie, als ginge sie das alles nichts an. Dabei beeinflusste seine Entscheidung auch ihr Verhalten ihm gegenüber. Wenn er seinen Vater nicht einweihen wollte, bedeutete das neben der Aufschiebung eines Konfliktes vor allem für sie, dass sie sich von ihm fernhalten musste und das sie weiterhin so vorsichtig sein mussten, heimliche Treffen, als täten sie etwas Verbotenes. Es mochte so sein, aber es fühlte sich richtig an. Joanna seufzte und schüttelte den Kopf. 
Und nun wollte er sie hier einfach stehen lassen. Der nagende Zweifel, den sie in letzter Zeit so gut hatte verdrängen können, kam zurück. Ihre Zukunft war so ungewiss...und hing letztlich von dem Mut zu Auseinandersetzungen des Mannes ab, den sie liebte. Es hing davon ab, ob er die Kraft aufbrachte, sich auch dem Widerstand, den es zweifellos gegen eine Ehe mit ihr geben würde, entgegenzustellen. 
"Du hast noch ein paar Tage Zeit zu entscheiden. Ich hoffe allerdings, dass du mich rechtzeitig von deinem Entschluss in Kenntnis setzt, sonst kann ich mich leider nicht deinen Wünschen entsprechend verhalten.", gab sie schließlich ebenso kühl zurück. Natürlich, es war eine schwierige Situation, aber sie hätte sich gewünscht, dass er seine Sorgen mit ihr teilte. Dass sie vielleicht gemeinsam hätten entscheiden können. Sie würde jede Entscheidung akzeptieren, auch wenn es längere Geheimhaltung bedeutete. "Und nun überlasse ich dich deinem Schwert. Gutes Gelingen."

William

William hatte sich bereits zum Gehen gewandt, als er plötzlich inne hielt. Warum auch immer waren es Joannas letzte Worte, die ihn daran hinderten zu gehen. 
Sein Blick flackerte als er sie wieder ansah. Am liebsten hätte er sie in die Arme geschlossen, aber das war ein Ding der Unmöglichkeit. Nach wie vor. 
"Joanna" seine Stimme war diesmal gedämpft und hatte einen leicht flehenden Unterton. "Ich kann dir keine Antwort geben. Ich weiß nicht was das Beste ist. Was für uns das Beste ist. Mein Vater ist ..." er zögerte, unschlüssig wie er den Charakter seines Vaters in Worte fassen sollte. "es ist schwierig ihm etwas recht zu machen. Zumindest für mich" erklärte er dann langsam. 
Es war nur ein kleiner Teil von dem was ihm durch den Kopf ging, doch mehr konnte er Joanna nicht erzählen. Nicht jetzt. Nicht hier. Vielleicht später, heute Abend in Ruhe, wenn er sich ein wenig verausgabt hatte. Vielleicht würde er dann eine Lösung gefunden haben. Aber zunächst musste er nachdenken und das konnte William nur in Ruhe.

Joanna

Ihre Anspannung ließ schlagartig nach und ihr Blick wurde wieder weicher. "Ich weiß. Und ich verstehe durchaus, vor welchem Problem du nun stehst. Es wäre mir nur lieber, wenn du deine Sorgen mit mir teilen würdest. Schließlich hast du sie nur meinetwegen." 
Nun erhellte wieder ein leichtes, besänftigendes Lächeln ihre Züge. "Denk darüber nach. Wenn du möchtest, können wir später versuchen zusammen eine Lösung zu finden. Wenn nicht, werde ich die Entscheidung akzeptieren und mittragen, die du triffst. Es ist nicht einfach. Aber das wussten wir von Anfang an. Denk einfach darüber nach, ob du zum jetzigen Zeitpunkt bereit bist ihm die Stirn zu bieten." 
Ihre Stimme wurde leiser. "Wenn du mich wirklich heiraten willst, wirst du darum nicht herumkommen. Aber den Zeitpunk bestimmst du. Ich würde dir gerne helfen und dir deine Last abnehmen. Ob du das willst, ist eine andere Sache." 
Joanna lächelte ihn an, drückte einen Moment seine Hand und trat dann zurück. "Und jetzt übe dich mit dem Schwert, wie du es vorhattest. Wir sehen uns später, du weißt ja, wo du mich findest." Sie senkte die Stimme noch weiter. "Liebster..." Und dann wandte sie sich ab, um sich zurückzuziehen.

William

William seuftzte lächelnd. "Ich liebe dich." murmelte er noch ohne sicher zu sein, ob Joanna ihn überhaupt noch gehört hatte. 
Er war wirklich froh, dass sie ihm wegen seiner Reaktion keine Szene gemacht hatte. Schließlich wusste er selbst nicht was er tun sollte. Da konnte er es nicht wirklich gebrauchen sich auch noch um Joanna Sorgen zu machen. 
William sah ihr noch eine Weile nach, dann wandte er sich ab und machte sich auf den Weg, um sich dem Training zu widmen. 
Seitdem er vor einigen Tagen wieder auf dem Pferd gesessen hatte, hatte er auch eisern begonnen wieder gezielt mit dem Schwert zu üben. Dabei achtete er darauf es nie zu lange mit der rechten Hand zu führen, denn seine Kräfte im rechten Arm erlahmten noch immer schneller als üblich und er wollte es nicht heraus fordern. Dafür trainierte er zusehenst mehr mit der Linken. 
"Irgendwie muss es ja funktionieren." murmelte William zu sich selbst und erreichte dann den kleinen Übungsplatz auf dem derzeit nur ein junger Knappe verzweifelt versuchte seine Fertigkeiten zu verbessern.

Joanna

Einen Moment lang war sie nicht sicher, ob er es wirklich gesagt oder sie sich verhört hatte. Joanna lächelte in sich hinein und fragte sich selbst, warum sie gezweifelt hatte. 
Sie war eine kleine Runde durch die herbstlichen Gärten gegangen, ihre Gedanken waren gewandert und doch immer wieder bei der Problematik um William und seinen Vater hängen geblieben. Nein, eine Lösung, die alle glücklich machen würde, gab es nicht. Entweder würden sie zurückstecken müssen oder er würde den Zorn seines Vaters beschwören. 
Schließlich streckte sie sich auf ihrem Bett aus und dachte an die gemeinsamen Stunden zurück, die sie hier vebracht hatten. Als sie vor gut 2 Jahren von Warwick aus hergekommen war, hätte sie nie geglaubt, dass sie das erwarten würde. Sie hatte sich verliebt und wünschte sich einfach nur eine unbeschwerte Zukunft an seiner Seite. Sie hatte auch nicht geglaubt, dass sie wieder den Wunsch verspüren würde zu heiraten. 
Doch ein bestimmter Abend im Gang vor ihrer Tür hatte alles verändert. Sie erinnerte sich noch haargenau an die erste Begegnung. 
Warum mussten sich nur so viele Probleme auftun?

William

William war unglaublich müde als er sich erneut in dem Gang vor Joannas Gemach wiederfand. Während er auf ihre Tür zusteuerte, fragte er sich ernsthaft, ob er nicht vielleicht doch etwas übertrieben hatte. 
Er hatte eine Zeitlang für sich mit dem Schwert geübt bis der Earl of Norfolk zu ihm gestoßen war. Dieser hatte ihn dann zwar zu einer kurzen Pause überredet, allerdings sich im Gegenzug bereit erkärt mit William zu üben. 
Schließlich hatte er sich noch für eine kurze Runde in Uriels Sattel geschwungen - wobei William noch immer große Schwierigkeiten hatte schmerzfrei aufzusteigen. 
Nachdem er dann selbst zu der Einsicht gekommen war, dass es für einen Tag genug war, hatte er erst Henry einen Besuch abgestattet und hatte dann von einem der Bediensteten die Nachricht erhalten, dass die Königin ihn sehen wollte. 
Und somit hatte er sich direkt von Eleonore auf den Weg zu Joanna gemacht und klopfte nun an ihre Tür, bevor er sie vorsichtig öffnete. 
"Ich hoffe, ich bin nicht allzu unhöflich wenn ich einfach eintrete." begrüßte er sie mit einem müden Grinsen.
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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Mi Jul 22, 2015 12:05 pm

Joanna

Joanna setzte sich auf, als es klopfte und kurz darauf ihre Tür aufging. Sofort huschte ein Lächeln auf ihre Lippen. "Nein, komm rein." Sie betrachtete ihn ein wenig skeptisch. William sah unverkennbar müde aus, er hatte sich bestimmt wieder einmal zu viel zugemutet. Allerdings war sie äußerst froh, dass er gekommen war. 
"Du siehst schrecklich aus.", befand sie dann. "Was hast du gemacht? Wahrscheinlich wieder übertrieben..." 
Das war typisch. Gerade konnte er sich wieder einigermaßen bewegen und war wieder halbwegs in der Lage sich zu belasten, da übte er stundenlang und strapazierte sich gerne über. 
"Na komm schon her, ich kümmere mich um deine Muskeln, du hast es sicher wieder nötig, unvernünftig wie du manchmal bist." 
Aber sie war sicher, dass er wusste, wie sie es meinte. Das waren einfach nur kleine Neckereien, wirklich bevormunden wollte und konnte sie ihn nicht. Aber manchmal hatte Joanna das Gefühl, das es wirklich etwas nutzte, wenn sie etwas sagte. Jetzt aber sah sie ihn auffordernd an. Zum eigentlichen Problem sagte sie vorerst nichts, wenn er soweit war, würde er reden. Wenn nicht, konnte sie später immer noch fragen, ob er einer Lösung näher gekommen war.

William

William verzog das Gesicht. "Vielen Dank für das Kompliment." ein Grinsen huschte über seine Lippen und strafte seinen beleidigten Ton Lügen. 
"So sehe ich wohl nach einem langen Tag aus an dem ich nicht nur zu Henry, sondern auch zu seiner reizenden Gemahlin beordert wurde." 
Während William auf das Bett zusteuerte, zog er sich das Hemd über den Kopf und war dabei noch vorsichtiger als sonst, da er jetzt schon die Anstrengung des Tages in den Muskeln spürte. 
Als er das Bett erreichte, beugte William sich zu Joanna hinunter und gab ihr einen langanhaltenden, liebevollen Kuss. 
Dann legte er sich mit einem leisen Stöhnen auf das Bett. Erst jetzt wo er langsam zur Ruhe kam, schien die Müdigkeit und Erschöpfung richtig zuzuschlagen. Er blinzelte kurz und um sich abzulenken, wandte er sich an Joanna. 
"Und da wir schon dabei sind ... wie war dein Tag?" fragte er dann grinsend. Es war mehr als offensichtlich, dass er von der Tatsache ablenken wollte, dass er wieder einmal über das Ziel hinaus geschossen war. 
Aber wenn er seinem Vater unter die Augen treten wollte, musste er wieder einigermaßen fit sein. Auch wenn das mehr oder weniger ein Ding der Unmöglichkeit war.

Joanna

"Ja, ja, nachdem du dich mal wieder beim Kämpfen völlig überanstrengt hast.", murmelte sie mit missbilligendem Blick auf seine ziemlich vorsichtigen Bewegungen. Eines konnte man allerdings erkennen: die Verletzung hatte es wenigstens ansatzweise geschafft, William Geduld zu lehren. Dass dieser Zustand allerdings lange anhalten würde, bezweifelte sie. 
Trotzdem ließ sie sich nur allzu gerne mit einem Kuss besänftigen, um dann einmal mehr seine - wieder einmal- vollkommen verspannten Muskeln zu lockern. "Warum kannst du es nicht einmal langsam angehen lassen?" Sie seufzte leise. 
"Mein Tag war langweilig wie so oft. Ein kleiner Spaziergang im Garten, höfliches Geplauder mit den Damen der Königin, die mal wieder schlagartig mit Stummheit geschlagen wurden, als ich den Raum betrat - diese verfluchte Gerüchteküche! - , und dabei irgendeine Handarbeit, die man nachher wohl wegwerfen kann. Ich habe dafür einfach kein Talent. Und glaub ja nicht, ich hätte nicht bemerkt, dass du das Thema wechseln willst. So einfach kommst du mir nicht davon. Du bist so unvernünftig manchmal. Du machst es nur schlimmer, wenn du es nicht langsam angehst. Lass mich raten, reiten warst du auch noch?" 
Nicht gerade zimperlich strich sie die Verhärtung aus einer besonders verspannten Stelle unter seiner linken Schulter.

William

William stöhnte auf und biss sich dann auf die Unterlippe, damit kein weiterer Schmerzenslaut über seine Lippen kam als Joanna seine harten Rückenmuskeln zu lockern versuchte. 
Als der stechende Schmerz, der durch seinen gesamten Rücken zog, langsam erträglicher wurde, atmete er geräuschvoll aus und versuchte sich dann an einem Grinsen. 
"Was soll ich machen. Cuivre ist ja halbwegs gnädig und nimmt auch schonmal mit Geoffrey Vorlieb. Aber Uriel wird zum Teufel, wenn er zu lange unbeschäftigt bleibt." 
Hätte Joanna in dem Augenblick nicht wieder eine besonders hartnäckige Verspannung gefunden, hätte William wohl gelacht. So hielt er lediglich die Luft an und dachte an den schwarzen Hengst, den er in jungen Jahren von einem Ritter in der Normandie gekauft hatte, der von dem Rappen nur als "le diable" sprach. Und damals mit Recht. Der Hengst hatte kaum jemanden an sich heran gelassen. Auch William hatte sich mehrere blaue Flecke eingehandelt und einmal sogar eine gebrochene Rippe kassiert als Uriel wie ein Berseker auf ihn los gegangen war. 
Daraufhin hatte William den Rappen grinsend für ein halbes Jahr auf eine Weide gestellt und nicht mehr angeguckt. 
Seitdem war einige Zeit vergangen und aus dem Teufel war beinahe ein Engel geworden. Aber auch nur solange er sich nicht langweilte.

Joanna

"Du bist selbst schuld. Wenn du nicht immer so übertreiben würdest, würde es jetzt auch nicht so wehtun.", sagte Joanna nur mitleidslos, musste aber grinsen. Das war William of Cornwall, Cousin des Königs, Heerführer und überaus starker Krieger und irgendwie empfand sie eine Art Stolz, dass er in ihrer Gegenwart so anders war, sich fallen ließ und einfach William war. 
"Wenn Uriel zum Teufel wird, ist es sicher auch nicht das Richtige für dich ihn zu reiten. Wenn du stürzt, war alles umsonst und du kannst wieder von vorne anfangen." 
Während sich ihre Hände weiterhin über seinen Rücken bewegten, wurde ihr Grinsen noch eine Spur breiter. "Was meinst du, ob Uriel mich mag? Ich wollte schon immer mal ein Schlachtross reiten." 
Sie glaubte zwar nicht, dass er von dieser Vorstellung begeistert sein würde, aber wenn Uriel Beschäftigung brauchte und William seinen Hengst derzeit nicht auslasten konnte...Höchstwahrscheinlich würde er ohnehin alles versuchen um sie davon abzubringen. 
"Was suchst du dir auch so komplizierte Pferde aus?", meinte sie schließlich lachend.

William

Für einen Moment wurde William blass. "Das ist keine sonderlich gute Idee." widersprach er mit beunruhigter Stimme. Allein der Gedanke bereitete ihm Magenschmerzen. 
"Wenn du unbedingt mal auf einem Schlachtross sitzen willst, kannst du dich gerne einmal an Cuivre versuchen. Aber neben mir ist Sybilla die einzige, die auf dieses Pferd rauf kommt. Ich weiß zwar nicht warum, aber wenn die kleine auf ihm sitzt macht er seinem Namen alle Ehre." 
William schloss für einen Augenblick die Augen und ein leises Seufzen kam über seine Lippen als er sich zusehend entspannte. Es hätte heute Abend kaum etwas geben können, was ihm besser tat als Joannas Hände auf seinem Rücken. 
"Aber mach dir keine Sorge, mich wirft er nicht ab." er grinste. "Nicht mehr." 
Nachdem er eben die Augen geschlossen hatte, fiel es ihm jetzt recht schwer sie wieder offen zu halten. Am liebsten wäre er hier und jetzt eingeschlafen. 
Allerdings hielt der immer wieder aufflammende Schmerz im Rücken letztlich doch davon ab einfach einzuschlafen.

Joanna

Joanna hatte es gewusst. "Vielleicht ist Uriel mir ja auch gnädig? Ich kenne ihn schließlich nur vom Sehen. Aber keine Panik, ich verspüre vorerst keinen allzu großen Drang mein Glück herauszufordern." 
Sie spürte nun, wie seine Anspannung nachließ und bedachte dies mit einem zufriedenen Lächeln. 
"Nicht mehr...wie hast du ihn gezähmt?", fragte sie dann interessiert. Allerdings entging ihr auch nicht, dass er müde war. Das war mittlerweile offensichtlich, zumal man ihm ansah, dass er Schwierigkeiten hatte die Augen offen zu halten. 
"Du könntest natürlich heute Nacht hierbleiben.", bot sie schließlich an. "Aber dann solltest du dir eine glaubhafte Ausrede überlegen, falls dich morgen früh jemand sieht, wie du mein Gemach verlässt. Andererseits sind die Gerüchte vermutlich ohnehin schon überall, dass wir eine heimliche Liebschaft führen und hemmungslos der Sünde fröhnen." 
Nach einer Weile beendete sie die Massage und beschloss, ihn heute Abend auch nicht mehr nach dem anstehenden Besuch seines Vaters zu fragen. Die Stimmung war zu gut, er zu erschöpft. Morgen war auch noch ein Tag...

William

"Nicht gezähmt" murmelte William verschlafen. "Ich habe mir lediglich seinen Respekt verdient." 
Ihr nächsten Worte ließen ihn aufmerken. Wenn er ehrlich war, kam ihm der Gedanke nicht noch einmal durch die Burg laufen zu müssen mehr als verlockend vor. Und der Problematik des nächsten Morgen würde er ohne Probleme entgehen, da er sowieso recht früh auf den Beinen sein würde. 
"Ein verlockendes Angebot." fasste er seine Gedanken dann in Worte. "Aber bist du dir sicher, dass du mich so lange ertragen kannst?" William lachte kurz auf, besonders da mehr als offensichtlich war, dass William kaum noch lange durchhalten würde. 
Als Joanna die Massage beendete, drehte William sich auf den Rücken und sah mit zufriedenem Lächeln zu ihr hinauf. 
"Daran könnte ich mich glatt gewöhnen, meine Liebe." erklärte er dann und schob seinen linken Arm unter den Kopf. Er streckte sich und gähnte herzhaft. 
Oh ja, sich nicht mehr von diesem Bett erheben zu müssen, war unglaublich reizvoll.

Joanna

Joanna lächelte und legte ihre Hand auf seine Brust. "Ich glaube nicht, dass ich deiner je überdrüssig würde. Also, ich werde dich äußerst gern ertragen, wie du es nennst. Das ist aber kein Grund dich jeden Tag so zu verausgaben, damit das klar ist." 
Sie beugte sich zu ihm herunter und verschloss seine Lippen mit einem Kuss. 
"Dann bleibst du heute Nacht hier. Mein Bett ist groß genug und ich gebe zu, die Vorstellung neben dir aufzuwachen, ist ebenfalls sehr reizvoll. Daran könnte ich mich gewöhnen." 
Joanna erhob sich und befreite ihr Haar aus dem Zopf, der es den ganzen Tag gebändigt hatte. Dann schloss sie die Tür ab, nur zur Sicherheit, denn unliebsame Besucher konnten sie wirklich nicht brauchen. 
Ein verträumtes Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie daran dachte, dass sie sich genau das vor ein paar Tagen gewünscht hatte: dass sie neben ihm einschlafen und aufwachen würde. Selbst, wenn es vorerst nur eine Nacht sein würde, Joanna freute sich. Und das Lächeln verschwand immer noch nicht, als sie zum Bett zurückkehrte.

William

William beobachtete Joanna, wie sie zur Tür ging und diese abschloss. Als ihre Haare nun ungebändigt über ihren Rücken fielen, schoss es William durch den Kopf, dass sie in seinen Augen die Haare ruhig öfter so offen lassen könnte. 
Er lächelte als Joanna sich wieder zu ihm umdrehte. "Ihr schmeichelt mir ungemein, Mylady." 
Während sein Blick Joanna durch den Raum folgte, wollten sich erneut die Gedanken über die Schwierigkeit ihrer Beziehung in den Vordergrund drängen, doch er schob sie vehement zurück. 
Allerdings fiel ihm dann eine Frage ein, die er vorhin schon stellen wollte. 
"Hat Eleonore eigentlich einmal mit dir gesprochen?" fragte er dann mit neugierigem Blick. 
Bereits als er vorhin bei der Königin gewesen war, hatte er sich gefragt, ob Eleonore wohl ihre Dame bei Seite genommen hatte. Schließlich wusste auch sie nur zu gut, dass William und Joanna mehr Zeit miteinander verbrachten als üblich. Nicht zuletzt weil sie Joanna bei einem Besuch an seinem Krankenbett gesehen hatte.

Joanna

Joanna setzte sich wieder auf das Bett und strich mit den Fingern durch ihr langes Haar. Dann schüttelte sie leicht den Kopf. 
"Nicht direkt. Ich dachte, sie würde mich tadeln, nachdem sie mich bei dir angetroffen hat, aber bis auf einen undefinierbaren Blick kam nichts. Vor ein paar Tagen hat sie zu mir gesagt, ich solle ein bisschen aufpassen, damit mein Ruf nicht leidet, aber wirklich auf dich angesprochen hat sie mich nicht. Ich gehe allerdings davon aus, dass sie im Bilde ist, da du Henry eingeweiht hast. Er wird es seiner Frau sicherlich gesagt haben. Ihr sind auch die Gerüchte zu Ohren gekommen, wie viel sie allerdings glaubt, weiß ich nicht. Außerdem habe ich Eleonore eingeweiht, als Beaumont hier war, dass ich mich vor ihm fürchte. Es ist schwer zu sagen, was sie von all dem hält. Ich weiß es nicht. Hat sie zu dir etwas gesagt, als du heute bei ihr warst?" 
In diesem Punkt war die Königin wahrlich schwer einzuschätzen. Henry duldete das Ganze scheinbar zähneknirschend, weil er seinen Cousin so gern hatte. Seine Königin schien es ebenso zu halten, denn es war noch kein Tadel über ihre Lippen gekommen. Vielleicht hatte sie auch einfach nur mehr Verständnis, als Joanna geglaubt hatte. "Das ist alles so kompliziert...", seufzte sie leise.

William

"Hm" Williams Blick wanderte von Joanna zur Decke, während er nachdachte. 
Er war sich nicht ganz sicher, was er erwartet hatte. Mit ihm hatte sich Eleonore vorhin recht ausführlich unterhalten und unter anderem hatte sie auch das Thema Joanna angsprochen. 
Anders als Henry, schien sie noch weniger begeistert von der Situation. Während ihr Gemahl William gegenüber lediglich seine möglichen Heiratspläne kritisierte und ihm mit einem zweideutigen Zwinkern zu einem anderen Weg riet, hatte Eleonore William ausgesprochen besorgt gemustert. 
"Wir haben uns eine Weile unterhalten. Und ja, sie hat mich auch auf dich beziehungsweise auf meine Absichten angespochen." 
Sein Blick wanderte zurück zu Joanna und er überlegte wie ausführlich er Joanna von seinem Gespräch mit Eleonore erzählen sollte. Denn das Gespräch mit der Königin war nicht ganz einfach verlaufen. William hatte ein sehr gutes Verhältnis zu ihr, somit sprach sie ihn auch auf Sachen an, die sie anderen gegenüber womöglich unausgesprochen gelassen hätte. Und gleichzeitig stand Williams Verwandtchaft und Treue Henry gegenüber zeitweilig zwischen ihm und der Königin.

Joanna

Joanna betrachtete ihn mit einer Mischung aus Skepsis und Sorge. Eleonore hatte also mit ihm über sie gesprochen. Offenbar machte sie sich doch mehr Gedanken darüber, als Joanna gedacht hatte. 
Sie legte den Kopf schief und schwieg noch einen Moment. 
"Was hat sie gesagt?" Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war das Gespräch auch nicht gerade überragend verlaufen. 
"Sie hat dir auch abgeraten, nicht?" 
Es würde sie arg wundern, wenn nicht. Keiner konnte verstehen, warum sie Beide sich solchen Schwierigkeiten aussetzten. 
Aber Joanna konnte sich nicht einfach abwenden, sie liebte ihn und sie wollte nichts mehr, als für immer an seiner Seite zu sein. Aller Widerstände zum Trotz. 
Sie seufzte leise und streckte sich auf dem Bett aus, auf der Seite, das Gesicht ihm zugewandt. 
"Niemand wird verstehen, warum du dich all diesen Schwierigkeiten und Diskussionen aussetzt für eine Frau wie mich. Es würde mich sehr wundern."

William

William legte den Kopf schief und war sich nicht sicher, ob er den Kopfschütteln oder Nicken sollte. Denn das Ergebnis seines Gespräches mit Eleonore war nicht so einfach zu erklären. 
"Sie hat mir nicht direkt von dir abgeraten." begann er dann nachdenklich und machte eine Pause, die er nutze, um Joanna über die Wange zu streichen. "Es war eher die generelle Vorstellung ich könnte heiraten, die ihr nicht behagte." fügte er dann zögerlich hinzu. 
Henrys und Eleonores Verhältnis war bei weitem nicht so rosig wie es nach außen hin den Anschein hatte. Nur einen Anlass dazu gab Henrys unehelicher dreijähriger Sohn. 
Und Eleonore setzte mitunter auf Williams Einfluss auf Henry - den sie schwinden sah, sollte William heiraten und sich deshalb nicht mehr so viel am Hofe aufhalten würde. 
In Williams Augen bewertete Eleonore seinen Einfluss auf seinen Cousin in diesen Belangen etwas über. Nur das konnte er der Königin schlecht ins Gesicht sagen.

Joanna

Damit hatte Joanna wirklich nicht gerechnet. Sie war überrascht, aber noch weniger verstand sie, was Eleonore dagegen haben konnte, wenn William heiraten wollte. Sollte sie sich nicht eher freuen, dass er das endlich erwog? 
Ihre Stirn legte sich nachdenklich in Falten. 
"Um ehrlich zu sein....das verstehe ich nicht. Was gefällt ihr denn nicht an der Vorstellung, dass du heiraten könntest? Ist es denn nicht selbstverständlich, dass es irgendwann so kommen würde? Sie kann doch nicht davon ausgehen, dass du immer unverheiratet bleibst. Ist mir irgendetwas entgangen?" 
Joanna war irritiert. Mit einem Seufzen schloss sie halb die Augen und betrachtete ihn weiterhin. 
"Diese Begründung würde mich wirklich interessieren." 
Eleonore von Aquitanien wollte nicht, dass William heiratete. Das waren in der Tat interessante Neuigkeiten und einmal mehr hatte sie das Gefühl, dass sie Vieles, was hier geschah, gar nicht wahrnahm. War sie wirklich so unaufmerksam gewesen?

William

William machte eine abwehrende Handbewegung. "Natürlich und das weiß sie auch. Trotzdem ist sie nicht sonderlich begeistert." 
Bevor er jedoch weiter sprach, legte er eine erneute Pause ein und überlegte wie er die Situation am besten erklären konnte ohne zu viele Dinge preiszugeben, die ihm eigentlich im Vertrauen erzählt wurden waren. 
Seufzend fuhr er sich über das Gesicht und räusperte sich dann, so als hätte er längere Zeit nicht gesprochen. 
"Eleonore fürchtet, dass ich dann wesentlich weniger hier am Hofe sein werde. Und somit weniger Einfluss auf Henry nehmen kann. Ich denke zwar, dass sie meinen Einfluss auf ihn überbewertet, aber sie sieht das anders. Vielleicht würde sich die Lage bereits entspannen, wenn die beiden endlich einen Erben bekommen würden. Aber so ..." 
Außerdem gab es da noch die Tatsache, dass Eleonore ihn gerne um sich hatte - zwar längst nicht mehr so häufig und viel, wie vor ein, zwei Jahren, doch wenn sie gemeinsam am Feuer saßen, schien sie seine Meinung nach wie vor sehr zu schätzen.

Joanna

Joanna seufzte. "Das wird sich zeigen. Letztlich kann sie dich sowieso nicht daran hindern, wenn du heiraten möchtest, denn dieses Argument ist keines, das sie öffentlich anbringen könnte. Allerdings hast du Recht, ein Erbe würde viele Dinge entspannen." 
Sie streckte sich auf dem Rücken aus. 
"Irgendwie wird schon alles gut werden. Irgendwie...", murmelte sie dann. 
"Lass uns schlafen gehen. Dir fallen ohnehin bald die Augen zu, William." 
Joanna drehte sich wieder zurück und bedachte ihn mit einem liebevollen Lächeln, während sie eine der dunklen Locken aus seinem Gesicht strich. 
Sie fühlte sich immer so wohl in seiner Nähe. Es war ziemlich unangemessen, dass er hier die Nacht verbringen würde, aber das interessierte sie recht wenig. Hauptsache, er war bei ihr. 
"Ich liebe dich.", sagte sie leise und beugte sich noch einmal hinüber um ihn zu küssen.

William

William lief nervös auf und ab und fühlte sich dabei wie ein kleiner Junge, der nicht wusste, ob die Freude oder die Aufregung überwog. Nur mit dem Unterschied, dass die Aufregung die Freude deutlich überlagerte. 
Es würde nicht mehr lange dauern und sein Vater würde eintreffen. Eine Aussicht, die William jetzt bereits an den Rand des Nervenzusammenbruchs trieb. 
Er blieb vor Joanna stehen und sah sie nachdenklich an. "Ich habe bestimmt irgendetwas vergessen." murmelte er dann und warf einen unruhigen Blick zu Geoffrey, der gerade ein letztes Dokument verstaute und seine Sachen zusammenpackte um zu gehen. 
"Macht Euch keine Sorgen, Mylord. Es ist alles vorbereitet." Geoffreys Stimme klang ruhig und gleichzeitig völlig überzeugend. Er kannte den Gemütszustand seines Herrn nur zu gut, wenn der Earl of Cornwall sich angemeldet hatte. 
William nickte unruhig und sein Blick wirkte nicht als sei er wahrhaftig überzeugt. Beinahe hilfesuchend sah er zu Joanna hinüber und hoffte, dass sie ein wenig Ablenkung für ihn parat hielt, sobald Geoffrey gegangen war.

Joanna

Joanna beobachtete William mit einem nachsichtigen Lächeln. Es war etwas ganz Neues, ihn so über die Maßen nervös zu erleben, obwohl seine Aufregung schon seit Tagen rapide angestiegen war. Irgendwie hatte sie die Befürchtung, dass er kein Wort heraus bekommen würde, wenn er vor seinem Vater stand. Wie der Earl of Cornwall wohl war, dass er seinen Sohn in solch einen Ausnahmezustand versetzte? 
Sein Blick löste das Gefühl in ihr aus, ihm unbedingt helfen zu müssen. Aber wie konnte sie das? 
Joanna löste sich von ihrem Platz am Fenster und ging auf ihn zu, während Geoffrey den Raum verließ und sie allein zurück blieben. 
Als sie vor ihm stand, legte sie die Hände auf seine Brust und schaute in seine Augen. "Beruhige dich. Du hast wirklich keinen Grund so nervös zu sein, dein Vater hat auch keinen Grund dir den Kopf abzureißen. Er wird sich sicher einfach freuen, dass du wieder in so gutem Zustand bist und deine Verletzung so gut abheilt. Er wird sich freuen, dich zu sehen. Ganz ruhig, Liebster." Sie schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln und streckte sich dann, um ihn zu küssen. Irgendwie musste sie ihn ja aus seiner festgefahrenen Aufregung reißen können. "Du hast sicher nichts vergessen, Geoffrey denkt doch stets an alles. Immer mit der Ruhe. Das Einzige, was fehlt, ist eine Verhaltensmaßregel für mich, aber das muss ja nicht jetzt sein."

William

Joannas Hände auf seiner Brust erinnerten ihn an die feuerrote Narbe, die sich über seinen gesamten Oberkörper zog. Der Arzt wollte zwar hin und wieder noch einen Blick darauf werfen solange sie noch nicht am verblassen war, doch immerhin hatte er William nun erlaubt den Verband abzulassen. 
William erwiderte Joannas Blick und kaute dabei unruhig auf einer Unterlippe herum. Ihre Worte entlockten ihm schließlich ein nervöses Lachen. 
"Ich spare mir Erklärungen. Du wirst ihn ja bald erleben." 
Nein, den Kopf würde er ihm sicher nicht abreißen. Im Gegenteil, er würde ihn ganz der Etikette nach freudig empfangen - und ihm bei der sich nächst bietenden Gelegenheit seine Enttäuschung auftischen. 
Und dann würden die ewigen Diskussionen wieder losbrechen. 
Joannas letzte Worte rissen ihn unvermittelt aus seinen Gedanken und froren seine Nervosität für einen Moment ein. 
"Ich" William brach wieder ab, runzelte die Stirn und fuhr dann mit fester Stimme fort. "Es tut mir Leid, dass ich darüber nicht eher mit dir gesprochen habe. Ich bitte dich, für den Anfang darf zwischen uns nichts als die übliche Höflichkeit herrschen. Ich weiß noch nicht, weshalb der Earl tatsächlich her kommt. Und erst recht nicht, wie seine Laune ist. Ich kann damit nicht unvermittelt durch die Tür fallen ..."
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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Mi Jul 22, 2015 1:29 pm

Joanna

Joanna hatte geahnt, dass seine Entscheidung so ausfallen würde. Sie hatte es geahnt und befürchtet, aber sie sah die Notwendigkeit durchaus ein. Es ging nicht anders. Deshalb nickte sie langsam. 
"Du musst dich nicht rechtfertigen. Es ist in Ordnung, ich verstehe das durchaus. Ich habe dir gesagt, ich werde deine Entscheidung akzeptieren, wie auch immer sie lauten wird. Und das tue ich. Du kennst deinen Vater, ich nicht. Du wirst schon das Richtige tun. Es wird zwar nicht angenehm sein, dich tagelang kaum zu sehen, aber er wird ja irgendwann wieder abreisen." Falls du deine Meinung nicht schon vorher änderst. 
"Aber denk daran, du hast dir nichts vorzuwerfen. Er hat keinen Grund dich zu kritisieren, du hast ihm keinen Grund gegeben enttäuscht zu sein. Du hast dein Bestes gegeben und für deinen König eingestanden." 
Sie lächelte leicht und streichelte über seine Wange. 
"Was denkst du, wann er eintrifft?" Ab diesem Zeitpunkt würde sie sich von ihm fernhalten oder sehr höflich distanziert sein müssen, was ihr so gar nicht behagte. Aber es musste sein und es war ja nicht für allzu lange. Vielleicht konnten sie sich wenigstens ein paar ungestörte Minuten stehlen oder er schrieb ihr ein paar Zeilen, um sie über den Stand der Dinge aufzuklären.

William

William massierte sich nachdenklich die Schläfe und auch wenn ihre Worte anders waren, so kam es ihm doch vor als wäre Joanna von seiner Entscheidung enttäuscht. 
"Wenn man dem Boten glauben kann, wird er wohl gegen Mittag mit seinem Gefolge eintreffen." antwortete William und warf einen Blick aus dem Fenster hinaus in den Burghof. 
Dann trat er dicht an Joanna heran, legte seine Arme um sie und küsste sie zärtlich. "Ich liebe dich." murmelte er. 
"Ich liebe dich, auch wenn das in den nächsten Tagen kaum den Anschein machen wird." 
Auch ihm behagte die Vorstellung nicht wieder in alte Tagesmuster zu verfallen. Dabei stimmte das noch nicht einmal, bevor er Joanna kennengelernt hatte, war ihm sein Alltag normal erschienen und er misste nichts. Doch jetzt würde der Alltag öde erscheinen und noch dazu ständig von Gedanken an Joanna geprägt sein, was alles nur noch anstrengender machte.

Joanna

"Ich weiß. Wir schaffen das schon, aber ich werde dich schrecklich vermissen." Sie legte ein letztes Mal vorsichtig die Arme um seinen Hals, bevor sie sich zurückzog. 
Einige Stunden später war es so weit: der Earl of Cornwall näherte sich mit seinem Gefolge und Joanna, die die Begrüßungszene im Burghof wenigstens am Rande mitbekommen wollte, machte sich auf den Weg um Herakles einen spontanen Besuch abzustatten. 
So stand die junge Lady in der Stallgasse und hatte einen gutes Blick durch das Tor auf den Hof, wo soeben Williams Vater auf einem großen Braunen einritt, begleitet von seinem Gefolge. 
Selbst aus der Ferne konnte sie erkennen, dass William eindeutig sein Sohn war. Sie waren sich ähnlich, zumindest äußerlich. 
Die erste Begegnung zwischen Vater und Sohn seit geraumer Zeit stand nun unmittelbaer bevor und Joanna betete, dass William sich von seiner Nervosität nicht aus dem Konzept bringen lassen würde. Er musste sich endlich stellen und seine Furcht vor der Reaktion des Earls in den Griff bekommen. Hab Mut, William. Du kannst das.

William

Das einzige äußere Anzeichen, das von Williams Nervosität noch geblieben war, war ein leichtes Zittern in der rechten Hand, das William allerdings in den Griff bekam als er die Hand zur Faust ballte und danach wieder öffnete. 
Als William seinen Vater in den Burghof reiten sah, war es wie immer - für eine Sekunde stockte ihm der Atem und automatisch richtete er sich ein klein wenig mehr auf, drückte die Schultern durch. 
Der große Braune hielt vor ihm und noch ehe die Stiefel Reginald de Dunstanvilles den Boden berührten, hatte bereits ein Stalljunge die Zügel des Hengstes ergriffen, um das Tier seinem Reiter abzunehmen. 
Als der Earl of Cornwall sich William zuwandte, hob dieser das Kinn ein wenig, was fast etwas trotzig wirkte, und hielt dem prüfendem Blick seines Vaters stand. 
William registrierte die grauen Haare, die sich zusehendst in die dunklen Haare seines Vaters mischten und somit sein Alter erahnen ließen. 
Reginald trat auf seinen Sohn zu, der sich nun förmlich vor ihm verbeugte. "Es freut mich Euch hierzuwissen, Mylord." begrüßte William den Mann vor ihm als wäre er nicht sein Vater sondern sein Lehnsherr, der über sein Wohl und Wehe bestimmte. 
Als William wieder aufsah, entdeckte er den Ansatz eines Lächelns in den Zügen seines Gegenübers. Dann wurde er der ihm dargebotenen Hand gewahr und ergriff sie. Der Earl of Cornwall klopfte seinem Sohn auf die Schulter was diesem um ein Haar ein schmerzerfülltes Keuchen entlockt hätte. 
"Wie ich sehe bist du also endlich wieder wohl auf, mein Sohn." Es war die vertraut tiefe Stimme, die im ersten Moment einen beinahe einladenden Ton hatte, William jedoch stets einen Schauer über den Rücken jagte.

Joanna

Joanna hatte sich dem Tor ein paar Schritte genähert und beobachtete ganz genau, wie sich der Earl verhielt. Man konnte die steife Atmosphäre beinahe greifen. Die tiefe Stimme klang fast freundlich, auch, wenn sie sich anstrengen musste, um überhaupt ein Wort zu verstehen. 
Oh nein, das war die falsche Schulter, Mylord. 
Glücklicherweise hatte William sich im Griff und bis auf ein beinahe unmerkliches Verziehen des Gesichtes zeigte sich keine Reaktion auf die Schmerzen, die ihm die Begrüßung seines Vaters bereitete. 
Dieser musternde Blick...irgendwie konnte sie sein Unbehagen verstehen. Er hatte wirklich Recht. Es war klüger, erst einmal auszuloten, welcher Stimmung der Earl of Cornwall war und den wirklichen Grund seines Besuchs herauszufinden. Noch wirkte das Verhltnis zwischen den Beiden zwar angespannt, aber nicht unbedingt ernsthaft gestört. Das allerdings konnte sich schnell ändern und das würde sicherlich geschehen, wenn der Earl herausfand, welche Absichten sein Sohn heimlich hegte. Nein, es war besser so, so schwer es auch war. Joanna seufzte leise.

William

William zwang sich zu einem Lächeln und nickte. 
"Gerade rechtzeitig für die Reise nach Frankreich." entgegnete er mit einem Ton, der keinen Zweifel daran lassen sollte, dass William die Reise bereits fest eingeplant hatte. 
Für einen Sekundenbruchteil huschte ein Schatten über das Gesicht seines Vaters, dann hatte der Earl of Cornwall sich wieder im Griff. Sein Lächeln hatte fast einen spöttischen Zug angenommen als er William musterte. 
"Nun, darüber werden wir noch sprechen." erklärte er dann seeleruhig und warf dann einen Blick über die Schulter, um sicher zu gehen, dass seine Männer geordnet eintrafen und die Pferde versorgt wurden. 
Williams Lächeln war verschwunden; er nickte lediglich und deutete dann in Richtung Burg. 
"Darf ich Euch euer Gemach ziegen, Mylord? Es steht alles bereit damit ihr etwas essen, trinken und Euch umziehen könnt, wenn Ihr es wünscht. Und sobald Ihr fertig seid, warten König Henry und Königin Eleonore auf Euch." setzte William seinen Vater in Kenntnis - so wie er es schon unzählige Male zuvor getan hatte. 
Nun war es ein klar erkennbares Lächeln auf den Lippen Reginalds. "Ich sehe, du bist vorbereitet. Sehr gut. Ich weiß, warum ich mich früh genug angekündigt habe." 
William hätte um ein Haar nach Luft geschnappt, ging dann jedoch nicht weiter auf die Spitze ein und geleitete seinen Vater nach drinnen.

Joanna

Joanna verfolgte das Gespräch mit wachsender Anspannung. Der freundliche Eindruck, de der Earl anfangs auf sie gemacht hatte, verflüchtigte sich rasch. Sie fand, William schlug sich gut. Er war vollkommen höflich und zuvorkommend, ein ergebener Sohn. 
Jetzt verstand sie aber, was William gemeint hatte. Nicht einmal das schien der Earl hinnehmen zu können ohne gleich einen Seitenhieb auszuführen. Joanna spürte unkontrollierbare Wut in sich aufsteigen. Was für ein Mann war dieser Earl nur? Ein Mann, der kein gutes Haar an seinem Sohn lassen konnte, ihne nicht so akzeptierte, wie er war und scheinbar keinen Funken Stolz aufbringen konnte. Dabei hätte William ihm doch allen Grund dazu gegeben stolz zu sein. Wusste er denn nicht, wie gelungen sein Sohn war? 
Sie atmete tief durch und öffnete die Hände wieder, die sich unwillkürlich zu Fäusten geballt hatten. 
Als sie sich wieder unter Kontrolle hatte, verließ auch sie den Stall und erreichte die Männer in dem Moment, da sie sich in Bewegung setzten. Joanna zögerte einen unmerklichen Augenblick, setzte ein distanziertes Lächeln auf und knickste. "Seid gegrüßt, Mylords...", sagte sie schlicht, ehe sie ihren Weg fortsetzte. Erst als sie die Beiden hinter sich gelassen hatte, merkte sie, dass ihr das Herz bis zum Hals schlug.

William

Joannas Auftauchen hätte William um ein Haar aus dem Konzept gebracht. Denn das einzige, was er sich erlauben konnte, war ein höfliches "Mylady." zusammen mit einem kurzen Nicken.
Er ertappte sich dabei, wie er Joanna kurz nachsah und fing im nächsten Augenblck bereits den kritischen Blick seines Vaters auf. Dieser hatte eine Augenbraue gehoben und musterte seinen Sohn abwartend, beließ es dann jedoch bei dem Blick und wandte sich einem anderen Thema zu. 
"Du hast es also geschafft, FitzMiles' Truppen zuschlagen und Hereford einzunehmen." stellte Reginald fest als würde er über das Wetter plaudern. 
William spürte wie sich seine Kehle zusammen schnürte, denn er ahnte bereits worauf sein Vater nun abzielte. 
"So ist es, Vater. Henry hat mich zusammen mit dem Earl of Gloucester" William wurde durch ein kurzes Schnauben seines Vaters unterbrochen, fuhr jedoch fort als wäre nichts gewesen. "nach Hereford geschickt. Die Belagerung dauerte einige Tage, aber letztlich hatten sie keine Chance gegen uns. Wir haben sie geschlagen und FitzMiles hat seinen für Treuebruch bezahlt." 
"Und du hast dich von dem Bastard aufschlitzen lassen." kommentierte Cornwall trocken und erreichte damit, dass William schweigend die Zähne aufeinander biss und mit angespanntem Blick auf den Boden starrte. 
Es war unglaublich, irgendwann würde dieser Mann ihn noch in den Wahnsinn treiben mit seiner Kritik.

Joanna

Joanna saß wieder auf ihrem Bett und dachte nach. Hoffentlich hatte sie William nicht durcheinander gebracht mit ihrem Auftauchen. und hoffentlich hatte sein Vater nichts gemerkt. Sie hatte sich in perfekter Höflichkeit nichts anmerken lassen, aber sie hatte natürlich nicht zurückgeschaut um seine Reaktion zu sehen. 
Jetzt saß sie hier und fragte sich, ob die Lage schon eskaliert war, weil der Earl of Cornwall seine Zunge nicht im Zaum halten konnte oder ob sie immer noch bei angespannter Distanziertheit verweilten. 
Leider konnte sie ja nicht verfolgen, wie das weitere Gespräch verlief. Sie hoffte nur, dass William es ihr irgendwann erzählen würde. 
Sie vermisste ihn jetzt schon, stellte sie fest, dabei hatten sie sich vor einigen Stunden erst verabschiedet. Aber seine Gegenwart verbreitete in ihr immer ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, darauf würde sie nun lange verzichten müssen. 
Sie seufzte leise und trat ans Fenster, schaute hinaus. Hoffentlich verlief das Ganze wenigstens halbwegs glimpflich.

William

William war sich absolut nicht sicher wie er es gemacht hatte, aber irgendwie hatte sein Vater es geschafft ihn nach einem hitzigen Streitgespräch zu einem Glas Wein zu überreden und ihn dabei um den Finger gewickelt. 
Der Earl of Cornwall war ein Charakter ohnegleichen. Sein Auftreten rief in jedem unweigerlich das Bedürfnis hervor ihn mit einer höflichen Verbeugung zu begrüßen und ihm Respekt zu zollen. Und gleichzeitig war er ein Meister darin harte Seitenhiebe auszuteilen - bevorzugt wenn er sie an William richten konnte. 
Und dieser war in der Anwesenheit seines Vaters stets hin und her gerissen. Früher hatte er seinen Vater vergöttert. Er hatte zwar eine äußerst strenge und rigorose Ausbildung erhalten und doch hatte William immer zu seinem Vater aufgesehen und war immer nur darum bemüht in seinen Augen das Richtige zu tun. 
Seitdem William jedoch in der Bürgerkriegszeit als junger Knabe gegen den Willen seines Vaters losgezogen war, hatte ihr Verhältnis einen tiefen Knacks erhalten. Und obwohl der Earl of Cornwall seinem Sohn diesen Widerstand offensichtlich nicht verzeihen konnte, konnte William nach wie vor nicht anders als zu versuchen sich den Respekt und Stolz seines Vaters zu erarbeiten. 
Nach einem Glas Wein hatte sich sein Gemüt wieder beruhigt und so saß William nun deutlich entspannter an Henrys Tafel zum Abendessen und sein Blick huschte auf der Suche nach Joanna durch die Halle.

Joanna

Der Tag war alles in allem zwar äußerst langweilig verlaufen, aber Joanna fühlte sich trotzdem ermattet. So unruhig war sie sonst nie, aber sie machte sich ziemlich Sorgen, schließlich hatte sie noch deutlich vor Augen, wie nervös ihr Liebster am Morgen gewesen war. 
Froh über die kleine Ablenkung hatte sie sich schließlich zum Abendessen begeben und hoffte, dass ihre Tischnachbarin sie ausnahmsweise einmal nicht halb tot redete. 
Joanna konnte allerdings nicht verhindern, dass ihr Blick, kaum, dass sie ihren Platz eingenommen hatte, suchend in Richtung des Königs glitt, in dessen Nähe William immer zu finden war. 
Die Andeutung eines Lächelns huschte über ihr Gesicht, bevor sie es bemerkte, als sie ihn schließlich entdeckte und feststellen musste, dass er entspannter aussah, als sie befürchtet hatte. 
Vielleicht hatten die Beiden sich doch noch irgendwie zusammengerauft und das Gespräch war nicht als vollkommene Katastrophe geendet. Wenigstens ein Lichtblick in ihrer sonst so komplizierten Welt. Sie seufzte lautlos und widmete sich nicht gerade begeistert ihrem Weinkelch.

William

William setzte dem Becher an die Lippen, nahm einen tiefen Schluck und bemerkte über den Rand hinweg, den suchenden Blick seines Vaters. Er ließ langsam den Becher sinken und noch bevor er den Kopf wandte, wusste er in welche Richtung der Earl of Cornwall sah. 
William schluckte und beobachtete ihn möglichst unauffällig. Erleichtert atmete William aus als er realisierte, dass Reginald zwar aufgefallen war, dass sein Sohn von jemandem an der anderen Seite des Tisches abgelenkt wurde, doch hatte er offenbar nicht ausmachen können, welche der Damen Williams Aufmerksamkeit gegolten hatte. 
Immerhin etwas. 
"William!" durchbrach Henry seine Gedanken lachend. "Du Träumer, ich habe dich gerade gefragt, ob du morgen einen Ausritt wagen willst. Der Earl of Cornwall bat um einen Ritt durch die Wälder und ich dachte mir ich könnte euch möglicherweise begleiten. Dann können wir auch noch in Ruhe ein paar Dinge für den Winter besprechen." 
William blinzelte unverständlich und begann dann zu grinsen. Auch wenn ihm danach eher weniger zu Mute war. Er warf seinem Vater einen Blick zu, den dieser fest erwiderte. Irgendetwas würde ihm morgen noch offenbart werden. Und William war sich nicht so sicher, ob er es tatsächlich hören wollte. 
"Gerne doch, mein König." antwortete er dann mit ein wenig Verspätung was zu allgemeinem Gelächer bei den Umsitzenden und schließlich auch bei William führte.

Joanna

Joanna entging nicht, dass William einen Moment durch ihren Anblick abgelenkt wurde, unterdrückte aber ein Lächeln, als sie bemerkte, dass auch sein Vater den Blick in ihre Richtung schweifen ließ. Rasch senkte sie den Blick und begann ein Gespräch mit ihrer Nachbarin, damit sie dem suchenden Auge entging. Sie hatte gewusst, dass es äußerst schwierig werden würde ihre Beziehung vor Reginald de Dunstanville zu verheimlichen. Sie waren eben beide so rettungslos verliebt, dass sie einfah ständig den Blick des Anderen suchten, wenigstens kurz einen Blick auf den Anderen erhaschen wollten. 
"Es wird kalt, nicht, es wird Zeit, dass wir nach Frankreich reisen, Lady Joanna, denkt Ihr nicht auch?" 
"Oh, ja, Ihr habt völlig Recht. Das milde Klima wird erträglicher sein, denke ich, das wird uns allen gut tun." 
Das Geplauder ging ihr jetzt schon auf die angespannten Nerven, aber es tat seinen Zweck und ließ sie unauffälliger werden. Es war einfach offensichtlich, fand sie, sie konnte nur hoffen, dass der Earl of Cornwall das nicht ebenso sah und es ihm entging. Die Hoffnung war zwar klein, aber vorhanden.

William

Es hatte heute Abend deutlich länger gedauert bis William sich von der Tafel entfernen konnte. Die Ritter aus Cornwalls Gefolge waren ausgesprochen ausgelassener Stimmung, jetzt da die Wärme der Burg für mehr Bequemlichkeit für die Nacht sorgte. Und da sowohl der König als auch sein Vater noch einige Zeit lang ausharrten, war auch William noch zum Bleiben bestimmt. 
Somit war die Stunde schon reichlich fortgeschritten als William sich schließlich noch auf den Weg zu Joannas Gemach machte, um ihr noch einen kurzen Besuch abzustatten. 
Der schwere Wein war reichlich ausgeschenkt wurden und als William die Halle verließ war schon abzusehen, dass der ein oder andere sein Bett wohl nicht mehr ohne Hilfe finden würde. William schüttelte bei dem Gedanken belustigt den Kopf und blieb vor Joannas Tür stehen. 
Als er anklopfte und die Tür öffnete, hoffte er, dass Joanna nicht bereits eingeschlafen war. Überraschen würde es ihn kaum, trotzdem hoffte William, dass sie noch wach war. Der Tag war anstrengend gewesen und er hatte sich mehrfach ermahnen müssen nicht zu oft zu ihr hinüber zu sehen.

Joanna

Joanna war froh gewesen, dass sie sich bald hatte zurückziehen können, denn sie hatte sich nicht wohl gefühlt dort, wo sie ständig fürchten musste, ein falscher Blick könne ihre Gefühle für William verraten. 
Sie hatte gehofft, dass er noch kommen würde, sicher hatte sie sich allerdings nicht sein können. Sie war müde, aber noch überließ sie sich nicht dem Schlaf. Umso erleichterter war sie, als es zu recht später Stunde endlich klopfte und William eintrat. Er war wirklich noch hergekommen... 
"Da bist du also." 
Joanna begrüßte ihn mit einem Lächeln auf den Lippen und fühlte sich gleich viel entspannter. Er war hier bei ihr und sie würde sicherlich erfahren, wie sein Tag verlaufen war. 
"Scheint mir, als hättest du den Tag recht unbeschadet überstanden." William machte auf sie zwar ebenfalls einen erschöpften Eindruck, aber er wirkte nicht niedergeschlagen und nicht mehr nervös wie am Morgen. 
"Wie war er?" 
Sie streckte ihm die Hand entgegen, damit er sich zu ihr setzte.

William

"Der Tag oder mein Vater?" William lachte, wenn auch nur bedingt so belustigt wie es ihm lieb gewesen war. Aber zumindest konnte er zufrieden feststellen, dass er nicht lallte. Er hatte zwar nicht übermäßig viel Wein getrunken, aber doch deutlich mehr als in den letzten Wochen. 
"Ersterer war lang und anstrengend, letzterer schwierig einzuschätzen." 
William beugte sich zu Joanna hinunter und gab ihr einen Kuss bevor er sich mit einem erschöpften Seufzen auf das Bett fallen ließ. 
"Irgendetwas hält er für mich noch bereit - außer der Diskussion um die Reise in die Normandie - aber ich weiß nicht was es ist." trotz des Unbehagens über die Unwissensheit in der William schwebte, musste er lächeln. "Aber das wird er mir morgen wohl noch unterbreiten." 
William stützte sich mit den Händen auf dem Bett ab und lehnte sich ein wenig zurück. 
"Der alte Mann macht mich wahnsinnig. Obwohl er mir die Hölle heiß macht, wann immer er die Gelegenheit dazu hat, scheine ich tatsächlich auch ein wenig froh darüber zu sein, ihn wieder zu sehen." 
William war immer wieder überrascht, wie umgänglich sein Vater besonders auch mit seinen Männern sein konnte. Und gleichzeitig ließ er nie einen Zweifel über seine Stellung zu.

Joanna

"Beides, denke ich. Nun, du wirst seine Pläne wohl morgen erfahren. Hoffen wir, dass er keine böse Überraschung bereithält, davon hatten wir wahrlich genug, denkst du nicht auch?"Sie zog die Beine an und betrachtete ihn nachdenklich. Sie konnte sich irgendwie nicht vorstellen, dass die Ideen seines Vaters so angenehm sein würden. 
Es war einfach zu unwahrscheinlich. 
"Er ist eben trotz allem dein Vater, ob er nun stolz auf dich ist oder nicht. Du liebst ihn trotzdem. Hoffen wir einfach, dass er irgendwann noch einsieht, wie viel Glück er mit dir hat. Es wird schon werden und irgendwann verschwindet er ja auch wieder. Er hat keinen Verdacht geschöpft, oder? Er hat so rübergesehen..." 
Sie seufzte leise. 
"Habt ihr eigentlich über Hereford gestritten? Hat er etwas über deine Verletzung gesagt?" 
Sie war sich fast sicher, dass er das getan hatte, so wie sie ihn aus Williams Erzählungen kennengelernt hatte.

William

"Ich wage zu bezweifel, dass mich seine Neuigkeiten sonderlich erfreuen werden." brummte William und ließ den Blick durch den Raum schweifen. "Hast du etwas zu Trinken hier?" fragte er dann bevor er sich wieder aufrichtete. 
"Er weiß nicht, dass du es bist. Seinem Kommentar nach, schätze ich, dass er von einer 'harmlosen' Liebelei ausgeht." William zuckte mit den Schultern. Mit dieser Vermutung seines Vates konnte er leben, zumal das nicht ungewöhnlich wäre. Der Wein von vorhin sorgte zusätzlich dazu, dass Williams Besorgnis über das Thema nicht allzu hoch kam. 
Er legte den Kopf schief und nickte dann. 
"Über meinen Zustand war er nicht gerade begeistert. Im Gegenteil; wie zu erwarten war, hat er sich mehr als ausreichend darüber beklagt. Allerdings" und nun musste William unweigerlich grinsen. "kam er nicht umher festzustellen, dass die Belagerung gut geführt worden war. Hin und wieder kommt er halt doch um ein Lob nicht herum. Und wenn auch nur in Form von anerkennendem Schweigen." Williams Grinsen war noch breiter geworden. Sobald sein Vater keinen abfällgen Kommentar machte, konnte er sich schon etwas darauf einbilden.

Joanna

"Diesbezüglich habe ich allerdings auch Zweifel, du hast Recht." Sie grinste leicht, denn ihr war nicht entgangen, dass er auch schon ein bisschen mehr Wein als sonst intus hatte. Inzwischen kannte sie ihn recht gut. 
"Da hinten steht ein Krug Wasser mit zwei Bechern, falls du Wein suchst, kann ich dir damit nicht dienen." Ihre Augen funkelten belustigt auf. 
"Immerhin kannst du von dir behaupten, dass du ihm die Sprache verschlagen hast. Das ist doch mal was Neues." Joanna lächelte und küsste ihn auf die Wange. Sie spürte seine Freude darüber, denn ein Lob - selbst ein schweigendes - schien sehr selten zu sein und sie fühlte mit ihm, freute sich für ihn. 
Sie war zwar nicht ganz so unbesorgt, was die Vermutungen seines Vaters einer Liebelei bezüglich anging, aber mehr als vorsichtig sein konnte sie auch nicht. Wenn er sagte, es bestünde noch wenig Gefahr, sollte es eben so sein. Allerdings hatte sie beim Gedanken an die bevorstehende Offenbarung eines Planes zunehmend ein ungutes Gefühl.

William

"Hach, ich wusste es." seuftzte William theatralisch und verzog kurz das Gesicht bevor er aufstand, um die Becher zu holen. 
"Morgen früh werden mein Vater und ich mit Henry zusammen ausreiten. Dann werden wir weiter sehen." William befüllte die Becher und kam dann wieder zurück zum Bett und übergab Joanna einen der Becher. 
"Ich wünschte mir allerdings wir beide würden zusammen ausreiten." er unterstrich seine Worte mit einem zärtlichen Kuss und setzte sich dann wieder neben Joanna. 
"Ich freue mich schon auf unseren ersten Ausritt in der Normandie." er lächelte und sein Blick glitt für einen Moment in die Ferne. "Warst du schon einmal dort?" fragte er dann. Er selbst war schon mehrfach in Frankreich gewesen und freute sich schon auf die erste Station des Hofes in Rouen. Allerdings würde Henry sicherlich auch in das Anjou und Poitou reisen wollen, die Frage war nur, ob er tatsächlich mit dem gesamten Hof reisen wollte oder letztlich nur einen der Lords beauftragen würde, die Grenzen des Reiches zu begutachten. So wie William seinen Cousin einschätzte, würde er sich sowieso erst im letzten Augenblick für eine der Möglichkeiten entscheiden.
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GreyStorm



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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Mo Jul 27, 2015 5:24 pm

Joanna

Ein breiteres Grinsen huschte nun über ihr Gesicht, als sie seine Reaktion beobachtete. Mit einem dankbaren Nicken nahm sie den Becher entgegen und trank einen Schluck, ehe sie den Kopf schief legte und ihm einen mahnenden Blick zuwarf. 
"Aber übertreib es morgen nicht, hörst du? Du weißt ganz genau, dass du noch nicht völlig in Ordnung bist. Lass dich nicht zu Dummheiten verleiten, ich wei, dass Henry manchmal ein bisschen draufgängerisch ist. Sei einfach vorsichtig, ja?" 
Ihr Lächeln bekam einen fast verträumten Ausdruck. 
"Das wünschte ich mir auch. Aber es ist nicht mehr lange und bis dahin werde ich mich jeden Tag darauf freuen. Die Normandie...ich war einmal dort, ja, aber ich bin nicht ausgeritten. Die Landschaft werde ich erst mit dir kennenlernen. Es wird bestimmt um einiges angenehmer als letzten Winter. Nicht so langweilig..." 
Ja, die Vorstellung gefiel ihr. Einen ganzen Winter in seiner Nähe und da nicht alle Lords und Hofdamen das Königspaar begleiten würden, bedeutete das mehr Freiraum für sie. Sie würden nicht ganz so vorsichtig sein müssen.

William

William lachte, stellte den halbvollen Becher auf den Boden und streckte sich dann auf dem Bett aus. 
"Keine Sorge, ich würde es nie wagen vor den Augen meines Vaters zu schwächeln." er grinste. Allein Reginalds Anwesenheit würde ihn von allzu unbedachten Handlungen abhalten, denn sollte er auch nur das kleinste Anzeichen von Schwäche zeigen, war das für seinen Vater ein willkommener Anlass mit ihm erneut über die Reise nach Frankreich zu diskutieren. 
William nahm Joanna den Becher ab, stellte ihn zu seinem eigene auf den Boden und zog Joanna dann zu sich hinunter. 
"Oh, ich kenne die Gegend um Rouen wie meine Westentasche. Da werden wir stundenlange Ritte machen können." eine Augen funkelten spöttisch. "Und wenn wir Glück haben begegnen wir höchstens ein paar Rehen." feixte er und legte seine Arme um Joanna, um sie anschließend zu küssen. 
Am liebsten würde er auch heute Nacht hier bleiben, doch die Gefahr war einfach viel zu groß. Er würde so schon bald wieder aufbrechen müssen.

Joanna

Joanna war nicht sehr begeistert gewesen, dass William hatte gehen müssen. Aber es war notwendig gewesen. Am Morgen hatte sie aus dem Fenster zum Burghof geschaut und zugesehen, wie William sich auf Cuivres Rücken mit dem König und seinem Vater entfernt hatte. 
Sie hoffte immer noch, dass er sich nicht überschätzte, damit er seinem Vater keine Schwäche zeigen musste. Und sie machte sich Gedanken darüber, was sein Vater ihm zu sagen hatte. 
Schließlich hatte sie die Unruhe nicht mehr ausgehalten, während sie tatenlos herumsaß und deshalb hatte sie sich auf den Weg zum Stall gemacht. Es war inzwischen schon ziemlich kühl und deshalb hatte sie sich ein Tuch um die Schultern gelegt. 
Während sie nun bei Herakles stand und dem Wallach ein paar Streicheleinheiten gönnte, seine Wärme genoss, hoffte sie insgeheim, dass William ankommen würde, während sie hier war. 
Ein kurzer Blick, vielleicht mitbekommen, was ihn bewegte, bevor sie sich hoffentlich am Abend noch einmal sehen würden und ausgiebig reden konnten. Außerdem vermisste sie ihn schon...

William

William war blass und konnte nicht recht sagen, ob es von der puren Wut oder von dem schieren Entsetzen kam. Er ritt mit Cuivre hinter Henry und seinem Vater auf den Innenhof der Burg und während seine beiden Begleiter ihre Pferde an die Stalljungen übergaben, zog er es vor seinen Hengst selbst in den Stall zu bringen. 
Er brauchte irgendetwas zu tun, um nicht mit seinem Vater sprechen zu müssen. 
"William!" er hörte zwar die Stimme Reginalds, die ihn zurückhalten wollte, drehte sich jedoch nicht zu ihm um und ging zielstrebig auf die Stallunge zu, während er Henry etwas zu dem Earl of Cornwall sagen hörte. 
Es wird langsam Zeit. Ich habe dich in dem Punkt bisher viel zu nachlässig behandelt. hallte die Stimme seines Vaters in seinem Kopf wieder. 
Nun wusste William auch, weshalb dieser gestern so seltsam gewesen war, er hatte diesesmal wirklich eine überwältigende Nachricht gehabt - wenn für William auch im negtiven Sinne. 
Er biss die Zähne fest aufeinander und betrat mit grollender Wut im Magen und seinem Fuchs am Zügel den Stall und hoffte nur für alle, dass ihm jetzt niemand über den Weg lief.

Joanna

Joanna stand immer noch bei Herakles, als sie die Reiter zurückkommen hörte. Sie hörte Stimmen und drehte sich unauffällig ein wenig zur Tür, um sehen zu können, wer schließlich den Stall betrat, während sie weiter die Nüstern des grauen Wallachs streichelte. 
Es war William und auch nur er, der Cuivre hinter sich her in Rictung Box führte. Das war nichts Ungewöhnliches, er versorgte sein Pferd eigentlich oft selbst, jetzt, da er wieder in der Lage dazu war. 
Das Ungewöhnliche war sein Gesichtsausdruck. Joanna musste zugaben, dass es sie erschreckte. Er war so blass, dass sie glaubte, er würde gleich umfallen, aber vor allem glühte eine Wut in seinen Augen, die instinktiv jeden zum zurückweichen gebracht hätte. 
Joanna kaute nervös auf ihrer Unterlippe. Irgendetwas Schreckliches musste passiert sein, wenn er so aussah und sie wusste, dass es mit dem Vorschlag seines Vaters zusammenhing.
Aber konnte sie es wagen ihn jetzt zu fragen? Er sah nicht so aus, als könne man gerade vernünftig mit ihm reden. Aber sie machte sich Sorgen... 
Joanna trat an die Boxentür und schaute flüchtig nach, ob jemand sonst hier war. "William?", sprach sie ihn dann vorsichtig mit deutlich beunruhigtem Blick an.

William

William drehte sich mit zornigem Blick um und hatte bereits eine schafe Bemerkung auf den Lippen als er realisierte, dass es Joanna war, die an seine Box getreten war. 
Er schluckte die harte Zurückweisung herunter, konnte sich jedoch nicht einmal zu einem freundlichen Blick durchringen. "Was gibt es?" fragte er schroff und hätte sich am liebsten selbstgeohrfeigt für sein Verhalten. 
Um Joanna nicht erneut anzufahren, fuhr er damit fort den Hengst von seinem Sattel zu befreien. 
Es wird Zeit ... 
Im Grunde durfte ihn die Eröffnung seines Vaters nicht überrschen, schließlich war er mittlerweile über 20 und es wurde in der Tat Zeit, dass er heiratete. Das er nun aber fast vor vollendete Tatsachen gestellt werden sollte, passte ihm überhaupt nicht. 
Warscheinlich hatte sein Vater auf Grund von Williams Verletzungen einen regelrechten Panikanfall bekommen. Die Vorstellung, dass sein Sohn möglicherweise starb bevor er einen Erben in die Welt setzten konnte, war für Reginald de Dunstanville keine Option.

Joanna

Joanna widerstand dem Drang einen Schritt zurückzuweichen, als er sie so zornig ansah wie noch nie zuvor. Stattdessen verengten sich ihre Augen leicht, nachdem der schockierte Ausdruck verschwunden war, und sie spürte Wut in sich aufflammen. Was hatte sie ihm denn jetzt getan?? Aber sie zwang sich zur Ruhe, es musste irgendetwas passiert sein, dass ihn so aus der Bahn warf. 
"Entschuldige, dass ich es gewagt habe das Wort an dich zu richten, William.", erwiderte sie nicht gerade angetan und eine Spur kühler als sonst. "Aber du siehst aus, als wäre gerade jemand gestorben und da darf ich doch wohl fragen wollen, was passiert ist?" 
Je mehr sie sich wieder beruhigte, desto mehr verflüchtigte sich ihr Zorn. Er hatte sicher einen Grund dazu und sie hatte ihm ja gleich angesehen, dass man ihn besser in Ruhe ließ. 
"Ich mache mir Sorgen.", fügte sie dann sanfter hinzu. "Ich habe dich noch nie so wütend und so entsetzt zugleich gesehen, deshalb muss dich irgendetwas schwer getroffen haben. So gut kenne ich dich inzwischen...Aber wenn du es mir nicht sagen möchtest, in Ordnung." Sie seufzte leise.

William

William atmete geräuschvoll aus und schloss die Augen. Er mahnte sich zur Ruhe, schließlich hatte Joanna recht - sie konnte nichts dafür. 
Er öffnete die Augen erneut und fuhr sich mit der Hand fahrig über die Augen. 
"Es tut mir Leid." murmelte er angespannt und hängte sich die Trense über die Schulter, um dann den Sattel von Cuivres Rücken zu nehmen. 
Er hängte die Sachen über die Boxentür und starrte dann mit angespannter Miene auf das Leder hinunter als würde die Maserung ihm irgendeine Lösung verraten. 
William suchte nach Worten, um Joanna die Sache zu erklären, doch jedes Mal, wenn er ansetzen wollte, blieben die Worte aus. Er konnte es einfach nicht aussprechen, da es dann für ihn zur bitteren Gewissheit wurde. 
"Ich weiß noch nicht, ob ich tatsächlich mit dem Hof nach Rouen komme." begann er dann langsam, das Thema angreifend ohne es zunächst direkt anzusprechen. Für einen Moment hob er den Blick und sah Joanna mit einem seltsamen Blick an, dann sprach er weiter. 
"Ich weiß auch noch nicht, wie es mit uns weiter gehen soll." seine Stimme war rau und wieder stellte sich das Gefühl ein tagelang nichts getrunken zu haben.

Joanna

Sein Verhalten wurde immer beunruhigender und langsam wurde Joanna wirklich nervös. Er schien nicht zu wissen, wie er beginnen sollte und genau das machte ihr Angst. Das war nicht typisch für ihn, ganz und gar nicht. 
Joanna war einen Schritt zurückgetreten, damit er genug Platz hatte um sein Pferd zu versorgen, blickte ihn dennoch zunehmend berunruhigter an. 
Er...würde vielleicht doch nicht mitkommen nach Rouen? Hatte er das wirklich gesagt? 
"Wieso das? Will Henry dich nun doch nicht mitnehmen? Oder hat dein Vater wieder irgendetwas versucht, um dich...." 
Sie unterbrach sich sofort, als sie begriff, was er noch gesagt hatte. Das wurde immer rätselhafter. Hatte sein Vater etwas herausgefunden? Hatte Henry einen unvorsichtigen Kommentar gemacht? Hatte William es ihm sagen wollen? Oder meinte er etwas Anderes? Ihre Augen hatten sämtliche Wut und sämtlichen Vorwurf verloren, nur ein leichter, verängstigter Asudruck war geblieben, als sie ihren Blick nicht mehr abwandte, hoffend, er würde irgendeine harmlose Erklärung für seinen Kommentar abgeben. Doch tief in ihrem Herzen wusste sie, dass es die nicht geben würde. 
"Wie meinst du das?", fragte sie leise.

William

William kaute unruhig auf der Unterlippe herum und schluckte dann, als könne das etwas helfen. 
Er sah erneut zu Joanna hinüber, dieses Mal hatte sein Blick etwas gequältes. Es fiel ihm alles andere als leicht, das in Worte zu fassen, was sein Vater ihm vorhin berichtet hatte. 
William fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. 
Ich habe da auch bereits jemanden im Auge. Um genau zu sein, nicht nur im Blick. 
"Es sieht aus als würde ich bald heiraten." presste William es dann zwischen den Zähnen hervor. 
Welche Ironie. Vor ein paar Tagen hatte er neben Joanna auf dem Bett gelegen und nur daran denken können, sie möglichst bald zur Frau nehmen zu können. Und nun würde er, wenn ihm nicht noch etwas bahnbrechendes einfallen würde, tatsächlich bald heiraten. Nur nicht die Frau, die er über alles liebte. 
Wütend knirschte William mit den Zähnen und nahm dann Sattel und Zaumzeug wieder von der Tür, um sie an ihren eigentlichen Platz zu bringen.

Joanna

Joanna starrte ihn an und schüttelte langsam den Kopf, ungläubig. Es sieht aus, als würde ich bald heiraten.... Seine Worte hallten in ihren Gedanken wieder. Warum jetzt? Sie hatte das Gefühl in einen Abgrund zu stürzen. 
Joanna öffnete den Mund und schloss ihn wieder, unfähig etwas zu sagen, nicht wissend, wie sie reagieren sollte. Einen Moment lang fühlte sie sich wie gelähmt, denn dieser eine Satz hatte sämtliche Hoffnung in ihr zunichte gemacht. 
Als er ihr den Rücken zuwandte, senkte sie den Kopf um zu verbergen, dass ihre Augen sich mit Tränen gefüllt hatten. Sie hatte ja gewusst, dass es so kommen und enden konnte. Aber die letzten Wochen hatten ihr einfach gezeigt, wie schön es sein konnte, wenn man jemanden liebte. Sie wollte es sich nicht eingestehen, aber ihre Hoffnung er würde sie heiraten, war größer gewesen, als sie gedacht hatte. Wenn er nun heiratete, war alles vorbei und nichts würde mehr wie vorher sein. 
Joanna holte zittrig Luft. "Wer ist sie?", fragte sie möglichst ruhig, doch das misslang ziemlich.

William

William ließ den Sattel erneut auf die Tür zurück sinken. Er seuftzte leise bevor er wieder zu Joanna hinüber sah. Jetzt da er es ausgesprochen hatte, wirkte seine Wut nur noch wie ein dumpfes Pochen, das langsam abebbte. Mittlerweile fühlte er sich nur noch seltsam leer. 
Er zögerte noch einen Moment, wurde sich dann jedoch bewusst, dass er die Antwort so oder so nicht hinauszögern konnte. 
"Isabel d'Aubigny, die Tochter des Earl of Arundel." murmelte er dann. 
Sein Vater hatte ihm das ganze als eine mehr als gute Partie nahe gelegt. Und das war sie in der Tat, allerdings interessierte das William reichlich wenig. Er wollte nicht heiraten, weil sein Vater dadurch ein für Cornwall günstiges Bündnis schließen konnte. Die Frau, die William wollte stand hier direkt vor ihm und trotzdem schien sie gerade unerreichbar weit weg zu sein. 
Schau nicht so entsetzt drein, das kommt nun alles andere als unerwartet. Außerdem wäre es eine mehr als günstige Verbindung. Darf ich Eure Meinung erbitten, mein König? 
Henry hatte William einen entschuldigenden Blick zugeworfen und dem Earl of Cornwall zugestimmt.

Joanna

Joanna rang um Haltung, was sich als mehr als schwierig herausstellte. Sie biss sich fast die Lippe blutig in dem Versuch jetzt ja nicht in Tränen auszubrechen. Tränen, die unaufhaltsam drängender wurden. 
"Isabel d'Aubigny...in der Tat eine um Längen bessere Partie, als ich es je sein könnte.", sagte sie schließlich leise, aber mit unverkennbar bitterem Unterton. Wie hatte sie sich der Hoffnung hingeben können, sie könnten sich über eine am Hof so wichtige Sache wie Abstammung und Stand hinwegsetzen? Joanna wurde einmal mehr in diesen Minuten klar, wie naiv sie eigentlich war und welch trügerische Illusion ihre Liebe zu William in ihrem Kopf hergestellt hatte. 
Sie unterdrückte ein freudloses Auflachen. Wie hatte sie nur glauben können, jemals die Frau an seiner Seite zu werden? Verglichen mit der schönen Isabel war sie ein Nichts, von keinerlei Bedeutung. Sie hätte es wissen müssen. Aber es tat trotzdem unendlich weh, diese Erkenntnis zu erlangen, wie ein Dolchstoß mitten ins Herz. Joanna, kreidebleich inzwischen, riss sich ein letztes Mal zusammen. "Dann sollte ich dir wohl Glück wünschen, man hört, sie sei eine über die Maße schöne Frau. Ich hoffe, du siehst mir nach, dass ich es nicht tue." Ein ersticktes Schlcuhzen entrang sich ihrer Kehle, dann wandte sich abrupt um, damit er die Tränen nicht sah, die nun über ihre blassen Wangen fielen. "Entschuldige.."

William

Joannas Worte trieben das Messer in seinem Herz nur noch tiefer hinein und ließen den Zorn und die Enttäuschung mit neuer Intensität aufflammen. 
"Sag so etwas nicht." Williams Stimme hatte einen scharfen Unterton. Für ihn war es keine bessere Partie. Im Gegenteil. 
Obwohl er sich vorgenommen hatte es nicht zu tun, löste er sich nun endlich von seinem Sattelzeug und trat zu Joanna hinüber. Er blieb hinter ihr stehen und senkte die Stimme zu einem Flüstern. 
"Sie ist in der Tat schön. Schön und ausgesprochen intelligent." nun trat er noch einen Schritt dichter, so dass er mit der Hand nach ihrem Kinn greifen konnte, um Joanna zu sich herum zu drehen. 
"Und doch kann sie nie im Leben an dich heran kommen." er strich Joanna sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht und sein Blick wurde noch gequälter als er die Tränen sah, die über ihre Wangen rannen. 
"Es tut mir so Leid." murmelte er und legte seine Arme um sie. Zum einen um sie zu trösten, aber gleichzeitig um sich selbst auch ein wenig halt zu geben. Irgendwie musste er doch einen Ausweg finden können ...

Joanna

Seine Worte minderten zwar die Zweifel an ihr selbst, aber es änderte nichts an der Lage. Es war hoffnungslos, wenn William es nicht auf einen endgültigen Bruch mit seinem Vater ankommen lassen wollte und das konnte sie von ihm nicht fordern. Er konnte das auch kaum wollen, er würde sich fügen. Schließlich hat er gesagt, er wird heiraten, nicht er soll heiraten. Er wird sich fügen., dachte sie mutlos. 
Je eher sie lernte damit umzugehen, dass sie ihn endgültig verlor, desto besser für sie Beide. Wenn auch nicht weniger schmerzhaft. 
Sie bemühte sich immer noch, die Tränen einzudämmen, aber viel Erfolg hatte sie noch nicht. Stattdessen schmiegte sie sich haltsuchend an ihn, ein letztes Mal womöglich. Ihre schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten sich: sie würde ihn verlieren. 
Nach ein paar Minuten gelang es ihr langsam wieder sich zu beruhigen. "Wann?" 
Unausgesprochen hing die Frage nach der verbleibenden Zeit zwischen ihnen. "Ist das jetzt das Ende? Einfach vorbei?", fragte sie mehr sich selbst. Joanna hatte so leise gesprochen, dass sie nicht wusste, ob William sie dennoch gehört hatte.

William

William schluckte und zuckte dann mit den Schultern. 
"Das weiß ich noch nicht. Ich werde nachher mit Henry und Eleonore sprechen. Wenn es nach meinem Vater ging am besten schon morgen. Allerdings muss ja erst noch die Verlobung geregelt werden und dann wird noch etwas Zeit verstreichen bis die Hochzeit stattfinden kann." William klang als hätte er tagelang nicht gesprochen, so rau war seine Stimme. 
Er verzweifelte schier über diese Aussichten. Anfang des Jahres hätte William den Plänen seines Vaters vorbehaltlos zugestimmt. Doch seitdem hatte sich einiges geändert - seine Welt hatte sich geändert. 
So gern er das ganze noch abwenden wollte, ihm fiel einfach nichts ein, was einen Unterschied hätte machen können. Sich gegen seinen Vater zu stellen, würde auch bedeuten, dass er sich gegen Henry wandte. Und das konnte er mit sich nicht vereinbaren. Es gab nur zwei Möglichkeiten - sich gegen alles wenden und dann mit nichts darzustehen, dafür jedoch Joanna an seiner Seite zu haben oder sich beugen, sein Schicksal annehmen und dafür Joanna verlieren. 
Beides waren für ihn keine wirklichen Optionen. 
"Ich weiß nicht was ich tun soll." gestand er dann leise.

Joanna

Joanna seufzte. Es tat weh, all diesen Dingen zuzuhören, warum nur hatte sie gefragt? Sie wollte nicht hören, dass er sich verlobte, dass er heiratete, dass er sie liebte, es aber keine Hoffnung gab. Gestern war noch alles in ordnung gewesen, gestern hatten sie unbeschwert nebeneinander gelegen, sich geküsst und von der Normandie geträumt. Heute war alles anders. Alles zerbrach, ohne dass sie es aufhalten konnte. 
"Wenn du nicht endgültig mit deinem Vater brechen willst...nichts. Es gibt keinen anderen Weg und das kann ich nicht von dir verlangen. Das würde ich auch nie.", sagte sie leise und schüttelte mutlos den Kopf. "Du könntest ihm natürlich von uns erzählen und an sein Mitgefühl apellieren, aber ich hege berechtigte Zweifel an den Erfolgsaussichten dieser Verzweiflungstat. Was sollte ihn schon dazu bewegen seine Pläne fallen zu lassen? Die Aussicht, dass du die Witwe von Roger de Beaumont heiratest sicherlich nicht. Ich bin nicht wert, dass du mit deiner Familie und deinem König brichst, deshalb werden wir wohl lernen müssen damit zu leben. Auch, wenn es mir verdammt schwer fallen wird...."

William

"Hm." mehr als ein verzweifeltes Brummen brachte William nicht zu stande. Er wollte so viel sagen, dass er dadurch nicht mehr in der Lage war überhaupt etwas zu sagen. Besonders da ihn die Erkenntnis traf, dass alle Worte nun sowieso nichts mehr ändern würden. 
William legte einen winzigen Funken Hoffnung auf Henry und Eleonore, wusste aber gleichzeitig, dass das vergebens war. So sehr die beiden möglicherweise auch Verständnis haben würden - es gab gewisse Regeln an die man sich zu halten hatte, wenn man zum englischen Adel gehörte. Und auch William hatte seine Grenzen. Er konnte sich zwar einiges heraus nehmen, aber bei Weitem nicht alles. 
Mit einem Mal kam ein leises, verzweifeltes Lachen über seine Lippen. "Weißt du was, wir satteln einfach die Pferde und reiten los. Irgendwo leben wir dann als Bauern auf einem kleinen Hof fern ab von all den höfischen Regeln." 
William wünschte fast, dass es so einfach wäre. Aber selbst wenn er einfach so bei Nacht und Nebel mit Joanna verschwinden würde, würde sein Vater notfalls die Hölle in Bewegung setzten um ihn wiederzufinden.

Joanna

Ein trauriges Lächeln huschte über ihre Züge, als sie zu ihm hochsah und über seine Wange streichelte. " Klingt gut. Ich würde überall mit dir hingehen, bis ans Ende der Welt. Ich würde alles aufgeben, wenn ich dich nur bei mir hätte. Wir beide als Bauern, die Vorstellung ist amüsant. Unsere Tiere könnten wirklich arm dran sein." Ein schwaches Grinsen huschte über ihre Lippen, verschwand aber sogleich wieder. "Aber ich fürchte, ein Leben bei dem man sich fühlt wie das Wild auf einer Jagd ist nicht unbedingt erstrebenswert. Und ich denke, dein Vater hat sehr gute Jagdhunde. Gehetzt wie wildes Getier, ständig auf der Flucht..." 
Warum musste die Stimme der Vernunft nur so eindringlich sein? 
"Ich glaube, das muss ein Traum bleiben. Wenn auch ein schöner Traum." 
Wie sollte es nur weitergehen? Wahrscheinlich gar nicht. Immer wieder gelangten sie an diesen Punkt, an dem sie feststellen mussten, dass es keinen Weg gab, der eine gute Lösung versprach. William musste sich entscheiden, doch Joanna wusste, dass diese Entscheidung wohl nicht zu ihren geunsten ausfallen würde. Wenn kein Wunder geschah, waren ihre gemeinsamen Tage gezählt. Fast wünschte sie sich, sein Vater käme nun herein und würde sie sehen. Vielleicht würde er begreifen und ein Einsehen haben, dann war sie wenigstens kein Geheimnis mehr. Aber Wunschträume halfen nun auch nicht weiter.

William

Ein trauriges Lächeln zeichnete sich auf Williams Lippen ab und er musste erneut schlucken, bevor er einen Ton heraus brachte. Denn Joannas Worte unterstrichen seine Gedanken und die Bilder, die sich in ihm breit machten, schnürten ihm die Kehle zu. 
"Und wenn uns nichts mehr bleibt, dann wenigstens dieser Traum." murmelte er und suchte Joannas Lippen für einen liebevollen Kuss. Er wollte so gern die Zeit anhalten, so dass dieser Moment ewig dauerte. 
Aber auch das war unmöglich und so blieb ihm nur eins als er sich wieder von ihr löste. 
"Ich fürchte, ich muss gehen. Henry wartet auf mich." flüsterte er gegen ihre Lippen. Ja, der König wartete auf ihn und mit ihm eine sinnlose Diskussion, die zu keinem zufriedenstellendem Ergebnis führen würde. 
Aber er konnte dem Ganzen nicht entgehen. Genauso wenig wie er seinem Vater entgehen konnte. Und in dem Augenblick beschloss William seinem Vater von Joanna zuerzählen. Auch wenn das möglicherweise nur zu einem Desaster führte.
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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Mi Jul 29, 2015 9:10 pm

Joanna

Joanna nickte langsam. "Ja, wenigstens das bleibt. Und die Erinnerung an die schönen Momente, die wir geteilt haben." Sie gab sich seinem Kuss hin, denn es konnte ja ihr Letzter sein. Alles in ihr rebellierte, als er sich von ihr löste, aber er musste gehen. Es führte nichts daran vorbei. 
Sie legte die Hand einen Moment an seine Wange und nickte. "Lass dich nicht aufhalten.", sagte sie mit einem schwachen Lächeln und trat einen Schritt zurück um ihm den Weg freizugeben. 
Sie selbst würde wohl still und heimlich in ihrem gemach noch ein paar Tränen vergießen und an jeden einzelnen Moment mit ihm zurückdenken. Vielleicht würde sie auch in die Kapelle gehen und ein verzweifeltes gebet sprechen, doch warum sollte Gott ihr dabei behilflich sein? 
Joanna seufzte leise und streichelte die Nüstern, die sich ihr gerade über die Boxenwand entgegen streckten. Cuivre hatte es gut. Ihn würde man niemals von seinem Herrn trennen, er durfte ihm treu sein bis in den Tod. Cuivre hatte auch keine Sorgen, musste nicht einer unmöglichen Liebe hinterher trauern. Joanna fasste sich und beseitigte schließlich unwirsch die letzten Tränen aus ihrem Gesicht, damit niemand außer William sie zu sehen bekam.

William

William sah sie einen Moment lang schweigend an, dann küsste er sie noch einmal. "Ich liebe dich, Joanna." murmelte er, bevor er sich abwandte und doch noch einmal kurz inne hielt. "Warte heute Abend auf mich, ja?" 
William nahm sein Sattelzeug von der Tür und brachte es nun endlich an seinen angestammten Platz. Nachdenklich starrte er auf das dunkle Leder hinunter und verfluchte zum ersten Mal in seinem Leben seinen Stand aus ganzem Herzen. 
Er war sich nicht sicher, wie lange er tatsächlich dort gestanden und gegrübelt hatte, aber als plötzlich einer der Stalljungen herein kam, zuckte William kurz zusammen. Wie lange hatte er hier gestanden? War es nur ein kurzer Augenblick oder doch länger? 
Er schüttelte den Kopf, fuhr sich über die Augen und machte sich auf den Weg zu Henry. Um sich erneut der unbarmherzigen Wahrheit zu stellen, die auf ihn zukam.

Joanna

"Ich dich auch." Sie lächelte zustimmend. Natürlich würde sie auf ihn warten, wie sie es so oft getan hatte in den letzten Wochen. Es würde kaum positive Neuigkeiten zu berichten geben, aber wenigstens konnten sie noch ein wenig die verbliebene Zeit miteinander genießen. Vielleicht die drohende Zukunft ausblenden, so tun, als wäre alles in Ordnung. Das war natürlich schwer, aber Joanna wollte es versuchen, damit seine Nähe nicht länger überschattet wurde von Angst und Trauer, war sie doch so kostbar. 
Seufzend hatte sie ihm nachgesehen und sich dann in Bewegung gesetzt, um den Stall zu verlassen, nachdem sie noch einmal nachgesehen hatte, ob sie Herakles' Box richtig verschlossen hatte. 
Langsam und in Gedanken versunken schlenderte sie über den Burghof und durch den herbstlichen Garten, sich nicht an der zunehmend kälteren Luft störend. 
Als sie schließlich ihr Gemach erreichte, wurde ihr erst wieder bewusst, dass sie fror und deshalb setzte sie sich dicht vor die Feuerstelle, in der kleine Flammen züngelten. Auch als der Feuerschein ihr Gesicht liebkoste, fühlte Joanna keine Wärme. Da war nur innere Kälte, geboren aus der Angst, dass man die Bande zwischen William und ihr gewaltsam auseinander riss.

William

Wie schon so oft in letzter Zeit stand William vor Joannas Tür. Dieses Mal mit einem Becher Wein in der Hand und einem schwer einzuordneden Gefühl in der Magengegend. Sonst hatte er sich immer gefreut an ihre Tür zu klopfen, einzutreten und den Abend mit ihr zu verbringen. 
Heut war das nicht so. Heute Abend ging es ihm seit langem das erste Mal wieder wirklich schlecht - dieses Mal jedoch nicht physisch sondern psychisch bedingt. 
Die Gespräche mit Henry und Eleonore hatten - wie erwartet - für William keinen Zweck gehabt. Eleonore schien ihn zwar zu verstehen, doch sah sie keine Möglichkeit William zu helfen. Henry hatte versucht sich in Ausflüchte zu retten. Es war William keineswegs entgangen, dass sein Cousin sich in einer schwierigen Situation befand, da er einerseits William unterstützen wollte, andererseits jedoch seiner Pflicht als König nachkommen musste - und von dessen Position aus war die Verbindung zwischen William of Cornwall und Isabel d'Aubigny mehr als zu begrüßen. 
Somit klopfte William nur kurz an die Tür und trat dann mit einem bedrückenden Gefühl in Joannas Gemach ein.

Joanna

Joanna war irgendwann stumm auf ihr Bett übergewechselt. Sie hatte ein paar stille Tränen vergossen, dann war sie wieder furchtbar wütend gewesen, warum man ihnen das antat und dann kehrte die Niedergeschlagenheit zurück. Nun saß sie sah und starrte blicklos auf das Holzmuster am Fußende. 
Auch zum Abendessen war sie nicht gegangen, sie hatte einfach keinen Hunger gehabt. 
Erst als es klopfte und sich die Tür öffnete, sah sie auf. Sie hatte gleich gewusst, dass es William war und ein einziger Blick in sein Gesicht genügte um zu wissen, dass auch das Gespräch mit dem König mehr als katastrophal verlaufen war. Irgendwie war das ja auch zu erwarten gewesen. 
Als er näher kam und sie erkannte, was der Inhalt des Bechers war, seufzte sie leise. 
"Heute wäre wahrlich ein Tag um sich zu betrinken, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass es das schlimmer macht. Niederlage auf ganzer Linie, oder?" 
Auf einen Kater am nächsten Morgen konnte sie beim besten Willen verzichten und der würde sich rasch einstellen, da sie wirklich nicht viel vertrug.

William

"Genug um sich zu betrinken." erwiderte William und so als wolle er seine Worte unterstreichen, leerte er den Rest des Bechers mit einem Zug. Er stellte den Becher auf den kleinen Tisch zu seiner linken und ging dann zu Joanna hinüber, um sich neben ihr auf das Bett sinken zu lassen. 
William beugte sich zu ihr hinüber und suchte ihre Lippen für einen Kuss - womöglich einer der letzten. 
Dann ließ er sich seufzend zurücksinken und schüttelte den Kopf. "Weißt du, lass uns nicht mehr davon reden, ja?" Er sah zu Joanna auf und bemerkte in dem Augenblick das leichte Pochen hinter der Schläfe, das sich eingestellt hatte. Der Tag war einfach zu anstrengend gewesen. 
"Lass uns den Abend einfach so nehmen wie er ist. Es reicht mir gerade, wenn die Zukunft mich belastet sobald sie zur Gegenwart wird." 
Er fuhr Joanna mit der Hand durch die Haare und wünschte sich nichts mehr als das jeden Abend für den Rest seines Lebens machen zu können. 
Seinem Vater war er nur noch einmal beim Abendessen begegnet und da war es wahrlich nicht angebracht ihn anzusprechen. Somit würde er das Gespräch also auch auf morgen verschieben müssen.

Joanna

Joanna folgte seinem Weg durch das Zimmer mit den Augen und lehnte sich schließlich leicht an ihn an. "Du hast Recht. Den Abend genießen. Mehr als deine Anwesenheit brauche ich dazu nicht." 
Sie schloss unter seiner Berührung die Augen und wusste gar nicht, wie sie auf seine Nähe verzichten können sollte. Das erschien ihr schier unmöglich. Wenn sich ihre Wege trennten, würde sie am Ende doch noch im Kloster enden. 
Mit einem letzten Seufzer schob sie die Gedanken an die Zukunft weit von sich und richtete sie auf den Mann an ihrer Seite. 
"Wie geht es eigentlich deiner Schulter? Verursacht das Reiten dir noch Schmerzen?" 
Joannas Mundwinkel zuckten leicht nach oben, als sie daran dachte, wie oft sie ihn in letzter Zeit nach einem harten Tag auf dem Pferd und dem Kampfplatz massiert hatte, weil er vollkommen verspannt gewesen war. Es hatte sich schon verbessert und er gelangte jeden Tag ein bisschen mehr zu alter Form zurück. Wenn sie daran dachte, wie er zu Anfang Schwierigkeiten gehabt hatte überhaupt einen Schritt ohne Hilfe zu gehen...

William

Ein Lächeln umspielte Williams Lippen als er Joannas Blick erwiderte. Dann legte er den Kopf ein wenig schief. 
"Es wird besser." begann er diplomatisch. Allerdings wusste er genau, dass Joanna ihn ohnehin durchschauen würde und so fuhr er grinsend fort. "Beim Reiten ist es in Ordnung. Nur nach langen Ritten merke ich es noch. Aber ich werde mich wohl daran gewöhnen müssen, dass ich mein Schwert noch eine lange Zeit nur mit links über eine längere Zeit führen kann." er verzog das Gesicht und musste dann lachen. 
Zwar zwang er sich jeden Tag immer etwas länger mit rechts zu üben, aber seine Schulter begann immer noch zu schmerzen, wenn er es etwas übertrieb und sein Arm ermüdetete deutlich schneller als ihm lieb war. Es würden wohl noch ein paar Wochen ins Land gehen bis er keine Beeinträchtigung mehr spüren würde - wenn das überhaupt jemals wieder ganz der Fall sein würde. 
Der Arzt hatte von Anfang an nicht allzu viel Optimismus verbreiten wollen und William frühzeitig zu verstehen gegeben, dass er unwarscheinliches Glück gehabt hatte, dass er seinen Arm überhaupt noch nutzen konnte.

Joanna

Sie legte einfach die Arme um ihn und schmiegte sich in seine wohltuende Wärme, während sie ihm zuhörte. 
"Dann musst du eben dafür sorgen, dass du mit links ebenso gut zu kämpfen lernst wie mit rechts, denke ich. Überleg einmal die Möglichkeiten, wenn dein rechter Arm wieder intakt ist. Du wechselst im Kampf plötzlich die Hand und dein Gegner muss sich völlig neu orientieren. Der Überraschungsmoment wäre jedenfalls auf deiner Seite." 
Joanna lächelte wieder. Es war merkwürdig leicht, alles auszusperren, wasd dunkle Schatten auf ihr Beisammensein hätte werfen können. 
"Es dauert bestimmt nicht mehr lange und dein Arm ist auch wieder in Ordnung. Immerhin kannst du schon wieder ohne Probleme reiten. Uriel wird sich freuen seiner Langeweile zu entrinnen. Könnte übrigens sein, dass ich Cuivre ein bisschen sehr verwöhnt habe." 
Sie grinste nun ebenfalls wieder. 
"Er hat mich immer so traurig angesehen, wenn ich bei Herakles war und du nicht kommen konntest. Dem konnte ich einfach nicht widerstehen. Wenn er zugelegt hat, verschwindet das bei anständigem Training sicher bald wieder."

William

William sah sie verdutzt an, dann musste er laut lachen. "Es hält sich im Rahmen. Den Gurt bekomme ich auf jeden Fall noch problemlos zu." 
Er grinste bei dem Gedanken wie Joanna ihren Wallach besucht hatte und dann dem großen Hengst gegenüber auch immer etwas zusteckte, um ihn und warscheinlich sich selbst auch zu trösten. 
"Aber ich bin überrascht. Du beweist ja tatsächlich ein gutes Gespür für Taktik. Wo hast du das denn bloß her, hm?" fragte er neckend und liebkoste dann die warme Haut an ihrem Hals, arbeitete sich langsam hinauf bis er schließlich ihre Lippen fand. 
Plötzlich durchbrach ein Klopfen an der Tür jedoch die Stille und William erstarrte mitten in der Bewegung. Langsam löste er sich von Joanna und sah mit gerunzelter Stirn zur Tür hinüber. 
"Erwartest du noch jemanden?" fragte er, obwohl er die Antwort bereits kannte. 
Ein ungutes Gefühl machte sich in ihm breit. Aus irgendeinem Grund hatte er eine Befürchtung, wer dort draußen stand und geklopft hatte. Und sollte sich diese Befürchtung bewahrheiten ... dann gnade ihm Gott.

Joanna

"Na wenigstens etwas. Siehst du, ich habe noch Seiten, die du nicht kennst. Beruhigend, dass ich noch der Lage bin dich zu überraschen. Ja, woher nur....?" 
Sie lächelte stumm in sich hinein und genoss die Liebkosungen auf ihrer Haut. Doch auch sie ruckte erschrocken hoch, als er klopfte. Sie starrte William beunruhigt an und schüttelte langsam den Kopf. 
"Nein. Nicht, dass ich wüsste." Es war nicht Kate, Kate klopfte nie so kraftvoll an die Tür, sondern nur zart und schlüpfte dann durch einen kleinen Spalt ins Zimmer. 
Joanna kaute nervös auf ihrer Unterlippe herum, während ihre Gedanken rasten. Wer konnte das sein? Um diese Zeit besuchte sie normalerweise niemand mehr außer William. Sie schluckte. Der Besucher hatte sicherlich das Lachen gehört und wusste, dass jemand hier war. 
Also stand sie auf, zupfte ihre Haare wieder in eine halbwegs annehmbare Ordnung, atmete durch und machte sich auf den Weg zur Tür. 
Sie warf einen letzten unruhigen Blick zurück zu William, dann öffnete sie.

William

William hatte das Gefühl sein Herz würde aussetzen als Joanna die Tür öffnete. Irrsinniger Weise schoß ihm kurz durch den Kopf, ob es eine Möglichkeit gab, unbemerkt zu bleiben - aber natürlich gab es die nicht. Er hätte sich bestenfalls hinter dem Bett verstecken können, aber dafür war es natürlich längst zu spät. 
Und somit blieb ihm nichts anderes übrig als das Gefühl der Panik in Zaum zu halten, das in ihm aufwallte als er sich langsam vom Bett erhob. Kurzzeitig dachte er, ihm würde schwarz vor Augen werden, doch dann klärte sich sein Blick wieder und so blieb ihm nichts anderes übrig als den Blick auf den Ankömmling zu richten. 
"Vater." mehr kam nicht über seine Lippen und seine Stimme war so schon so rau und kratzig, dass er sich selbst kaum verstehen konnte. Wieso stand Reginald de Dunstanville hier vor ihnen? Woher hatte er gewusst, dass sein Sohn sich hier aufhielt? 
Williams Kehle schnürte sich zu als ihm klar wurde, dass sein Vater, misstrauisch wie er schon gestern Abend gewesen war, ihm wohl gefolgt sein musste.

Joanna

Auch Joanna starrte ihn entsetzt an. Stand da gerade wirklich Williams Vater, Reginald de Dustanville, Earl of Cornwall vor ihrer Tür und schaute sie nicht gerade freundlich an? 
Einen Moment lang war sie wie erstarrt, doch sein Eintreten riss ihn schließlich aus ihrer Starre und sie schloss schnell die Tür wieder. Wenn jemand über den Flur lief, musste er ja nicht erfahren, wer gerade hier war. 
Joanna war überfordert, sie wusste nicht, was sie tun sollte, wie reagieren und tat schließlich ein paar Schritte auf William zu, stellte sich aber noch nicht neben ihn. Sie fragte sich nur, wie der Earl den Weg hergefunden hatte. Wer hatte geplaudert? Wer hatte sie beobachtet? 
Sie erschauderte unmerklich, als er die Stimme erhob. 
"Ich erwarte eine Erklärung, William, und ich hoffe für dich, sie ist gut." 
Joanna schluckte - und schwieg. Sie hätte ohnehin keinen Ton herausgebracht. 
Wieder eine vollkommen neue Situation. Williams Vater wusste nun sicherlich Bescheid, denn es war kaum üblich, dass man zu so fortgeschrittener Stunde eine Frau einfach so besuchte.

William

William öffnete mehrfach den Mund, nur um ihn dann wieder zu schließen ohne ein Wort hervor gebracht zu haben. Er sah hektisch von Joanna zu seinem Vater und wollte gerade wieder den Blick von diesem abwenden als er seinem Blick direkt begegnete. Und von diesem Moment an, war es ihm unmöglich den Blick wieder abzuwenden. 
William schluckte, jetzt gab es keinen Weg nach draußen mehr, jetzt musste er durch die Situation durch. Und das würde weißlich nicht angenehm werden. 
"Es ... es tut mir Leid, Mylord." begann er langsam, dann atmete er geräuschvoll aus und machte einen Schritt nach vorne, der ihn sowohl seinem Vater als auch Joanna näher brachte. 
"Aber es ist nicht ganz so wie Ihr denkt. Ich" William schloss kurz die Augen und wünschte sich an einen anderen Ort. "Ich hatte eigentlich geplant Euch in Kenntnis zu setzen, doch Eure Eröffnung heute morgen hat mich davon abgehalten. Ich wollte noch morgen früh mit euch sprechen." 
Die Augen des Earl of Cornwalls verengten sich zu zwei Schlitzen, während er Williams schwachen Erklärungsversuchen lauschte. 
William seuftzte und riss sich zusammen. "Ich habe geplant Lady Joanna zu ehelichen." 
Waren die Augen seines Vaters gerade kaum mehr als dünne Schlitze gewesen, so weiteten sie sich nun ungläubig, noch bevor ein Wort über seine Lippen kam.

Joanna

Joanna fühlte sich reichlich fehl am Platz, dabei befand sie sich in ihrem eigenen Gemach. Sie stand einfach da und schwieg, während ihr Blick unruhig zwischen Vater und Sohn wechselte. Vor dieser Situation hatte sie sich gefürchtet und irgendwie wäre es ihr lieber gewesen, sie hätte nicht Zeugin dieses Gespräches sein müssen. Trotzdem ging es sie etwas an, denn es ging um ihre Zukunft. 
Sie verspürte unerklärliche Freude darüber, dass er es ausgesprochen hatte. Sie war kein Geheimnis mehr, sein Vater wusste Bescheid, auch wenn seine Reaktion sicher nicht sehr begeistert ausfallen würde. 
Der Earl schien immer noch nicht zu wissen, ob sein Sohn da gerade scherzte. Ein rascher Seitenblick zu Joanna, die unwillkürlich ein wenig kleiner wurde, dann fixierte er seinen Sohn und kam einen Schritt näher. 
"Ich hoffe, das ist ein Scherz. Du wirst Isabel d'Aubigny heiraten. Wie kommst du denn auf diese verrückte Idee?" 
Ein längerer, prüfender Blick. "Lady Joanna wer?" Doch auch diese Frage ging ausschließlich an seinen Sohn. Normalerweise hätte sich Joanna nicht behandeln lassen, als wäre sie gar nicht da, aber sie war gerade einfach zu eingeschüchtert. Es brauchte ein Weilchen, bis sie sich von dem Schock erholt hatte, dass der Earl vor ihr stand.

William

William musste sich zusammen reißen, um nicht einen Schritt zurückzuweichen als sein Vater einen Schritt nach vorne machte. 
"Joanna war mit Roger de Beaumont vermählt." antwortete William dann mit einem Ton als hätte sein Vater ihn gerade nach der Farbe seiner Tunika gefragt. 
William hatte das Gefühl, die Zeit würde stehen bleiben, und so kam ihm die Sekunde bis sein Vater reagierte, wie eine halbe Ewigkeit vor. Reginald de Dunstanville zog eine Augenbraue nach oben, genau so wie es auch sein Sohn immer tat. Dann kräuselten sich seine Lippen. 
"Und du willst mir erzählen, dass du die Witwe des Hundes heiraten willst, den du selbst vor einigen Jahren noch bis aufs Blut bekämpft hast. Das setzt der Tatsache, dass du deiner Stellung spottest noch die Krone auf." entgegnete sein Vater höhnisch und ließ keinen Zweifel daran, dass er nichts von Williams Plänen hielt. 
"Vater, ich weiß, dass Ihr diese Verbindung nicht zu schätzen wisst, doch es ist genau das, was mein Herz verlangt." fügte William dann noch hinzu, obwohl er genau wusste, dass seine Worte an dem Earl of Cornwall abprallen würden.

Joanna

Joanna folgte dem Wortwechsel mit einem immer größer werdenden Gefühl des Unbehagens. Das Gespräch lief eindeutig in keine gute Richtung, denn Roger de Beaumont war kein Namen, der den anderen Lords Respekt einflößte. Wie weit Williams Abneigung ging, stellte sie erst jetzt fest. Bis aufs Blut gekämpft...Sie konnte sich glücklich schätzen, dass er sie trotz ihrer Vergangenheit liebte. 
In diesem Moment löste sich Joannas Starre in Luft auf und sie beschloss, dass sie ohnehin nichts mehr zu verlieren hatte; sein Vater hielt ohnehin nichts von ihr. 
Bevor der Earl irgendetwas erwidern konnte, trat sie einen Schritt auf William zu und sah den Earl of Cornwall fest an, obwohl sie sich innerlich ziemlich unsicher fühlte. 
"Mylord, verzeiht, dass ich mich einmische, aber ich glaube nicht, dass Ihr mich nach meinem verstorbenen Gemahl beurteilen solltet. Ich hatte mir nicht ausgesucht Roger de Beaumont zu heiraten. William vermag zu unterscheiden zwischen mir und dem, was er einst bekämpft hat. Gleichwohl weiß ich durchaus, dass ich für Euch nicht das bin, was man eine gute Partie zu nennen pflegt. Ihr habt Recht, Isabel d'Aubigny kann eine weitaus bessere Ahnenreihe vorweisen als ich. All dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass auch mein Herz Eurem Sohn zugewandt ist." Sie fürchtete plötzlich, viel zu weit gegangen zu sein. Es würde seine Meinung von ihr sicher nicht bessern, aber Joanna war froh, dass sie es ausgesprochen hatte.

William

William hob überrascht die Augenbrauen - und sah seinem Vater damit unbewusst noch änlicher - als Joanna das Wort ergriff. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie sich einmischen würde. Offensichtlich hatte auch sein Vater das nicht erwartet und so sah er Joanna an als hätte er ihre Anwesenheit gerade erst bemerkt. 
Ein verärgertes Schnauben war die erste Reaktion des Earls. 
"Ihr seid reichlich unverschämt, dass Ihr euch in diese Angelegenheit einmischt." erwiderte er dann mit einem verächtlichen Blick auf Joanna. 
"Ihr beide sprecht von Liebe? Das hier ist aber keine Entscheidung des Herzens. William, sei nicht naiv." er verengte die Augen wieder ein wenig. "Du wirst Isabel d'Aubigny ehelichen." seine Stimme ließ keinen Zweifel daran, dass er keinerlei Widerstand zuließ. 
William biss die Zähne aufeinander. Er wusste nicht, was er noch sagen sollte. Ein Widerspruch hätte nur noch härtere Konsequenzen gehabt. Aber wie konnte er hier schweigend stehen und das geschehen lassen? 
Da er keine Worte über die Lippen bekam, schüttelte William einfach den Kopf, was dazu führte, dass sein Vater einen weiteren Schritt auf ihn zu machte und sich drohend vor ihm aufbaute. 
"Wage es ja nicht, dich mir zu widersetzen." zischte er leise.

Joanna

Joanna spürte, dass sie verloren hatten. Es würde keine Einigung geben, bei der der Frieden in seiner Familie erhalten blieb. Der Earl of Cornwall würde nicht einlenken. Sie wusste, William würde sich nicht weiter widersetzen, denn dann lief er Gefahr alles zu verlieren, was ihn an seine Heimat band. Sein vater würde ihn enterben, wenn er sie heiratete und das konnte sie nicht auf ihr Gewissen laden. Trotzdem... 
"Eine Entscheidung des Herzens ist es immer, entweder zum Guten oder zum Schlechten. Ihr besteht auf dieser Eheschließung und wisst nicht, was Ihr uns damit antut." 
Sie hätte ihm am liebsten noch mehr an den Kopf geworden. Wie stur, ignorant und engstirnig er doch war, doch das machte es nicht besser. 
Ihr Blick wanderte zu William und in seinen Augen las sie die selbe Verzweiflung, die auch sie verspürte. 
Gab es wirklich keine Chance mehr? 
War dies das Ende? 
Joanna spürte, dass ihre Haltung merklich bröckelte. All das hatte sie nicht gewollt.

William

William schluckte und versuchte seine Gedanken zu ordnen. Die Verzweifelung über die Endgültigkeit mit der sein Vater die Diskussion beendet hatte, raubte ihm die Möglichkeit klar zu denken. 
Nur langsam sickerte zu ihm durch, was das bedeutete. Und gleichzeitig damit setzte ein dumpfes Gefühl der Resignation ein. 
William sah mit entschuldigendem Blick zu Joanna hinüber. "Es tut mir Leid." murmelte er ohne sich sicher zu sein, ob sie ihn überhaupt verstand. 
Es kam ihm vor als würde er selbst das Messer in seiner Brust nun langsam herum drehen. 
William knirschte mit den Zähnen und warf seinem Vater einen vernichtenden Blick zu. "Ich hoffe wenigstens Ihr seid stolz darauf, dass Ihr euren sturen Holzkopf durch gesetzt habt." brummte er und wandte sich dann mit einem Ruck ab und ging zu dem Tisch hinüber auf dem noch immer sein Becher stand und auch ein Krug mit Wasser. 
Er brauchte etwas zu tun und somit goss er sich etwas zu trinken ein und hielt seinem Vater weiterhin den Rücken zugewandt. Er wollte weder noch etwas zu ihm sagen, noch einen weiteren Blick auf ihn werfen.
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GreyStorm



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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Mi Jul 29, 2015 9:40 pm

Joanna

Auch Joanna hatte Schwierigkeiten mit der Endgültigkeit dieser Entscheidung. Als die ersten Tränen in ihren Augen schimmerten, hielt sie es nicht mehr aus. "Es ist nicht deine Schuld, William.", sagte sie erstickt, dann wandte sie sich ab und floh aus ihrem eigenen Gemach. Sie ertrug es nicht mehr, dem mann gegenüber zu stehen, der gerade den letzten Funken Hoffnung erstickt hatte. 
Als sie auf den kühlen Flur hinaustrat, spürte sie heiße Tränen über ihre Wangen rinnen. 
Sie blieb nicht lange stehen, lenkte ihre immer schneller werdenden Schritte in ihrer Verzweiflung in Richtung Kapelle. Dort war es ebenso eisig und bis auf das Licht einiger Kerzen dunkel, aber das war Joanna gerade recht. 
Sie kniete auf dem Steinboden und hielt nun ihre Trauer nicht mehr zurück. Sie trauerte um den Verlust von Etwas, dass sie erst ein paar Wochen kannte und das doch einen so großen Platz in ihrem Leben eingenommen hatte: ihre Liebe zu William. Nein, nicht einmal die Liebe, denn sie liebte ihn ja trotz allem. Sie haderte mit dem Schicksal und mit Gott, dass sie so ungerecht waren und ihnen keine Chance gaben. Der Tag, an dem William heiratete, würde der schwärzeste Tag ihres Lebens sein.

William

William wusste nicht genau wie sein Vater reagiert hätte, wenn Joanna nicht den Raum verlassen hätte. So wurde er jedoch, kaum das die Tür hinter ihr zugefallen war, unsanft herum gezerrt und im nächsten Augenblick versetzte ihm sein Vater eine solch schallende Ohrfeige, dass William beinahe schwarz vor Augen geworden wäre. Hätte Reginald ihn nicht am Kragen festgehalten, hätte William vermutlich das Gleichgewicht verloren. 
"Wie kannst du es wagen?" wiederholte er seine Worte mit drohendem Ton. 
Als sich Williams Blick wieder klärte, hob er trotzig das Kinn und sah seinen Vater mit provozierendem Blick an. 
"Was wollt Ihr noch? Ihr bekommt doch Euren Willen. Wie immer." er knirschte mit den Zähnen. "Etwas anderes habt Ihr doch auch gar nicht erwartet. Und nun entschuldigt mich bitte, Mylord." 
Mit diesen Worten machte William sich von seinem Vater los und verließ mit raschen Schritten das Gemach. 
Die Wut kochte nun wieder in ihm hoch und dieses Mal hatte er kein Ventil, um sie abzulassen. 
So saß er wenig später mit einem Krug Wein in der Hand draußen auf dem Burghof und starrte in den Himmel. 
"Wie kann ich mich einen freien Mann nennen, wenn ich nicht einmal über meine Zukunft entscheiden kann?" murmelte er leise und nahm einen Schluck Wein.

Joanna

Joanna hatte irgendwann jegliches Zeitgefühl verloren. Sie wusste nicht mehr, ob sie nun eine Stunde oder doch zwei hier kniete und in der Einsamkeit und Abgeschiedenheit der Kapelle bittere Tränen vergoss. Die allerdings versiegten nun langsam und hinterließen nichts als feine Spuren auf ihren Wangen. 
Als sie sich erhob, wäre sie um ein Haar gestürzt, da sie ihre Beine kaum noch spürte. Es dauerte einen Moment lang, dann konnte sie die Kapelle aus eigener Kraft verlassen. Trost hatte sie auch im Gebet nicht gefunden. Es gab keinen Trost. 
Joanna wusste nicht, wo William war und wie er sich fühlte. Je schneller sie sich daran gewöhnte, dass sie nicht mehr so miteinander umgehen konnten wie bisher, desto besser. Sie hoffte für den Moment einfach nur, dass wenigstens der Earl endlich ihr Gemach verlassen hatte. Sie fror, wollte einfach nur noch in ihr Bett, schlafen und am liebsten nicht mehr aufwachen, bis der ganze Ärger vorbei war. 
Sie wählte den längeren Weg über den Burghof, um noch einmal die Sterne zu sehen bevor sie wieder hinein ging. Dass William auch hier saß, bemerkte sie nicht, zu sehr in ihren aufgewühlten Gefühlen gefangen.

William

William hatte rasch die Hälfte des Kruges gelehrt und dann für einen Moment die Augen geschlossen, in dem Versuch einfach alles auszublenden. 
Schnelle, leise Schritte rissen ihn jedoch wieder aus dem leichten Dämmerzustand in den er in seiner Müdigkeit geglitten war. William sah auf und brauchte etwas um zu erkennen, wer dort über den Hof lief. 
"Joanna!" seine Stimme war rau und er war sich nicht sicher, ob sie ihn gehört hatte, deshalb stand er auf und machte zwei Schritte auf sie zu in der Hoffnung sie würde ihn bemerken. 
William war mittlerweile an einem Punkt angelangt an dem er so frustriert war, dass er beinahe laut gelacht hätte über diesen Streich den ihnen das Schicksal spielte. 
Er hatte von Anfang an gewusst, dass es Probleme geben würde, doch er war sich sicher gewesen, dass er seinen Vater von der Hochzeit mit Joanna hätte überzeugen können, wenn ... ja, wenn dieser ihm nicht zuvor gekommen wäre. Und nun stand seine Verlobung mit Isabel d'Aubigny direkt bevor und die Hochzeit würde auch nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Joanna

Seine Stimme drang zu ihr durch und sie wusste, wer gerade auf sie zu kam. Einen Moment erwog sie, einfach weiter zu laufen. Es gab nichts zu sagen, denn das Wichtigste war gesprochen worde. Sie wusste, wo dieses Gespräch enden würde. Er würde sagen, dass es ihm leid täte und sie würde ihm sagen, dass es nicht seine Schuld wäre. Doch das machte die Lage nicht erträglicher. 
Trotzdem blieb Joanna stehen, verharrte einen Augenblick mit zu Boden gesenktem Blick, dann drehte sie sich um und hoffte, dass sein Anblick nicht erneut einen Strom von nicht unterdrückbaren Tränen hervorrufen würde. 
Noch hielt sie an sich. 
Ihre helle Haut zeichnete sich im schwachen Mondlicht deutlich ab, als sie ihm ihr Gesicht zuwandte, aber nicht wagte in seine Augen zu sehen. Sie fürchtete sich vor dem, was sie sehen würde. Mitleid? Oder doch Verzweiflung? 
"ich hoffe, er hat inzwischen mein Gemach verlassen.", sagte sie nur, um überhaupt etwas zu sagen. Eine Antwort wollte sie gar nicht. Warum hast du mich aufgehalten? Es ist doch alles gesagt. Du wirst sie heiraten. Das wollte sie eigentlich aussprechen, brachte es letztlich aber doch nicht fertig.

William

Nun konnte William ein trockenes Lachen nicht mehr zurück halten. 
"Ich denke, jetzt das es dort niemanden mehr gibt, den er schlagen kann, wird er wohl sein eigenes Gemach aufgesucht haben." William schnaubte verächtlich und nahm erneut einen Schluck aus dem Krug. Am liebsten hätte er sich heute Abend sinnlos betrunken. Nur das würde sich morgen mehr als rächen. 
Er strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn und befühlte bei der Gelegenheit gleich noch seine rechte Gesichtshälfte, die noch immer ein klein wenig pochte von der harten Begegnung mit Reginalds Hand. 
William kratzte sich am Nacken und suchte nach passenden Worten, die es in dieser Situation jedoch nicht gab. 
"Ich wünschte, du hättest das nicht mitbekommen. Es hätte zwar nichts an dem Resultat geändert, aber trotzdem ..." Wenigstens hätte sie dann nicht mitbekommen, wie schnell sein Widerstand gegen seinen Vater gebrochen war. 
"Du hältst mich jetzt wahrscheinlich für einen ziemlichen Versager, hm? Große Worte und dann im Angesicht meines Vaters alles nur Schall und Rauch." er klang bitter, war selbst verärgert über seine Reaktion.

Joanna

"Das passt zu ihm. Er will alles mit Gewalt durchsetzen, koste es, was es wolle." Der Earl of Cornwall war mehr als nur hart und das gegen seinen einzigen Sohn. War er nie verliebt gewesen? Wusste er nicht, wie sich das anfühlte? 
Joanna gab noch nicht mal mehr einen Kommentar dazu ab, dass er gerade drauf und dran war sich zu betrinken. Liebend gern hätte sie es ihm gleichgetan, aber statt Vergessen würde sie nur hämmernde Kopfschmerzen bekommen. 
"Warum sollte ich es nicht mitbekommen? Es macht keinen Unterschied, bis auf die Tatsache, dass ich nun weiß, wie er ist." Sie schüttelte den Kopf und lachte bitter auf. 
"Nun, du musstest dich eben entscheiden. Deine Familie, dein Erbe und alles, was dich an Cornwall und den König bindet oder ich. Dass diese Entscheidung nicht zu meinen Gunsten ausfallen würde, war zu erwarten. Diesem Vergleich konnte ich nicht standhalten, tief in meinem Herzen wusste ich das schon, als du zum ersten Mal gesagt hast, dass du mich heiraten willst." Er hatte trotzdem gewissermaßen recht. Sie war enttäuscht, dass er sich so schnell gebeugt hatte, obwohl sie wusste, dass es nicht anders ging. Eine Entscheidung für sie hätte er irgendwann bereut. Hoffnung...nur Narren hofften auf das Unmögliche. Kein Versager war er. Er war nur ebenso wie sie gefangen in den Schranken, die der Adel mit sich brachte. 
"Es hätte uns klar sein müssen, dass es nie so kommen würde. Das ist also das Ende..."

William

William starrte sie an und fühlte bei jedem ihrer Worte wieder das Messer in seiner Brust. Die anklagenden Worte, waren auf ihre Art genauso schmerzaft wie die Verletzung, die sich nun mehr als eine lange, breite Narbe quer über seinen Oberkörper zog. 
William sah auf die dunkle Flüssigkeit in dem Krug hinab von der man in der Dunkelheit kaum sagen konnte, was sie eigentlich war. Nur der süßliche Duft verriet den Inhalt. Dann atmete er geräuschvoll aus. 
"Ich schätze deine Vorwürfe sind berechtigt." entgegnete er dann mit resignierter Stimme. 
Dann trat er dichter an Joanna heran, so dass er unmittelbar vor ihr stand und auf sie hinab sah. Die Vorstellung, dass die letzten Wochen einfach so ein Ende fanden, quälten ihn mehr als er es sich je hatte vorstellen können. 
"Und trotzdem bereue ich nicht einen Tag der letzten Wochen." er legte ihr eine Hand ans Kinn, hob ihren Kopf an und suchte dann ihre Lippen für einen letzten Kuss. 
"Ich werde Euch für immer in meinem Herzen mit mir tragen, Mylady." murmelte er leise als sich seine Lippen von den ihren lösten.

Joanna

Joanna schüttelte den Kopf. "Es war kein Vorwurf, lediglich eine Feststellung. Wie könnte ich dir einen Vorwurf machen, wenn ich nicht weiß, wie ich in deiner Situation entschieden hätte? Du hast mir nie etwas versprochen." 
Sie seufzte leise und prägte sich dann jedes Detail seiner Nähe ein, in dem Wissen, dass es ihr letzter Kuss sein würde. 
"Auch ich bereue keinen Tag. Ich bedaure nur, dass ich nun, da ich erkannt habe, wie dunkel und leer mein Leben ohne dich ist, darauf verzichten muss." 
Einmal mehr rang Joanna mit ihren Tränen. Sie würde es nicht noch schwerer machen, als es ohnehin schon war. 
"Es war ein Traum, zu vollkommen um wahr werden zu können. Aber ich werde nie vergessen. So lebt wohl, Mylord." 
Die nächsten Worte musste sie sich wirklich abringen. "Ich wünsche Euch Glück, wohin auch immer Euer Weg Euch führt." 
Sie drehte sich um und ging, verließ ihn, floh. Das hier sollte also das Ende beschreiben.

William

William machte einen kurzen Schritt in ihre Richtung, schickte sich an ihr zu folgen, hielt dann jedoch inne. Es hatte so oder so keinen Zweck und er würde es Joanna damit nicht leichter machen. Und sich selbst auch nicht. 
William seuftzte und fuhr sich nachdenklich über das Kinn. 
Ihm war gerade bewusst geworden, dass das Problem nicht einfach nur darin bestand, dass sie beide nicht zusammen sein konnten. Viel erschwerender kam es ihm in diesem Moment vor, dass sie sich weiterhin oft genug über den Weg laufen würden - und nichts weiter als ein paar höfliche Worte miteinander teilen konnten. 
Er stöhnte ob dieser Erkenntnis und ging langsamen Schrittes über den Hof. Er wollte sich die Zeit noch mit einer kleinen Runde vertreiben, eventuell mit der Wache sprechen - hauptsache er hatte noch etwas um sich abzulenken und das ihn davon abhielt sich noch mehr Wein zu holen. 
Morgen würde ihm sicher das nächste Gespräch mit seinem Vater vor der Tür stehen, schließlich musste die Verlobung geklärt werden. William würde also nicht umhinkommen dem Earl of Arundel und seiner Tochter kurzfristig seine Aufwartung zu machen.

Joanna

"Nein. Bei allem Respekt, Majestät, das kann ich nicht." 
"Nun stellt Euch nicht so an, Joanna. Ihr sollt ja nicht den ganzen Tag mit ihr verbringen, sondern ihr den Garten zeigen und ihr antworten, wenn sie Euch etwas über ihren Bräutigam fragt, und den kennt Ihr nunmal am Besten." 
Inzwischen hatte Joanna vor Zorn rote Flecken im Gesicht. So taktlos hatte sie Eleonore gar nicht eingeschätzt. Nicht nur, dass diese ach so hochgeborene d'Aubigny den Mann heiraten würde, den sie liebte, nein, sie sollte ihr auch noch von William erzählen?? Glaubte denn die Königin, sie hätte alles abgestellt, nur weil sie bis auf höfliche Floskeln nichts mehr mit ihm zu tun hatte? Es tat noch genauso weh. 
"NEIN! Das werde ich ganz sicher NICHT tun, gleich, was Ihr sagt." 
"Joanna! Widersetzt Euch mir nicht! Ihr werdet tun, worum ich Euch gebeten habe." 
"Niemals. Und wenn Ihr es befehlen würdet, ich würde es nicht tun!" 
Joanna schüttelte den Kopf und ließ die fassungslose Eleonore einfach stehen, schlug nicht gerade leise die Tür hinter sich zu. Als sie durch den Gang hastete, konnte sie nur den Kopf schütteln. Wunderbar, jetzt hatte sie auch noch mit der Königin Differenzen. Langsam reichte es. 
Als sie auf den Burghof trat, stieg gegenüber gerade eine blonde Schönheit vom Pferd. Joanna blieb wie erstarrt gehen. Das war also Isabel d'Aubigny. Mit diesem Engel konnte sie natürlich nicht mithalten. Und in diesem Moment beschloss sie, dass sie noch am Tag seiner Hochzeit den Hof verlassen und ins Kloster gehen würde. Das wurde ihr zu viel.

William

William wanderte mit angespanntem Gesichtsausdruck in Henrys Gemach auf und ab. Obwohl er noch immer einen tiefen Groll gegen seinen Vater hegte und es ihm jedes Mal einen Stich versetzte, sobald er Joanna begegnete, brannte doch eine Flamme der Nervosität in ihm, die ihn nicht stillsitzen ließen. 
William kannte den Earl of Arundel recht gut und hielt ihn für einen umgänglichen, freundlichen Mann. Seine Tochter hatte er vor Jahren einmal gesehen, doch seit dem war so mancher Winter ins Land gezogen. 
"William. William!" Henry musste die Stimme heben, um zu seinem Cousin durchzudringen. 
"Entschuldige." brummte William, der stehen geblieben war und seinen Cousin verzweifelt ansah. "Ich will das hier nicht und gleichzeitig brenne ich darauf sie zu sehen. Ich glaube ich werde verrückt." William grinste ein wenig gezwungen und erntete ein amüsiertes Kopfschütteln von Henry. 
"Beruhig dich. Immerhin sollten wir jetzt gehen. Der Earl of Arundel und seine Tochter werden sicher jeden Moment eintreffen und ich will sie in der Halle empfangen." 
William nickte und besann sich wieder seiner Pflichten. Während Henry sich von seinem Platz erhob, ging William zur Tür, um diese für seinen König zu öffnen.

Joanna

Joanna spürte ihre Gesichtszüge entgleiten und drehte sich abrupt um. Sie war wirklich nicht hässlich, aber gegen Isabel war sie ein Nichts. Isabel war ein Engel, fast zu perfekt. Niedergeschlagenheit überrollte sie wie eine Welle. Was hätte William mit ihr anfangen sollen? Jetzt bekam er eine Frau, die man zu den Schönsten in England zählte. 
Ihr Atem ging schneller. Eigentlich hatte sie zu Herakles gehen wollen, aber das konnte sie jetzt nicht. Sie wollte dieser Frau nicht näher kommen als nötig, es würde verdammt wehtun. 
Stattdessen wandte sie sich in den Garten. Es war zwar kalt, aber das war ihr egal. Sie setzte sich auf eine der Bänke und seufzte tief. 
Nach einer Weile setzte sich jemand neben sie. Es war Kate. 
"Joanna..." Kate war immer informiert, sie wusste natürlich längst, dass Isabel d'Aubigny angekommen war und auch vom Streit mit der Königin. Sanft legte sie die Arme um ihre Freundin, die daraufhin wieder einmal in Tränen ausbrach. 
Kate seufzte leise und strich ihr beruhigend über den Rücken. Joanna tat ihr leid, aber helfen konnte ihr niemand.

William

Henry hatte gerade seinen Platz eingenommen als einer der Bediensteten herein kam und die Ankunft des Earl of Arundel und seines Gefolges meldete. 
William, der ich gerade wieder zur Ruhe gemahnt hatte, wurde augenblicklich wieder nervös. Nur die Tatsache, dass er neben seinem Vater stand, führte dazu, dass er sich zusamme riss und lediglich hin und wieder auf seiner Unterlippe kaute. 
Auch wenn er sich selbst dabei schäbig vorkam, so blendete er jetzt doch sämtliche Gedanken aus, die sich nicht um den gerade eingetroffenen Besuch drehte. 
"Reiß dich zusammen, Junge." raunte ihm sein Vater mit mahnender Stimme zu. Allerdings bildete William sich ein, so etwas wie Verständnis in der Stimme des Earl of Cornwall zu vernehmen. Vielleicht würde sein Vater ihm gegenüber nun endlich ein wenig Ruhe geben, schließlich bekam er endlich einmal uneingeschränkt seinen Willen.

Isabel

Isabel d'Aubigny, Tochter des Earl of Arundel, ließ sich vom Sattel ihres Pferdes zu Boden gleiten und sah sich neugierig, aber nervös um, während sie noch einmal ihrer Schimmelstute über den Hals strich udn schließlich die ledernen Handschuhe abstreifte. 
Sie war aufgeregt, denn gleich würde sie den Mann kennenlernen, den sie heiraten sollte. Man hatte nur Gutes gehört und deshalb war sie eigentlich recht zuversichtlich. Aber man wusste ja nie, was einen erwartete. Sie hoffte nur, dass sie sich gut verstanden, schließlich würde sie den Rest ihres Lebens mit ihm verbringen, wenn alles gut ging. 
Allerdings machte auch sie eine gute Partie, denn er war der Cousin des Königs. Ihr Vater war hochzufrieden und Isabel würde ihn nie enttäuschen. 
Als dieser nun ihre Hand nahm und sie in die Halle führte, schlug ihr Herz bis zum Hals, anmerken ließ sie sich aber nichts. Wenn sie eines gelernt hatte, dann perfekte Manieren und ihm zu zeigen, dass sie die Begegnung fast ein wenig fürchtete, war nicht gerade höflich.

William

Als der Earl of Arundel angekündigt wurde, steigerte sich Williams Anspannung und er knirschte verdrossen mit den Zähnen. Er wusste selbst, dass er völlig überreagierte, konnte sich aber nicht helfen. 
Von dem Augenblick an in dem William d'Aubigny eintrat, verschwand Williams innere Unruhe jedoch schlagartig und er hatte nur noch Augen für den Earl und seine Tochter. Um genauer zu sein nur für die Tochter des Earl. 
Er konnte sich an Isabel d'Aubigny nur noch als kleines Mädchen mit blonder Mähne und fröhlich blitzenden Augen erinnern. Er selbst war zu dem Zeitpunkt noch ein Knabe gewesen und war mehr damit bemüht den Geschäften seines Vaters aufmerksam zu folgen, den er begleiten durfte, als sich mehr als einen Augenblick um das Mädchen zu kümmern, dass an der Hand ihrer Mutter mit in der Halle gestanden hatte. 
Heute war die Situation jedoch gänzlich anders. William war keine 10 Jahre mehr und aus dem kleinen Mädchen war eine bildschöne Frau geworden. 
William war so abgelenkt, dass er nur mit halbem Ohr mitbekam, wie Henry die Ankömmlinge begrüßte und die ersten höflichen Floskeln ausgetauscht wurden.

Isabel

Isabel bemühte sich darum nicht zu stolpern, weil sie so aufgedreht war. Einen Moment spürte sie den Drang sich umzudrehen und davon zu laufen, aber der Arm ihres Vaters gab ihr Sicherheit und irgendwann hingen ihre Augen ohnehin nur noch an ihrem zukünftigen Gemahl. 
Sie erinnerte sich kaum noch an ihn, denn sie war sehr jung gewesen. Jetzt musste sie feststellen, dass er ziemlich gut aussah. Sie hätte es wahrlich schlechter treffen können. 
Sie hörte dem König kaum zu, war aber zu gut erzogen um einen Fehler zu machen. Sie erwies ihm ihren Respekt, doch insgeheim musterte sie William und die Andeutung eines Lächelns huschte über ihr Gesicht. 
Auch vor ihm knickste sie respektvoll und mit sittsam gesenktem Blick. "Mylord..." 
Wahrlich, William of Cornwall war ein stattlicher Mann geworden. Sie würde sicherlich ein gutes Leben an seiner Seite führen.

William

Zufrieden registrierte er das kurze Lächeln, das über Isabels Lippen huschte, er selbst bemühte sich jedoch darum sich keine Gefühlsregung anmerken zu lassen. Andernfalls würde er warscheinlich wieder nicht mehr lange stillstehen können. 
Erst als er den Earl of Arundel mit einer höflichen Geste begrüßt hatte und sich nun seiner Tochter zuwandte, änderte sich das. Nachdem Isabel d'Aubigny ihn begrüßt hatte, zeichnete sich ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen ab und er ergriff ihre Hand. 
"Es freut mich, Euch endlich einmal wiederzusehen, Mylady. Und dann noch unter solch erfreulichen Umständen." er hauchte ihr einen Kuss auf den Handrücken und sah sie dann mi charmant funkelnden Augen an. 
Er hatte sich seine Worte bereits bei ihrem Eintreten zurecht gelegt, sonst hätte er jetzt wohl kaum einen sinnvollen Satz heraus bekommen. Zum einen, weil er so fasziniert war von der Frau, die hier vor ihm stand, zum anderen, weil etwas in seinem Inneren den Gedanken an Joanna nach vorne schieben wollte.

Isabel

Nun musste sie sich wirklich zusammenreißen um ihn nicht strahlend anzulächeln. Ihre Aufregung verflog langsam ein bisschen und sie hoffte, dass sie keinen allzu dümmlichen Eindruck machte. Aber er wusste scheinbar, wie man eine Frau um den Finger wickelte. Eine zarte Röte legte sich auf ihre Wangen. 
"Es verwundert mich, dass Ihr Euch noch an mich erinnert, Mylord. Ich hoffe, ich bin Euch als kleines Mädchen nicht allzu sehr zur Last gefallen." Wie hatte sie diesen Satz nur hinbekommen? Sie hatte das Gefühl, einen Knoten in der Zunge zu haben. Und zwar einen ziemlich hartnäckigen. 
Ob ihm wohl gefiel, was er sah? Sie war sehr schön, das wusste sie und jeder sagte es ihr immer wieder. Trotzdem war ihr nie so viel daran gelegen wie heute. Sie wollte einen guten Eindruck machen. 
Ihr Vater schien zufrieden und beäugte den kurzen Wortwechsel mit Wohlgefallen. Er hatte gewusst, dass seine Tochter ihn beeindrucken würde. Und wenn die Beiden einander zugetan waren, würde das sicher eine glückliche Ehe werden.

William

William schmunzelte über ihre Antwort. Er war ausgesprochen froh, dass Isabel kein stummes Mäuschen war, das sofort seine Zunge verschluckte, sobald man das Wort an sie richtete. 
"Wie könnte ich denn einen blonden Engel wie Euch vergessen, Mylady?" entgegnete William gerade laut genug, dass sie ihn verstehen konnte. Dann fuhr er ein klein wenig lauter fort. 
"Ich wage zu behaupten, dass ihr mir damals weniger zur Last gefallen seid, als ich Euch." er grinste und ließ den Blick zu Isabels Vater schweifen. Dieser trug einen äußerst zufriedenen Gesichtsausdruck zur Schau und war ganz offensichtlich sehr angetan von der Verbindung, die er für seine Tochter hatte einfädeln können. 
"Eure Tochter ist unter Eurer Obhut wirklich zu einer wunderschönen Blume geworden. Ich danke Euch, dass Ihr Euer Einverständnis für unsere Vermählung gegeben habt." 
Vor wenigen Stunden war der Groll in Williams Brust noch so groß gewesen, dass er noch immer hitzig auf Henry eingeredet hatte. Umso näher jedoch die Ankunft des Earls und seiner Tochte gerückt war, desto mehr fügte er sich in sein Schicksal und in diesem Augenblick kreisten seine Gedanken nur noch um das Hier und Jetzt.
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GreyStorm



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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Mi Jul 29, 2015 9:58 pm

Isabel

Isabel errötete noch ein wenig mehr und lächelte ihn nun strahlend an. "Wenn es so war, könnt Ihr Euch glücklich schätzen, denn meine Erinnerung daran ist ein wenig verblasst.", erwiderte sie schlicht und beließ es dabei. Ihr Vater hingegen platzte fast vor Stolz, dass William offensichtlich so angetan von seiner Braut war. 
"Es ist mir eine Ehre, Mylord, und ich werde sie Euch gerne anvertrauen. Ich glaube, Ihr könnt sie glücklich machen. Aber Ihr habt Recht, das ist sie. Mein ganzer Stolz." 
Isabel seufzte innerlich. Sie mochte es nicht, wenn ihr Vater so stolz über sie sprach, sie hatte immer das Gefühl ihm nicht gerecht zu werden. Aber jetzt gab es Wichtigeres. 
Obwohl sie gerne noch mehr über ihn erfahren wollte, sehnte sie sich nach einem Stuhl und fünf Minuten Ruhe nach dem langen Ritt. 
Umso erleichterter war sie, als ihr Vater sie Beide entschuldigte. Sie schenkte William ein letztes Lächeln und ließ sich dann von ihrem Vater wegführen. "Bist du zufrieden mit meiner Wahl, Töchterchen?" Isabel lächelte und nickte. "Sehr."

William

William sah den beiden nach und wandte sich dann wieder um und begegnete dem Blick seines Vaters. Es war ein musternder Blick, dann flackerte in seinen Augen Zufriedenheit auf und William sah etwas verblüfft drein als sein Vater ihm die Hand auf die Schulter legte und anerkennend nickte. 
William verweilte noch so lange in der Halle bis Henry genug hatte und sich erhob, um die Halle zu verlassen. Er nutzte die Gelegenheit, um sich ebenfalls abzusetzen. Zunächst musste er nämlich dringend zu Geoffrey und einige Dinge mit ihm besprechen. 
Und da er davon ausging, dass der Earl of Arundel und seine Tochter sich nach der langen Reise eine Weile ausruhen würden, plante er noch einmal ein wenig zu trainieren. 
So fand er sich etwas später dann auch in einfacherer Kleidung draußen auf dem Trainingsplatz ein. Seitdem er wieder begonnen hatte sich mit dem Schwert zu üben, konnte er es nicht einen Tag ruhen lassen. William brauchte einfach den körperlichen Ausgleich.

Joanna

Joanna hatte sich nun doch in den Stall verzogen und sich in die tröstende Wärme des Pferdes geschmiegt. Es war ein schlechter Ersatz für das Gefühl, das sie in Williams Nähe immer empfunden hatte, aber doch besser als einsam und alleine in ihrem Gemach zu sitzen. Ihr Entschluss kräftigte sich immer mehr, sie würde nicht hier bleiben. Sie würde die Königin nicht um Verzeihung bitten für deren Taktlosigkeit und sie würde sicher nicht mit Isabel d’Aubigny plaudern. Sie konnte sich nicht ansehen, wie dieser blonde Engel Williams Frau wurde und auch, wenn sie es ihm irgendwie wünschte, nicht ansehen, wie er vielleicht mit ihr glücklich wurde. Es ging nicht. So stark Joanna auch sein konnte, das überstieg das, was sie ertragen konnte. Es würde schlimm genug sein zu sehen, wie er sie heiratete. Aber das erwartete man von ihr, auch, damit sie den Gerüchten nicht weiter Nahrung gab, schließlich hatte die viele Zeit, die William und Joanna zusammen verbracht hatten, abrupt geendet. Das sorgte natürlich für Gesprächsstoff. 
„Nein, Herakles, wir gehen nicht mit nach Frankreich. Wir bleiben hier und suchen uns ein Kloster. Ich weiß nicht, ob sie das gut finden, wenn du mitkommst, aber ich versuche es einfach. Etwas Anderes macht keinen Sinn mehr, ich will keinen Anderen heiraten. Jetzt zumindest nicht. Das wird sich auch vorerst nicht ändern.“

William

William hatte sich von einem Stallburschen Uriel bringen lassen und eine ganze Weile mit der Lanze trainiert bis er schließlich halbwegs zufrieden mit dem Ergebnis war - und zusätzlich die Kraft in seinen Armen verschwand. Der Bursche nahm ihm erst die Lanze ab und wartete dann darauf, dass William ihm auch das Pferd übergeben würde, doch dieser winkte ab. 
Er hatte noch einiges an Zeit zur Verfügung bis seine Anwesenheit in der Burg wieder erforderlich war und so wollte er seinen Hengst selbst in Ruhe trocken reiten und dann versorgen. 
Am langen Zügel lenkte er Uriel um den Platz herum und beobachtete dabei die handvoll Ritter, die sich ebenfalls hier eingefunden hatten, um zu trainieren. Sein Blick blieb an einem jungen Knaben hängen, der offensichtlich gerade ein paar Lektionen im Umgang mit dem Schwert erhielt. William musterte die beiden eingehend und erkannte den Mann als den Marshal des Königs wieder. Auf Grund der Ähnlichkeit, die selbst von Weitem zu erkennen war, musste der Knabe sein Sohn sein. 
Mit einem Mal schoss William der Gedanke durch den Kopf, dass er, wenn seine Ehe mit Isabel unter einem guten Stern stand, auch irgendwann seinen Sohn im Umgang mit dem Schwert unterweisen würde. Er musste schmunzeln und mit diesem erfreulichen Gedanken machte er sich mit Uriel auf den Weg in den Stall.

Joanna

Joanna blieb lange bei Herakles. Wie lange, wusste sie nicht mehr, ihr Zeitgefühl hatte sich verflüchtigt. Sie hatte schließlich in einer Ecke der Box im Stroh gesessen und den gleichmäßigen Kaugeräuschen ihres Pferdes gelauscht, das sie zwischendurch sanft anstupste, sich dann aber wieder seinem Heu widmete. 
Wieder einmal hatte Joanna stumme Tränen vergossen. Sie hätte nie gedacht, dass sie William so sehr vermissen würde. Es war ein Fehler gewesen sich darauf einzulassen, obwohl ihre Zukunft mehr als unsicher gewesen war, denn nun schmerzte es nur umso mehr. 
Nun erhob sie sich, zupfte ein paar Strohhalme von ihrem Rock und wischte sich mit der Hand durchs Gesicht um die Tränenspuren zu beseitigen. Ob sie nun viel Erfolg hatte, konnte sie nicht beurteilen, aber wenigstens hatte sie sich einigermaßen gefasst. 
Sie streichelte Herakles ein letztes Mal über die weichen Nüstern und trat hinaus auf die Stallgasse. Cuivre sah sie neugierig über seine Tür hinweg an. Joanna seufzte tief und trat zu ihm hin, kraulte ihn hinter dem Ohr. "Ach Cuivre..." Sie hatte den Hengst in den letzten Wochen lieb gewonnen.

William

Einer der Ritter hatte sich William bis zu dem Stallgebäude begleitet und verabschiedete sich nun vor dem Eingang gut gelaunt von ihm, um noch einen kleinen Ausritt zu machen. 
Das Grinsen war somit noch nicht von Williams Lippen verschwunden als er mit Uriel am Zügel den Stall betrat. "So, mein großer, nun darfst du dich deinem wohlverdienten Fressen widmen." erklärte er dem Hengst zufrieden. 
Das Grinsen verschwand jedoch als er entdeckte wer dort an Cuivres Box stand. 
Kaum hatte er Joanna erkannt, setzte sein Herz schmerzlich aus und unweigerlich machte sich ein schlechtes Gewissen in ihm breit. Die letzten Tage, die er ohne Joanna hatte verbringen müssen, waren schwer für ihn gewesen und er hatte sich nur schwerlich auf andere Dinge konzentrieren können. Heute hatte er all diese Gedanken jedoch über Isabels Ankunft hinweg völlig verdrängt. Und das führte dazu, dass er sich jetzt wie ein eldendiger Hund fühlte; kaum war eine neue Frau in seinem Leben verdrängte er die vorherige, der er kurz zuvor noch seine Liebe gestanden hatte? Er kam sich reichlich schäbig vor. 
Besonders als er erkannte, wie schlecht es Joanna offensichtlich ging. 
"Er wird Euch vermissen, Mylady." begrüßte er sie, während sie Cuivres Nase streichelte. "und sein Herr ebenso." setzte er dann mit gedämpfter Stimme hinzu.

Joanna

Joanna schloss die Augen, als sie seine Stimme hörte. Es war ja klar gewesen, dass sie ausgerechnet ihn hier treffen musste. Er klang zufrieden. Ob sie das freuen sollte? 
Sie seufzte leise und öffnete die Augen wieder, drehte sich aber nicht um, als er näher kam. Sie war froh, dass sie den Blick auf das kupferrote Fell des Hengstes fixieren konnte. 
Am Liebsten wäre Joanna seiner Worte wegen gleich wieder in Tränen ausgebrochen, aber sie kämpfte sie nieder. Diese Schwäche würde sie jetzt nicht zeigen. Sie würde ihm nicht vor Augen führen, wie sehr sie tatsächlich litt. Es war ohnehin zu spät und sie wollte sein Mitleid nicht. Ein kleiner Rest ihres Stolzes war geblieben. Nur was sollte sie darauf jetzt antworten?
"Mir geht es ebenso, Mylord." Es war, als wäre nie etwas zwischen ihnen gewesen. Wie sollte sie das ertragen? "Ich hoffe, Ihr gestattet mir weiterhin Euren Hengst zu besuchen. Eine Angewohnheit aus besseren Zeiten, die sich nicht so leicht abstellen lässt." 
Es war schwer so förmlich zu bleiben, aber hatte sie eine Wahl? Sollte sie ihm etwas von ihren Plänen sagen? "Viel Gelegenheit dazu bleibt ohnehin nicht mehr, denn ich werde den Hof nicht nach Frankreich begleiten."

William

William stockte mitten in der Bewegung. Langsam ließ er die Hand wieder sinken, mit der er gerade den Sattelgurt hatte lockern wollen. 
Mit einem schnellen Blick vergewisserte er sich, dass niemand in ihrer Nähe war, dann wandte er sich zu Joanna um. 
"Du wirst nicht mit nach Frankreich kommen?" ihre Worte hatten dazu geführt, dass er wieder jegliche Förmlichkeit über Bord warf. Aus irgendeinem Grund entsetzte ihn ihre Eröffnung mehr als er es gedacht hätte. Immerhin war es William in ihrer Anwesenheit oft schwer gefallen, sich an die Etikette zu halten, da müsste er doch jetzt fast froh sein, dass sie sich den Winter über nicht sehen würden. Und doch rüttelten die Worte an seinen Gefühlen für sie. 
"Aber wieso? Ich dachte ..." er brach ab, da er nicht wusste, wie er den Satz sinnvoll beenden sollte. Als er weiter sprach klang seine Stimme sltsam müde. "Dann wird der Winter noch dunkler werden als er es von Natur aus ist."

Joanna

Immerhin, er war auch nicht perfekt, das war beruhigend. Wenigstens war nicht sie es gewesen, die die Förmlichkeit hatte sein lassen. Es verwunderte sie allerdings ein bisschen, dass er so offenkundig entsetzt war. Was hatte er erwartet? 
"Nein, ich werde in England bleiben. Wieso? Das fragst du mich?" Ein bitteres Lächeln huschte über ihr Gesicht. "Denkst du vielleicht, ich werde mich den ganzen Winter mit dem Anblick quälen, wie du mit Isabel d'Aubigny verkehrst? Denkst du, ich könnte immer so tun, als wäre nichts gewesen zwischen uns? Und du fragst mich, wieso? Nebenbei bemerkt steht es zwischen der Königin und mir nicht zum Besten. Da ich die Notwendigkeit nicht sehe mich zu entschuldigen, ist es gleichwohl besser, wenn ich sie nicht begleite." 
Joanna wollte nicht, dass er das sagte. Verstand er nicht, wie schwer es machte? 
"Ich glaube nicht, dass es am Winter etwas ändert, ob ich dort bin oder nicht. Wir verbrächten ohnehin keine Zeit miteinander und da ist nichts als Förmlichkeit. Außerdem wird deine Verlobte dir sicher das Licht sein, das du suchst. Ich wäre dazu kaum geeignet." Fast mechanisch streichelte sie weiter Cuivres Nüstern. Der Hengst hielt geduldig still, als wisse er, dass das hier wichtig war. "Wenn du es so genau wissen willst: am Tag deiner Hochzeit werden wir uns das letzte Mal sehen. Und damit meine ich nicht nur für den Winter." Wohin sie gehen würde, würde sie aber für sich behalten.

William

William biss die Zähne aufeinander. Joannas Worte hatten einen Zwiespalt in ihm hervor gerufen, denn der Schmerz der in ihm kämpfte schien gerade einzufrieren. Und mit einem Mal musste er sich beherrschen keine bissige Erwiderung zu geben. 
Was zum Teufel war nur mit ihm los? 
"Überstrapazier es nicht, ja?" brummte er dann. "Ich weiß, ich hätte das nicht fragen sollen. Es tut mir Leid. Aber ..." er brach ab als er ihre nächsten Worte hörte. 
Das letzte Mal? William hatte bei ihren Worten ein ungutes Gefühl im Magen. Wollte Joanna sich etwa tatsächlich völlig vom Hofe zurück ziehen? Erst nach dem eine gewisse Zeit der Stille verstrichen war, fand William die Sprache wieder. 
"Das tut mir noch mehr Leid. Ich hatte wirklich gehofft, wir könnten weiterhin zumindest freundschaftlich miteinander umgehen." entgegnete er und wandte sich dann mit Enttäuschung in der Brust wieder Uriel zu. Es war die Wahrheit, er hatte wirklich darauf gehofft, dass Joanna und er weiter eine freundschaftliche Beziehung pflegen konnten. Aber gerade wurde ihm bewusst, dass das ein Ding der schieren Unmöglichkeit war.

Joanna

"Dann hast du mich überschätzt. Ich kann das nicht. Ich halte das nicht aus, gerade weil ich dich so vermisse. So stark bin ich nicht, William. Ich vermisse dich, glaubst du, ich könnte meine Gefühle abstellen? Ich weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht und ich bin so verdammt eifersüchtig! Das würde nie funktionieren, es ist besser so." 
Joannas Finger krallten sich in Cuivres Mähne. "Ich habe heute deine Braut gesehen. Sie ist sehr schön, wie ein Engel." Ihre Stimme klang fast nüchtern, begann dann aber zu zittern. 
"Ich...du machst einen sehr guten Tausch." 
Das war dann doch zu viel für ihre bröckelnde Haltung. Sie ließ Cuivre los und ein Schluchzen entrang sich ihr, als sie sich abwandte und floh, schon wieder Tränen in den Augen. 
Genau das hatte sie vermeiden wollen. Jetzt hatte sie doch die Fassung verloren und so deutlich Schwäche gezeigt. Was hatte er auch unbedingt wieder damit anfangen müssen, dass er sie vermisste? Warum hatte er sie nicht in Ruhe lassen können? Das alles war noch so frisch, es schmerzte so sehr und nun wurde es immer schlimmer zwischen ihnen.

William

"Joanna." dieses Mal tat er genau das, was er bei ihrer letzten Begegnung allein auf dem Burghof nicht getan hatte. Er machte einen Schritt in ihre Richtung, schickte sich an ihr zu folgen. Dann blieb er jedoch stehen und seuftzte. 
Ihre Worte taten weh und doch waren sie gleichzeitig wie Balsam für den Schmerz, sie kühlten seine Gefühle ab. Nicht, dass er sie einfach beiseite schieben konnte, doch ihre bissig wirkenden Kommentare ließen einen Groll in ihm hochkommen, den er nicht ausblenden konnte. 
Nachdenklich strich er Uriel über den Hals. "Ach Uriel, warum habe ich hierfür keine Lösung gefunden?" murmelte er als er wieder ans Werk ging und dem Hengst endlich das Sattelzeug abnahm. 
Er war hin und her gerissen, zwischen seinen Gedanken, seinen Gefühlen - zwischen zwei Frauen in seinem Leben. William überlegte, ob er sich Henry anvertrauen sollte, verwarf den Gedanken jedoch wieder. Sein Cousin würde ihm vermutlich noch dazu raten zu heiraten und sich gleichzeitig eine Geliebte zu nehmen, so dass er beide Frauen hatte ... 
Manchmal bedauerte William Eleonore tatsächlich. Ihr Gemahl hatte in der Beziehung mit unter einen sehr eigenen Kopf. 
Vielleicht sollte er tatsächlich mit Eleonore auch über seine Situation sprechen, bei ihr würde er vermutlich noch am ehesten Verständnis und möglicherweise einen guten Rat ernten.

Joanna

Joanna eilte weiter so schnell sie konnte ohne zu rennen. Sie begegnete glücklicherweise kaum jemanden, erntete aber trotzdem einige fragende Blicke. Sie kümmerte sich nicht darum, sondern schloss die Tür ihres Gemachs hinte rsich und warf sich bäuchlings auf ihr Bett, das Gesicht in den Armen vergraben, während ihre Schultern bebten. 
Warum hatte das alles so kommen müssen? Das war wirklich nicht gerecht. Warum gab es keine Chance? Jetzt würde er Isabel d'Aubigny heiraten, wohl glücklich mit ihr werden und sie bald vergessen. 
Es war schon jetzt nicht mehr wie vorher, als wäre etwas zerbrochen, was sie vorher so eng aneinander gebunden hatte. Sie verstand ihn nicht, er verstand sie nicht. 
Er heiratete und fand sich damit ab, sie blieb einsam zurück mit ihrem Liebeskummer und haderte mit ihrem Schicksal. 
Das Kloster würde hoffentlich ein Ort sein, an dem sie wenigstens etwas innere Ruhe fand, wenn schon nicht ihren Seelenfrieden. Es würde schwer sein anzunehmen, dass sie ihn nie wieder sehen würde. Ihr ganzes Leben lang nicht. Es war hoffnungslos.

William

Williams Magen kribbelte heute Abend aus zwei Gründen: zum einen hatte er seit mittags nichts gegessen und dafür unverhältnismäßig viel trainiert und zum anderen - und warscheinlich war das auch der wesentliche Part - würde er jetzt erneut den Earl of Arundel an der Tafel antreffen - und damit natürlich dessen Tochter. 
Meine Verlobte schoss es William durch den Kopf. Irgendwie konnten seine Gedanken sich noch nicht darauf einstellen, dass Isabel d'Aubigny seine zukünftige Frau war. Es verwirrte ihn, wenn er darüber nachdachte, wie sehr er sich noch vor wenigen Tagen gegen diese Heirat gesträubt hatte. Nur der Zwang, den sein Vater ausgeübt hatte, hatte ihn dazu gebracht sein Schicksal anzunehmen und nun machte es den Eindruck, dass ihm seine Verlobte doch mehr zusagte als er erwartet hatte. 
Die Gedanken erst einmal zurückschiebend öffnete er dann für Henry die Tür zur Halle in der bereits das Essen wartete - auf Grund der Ankunft des Earl of Arundels und anlässlich der Verlobung seiner Tochter mit William of Cornwall hatte Herny die Gelegenheit genutzt und etwas mehr auffahren lassen. So stieg William bereits jetzt der leckere Duft des dampfenden Essens in die Nase und sein Magen gab ein leises Knurren von sich.

Isabel

Isabel hatte sich ein bisschen ausgeruht, sich in ihrer neuen Umgebung neugierig umgeschaut und sich schließlich für das Abendessen in der Halle zurecht gemacht. Das hatte seine Zeit gedauert, denn schließlich würde William of Cornwall - ihr Verlober - auch da sein und sie legte durchaus Wert darauf ihm zu gefallen. 
Sie hatte ein tiefgrünes Kleid ausgewählt, das ihrem Haar immer einen besonderen Schimmer verlieh und nachdem hier und da noch ein wenig an ihrer Frisur gezupft hatte, war sie zufrieden. 
Gerade rechtzeitig, denn ihr Vater holte sie ab und lächelte stolz über seine schöne Tochter.
Er war überaus glücklich sie so gut zu verheiraten, schien ihr, aber sauer war sie nicht deswegen. Eigentlich konnte sie sich ja auch glücklich schätzen. 
Sie betraten zusammen die Halle und einmal mehr war Isabel fasziniert von der Größe des Raums. Solche Dimensionen war sie von Zuhause nicht gewohnt.

William

William hob den Blick als die Tür geöffnet wurde und ein Funkeln trat in seine Augen als er Isabel entdeckte. Sie sah wunderschön aus in ihrem grünen Kleid und William musste lächeln.
Gleichzeitig schoss ihm jedoch der Gedanke durch den Kopf, wem er kürzlich immer wieder Blicke an der Tafel zugeworfen hatte. Und unweigerlich machte sich ein dunkles Gefühl in ihm breit. Er hatte die Gedanken an Joanna bis zu ihrem Zusammentreffen im Stall zurückschieben können. Doch seitdem er sie wieder gesehen hatte, schwelte in ihm erneut der Schmerz und die Bedrückung. 
Isabels Anblick sorgte dafür, dass beide Gefühlsregungen in ihm aufflammten und er nicht wusste, welche überwog beziehungsweise welche er zulassen sollte. Einerseits kam er sich Joanna gegenüber wie ein Verräter vor, andererseits sollten seine Gedanken von nun an nur noch einer Frau gelten - der Frau, die gerade die Halle betreten hatte und etliche Blicke auf sich zog. Die Frau, die von nun an, an seiner Seite sein würde.

Joanna

Es war der Morgen der Hochzeit und Joanna widerstrebte es sehr, der Zeremonie beiwohnen zu müssen. Sie wollte das nicht tun, aber sie musste. Für ihren Ruf...und für Williams. Auch wenn sie unter der Situation litt, sie wollte nicht, dass er es wegen ihr schwerer hatte als nötig. Wenn nur nicht ihre verdammte Eifersucht wäre. Sie beneidete Isabel d'Aubigny um das Glück, das sie hatte, während für sie nichts blieb. 
Blass machte sie sich schließlich auf den Weg zur Kapelle. Sie mied die direkte Nähe der Königin, gegenüber der sie sich immer noch nicht zu einer Entschuldigung hatte durchringen können und setzte sich ein wenig nach außen, damit Williams Blick nicht zwangsläufig sofort auf sie fiel. 
Sie hatte die Hektik bemerkt, die am Morgen in der Burg geherrscht hatte und sich davon ferngehalten. Stattdessen hatte sie einige Dinge zusammengepackt, damit sie nach der Vermählung aufbrechen und ins Kloster reiten konnte. Sie hatte der Äbtissin einen Brief geschrieben und um Aufnahme ersucht, der Königin hatte sie mitgeteilt, dass sie dankbar war für die letzten zwei Jahre, dass sie ihre Doienste und den Hof aber verlassen wolle. Alles war bereit. Sie wartete nur noch auf diesen letzten endgültigen Schnitt. Das Ende des Kapitels, wenn man so wollte. Bald würde die Braut auftauchen und Joanna bemühte sich um eine ausdruckslose Miene, die sie auch wahren konnte, wenn sie die Brautleute zusammen sah, was sie bisher vermieden hatte.

William

William hatte in der letzten Nacht kaum geschalfen und war schon früh auf den Beinen gewesen, doch trotzdem verschwand die Unruhe nicht, die ihn gepackt hatte. Und auch als er jetzt in der Kapelle stand, brannte er innerlich vor Unruhe. 
Er ließ den Blick schweifen - auch wenn er es sich nur schwerlich eingestehen wollte, auf der Suche nach einer ganz bestimmten Person. Es dauerte einen Moment bis William das bekannte Antlitz in der Menge ausmachte. Inständig hoffe er, dass Joanna noch lange genug bleiben würde, so dass er Gelegenheit bekam noch einmal mit ihr zu sprechen. Er hatte sie in letzter Zeit sehr wenig gesehen und er ertrug dir Vorstellung nicht, dass sie möglicherweise abreisen würde ohne dass er sie noch einmal gesehen hatte. 
William bemühte sich darum sich die Anspannung nicht anmerken zu lassen, doch er war sich nicht sicher, ob es ihm tatsächlich gelang. 
Dann jedoch hatte er keine Gelegenheit mehr darüber zu grübeln, denn seine volle Aufmerksamkeit wurde nun von seiner eintreffenden Braut gefordert.

Isabel

Während Joanna Williams Blick bemerkte und den Kopf senkte, damit sie ihn nicht erwidern musste, betrat Isabel an der Hand ihres Vaters die Kapelle. Ein Seufzen ging durch die weiblichen Anwesenden, denn die Braut war wirklich eine Augenweide und einem Engel ähnlicher denn je, da die goldene Lockenpracht über ihre Schultern fiel. 
Doch auch die junge Frau war so furchtbar aufgeregt, dass ihre Finger ganz kalt waren. 
Das Herz schlug ihr bis zum Hals, als sie einen Fuß vor den Anderen über den steinernen Boden setzte, darauf bedacht, nicht zu stolpern und sich zu blamieren. Stattdessen richtete sie ihren Blick auf ihren zukünftigen Ehemann, der bereits auf sie wartete. 
Ihr Vater schien vor Stolz zu platzen, als er sie schließlich mit einem leichten Neigen des Kopfes an William übergab. 
Isabel schenkte diesem ein nervöses Lächeln. 
Heute also würde ein neuer Lebensabschnitt beginnen. Sie würde heiraten! Und welch ein Glück sie hatte.

William

William erwiderte das Nicken des Earl of Arundel mit einer dankbaren Geste und warf dann Isabel einen möglichst beruhigenden Blick zu. Was sich auf Grund seiner eigenen Unruhe als nicht ganz einfach heraus stellte. 
Als er jedoch ihrem Blick begegnet, musste er lächeln. Es war also soweit. Er hatte oft genug in seinem Leben über diesen einen Moment nachgedacht, oft genug Männer um ihre Familien beneidet und doch war dieses Gefühl nie groß genug gewesen, dass er seinen Vater gedrängt hätte. Und nun da dieser in einem plötzlichen Panikanfall realisiert hatte, dass mit William sein Erbe sterben würde und ihn nun zu dieser Heirat gezwungen hatte, wusste William nicht wie er sich wirklich fühlte. 
Isabel hatte ihn vom ersten Augenblick an in ihren Bann gezogen und doch hegte er noch viel tiefere Gefühle für Joanna. Joanna, in die er sich rasend schnell verliebt hatte, der er Versprechungen gemacht hatte von denen er selbst dachte, er würde sie halten und die er letztlich doch so bitter enttäuscht hatte. 
Doch wie sollte er sich entscheiden? Wie sollte er seiner Frau gerecht werden, wenn sein Herz noch immer nicht von Joanna lassen konnte?
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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Mi Jul 29, 2015 10:17 pm

Isabel

Isabel entspannte sich ein wenig unter seinem Lächeln. Sie zweifelte nicht daran, dass sie eine gute Ehe führen würden, denn so wie es schien, war William ihr auch zugetan. 
Als sie schließlich an seiner Seite kniete, richtete sich ihre Aufmerksamkeit langsam auf den Priester - Vater Lionel natürlich - und ihre Nervosität schwand ein wenig. 
".......Wollt Ihr, Isabel d'Aubigny, William of Cornwall lieben und ehren, ihm gehorchen und angehören, in Gesundheit und Krankheit, in guten und in schlechten Tagen, bis dass der Tod euch scheidet?" 
Isabel atmete langsam aus und sagte mit leuchtenden Augen: "Ich will." 
Lionel nickte zufrieden und wandte sich mit größtmöglicher Würde William zu. 
"Und wollt Ihr, William of Cornwall, Isabel d'Aubigny lieben und ehren, sie schützen und bewahren vor allem Übel, in Gesundheit und Krankheit, in guten wie in schlechten Tagen, bis dass der Tod euch scheidet?"

William

In William krampfte sich für den Bruchteil einer Sekunde alles zusammen als er Vater Lionel sich an ihn wandte. Eine Stimme in ihm begann regelrecht zu brüllen, zu schreien, dass er es nicht wollte. Dass die Frau, die er eigentlich heiraten wollte weiter hinten in der Kapelle saß. 
Und doch hatte diese Stimme keine Chance. Zwar kam es William vor als würde er eine Ewigkeit schweigen, tatsächlich war es jedoch nur ein kurzer Moment, nicht einmal lang genug, um als unnormal bemerkt zu werden. 
"Ja, ich will." 
War das wirklich seine Stimme die das gerade gesagt hatte? Und woher nahm seine Stimme diese eigenartige Zuversicht? Oder war dort doch ein raues Kratzen zu hören, dass auf seine Zweifel hindeutete? 
William war sich absolut nicht sicher. Aber ganz offenbar schien alles in Ordnung zu sein, denn Lionel nickte mit einem möglichst ehrwürdigen Gesichtsausdruck und fuhr fort, sprach seinen Segen über das Paar, dass vor ihm kniete und lächelte dann kurz, bevor er sie aufforderte sich zu erheben. 
"Ihr dürft die Braut nun küssen."

Isabel

Isabel fieberte dem Augenblick entgegen, da er seine Antwort gab und war gespannt. Als dann endlich die ersehnten Worte fielen, fühlte sie sich äußerst zufrieden. Nun war sie also verheiratet. Er fühlte sich merkwürdig an, dieser Gedanke, aber er erfüllte sie mit Stolz. 
Jetzt war sie nicht mehr einfach die schöne Tochter des Earl of Arundel, jetzt war sie die achtbare Gemahlin des Cousins des Königs. Und WIlliam war ein äußerst ansprechender Mann. Oh ja, Isabell war glückselig, als er sie schließlich auf die Wange küsste, wie es sich vor so vielen Zeugen gehörte. Die erste weitergehende Berührung und Isabel strahlte. 
Einige der Damen wischten sich verstohlen ein paar Tränen der Rührung weg und so ahnte niemand, was der wahre Grund für ein paar verinzelte Tränen war, die verstohlen über Joannas Wange rollten. 
Während sie ein bedrückendes Gefühl von Endgültigkeit, Eifersucht und Trauer empfand, war die neue Lady Cornwall einfach nur hochzufrieden mit ihrem Los. Ihre Augen strahlten und sie lächelte William an. Joanna schloss für einen Moment die Augen und beschloss, zu bleiben, bis alle hier verschwunden waren.

William

Isabels Glückseligkeit hatte eine ansteckende Wirkung und so beruhigte William sich schließlich und das Gefühl der Zufriedenheit gewann die Oberhand. 
Als er Isabel nun aus der Kapelle führte, umspielte ein leichtes Lächeln seine Lippen und er bedankte sich zufrieden für die Glückwünsche die ihnen beim Verlassen der Kapelle zugetragen wurden. 
Sein Blick war auf dem Weg nach draußen kurz in Joannas Richtung gehuscht, doch diese hatte seinen Blick nicht erwidert. William war sich nicht ganz sicher gewesen, doch er meinte erkennen zu können, dass ihre Wangen feucht von Tränen glänzten. Aber war das nicht auch nur verständlich? 
Erneut wollte sich ein Kloß in seiner Kehle festsetzen, doch die Geschäftigkeit, die nun um ihn und Isabel herum ausbrach, forderte seine Aufmerksamkeit so vehement ein, dass er die Gedanken an Joanna wieder zurück drängen musste. 
Verflucht ich bin nun verheiratet. Ich habe eine Verpflichtung eingegangen und sollte mich dieser auch mit ganzer Seele stellen. 
Ein Bankett war auch bereits zur Feier des Tages angerichtet und das Brautpaar würde nur einen kurzen Moment Ruhe haben, bevor sie dort erscheinen mussten. 
Zweisamkeit würden sie erst heute Abend wirklich finden.

Joanna

Während Isabel mit der Sonne um die Wette strahlte, die sich scheinbar hervorgewagt hatte um Joanna zu verspotten, verharrte diese in der Kapelle, bis sie menschenleer war. Eine ganze Weile kniete sie auf dem steinernen Boden vor dem Altar und dachte einen kurzen Moment darüber nach, dass sie das wol in Zukunft häufig tun würde. Vielleicht würde ihr die Regelmäßig des Klosteralltags mit den Gebeten helfen Ruhe zu finden, doch noch hatte sie nicht wirklich viel Hoffnung. 
Wie er gelächelt hatte...Zufrieden hatte er gewirkt, glücklich und das hatte ihr einmal mehr einen Stich ins Herz versetzt, obwohl sie es ihm doch eigentlich gönnte. Er sollte ja glücklich werden, aber noch schmerzte es zu sehr, dass nicht sie an seiner Seite sein konnte, als dass sie das hätte aufrichtig aussprechen können. 
Schließlich wischte Joanna die letzten Tränen weg und erhob sich. Sie würde ihre letzten Sachen holen, sich dann ihren Wallach satteln lassen und von hier verschwinden. Der letzte Schritt war getan und sie gehörte nun nicht mehr hierher. Es war nicht gut, wenn sie sich ständig dem Anblick eines offensichtlich glücklich verheirateten Paares aussetzte. In besonders düsteren Stunden fragte Joanna sich, war´s für eine Sünde sie begangen hatte in ihrem Leben. Erst hatte sie Roger de Beaumont heiraten müssen, war in jungen Jahren zur Witwe geworden, dann hatte sie sich verliebt und konnte nun doch den Mann nicht heiraten, dem ihr Herz gehörte. Sie hatte wohl die beste Entscheidung getroffen. Nun nahm sie die Satteltaschen, die sie gepackt hatte, da sie ja nicht viel brauchte und machte sich auf den Rückweg zum Stall.

William

William hatte sich kurz entschuldigt, da ihn die Befürchtung beschlich, Joanna würde sich direkt nach der Zeremonie auf den Weg machen und ihm somit die Gelegenheit nehmen noch einmal mit ihr zu sprechen. 
Deshalb eilte er nun in Richtung der Stallungen, da er hoffte, sie dort noch anzutreffen. William war sich bewusst, dass sie möglicherweise gar nicht mit ihm sprechen wollte, aber er konnte sie nicht einfach so gehen lassen. 
Umso erleichterter war er als er die Stallungen betrat und Joanna bei ihrem Wallach entdeckte. Ganz offensichtlich hätte er jedoch keinen Augenblick später kommen dürfen, denn sie war kurz davor aufzubrechen. 
"Joanna." William war ein klein wenig außer Atem, da er sich reichlich beeilt hatte. Immerhin konnte er auch nicht ewig wegbleiben, das würde ihn in ziemliche Erklärungsnot bringen. 
William blieb vor Joanna stehen, streckte erst die Hand nach ihr aus, sah dann jedoch davon ab, sie zu berühren. Seit ein paar Tagen wusst er einfach nicht mehr was richtig und was falsch war. 
"Joanna, ich bin ja so froh, dich noch gefunden zu haben."

Joanna

Joanna stand bei ihrem Wallach und tätschelte seinen Hals. Einer der Stallburschen hatte ihn ihr schon gesattelt und aufgetrenst, sie musste nur noch die Taschen befestigen und dann endlich die Burg verlassen. 
Und in diesem Moment kam William. Joanna hatte irgendwie geahnt, dass er kommen würde, aber es wäre ihr lieber gewesen, er hätte es nicht getan. Der letzte Wortwechsel war wenig erfreulich genug gewesen und sie legte es nicht darauf an im Streit auseinander zu gehen, weil sie nicht heucheln wollte und konnte. So, du bist froh mich gefunden zu haben? Warum? Du bist verheiratet. 
Sie seufzte leise, sah ihn einen Moment lang an und wandte sich dann Herakles zu, befestigte die Taschen am Sattel. Es war eigentlich nur eine Ablenkung, aber sie fürchtete dieses Gespräch. Als sie dann doch antwortete, klang ihr Stimme nicht mehr gereizt, anklagend, streitsüchtig oder vorwurfsvoll wie bei der letzten Begegnung, sondern resigniert und traurig. "Du solltest bei deiner Frau sein. Warum bist du gekommen, William? Um Lebwohl zu sagen?" Sie seufzte erneut. "Ich würde dir gerne gratulieren, aber ich käme mir dabei heuchlerisch vor."

William

Mit einem Schlag wusste William nicht mehr, was er sagen sollte. Joanna hatte mit ihren Worten wieder die Schatten in ihm heraufbeschworen, die er kurz zuvor noch so erfolgreich verdrängt hatte. 
Er schluckte und wusste, dass es egal war, was er sagte. Jedes Wort war falsch, also konnte er es auch genauso gut aussprechen. 
"Es fühlte sich falsch an. Der Gedanke, dich gehen zu lassen. Und dann nicht noch einmal mit dir gesprochen zu haben. Außerdem" er machte eine Pause in der er in seiner Tasche herumkramte und schließlich das fand, was er schon seit ein paar Tagen mit sich herumtrug, um es Joanna zu geben. 
"wollte ich dir das hier noch geben." 
William nahm Joannas Hand, drückte ihr den kleinen Gegenstand in die Hand und schloss ihre Finger um ihn, so dass nicht zu sehen war, was er ihr gegeben hatte. 
Er hatte die schlichte Kette mit dem kleinen Anhänger bei einem der Händler gesehen und hatte sie sofort in seinen Besitz gebracht. Der Anhänger hatte die Form eines Pferdes und war aus rotgold gefertigt, so das er in einem intensiven Rotton schimmerte. Für die Augen waren zwei kleine, tiefblaue Saphire verwendet wurden, die je nach Lichteinfall dunkelblau oder fast braun schimmerten. Es hatte William sofort an seinen Hengst erinnert und das war auch der Grund weshalb er es nun Joanna gab, er wusste wie sehr sie sich mit dem Fuchs angefreundet hatte. 
William hielt Joannas Hand noch einen Augenblick mit seinen umschlossen und sah ihr in die Augen. 
"Ich kann verstehen, wenn du es nicht behalten willst, weil ich es dir gegeben habe ... aber schau es dir an und denke einfach an ihn und nicht an seinen idiotischen Herren." 
William gab ihr zum Abschied einen Kuss auf die Wange und wandte sich dann ab, um den Stall zu verlassen. 
Er wählte absichtlich ein langsames Tempo, rechte jedoch in keinster Weise damit, dass Joanna auch nur noch das Wort an ihn richten würde.

Joanna

Joanna kämpfte stumm gegen den Drang an ihn zu umarmen und zu bitten, dass er ihr doch sagen sollte, dass das alles nur ein böser Traum war, das alles in Ordnung war und dass er natürlich nicht soeben geheiratet hatte. Aber es war passiert. Es war kein Traum. 
Sie stand da, fühlte immer noch, wo er sie gerade geküsst hatte und rang immer noch mit dem ihn aufzuhalten, als er sich abgewandt hatte. Langsam öffnete sie ihre Finger und betrachtete sein letztes Geschenk. Sofort blinzelte sie wieder ein paar aufsteigende Tränen fort. Natürlich hatte er gewusst, dass es ihr gefallen würde. Es erinnerte sofort an Cuivre und sie war dankbar. Sie hatte etwas Greifbares, eine Erinnerung an die schöne gemeinsame Zeit, die sie überall mit sich hintragen konnte. Wenn es besonders schwer wurde, konnte sie sich daran festhalten und zurückdenken. In diesem Moment verlor sie den Kampf gegen sich selbst, alle Vorsätze waren vergessen. 
Joanna ließ Herakles stehen und folgte ihm, nahm seine Hand und drehte ihn um, sodass sie einander gegenüber standen. "Danke. Doch ich werde nicht nur an Cuivre denken. Es wird kein Tag vergehen, an dem ich nicht auch an dich denke. Ich werde dich schrecklich vermissen und es wird eine Weile dauern, bis ich ohne Schmerz an die Zeit, die wir hatten, zurückdenken kann. Trotzdem...sieh zu, dass wenigstens du glücklich wirst, ja?" Sie legte ein letztes Mal die Arme um seinen Hals und hielt ihn einen Moment fest, dann löste sie sich wieder von ihm. Nun war es wirklich Zeit zu gehen.

William

William musste lächeln. Er war froh, dass Joanna ihn doch noch einmal aufgehalten hatte. 
"Du bist etwas besonderes, Joanna." erwiderte er dann. "Und auch, wenn es dir im Moment nicht so vorkommen mag, ich bin absolut sicher, dass auch du dein Glück noch finden wirst." auch wenn ihm die Worte nur schwerlich über die Lippen kamen, meinte er sie völlig ernst. Auch wenn es nicht er sein würde, der ihr das Glück bescheren würde. 
William ergriff ihre Hand und hauchte einen Handkuss darauf, bevor er einen kleinen Schritt zurück trat. 
Ein warmes Lächeln lag auf nun auf seinen Lippen als er sich von Joanna verabschiedete. "Und nun wünsche ich Euch eine gute Reise, Mylady." 
Mit einem kurzen Nicken wandte er sich nun erneut um. Zum einen gab es nichts mehr, was er noch sagen konnte, um die Sache besser zu machen und zum anderen wurde er erwartet.
Erwartet von der Frau, die er geehelicht hatte und die von nun an an seiner Seite sein würde.

Joanna

Joanna lächelte traurig. Die einzige Chance noch Glück zu finden bestand darin, dass sie ein bisschen Frieden fand und vielleicht eine Aufgabe. Aber er wusste ja nicht, wohin sie gehen würde und hatte glücklicherweise auch nicht gefragt. Ob er annahm, dass sie zu ihren Eltern ging? Das Kloster war wohl der letzte Ort, an dem er sie vermutete, gerade weil sie so eine freiheitsliebende Persönlichkeit war. Und doch war es der einzige Ort, wo sie noch wirklich zufrieden werden konnte. Sie verspürte wenig Lust sich umwerben zu lassen und schließlich irgendeinen Earl zu heiraten, der ihr ebenso wenig zusagte wie Roger de Beaumont. Der einzige Mann, mit dem sie es noch einmal versucht hätte, hatte soeben eine andere Frau geheiratet. 
Auch sie drehte sich um und kehrte zu Herakles zurück, nachdem sie die Kette umgelegt hatte. Sie führte den Wallach hinaus, schwang sich in den Sattel und zog die Kapuze ihres Umhangs über ihr Haar, während sie ein letztes Mal auf die Burg zurück sah, die zwei Jahre lang ihr Zuhause gewesen war. Mit einem letzten Seufzen trieb Joanna Herakles an und verließ die Burg auf dem Weg in ein neues, trostloseres Leben.

Isabel

Isabel saß in dem Gemach, das sie nun mit ihrem Ehemann bewohnen würde, solange sie am Hof weilten und wartete auf ihn. Er würde sie sicherlich gleich abholen, damit sie zusammen zum Bankett gehen konnten. Schließlich hatte er versichert gleich wieder zu kommen. 
Wo er wohl hin gegangen war? Sie war nicht sicher, was sie davon halten sollte und hoffte, dass es nicht zur Gewohnheit wurde, dass er sie bei wichtigen Anlässen warten ließ. Gerade heute… 
Sie seufzte leise und erhob sich, um noch einmal einen Blick in den Spiegel zu werfen. Abwesend zupfte sie ein paar Strähnen zurecht, dann war sie vollkommen zufrieden. Kaum zu glauben, sie war nun eine verheiratete Frau. Lady Cornwall… Ein zufriedenes Lächeln huschte über ihre Lippen. Oh ja, das klang gut. 
Sie hatte eine sehr gute Partie gemacht, das stand fest, und sie in seinen Augen gesehen, dass ihr Vater sehr stolz auf sie war. 
Aber auch William hatte glücklich gewirkt. Umso besser...

William

William war zurück durch die Gänge der Burg geeilt, um nicht noch mehr Zeit zu vergeuden. So kam er ein wenig abgehetzt an dem Gemach an, dass er nun mit Isabel teilte. 
Er fuhr sich einmal mit der Hand durch die Haare, um diese zu ordnen und betrat dann mit einem Lächeln auf den Lippen den Raum. 
"Verzeiht, Mylady, dass ich Euch so lange warten ließ." entschuldigte William sich umgehend und gab Isabel einen kurzen Kuss auf die Wange. Er griff nach ihrer Hand und drückte sie sanft. Er überlegte einen Augenblick, entschied sich dann jedoch ihr von Anfang an die Wahrheit zu sagen - wenn vielleicht auch nicht gleich die gesamte. 
"Eine von Eleonores Damen ist heute abgereist und ich wollte ihr nur schnell alles Gute wünschen. Sie hat sich gut um mich gekümmert, als ich auf Grund einer Verletzung ans Bett gefesselt war. Ich bin ihr deshalb zu Dank verpflichtet." erklärte William dann mit ernstem, aber nicht unfreundlichem Blick. 
Dann stahl sich ein freches Leuten in seine Augen. 
"Aber nun sollten wir gehen, damit wir noch pünktlich kommen, nicht wahr?"

Isabel

Isabels Lächeln kehrte gemeinsam mit William zurück. Sie war froh, dass er wieder da war und sie an diesem Tag nicht länger allein herumsitzen musste, außerdem freute es sie, dass er von sich aus erzählte, wo er gewesen war und sie ihn nicht ausdrücklich fragen musste. Die Erklärung war natürlich plausibel. Selbstverständlich musste er sich verabschieden. Nur eines verstand sie nicht: "Das ist natürlich wichtig, wenn sie sich um Euch gekümmert hat. Aber warum ist sie nicht zum Fest geblieben? Ich hätte sie gern kennengelernt." 
Im gleichen Moment aber stand sie auf und gesellte sich zu ihm. Ihr Lächeln wurde eine Spur breiter. 
"Ihr habt Recht. Es wäre wohl etwas peinlich auf unserer eigenen Hochzeitsfeier zu spät zu kommen." 
Isabel machte einen Schritt zur Tür und sah dann zurück. Ihr gefiel wirklich, was sie sah. Er war zweifelsohne ein sehr anziehender Mann, schon unter normalen Umständen, aber wenn seine Augen funkelten, machte ihn das noch gut aussehender, fand sie. Es passte zu seiner Art und seiner ganz speziellen Art von Charme.

William

William musste sich einen Augenblick lang zusammenreißen, um sich nicht anmerken zu lassen, dass Isabels Frage recht unglücklch gestellt war. 
"Ihre Abreise war leider schon heute von Nöten. Aber vielleicht lernt ihr sie noch kennen, wenn wir wieder aus der Normandie zurück sind." versuchte er dann eine Antwort zu finden, die zufriedenstellen konnte. Was hätte er auch anderes Antworten sollen? Dass Joanna abgereist war, weil sie beide bis zu Williams Verlobung inoffiziell Heiratspläne gehegt hatten? Wohl kaum. 
Isabel lenkte seine Gedanken jedoch gleich wieder in eine andere Richtung und als sie sich abwartend zu ihm umdrehte, stahl sich erneut das Grinsen auf seine Lippen. 
"Wisst Ihr, ich glaube wir haben noch einen kurzen Moment Zeit." stellte William fest, während er neben Isabel trat, einen Arm um ihre Taille legte und sie zu sich herum drehte. 
"Man wird sicherlich auf uns warten." murmelte William, während er mit der freien Hand sachte über ihre Wange strich. "Nur einen kleinen Moment ..." 
Dann suchten seine Lippen die ihren, für einen allerersten Kuss.

Isabel

„Wie schade. Aber vielleicht habt Ihr Recht. Sicherlich werde ich ihr irgendwann bei Hofe begegnen.“ Sie lächelte leicht und folgte mit den Augen seinen Bewegungen. „Sicherlich…“ 
Wie er neben sie trat und ihr so näher kam. Ihr Herz schlug schneller, als er schließlich den Arm um sie legte, über ihre Wange strich. Isabel schloss die Augen, als ihr Mann sie zum ersten Mal küsste und überließ sich nach einem kurzen Zögern dem gänzlich neuen Gefühl. Sie war nie einem Mann so nah gewesen. Es war merkwürdig, aber nicht unangenehm. Und warum auch immer, sie hatte Vertrauen zu William gefasst. 
Als sie sich schließlich voneinander gelöst hatten, waren ihre Augen groß geworden und ihre Wangen hatten sich in wenig gerötet. Es fühlte sich irgendwie gut an von ihm geküsst zu werden. Und dieser Mann war nun der Ihre. Ein schüchternes Lächeln huschte über ihr Gesicht, aber sie wusste nicht genau, wo sie hinschauen sollte.

William

Obwohl Isabel erst zögerte, ließ sie William gewähren und gab sich seinem Kuss schließlich hin. 
William musste unweigerlich grinsen als er die leichte Röte bemerkte, die Isabel ins Gesicht geschossen war. Er hatte Verständnis für sie, immerhin war Isabel auf diesem Gebiet noch völlig unerfahren und zudem waren sie beide sich im Grunde noch weltfremd. Trotzdem hoffte er, dass sie diese Schüchternheit möglichst schnell ablegen würde. 
"Ich hoffe es hat Euch gefallen. Schließlich gilt meine Aufmerksamkeit künftig nur noch Euch." er lächelte und gab ihr einen weiteren, jedoch nur kurzen Kuss, bevor er zurücktrat und ihr dann seinen Arm anbot. 
"Lady Cornwall, darf ich bitten?" 
Nun hieß es ab in das Getümmel. Es wüde mit Sicherheit ein etwas längerer Tag und William ahnte jetzt schon, dass zu späterer Stunde, wenn erst einmal mehr Wein geflossen war, so mancher anzüglicher Kommentar anspielend auf die bevorstehende Hochzeitsnacht fallen würde. Er selbst nahm solche Stichelein auf die leichte Schulter, er konnte jedoch nur hoffen, dass Isabel nicht allzu prüde war und bei jeder Bemerkung der Ritter erröten würde.

Isabel

Lady Cornwall…es war das erste Mal, dass jemand sie so nannte und es war an diesem Abend nicht das letzte Mal. Sie war stolz darauf, nun William anzugehören. Trotzdem konnte sie den Abend nicht wirklich genießen. Sie wusste, was noch bevorstand und sie fürchtete sich ein bisschen davor. Die Bemerkungen, die im Laufe des Abend zunehmend unflätiger wurden, trieben ihr jedes Mal die Röte auf die Wangen. Sie hielt den Blick gesenkt, saß aber glücklicherweise neben William. Das vermittelte ihr wenigstens ansatzweise Sicherheit. 
Schließlich wurde es Zeit sich zurückzuziehen. Isabel hielt den Kopf angestrengt oben und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass das Gelächter und die Kommentare sie verunsicherten. Als sie gemeinsam die Halle verließen, zitterte ihre Hand leicht.

William

William hatte den Abend genossen, allerdings war ihm nicht entgangen, dass seine Frau neben ihm zeitweilens wie ein Häufchen Elend wirkte. Innerlich seuftzte er, ließ sich nach außen hin jedoch nichts anmerken. Aber etwas anderes hätte er wohl auch kaum erwarten können. 
Als die Tür der Halle hinter ihnen ins Schloss fiel, legte William seinen Arm um Isabel, während sie sich auf den Weg zu ihrem Gemach machten. Er spürte die Unruhe, die zweifelsohne in seiner Frau tobten und setzte ein aufmunterndes Lächeln auf. 
"Gebt nicht zu viel auf die dummen Bemerkungen von eben. Macht Euch keine Sorgen." In Williams Ohren klangen seine Worte völlig lächerlich, aber er hoffte einfach darauf, dass sie ihre Wirkung trotzdem nicht verfehlten. 
Als sie ihr Gemach erreichte, öffnete er die Tür und bedeutete Isabel mit einer einladenden Geste einzutreten. "Nach Euch, Mylady." lächelnd unterstrich er mit seinen Worten, die Geste und trat dann hinter ihr in das Gemach und schloss die Tür hinter ihnen ab. 
Bereits als die Tür ins Schloss fiel begann William zu ahnen, dass nun sein gesamter Charme gefragt sein würde, damit Isabel sich entspannte und nicht wie während des Banketts in sich zusammen sank.

Isabel

Isabel fühlte sich gleich ein wenig sicherer, als die Tür sich geschlossen und William seinen Arm um sie gelegt hatte. Sie beruhigte sich ein wenig und fühlte sich nicht mehr ganz so elend und nervös. Immerhin hatte er versprochen sie zu beschützen, also brauchte sie sich wohl wirklich nicht so viele Sorgen zu machen. Sie erwiderte nichts. Was hätte sie auch sagen sollen? Dass sie gar nicht verstand, warum die Anderen solche Bemerkungen machten? Was sollte daran belustigend sein? Das steigerte eher die Nervosität. 
Als sie schließlich ihre eigenen Gemächer erreichten, atmete sie noch einmal durch und trat durch die Tür. Sie waren allein, aber irgendwie fühlte sie sich damit plötzlich gar nicht mehr so wohl wie zuvor. Trotzdem wollte sie nicht wie ein verängstigtes Reh da stehen. Also drehte sie sich um, lächelte ein wenig unsicher und harrte dem, was da kommen würde. 
Natürlich hatte man ihr erklärt, was in der Hochzeitsnacht geschah, aber es letztlich wirklich zu erleben, war etwas vollkommen Anderes. Schließlich mochte sie William zwar, aber sie kannte ihn eigentlich kaum.
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GreyStorm



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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Mi Jul 29, 2015 10:28 pm

William

William warf Isabel einen kurzen Blick zu und ging dann recht zielstrebig zum Tisch hinüber auf dem neben Wein auch noch ein paar Kleinigkeiten zu Essen bereit standen. 
Er füllte die beiden Becher mit Wein und kehrte mit ihnen in der Hand dann zu Isabel zurück. "Möchtet Ihr?" es war eine rethorische Frage, denn er wartete nicht einmal eine Reaktion ab, sondern übergab ihr den Becher. Seinen eigenen setzte er an die Lippen und nahm einen großen Schluck. Dann stellte er ihn jedoch bereits wieder zur Seite. Er hatte vorhin bereits etwas Wein getrunken und er wollte sich keinesfalls betrinken. 
William trat hinter Isabel und löste vorsichtig den Schleier aus ihrem Haar, so dass dieses locker über ihre Schultern fallen konnte. 
"Und nun lasst mich noch einmal sehen, was für einen Engel ich zur Frau habe." raunte er ihr ins Ohr und drehte sie zu sich herum. 
Wie schon bei Isabels Ankunft raubte ihm ihr Anblick auch jetzt wieder den Atem. Sie war wirklich bildschön. Wenn sie nun noch ihre Schüchternheit ablegen würde - und William hoffte darauf, dass dies bald der Fall sein würde - könnte er sich kaum mehr wünschen.

Isabel

Auch Isabel zwang sich schließlich dazu ein wenig Wein zu trinken, der hoffentlich eine beruhigende Wirkung auf sie haben würde. Doch sie stellte den Becher ebenfalls bald wieder ab, weil sie befürchtete, ihn fallen zu lassen. Dann atmete sie noch einmal durch und versuchte mehr oder minder erfolgreich ihre Aufregung auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Er löste den Schleier und sie fühlte sich ein wenig merkwürdig. 
Schließlich stand sie ihm wieder gegenüber. Sein Kompliment entlockte ihr ein offeneres Lächeln und sie entspannte sich ein wenig. Sie wusste doch, dass sie schön war, zu verlieren hatte sie wahrlich nichts. 
Isabel hob ihren Blick langsam nach oben und schaute in seine Augen. Es gelang ihr auch, den Blick aufrecht zu erhalten. Sie atmete nochmals durch. „Ich vertraue Euch.“, sagte sie dann leise. Warum auch immer sie das tat. 
Sie kannte ihn nicht lange, aber er hatte eine Wesensart an sich, die es einem leicht machte. Man traute ihm nicht zu, wirklich hinterhältig zu sein. Und sie glaubte, dass er ein guter Ehemann sein würde. Darauf, was sie von seinem Charakter gesehen hatte, stützte sich ihr Vertrauen.

William

William lächelte angesichts ihrer Worte und stellte zufrieden fest, dass Isabel sich tatsächlich etwas zu entspannen schien. 
Er strich ihr mit den Fingern durch die Haare und ließ sie dann über ihre Wange, den Hals entlang bis zu ihrem Arm wandern. Dann legte er die Hand um ihre Taille, zog sie somit ein wenig dichter an sich, und suchter ihre Lippen. 
"Das hoffe ich doch." murmelte er gegen ihre Lippen. William gestattete sich noch für einen Moment mit den sanften Liebkosungen fortzufahren, dann löste er sich von ihr und ging zum Bett hinüber auf dem er sich mit einem kaum hörbaren Seufzen niederließ. 
Er war den gesamten Tag auf den Beinen gewesen und nicht einen Moment zur Ruhe gekommen, was sich jetzt doch langsam bemerkbar machte. Besonders seine Schulter erinnerte ihn daran, dass er zwar nicht mehr an das Bett gefesselt und auch nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen war, jedoch noch nicht wieder gänzlich hergestellt war. 
William streckte seine Hand in Isabels Richtung aus und bedeutete ihr somit auf sich neben ihn auf das Bett zu setzen. 
Er war durchaus bereit ihr ein wenig Zeit zu geben, weshalb seine Geste mehr einer Bitte glich und nicht einer Forderung.

Isabel

Isabel ließ sich fallen und schob ihre Bedanken beiseite. Während die Nervosität ein bisschen weniger wurde, wurde eine anderes Gefühl stärker: die Neugierde. Schließlich war das hier etwas Neues. Sie seufzte leise und ließ ihn gewähren. 
Einen Moment blieb sie stehen und betrachtete ihn, dann folgte sie seiner Bitte und ging langsam zum Bett hinüber um sich neben ihm niederzulassen. 
Es war anders, als noch ein paar Minuten zuvor. Je näher sie ihm kam, desto leichter war es, nicht ganz so unsicher und nervös zu sein. Sie hätte ihm sicherlich auch vorspielen können, dass sie vollkommen gelassen war, aber das wollte sie nicht. Isabel wollte ehrlich sein, denn sie hoffte, dass er das auch war. 
Sie legte den Kopf ein wenig zur Seite und ihr langes, blondes Haar fiel ihr über die Schulter, während sie ihn musterte und dann vorsichtig und zögernd die Hand ausstreckte, um eine der dunklen Locken aus seinem Gesicht zu streichen.

William

Ein zufriedenes Funkeln trat in Williams Augen als Isabel die Hand ausstreckte, um ihm eine Haarsträhne aus der Stirn zu streichen. Er hatte also ganz offensichtlich auf das richtige Pferd gesetzt indem er wartete und ihr nur mit kurzen Berührungen und dem ein oder anderen Kuss einen kleinen Vorgeschmack gab. 
William ergriff ihre Hand und führte ihre Finger an seine Lippen, küsste jede einzelne Fingerspitze und dann ihr Handgelenk bevor er ihre Hand wieder frei gab. Dann löste er den Gürtel, der seine Tunika zusammenhielt und zog sich diese langsam über den Kopf. Kaum hatte der Stoff den Boden neben dem Bett berührt, ließ William sich zurück in die Kissen sinken. 
Abwartend sah er zu Isabel hinauf, denn dieses Mal hatte er sie gleich mit zwei Dingen konfrontiert. Zum einen war er einen Schritt weiter gegangen als die kurzen Küsse, die sie ausgetauscht hatten und zum anderen sah sich Isabel nun auch mit Williams größtem Markel konfroniert - der breiten Narbe, die sich von seiner Schulter an quer über seinen Oberkörper zog und deren Ende durch Williams Hose verdeckt war, so dass man nur erahnen konnte bis wohin sich die Verletzung hin gezogen hatte. 
Im gleichen Moment wurde William bewusst, dass Joanna die einzige Frau gewesen war, die ihn seit seiner schweren Verletzung so gesehen hatte und er hatte nicht die geringste Ahnung, wie es wirken mochte. Schon gar nicht auf Isabel.

Isabel

Isabel ließ es geschehen und fühlte sich innerlich ziemlich verwirrt von dem, was sie dabei empfand. Einerseits war sie weiterhin verunsichert, andererseits empfand sie diese Art von Liebkosung durchaus als angenehm. Mit großen Augen sah sie ihm zu, wie er die Tunika auszog. Im ersten Moment war es nicht die Tatsache, dass sich eine große Narbe über seinen Körper zog, sondern dass er halbnackt vor ihr lag, die sie aus dem Konzept brachte. 
Ein wenig beschämt, aber durchaus ein wenig neugierig sah sie auf ihn herunter und nun fiel ihr wirklich die große Narbe ins Auge. Isabel schluckte und atmete hörbar aus. Die Verletzung musste wahrlich schlimm gewesen sein. Ob es diese gewesen war, die ihn ans Bett gefesselt hatte? Durchaus möglich. 
Scheu streckte sie die Hand wieder aus und fuhr mit den Fingerspitzen zart die Narbe nach, vollkommen fasziniert von dieser neuen Erfahrung. William schien äußerst geduldig mit ihr zu sein und sie war froh darüber, dass er sie nicht drängte, denn dadurch wäre nur ihre Nervosität zurückgekehrt und diese hätte sich leicht in Panik verwandeln können. So aber empfand Isabel alles als durchaus angenehm. Sie hatte Zeit sich an die Situation zu gewöhnen.

William

William biss kurz die Zähne zusammen als Isabel die Narbe auf seiner Brust berührte, entspannte sich dann jedoch und schloss schließlich genüsslich die Augen. 
Zufrieden damit, dass Isabel sich mehr und mehr entspannte, ließ er sie gewähren bis er schließlich wieder die Augen öffnete und ihr ein gewinnendes Lächeln schenkte. Er strich ihr sanft über die goldenen Locken und ließ die Hand dann ihren Rücken hinunter wandern. 
Mit der anderen griff er nach ihrer Hand, die noch immer die Narbe auf seinem Oberkörper nachzeichnete. Dann sah er sie einen Moment lang nachdenklich an und legte den Kopf schief. "Erschreckt Euch was Ihr seht?" fragte er dann und wurde sich ernst hinterher über die Doppeldeutigkeit seiner Worte bewusst. Aber auf Grund der Tatsache, dass Isabel seine Narbe mit einem geräuschvollen Ausatmen zur Kenntnis genommen hatte, setzte er darauf, dass sie ihn richtig verstand. Andernfalls würde sie vermutlich wieder erröten und möglicherweise kein Wort heraus bekommen.

Isabel

Isabel gefiel seine Reaktion irgendwie und erwiderte das Lächeln. Es schreckte sie nicht mehr, wenn er sie berührte. Seine Frage allerdings hatte sie nicht erwartet. Worauf bezog er sie? Auf die Narbe, glaubte sie. Sie zögerte kurz, dann schüttelte sie leicht den Kopf. „Nein. Mich schreckt nicht der Anblick, mich schreckt nur der Gedanke, wie schmerzhaft und langwierig die Heilung einer solchen Wunde sein muss. Aber was ich sehe, erschreckt mich nicht.“ Sie schaute ihn an und spürte, wie auch ihre Schüchternheit ein Stück weit verflog. Sie war unbefangener. 
Eigentlich war eher das Gegenteil der Fall. William war ein ziemlich attraktiver Mann. Er war so gelassen. Seine Narbe, die seinen Oberkörper doch gewissermaßen entstellte, schien ihn gar nicht zu stören. Dabei wirkte sie eigentlich noch recht frisch. 
Isabel riss sich aus diesen Gedanken und legte vorsichtig eine Hand flach auf seine Brust. Sie konnte seinen Herzschlag spüren und war wieder einmal fasziniert.

William

Er antwortete mit einem schiefen Grinsen. "Sie wird auf jeden Fall dafür sorgen, dass ich die Schlacht in der ich sie erwarb nie wieder vergessen werden." 
Dann legte Isabel ihre Hand auf seine Brust und er erschauderte beinahe unter ihrer Berührung. Womit sie seine Gedanken wieder auf sie zurücklenkt und nicht zuließ, dass er wieder über die Schlacht um Hereford zugrübeln begann, wie es oft der Fall war, wenn er die Narbe auf seinem Oberkörper beobachtete. 
Stattdessen zog William Isabel nun ein wenig dichter an sich, so dass er den Stoff ihres Kleides auf seiner Haut spürte. Er legte seine Hand an ihre Wange und suchte dann Isabels Lippen für einen langanhaltenden, zärtlichen Kuss. Mittlerweile war Williams Zuversicht gestiegen, dass ihre Hochzeitsnacht doch äußerst angenehm werden würde und nicht überschattet wurde, durch Isabels Nervosität. 
"Ich habe es wahrlich gut getroffen mit Euch, meine Liebe." murmelte er gegen ihre Lippen, um ihr noch ein wenig mehr zu schmeicheln.

Isabel

Isabel war am nächsten Morgen noch vor Sonnenaufgang wach und brauchte einen Moment, um sich zu orientieren. Sie lag in einem ihr fremden Bett und das nicht allein. 
Dann kam die Erinnerung zurück und mit ihr ein zartes Lächeln. Ja, sie hatte gestern geheiratet und William hatte ihr geholfen, ihre Angst vor der Hochzeitsnacht und dem Vollzug der Ehe zu verlieren. Sie betrachtete ihn eine Weile schweigend. Wie friedlich und entspannt er im Schlaf doch wirkte. 
Vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, erhob sie sich aus dem Bett und streifte ihr Unterkleid wieder über den Kopf, ehe sie zum Fenster trat und hinaus blickte. 
Erste helle Flecken waren am Himmel zu erkennen und offenbarten den dichten nebel, der über der Landschaft hing. Es hatte etwas Mystisches, stellte sie fest. 
Nun also begann ein neues Leben an der Seite von William of Cornwall. Was das wohl noch bringen würde? Eines war sicher: sie konnte sich äußerst glücklich schätzen.

William

Als William erwachte, blinzelte er ein paar Mal bevor er den Kopf zur Seite drehte. Die Sonne versteckte sich noch hinter dem Horizont, doch man konnte bereits erahnen, dass ein neuer Tag anbrach. 
William lächelte, als er Isabel am Fenster stehen sah. Kurz überlegte er sie anzusprechen, entschied sich dann jedoch dagegen. Er erhob sich leise vom Bett und schlüpfte in seine Hose, dann ging er um das Bett herum und blieb direkt hinter Isabel stehen. Er legte seine Arme um ihre Taille und küsste zärtlich ihren Hals. 
"Guten Morgen, meine Liebe." murmelte er. "Wartest du auf den Sonnenaufgang?" er hatte sich ganz bewusst dafür entschieden von der Förmlichkeit abzurücken, schließlich waren sie nun verheiratet und hatten letzte Nacht ihre Ehe vollzogen. 
Er küsste erneut ihren Hals und seine Hände, die auf ihrem Bauch ruhten, sorgten unwillkürlich dafür, dass seine Gedanken sich um ihre bevorstehende Zukunft drehten. Ein Funkeln trat bei dem Gedanken an mögliche eigene Kinder in seine Augen.

Isabel

Isabel lächelte leicht, als William hinter ihr stand. Es war merkwürdig, wie schnell man sich daran gewöhnte, dass jemand einem so nahe kam. Sie hatte keine Angst mehr vor dem Unbekannten. Im Gegenteil. Sie hatte schnell gelernt, dass seine Anwesenheit ihr Sicherheit vermittelte und sie wesentlich entspannter war. Auch gestern beim Bankett hatte nur seine Anwesenheit verhindert, dass sie hochrot im Gesicht fluchtartig die Halle verlassen hatte, weil sie sich so überfordert fühlte. Jetzt war alles in Ordnung und irgendwie wünschte sie sich, dass jeder Morgen so begann. Es war plötzlich so vertraut zwischen ihnen. So sehr, dass er sogar anfing die Förmlichkeit beiseite zu lassen. Es war ungewohnt, aber es war durchaus in ihrem Sinne. 
"Guten Morgen.", erwiderte Isabel leise. "Eigentlich schon, ich wollte sehen, wie die Aussicht darauf von hier aus ist. Aber bei dem Nebel kann ich wohl lange warten. Schade eigentlich. Aber für diese Jahreszeit wohl nicht ungewöhnlich." 
Sie seufzte leise und lehnte sich instinktiv ein bisschen zurück an seinen Körper. "Wann werden wir eigentlich nach Frankreich gehen?"

William

William registrierte zufrieden, dass Isabel sich an ihn lehnte und lachte dann über ihren verdrossenen Kommentar über den Nebel. 
"Wenn Henry nicht noch einmal alle Pläne umwirft und somit alles durcheinander bringt, werden wir in zwei Wochen aufbrechen." 
Er war in den letzten Tagen vollauf damit beschäftigt gewesen die Abreise vorzubereiten und war froh, dass nun alles in die Wege geleitet wurden war, so dass er bis zur Abreise mehr oder weniger Ruhe hatte. Sofern Henry nicht wieder etwas anderes in den Sinn kam. Allerdings hatte William seinem Cousin scherzhaft bereits gedroht, dass er rebellieren würde, wenn Heinrich mal wieder seine Abreisepläne änderte. 
William atmete geräuschvoll aus und sah aus dem Fenster. Die Nässe und die langsam einsetzende Kälte machten William zeitweise reichlich zuschaffen. Besonders seine Schulter wurde bei diesem Wetter schneller einmal steif; eine Sache von der William hoffte, dass sie mit der Zeit wieder besser wurde. "Ich bin wirklich froh, wenn wir das schlechte Wetter hier zurück lassen. In der Normandie wird es deutlich angenehmer sein." er machte eine kurz Pause in der er den Blick wieder vom Fenster ab und Isabel zuwandte. "Warst du schon einmal in der Normandie?"

Isabel

"Ich hoffe, dass sich die Temperatur bis dahin hält. Nicht, dass es noch kälter wird. Ich mag Frühling und Sommer viel lieber, wenigstens friert man dann nicht. Neigt er dazu, die Pläne umzuwerfen? Ich kenne den König eigentlich gar nicht." 
Isabel blickte immer noch nachdenklich in die Ferne, stellte aber fest, wie angenehm es war, jemandem zum reden zu haben, der einen nicht wie ein kleines Mädchen behandelte. Wie ihr Vater es zum Beispiel tat. 
"Ein milderes Klima käme mir sehr gelegen. Aber ich war noch nie dort. Ich war auch vorher eigentlich noch nie am Hof. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Die Normandie...ist es schön dort?" 
Es würde das erste Mal sein, dass sie England verließ. Sie war neugierig darauf, mehr von der Welt zu sehen, auch, wenn es nur ein kleines Stück sein würde. 
Sie lächelte leicht. 
"Wie lange werden wir dort bleiben?" Sie hatte nie viel darüber nachgedacht. Es hatte Wichtigeres gegeben.

William

William war den gesamten Tag lang unterwegs gewesen, da er für Henry in den umliegenden Gebieten ein paar Dinge erledigen musste. Zum Schluss war er bei dem Verwalter der benachbarten Burg gewesen, um diesem einige Anweisungen vom König zu überbringen und dieser hatte ihn reichlich aufgehalten, da er von William unbedingt die neusten Neuigkeiten hören wollte. William hatte zunächst das Gesicht verzogen und den Mann dann jedoch mit einigen Informationen besänftigt, die für diesen scheinbar interessant waren, aber in der Wahrheit absolut unwichtig waren. 
Nun freute er sich darauf noch ein warmes Bad zu nehmen und dann in Ruhe mit Isabel zu Abend zu essen. 
Er versuchte seinen Verdruss über die langweiligen und doch nötigen Aufgaben von heute herunterzuschlucken als er das Gemach betrat, dass er mit Isabel teilte. Henry hatte ihn zwar eingeladen ihm noch ein wenig Gesellschaft zu leisten, doch William hatte sich damit entschuldigt, dass er müde und bereits den ganzen Tag auf den Beinen war. 
Er seuftzte als er die Tür hinter sich schloss. "Und wieder ist ein langer Tag vorüber."

Isabel

Isabel verbrachte ihr Tage zumeist in Gesellschaft der anderen Damen, die die Königin in die Normandie begleitet hatten, wenn ihr Mann für den König unterwegs war. Wenn sie das nicht tat, beschäftigte sie sich irgendwie anders, lenkte sich mit Handarbeiten ab oder ging spazieren. Jetzt saß sie in ihrem Gemach und wartete auf William, der sicherlich - hoffentlich - bald heimkehren würde. 
Sie musste nicht lange warten. Isabel hob den Kopf und schenkte ihm ein Lächeln. In den vergangenen Wochen waren sie noch vertrauter miteinander geworden und sie verstanden sich gut. Die junge Lady Cornwall war äußerst zufrieden mit ihrem Los und war ihrem Gemahl sehr zugetan. 
"Ein langer Tag, fürwahr. Aber war er auch erfolgreich? Was hast du getan?" 
Isabel mochte die Normandie. Am liebsten wäre sie dort geblieben, hier war es viel milder als in England. Aber das würden sie sicher nicht tun. WIlliam würde mit Henry zurückkehren wollen. Schade eigentlich.

William

William fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und strich dabei einige dunkle Locken aus seiner Stirn. Er ging zu Isabel hinüber und gab ihr einen zärtlichen Kuss zur Begrüßung. "Ich war in der Umgebung unterwegs und habe ein paar kleine Verhandlungen für Henry geführt. Bis auf eine liefen alle sehr erfolgreich, aber ich denke auch mit dem letzten Grafen werden wir uns noch einig. Allerdings hat mir der letzte Vewalter ziemlich die Nerven geraubt mit seiner Sensationslust." William lachte und ging dann zu dem Tisch hinüber auf dem bereits Essen und Trinken bereit standen. 
Er goss sich selbst etwas von dem Wein ein - in seinen Augen war der Wein, der aus dem Poitou hierher gebracht worden war, um vieles besser als der, den Henry zuletzt in England noch am Hof gehabt hatte - und schob sich ein kleines Stück Brot in den Mund, um den ersten Hunger zu stillen. Dann sah er zu Isabel hinüber. "Möchtest du auch welchen?" fragte er und deutete auf den Wein. 
Er würde nur den ersten Hunger und Durst stillen, dann würde er zunächst sein wohlverdientes Bad nehmen, bevor er endgültig zur Ruhe kam.

Isabel

Isabel schüttelte den Kopf. "Lieber nicht. Du solltest allerdings Verständnis haben, schließlich kommt der Hof nicht alle Tage hierher. Wenn einen dann der Cousin des Königs aufsucht, kann man schon mal neugierig werden, oder?" 
Sie lächelte leicht und kam dann näher, lehnte sich an die Tischkante und schaute ihn an. Sie überlegte einen Moment, wie sie ihre Neuigkeiten am Besten vermitteln sollte. 
"Weißt du...du solltest den Verwalter vielleicht bald wieder besuchen. Du hast dann noch mehr Neuigkeiten zu erzählen, die dich weitaus mehr interessieren werden, denke ich." 
Ihr Lächeln wurde eine Spur breiter und sie legte den Kopf schief, ihr Haar fiel lang über ihre Schulter. 
"Wir Beide werden nicht mehr allzu lange allein bleiben." 
Erst heute war sie sich wirklich sicher gewesen und seitdem hatte sie überlegt, wie sie ihrem Mann davon erzählen sollte. 
Jetzt hatte sie wohl einen Weg gefunden. Ihre Augen leuchteten auf.

William

William hatte gerade den Becher an die Lippen gesetzt als ihre Worte ihn mitten in der Bewegung erstarren ließen. Hatte sie das wirklich gesagt? Und hatte er sie gerade richtig verstanden? 
Langsam ließ er den Becher wieder sinken und stellte ihn auf dem Tisch ab. Wenn es stimmt, was Isabel ihm sagte, wären das wahrlich grandiose Neuigkeiten. 
Kurz nach dem sie in der Normandie eingetroffen waren, hatte Henry ihm verkündet, dass Eleonore endlich ein Kind erwartete und während William sich für seinen Cousin gefreut hatte, regte sich gleichzeitig in ihm der Wunsch auch endlich eine solche Nachricht zuerzählen zu haben. Und nun schien es als wäre es tatsächlich soweit. 
Ein begeistertes Funkeln trat in Williams Augen. "Bist du dir sicher?" fragte er dann jedoch, die Freude unterdrückend bis Isabel seine Hoffnungen noch einmal bestätigen würde. 
Seitdem sie mit dem Hof in die Normandie gereist waren, waren Isabel und er sich immer näher gekommen und er war völlig vernarrt in seine Frau. Ein Kind würde ihrem Glück nun noch die sprichwörtliche Krone aufsetzen.

Isabel

Isabel beobachtete gespannt seine Reaktion. Als er sie nochmal fragte, verdrehte sie die Augen. "Das ist eine wirklich dumme Frage, William. Denkst du, wenn ich nicht sicher wäre, ich hätte es dir gesagt? Außerdem bin ich durchaus in der Lage zu rechnen." 
Sie lächelte zufrieden, denn sie hatte den Ausdruck in seinen Augen durchaus erkannt. Er freute sich so sehr. 
"Aber wenn du es so gern hören willst: ja, ich bin sicher. Ich erwarte ein Kind. Unser Kind." Isabel lachte leise,´und fröhlich auf. 
Sie konnte sich sehr gut vorstellen, dass er ein guter Vater werden würde. Ihre Gedanken wanderten zurück. Auch die Königin trug ein Kind. Ein Erbe wäre wichtig für England. 
Ihre Aufmerksamkeit richtete sich zurück auf ihren Mann. Sie hätte nie geglaubt, dass sie sich mit ihm so gut verstehen würde. Aber es war so gekommen, Sie hätte nicht glücklicher sein können. 
Sie hatte William gern, sie konnte mit ihm auch ernsthafte Gespräche führen und jetzt würde sie ihm hoffentlich einen Erben schenken können.
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GreyStorm



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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Mi Jul 29, 2015 10:56 pm

William

Hatten seine Augen bisher freudig gefunkelt, so strahlten sie jetzt vor unendlicher Freude. Ihre neckenden Worte entlockten ihm ein Lachen, er legte seine Arme um sie und drehte sie freudig zu sich herum. 
"Das sind wahrlich fantastische Neuigkeiten!" seine Stimme strotze nur so vor Freude und Stolz. Isabel erwartete ein Kind, sein Kind. 
William umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen und küsste sie dann leidenschaftlich. Hatte er vor wenigen Minuten diesen Tag noch als öde und anstrengend abgetan, so war sämtliche Müdigkeit auf einmal verflogen und eine unendliche Freude machte sich in ihm breit. 
Dann legte er eine Hand auf ihren Bauch, der momentan noch flach war und nichts von der Schwangerschaft verriet, und strich dann zärtlich über den samtenen Stoff ihres Kleides. 
"Habe ich Euch heute eigentlich schon gesagt, wie sehr ich Euch liebe, Mylady?" fragt er dann mit grinsend und gab ihr einen weiteren Kuss. 
"Ich muss die Neuigkeiten gleich noch Henry mitteilen. Und an meinen Vater schreiben." William drang darauf die Nachrichten zu teilen. "Und dem Earl of Arundel müssen wir ebenfalls Bescheid geben." William bereute fast, dass er den Nachricht nicht selbst überbringen konnte, denn Isabels Vater würde sicher außer sich sein vor Begeisterung.

Isabel

Seine überschwängliche Freude war wirklich schön mit anzusehen. Isabel konnte sich nicht erinnern, ihn je so unbeschwert und ausgelassen gesehen zu haben. Allein das war es eindeutig wert. 
Sie lachte und genoss es, wenn er sie küsste. Schließlich legte sie ihre Hand auf seine und lächelte ihn an. 
Sie war ein bisschen überrascht. Hatte er gerade gesagt, dass er sie liebte? Ihr Herz schlug unwillkürlich etwas schneller. Sicherlich, es war ihr klar gewesen, dass sie sich außerordentlich gut verstanden, aber dass er sie wirklich lieben konnte, hatte sie nicht gedacht. Gleich fühlte sie sich noch in bisschen besser und hätte am liebsten die ganze Welt umarmt. Sie wollte, dass es so blieb. Ihr Leben war perfekt. 
"nein, aber ich bin so glücklich, dass du es jetzt sagst." Sie legte ihre Arme um seinen Hals. Einen Moment lang überkam sie dann allerdings doch Sorge. 
"Bist du sicher, dass du das tun willst? Ich meine, es kann so viel passieren. Andererseits...wird mein Vater sich sicher sehr freuen."

William

William zog Isabel eng an sich, gab ihr noch einen weiteren Kuss und nickte dann. Ein warmes Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht. 
"Natürlich. Zumindest die Familie sollte doch von unserem Glück wissen." er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und spielte dann kurz mit dieser, bevor er sie losließ und seine Hand in ihrem blonden Haar vergrub. "Außerdem wird alles gut gehen, das weiß ich." er lächelte zuversichtlich. 
William musste daran denken, wie sehr er sich immer für seine Schwester gefreut hatte und wie gern er mit den Kindern Zeit verbrachte. Allerdings war er besonders als Margaret noch ganz klein gewesen war, immer froh gewesen, dass er sie wieder abgeben konnte. 
Seitdem war jedoch einiges an Zeit vergangen und er freute sich immens darüber, dass er nun bald selbst Vater werden würde. Ob es wohl ein Junge oder ein Mädchen werden würde? Natürlich wünschte William sich einen Erben, aber er wusste, dass er das Kind über alles lieben würde, ganz egal ob ein Junge oder nicht. 
Zärtlich ließ er seine Finger durch ihre goldenen Locken gleiten und strich Isabel dann langsam über den Rücken. 
"Ich finde, diese Neuigkeiten sollten wir gebührend feiern." Dann suchte er ihre Lippen für einen langanhaltenden, leidenschaftlichen Kuss.

Isabel

Isabel nickte. "Du hast ja Recht. Ich bin einfach selbst noch ein bisschen unsicher über meinen neuen Zustand. Ich muss mich an den Gedanken erst gewöhnen." 
Ob sie wohl eine gute Mutter sein konnte? Sie wollte nicht sein wie so viele Damen, die ihre Kinder dne ganzen Tag den eine Amme abgaben und dann ihrem Vergnügen nachgingen. Sie wollte eine Mutter sein, zu der die Kinder kommen konnten, wenn sie Kummer hatten. Und sie war sicher, dass ihr Gemahl die selbe Auffassung hatte. Sie hatte schon festgestellt, dass er Kinder mochte und offenbar ein sehr glückliches Händchen mit ihnen hatte. 
Isabel schmiegte sich in die Arme ihres Mannes, der es immer verstand ihr jeglichen Halt zu geben, den sie nur brauchte. 
Jetzt war sie ein wenig aufgedreht, weil sie selbst sich noch an den Gedanken gewöhnen musste, dass sie nicht mehr nur die Verantwortung für sich allein trug. 
"Es ist schon seltsam, gerade jetzt, wo die Königin auch schwanger ist." Ein anderer Gedanke kam ihr. "Ich hoffe, wir bleiben nicht allzu lange hier." Das hatte sie sich zwar eigentlich gewünscht, aber je länger sie warteten, desto beschwerlicher würde mit fortgeschrittener Schwangerschaft die Reise werden.

William

William konnte Isabel ihre Zweifel ansehen und wusste worum ihre Gedanken kreisten, konnte er sie doch nur zu gut verstehen. "Du wirst eine fabelhafte Mutter sein." raunte er ihr ins Ohr und liebkoste dann ihr Ohrläppchen, ließ seine Lippen weiter wandern bis er die ihren fand. 
Als er sich wieder von ihr löste, legte er seine Stirn an ihre und sah Isabel direkt in die Augen. 
"Die Normandie scheint einen positiven Einfluss zu haben." kommentrierte er ihre Worte grinsend. Dann wurde aus dem Grinsen ein beruhigendes Lächeln. "Wir werden bald ins Poitou aufbrechen. Und dort werden wir voraussichtlich bis zum Frühling bleiben. Du brauchst dir deshalb also keine Sorgen machen." erklärte er ruhig. 
Es kehrte eine kurz Stille ein, dann huschte ein freches Grinsen über Williams Lippen. Im nächsten Augenblick hob er Isabel hoch, scheinbar mühelos als wäre sie nicht schwerer als ein Kind, und trug sie dann lachend zum Bett hinüber auf das er sie langsam hinunter ließ und sich dann neben sie auf das Bett fallen ließ. 
"Wie gut, dass ich mich heute Abend vor jeglichen gesellschaftlichen Pflichten gedrückt habe. So können wir beide den Abend in aller Ruhe genießen." er lächelte und zog Isabel dann an sich. 
"Wie klingt das, hm? Wir bekommen ein Kind." murmelte er dann zufrieden.

Isabel

Isabel lächelte dankbar. Keine Frage, er verstand es immer sie zu beruhigen und war zumeist sehr optimistisch. Das war genau das, was sie brauchte, weil sie sich oftmals viel zu viele Sorgen machte. William hatte wieder einmal auf den ersten Blick erfasst, worum sich ihre Gedanken drehten und den Zweifeln Einhalt geboten. Es war so einfach die Zuversicht zu teilen. 
Sie setzte gerade zu einer Antwort an, als sich diese in einen überraschten Aufschrei und dann in ein Lachen verwandelte, als er sie plötzlich hochhob und auf dem Bett niederließ. 
Isabel lächelte zufrieden mit sich und der Welt und schmiegte sich in die angenehme Wärme ihres Mannes. Es hatte durchaus etwas für sich den Abend statt in höflicher Ettikette in seinen Armen zu verbringen. 
"Eine wirklich weise Entscheidung, mein Lieber." 
Sie hoffte einfach, es würde immer so bleiben. Mit zunehmender Vertrautheit erschien es ihr immer mehr so, als hätte sie nie ohne ihn gelebt. "Es klingt wundervoll.", bestätigte sie schließlich mit diesen Gedanken. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich so glücklich werden würde, wenn ich dich heirate."

William

Für einen Sekundenbruchteil erstarrte das Lächeln auf Williams und sein Blick flackerte. Isabels Worte hatten ihn wieder ruckartig daran erinnert wie es ihm selbst vor der Hochzeit geganen war. Und mit dem Gedanken an Joanna kehrte auch das Messer in seinem Herzen zurück. 
Gleichzeitig kam William sich reichlich schäbig vor. Er hatte sich seinem Schicksal gefügt und versucht die schmerzlichen Gedanken an Joanna zurückzudrängen und war dabei besonders in letzter Zeit mit Isabel ausgesprochen glücklich gewesen. 
Er schluckte und versuchte sich wieder zusammenzureißen. Schließlich war seine Reaktion reichlich unpassend für diesen Moment und er hoffte, dass Isabel nicht zu viel hinein interpretierte, sofern sie seinen kurzen Aussetzer mitbekommen hatte. 
Dann hatte er sich wieder im Griff und schenkte seiner Frau ein charmantes Lächeln. "Dann scheinst du wohl wirklich einen Glücksgriff mit mir gemacht zu haben, was?" fragte er neckend und gab ihr einen kurzen Kuss.

Isabel

Isabel war ein bisschen verwundert über seine Reaktion und ein kurzes Schweigen. Sie warf ihm einen fragenden Blick zu, doch im nächsten Moment schien alles wieder in Ordnung. hatte sie sich das nur eingebildet? Oder war es einfach nur eine Erinnerung, die ihn überkommen hatte? An seine Verletzung vielleicht? Sie wusste es nicht. 
Es war fast unheimlich, wie schnell er sich wieder gefangen hatte. "Ja, das habe ich. Und ich bin äußerst dankbar dafür. Siehst du das bei mir auch so?" 
Sie lächelte und beschloss gleichzeitig, dass sie die Sache diesmal nicht ganz auf sich beruhen lassen wollte. 
"Woran hast du gerade gedacht? Du sahst irgendwie aus, als wäre es nichts Angenehmes." 
Isabel musste zugeben, dass auch ihr das Laster vieler Frauen nicht fremd war: die Neugierde. 
Sie hätte gern gewusst, was in William vorging. Und auch, wenn sie schon recht viel miteinander redeten, die Vergangenheit gehörte kaum dazu. Schade eigentlich, denn seine war bestimmt wesentlich interessanter als ihre.

William

William verzog kurz das Gesicht und überlegte was er Isabel nun antworten sollte. Er wollte sie keineswegs belügen, allerdings war ihm auch absolut nicht wohl bei dem Gedanken ihr von Joanna und seinen eigentlichen Heiratsplänen zu erzählen. 
Unzufrieden knirschte er mit den Zähnen und seuftzte dann. "Das ist ein wenig kompliziert ..." versuchte er noch etwas drum herum zu reden, da er sich einfach nicht sicher war, ob er ihr wirklich davon erzählen sollte. Im Grunde galt das Hier und Jetzt und in dem war er absolut glücklich mit Isabel und erst recht jetzt, da sie sein Kind unter dem Herzen trug. 
Und trotzdem dachte er noch immer regelmäßig an Joanna. Und wenn er seiner Frau nun offenbaren würde, dass er sie nicht hatte heiraten wollen, da er bereits andere Pläne gehabt hatte ... nun, er war sich nicht so sicher, ob sie diese Eröffnung so positiv aufnehmen würde. 
"Ich ... ich hatte damals als mein Vater mir seine Pläne bezüglich unserer Hochzeit eröffnete eigentlich ganz andere eigene Pläne." versuchte er das Thema dann ein wenig zu umschiffen. Es war William sichtlich unbehaglich darüber zu sprechen, da er nicht einschätzen konnte, wie Isabel reagieren würde. 
Er versuchte sich an einem Lächeln. "Aber das spielt jetzt im Grunde keine Rolle mehr. Ich liebe dich und bin froh dich zu haben." William ließ seine Hand zu ihrem Bauch wandern. "Und dass wir bald zu dritt sein werden." seine Stimme klang bei dem Gedanken an das Kind gleich wesentlich sanfter als zuvor.

Isabel

Isabel bemerkte sein Unbehagen durchaus, lauschte schweigend und interessiert. 
"Oh..." Das bedeutete wohl, dass er eine Andere hatte heiraten wollen. Aber er hatte es nicht getan und jetzt war er ihr Mann, er sagte ihr oft genug, dass er sie liebte und die ehrliche Freude in seinen Augen überzeigte sie genug um zu verstehen, dass diese Andere keine Gefahr für sie darstellte. Vor allem jetzt nicht, da sie sein Kind erwartete. 
Sie beschloss, dass es wirklich keine Rolle spielte. 
"Nun, die Vergangenheit ist Vergangenheit und du hast mich geheiratet. Ich glaube, es war ganz gut so, wie es gekommen ist. Könntest du dir vorstellen noch glücklicher zu sein? Ich kann es nicht. Ich bin vollkommen zufrieden mit unserem Leben." Sie lächelte und legte die Arme um ihn. Ja, sie war so glücklich, diesen Mann geheiratet zu haben. Sie dankte Gott jeden Tag dafür. 
"Ich bin auch froh, dich zu haben. Mein Vater hätte keine bessere Wahl treffen können."

William

Williams Lächeln wurde ehrlicher und vor allem erleichterter. Er war Isabel wirklich dankbar für ihre Worte und war gleichzeitig froh, dass er ihr die Wahrheit gesagt hatte. Es reichte, wenn er sich selbst von Zeit zu Zeit Vorwürfe machte, da konnte er es nicht gebrauchen sich auch noch mit einer Lüge gegenüber seiner Frau auseinandersetzen zu müssen. 
Er atmete geräuschvoll aus und entspannte sich langsam wieder. 
"Du bist wundervoll." murmelte er, zog Isabel auf sich hinauf und küsste sie liebevoll. 
"Dein Vater ist ein kluger Mann." stellte er dann grinsend fest. 
Er fragte sich wirklich, wie man zwei im Grunde so gegensätzliche Gefühle verspüren konnte. Er kam sich vor wie ein Verräter, dass er in Isabels Gegenwart so glücklich war und doch fühlte er sich mit ihr einfach wohl. Und Sie erwartet ein Kind. Mein Kind. 
Eine Hand ruhte auf Isabels Rücken, die andere ließ er zu ihrem Gesicht wandern und strich ein paar blonde Strähnen zurück, die ihr über die Schulter fielen.

Isabel

Einige Monate später war es bei Eleonore von Aquitanien, Königin von England, dann soweit und sie würde hoffentlich in den nächsten Stunden Englands Thronfolger zur Welt bringen. 
Diese Nachricht hatte dafür gesorgt, dass in der kleinen Burg im Poitou, wo sie nun verweilten, Hektik ausgebrochen war und überall harrten die Menschen gespannten der ersehnten Nachricht, während ihre Königin in den Wehen lag. 
Isabel wartete in ihrem Gemach auf ihren Mann, der gegangen war um Henry Beistand zu leisten. Mit einem warmen Lächeln legte sie eine Hand auf ihren inzwischen sehr runden Leib, als sich das Kind in ihr bewegte. Es war dieses Gefühl, dass ihr jedes Mal Freude bereitete. 
Auch bei ihr würde es bald soweit sein und obwohl sie sich sehr auf ihr Kind freute, fürchtete sie ein wenig die Niederkunft an sich, war es doch schließlich ihr erstes Kind. 
Aber sie war zuversichtlich und William zeigte ihr jeden Tag, wie wichtig sie für ihn geworden war.

William

William lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und unterdrückte nur mit Mühe ein spöttisches Grinsen, während er Henry beobachtete, der unruhig wie ein Löwe hinter Gittern auf und ab lief. Der König von England machte momentan einen nicht sehr königlichen Eindruck, so nervös war er. 
"Henry, erinnere mich daran, dass ich mich an einen Stuhl binde, sobald meine Frau in den Wehen liegt." spottete William schließlich lachend. 
Sein Cousin drehte sich ruckartig zu ihm herum und warf ihm zunächst einen finsteren Blick zu. Dann erschien jedoch ein verzweifeltes Grinsen auf seinen Lippen. 
"Dort drinnen erblickt hoffentlich gleich der Erbe Englands das Licht der Welt. Ich schätze, da darf ich ja wohl ein wenig nervös sein." entgegnete Henry und deutete auf die Tür, die zu dem Schlafgemach der Königin führte. 
"Wie gut, dass ich diesen Druck nicht habe." grinste William, griff nach einem Becher Wein auf dem Tisch und erhob sich dann, um neben Henry zu treten. Er legte seinem Cousin eine Hand auf die Schulter. 
"Es wird alles gut gehen. Und du wirst deinen Erben sicher schon bald auf dem Arm haben." er drückte Henry den Becher in die Hand. "Aber es ist niemandem damit geholfen, wenn du dich nicht langsam einmal beruhigst. Trink!"

Isabel

Es dauerte einige Stunden, dann verbreitete sich die Nachricht in der Burg: England hatte einen Erben. Auch Isabel, die ihr Gemach doch verlassen hatte um ein paar Schritte zu gehen, erfuhr davon und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. 
Eine glückliche Stunde für England, so viel stand fest. Henry würde sich sicher über alles freuen. Denn mochte er auch nicht der beste Ehemann sein, er war seiner Frau verfallen und würde das nun noch mehr sein, da sie ihm einen Sohn geschenkt hatte. 
Lady Cornwall machte sich in diesen Minuten wieder auf den Rückweg, als sie bemerkte, dass es wieder ein wenig beschwerlicher wurde zu laufen und ihr Rücken zu schmerzen begann. 
Wie so oft, wenn sie längere Zeit auf den Beinen war. Das war immer ein Zeichen dafür, dass sie wieder ein bisschen Ruhe brauchen konnte. 
Mit einem erleichterten Seufzen ließ sie sich schließlich wieder auf ihr Bett sinken und streichelte abwesend ihren Bauch. 
Nun würde William sicher bald zurückkehren.

William

Nachdem William geraume Zeit damit verbracht hatte, Henrys Nervosität in Schach zu halten, hatte er sich gar nicht erst die Mühe gemacht ihn zu beruhigen als die Hebamme endlich nach draußen kam und sie informierte, dass die Königin einen gesunden Jungen geboren hatte. 
Henry war seit dem außer sich vor Freude und William hatte es bald vorgezogen seinen Cousin erst einmal sich und seiner kleinen Familie zu überlassen. Heute Abend würde er Henry noch lange genug ertragen müssen. William seuftzte innerlich bei dem Gedanken daran wie viel Wein heute Abend wieder fließen würde. Er konnte nur hoffen, dass Henry sich wenigstens ein bisschen zügelte. 
Allerdings war er doch reichlich angesteckt von Henrys guter Laune, so dass William ein breites Grinsen im Gesicht hatte als er zu Isabel kam. Es kribbelte ordentlich in seinem Bauch als er daran dachte, dass es nicht mehr allzu lange dauern würde bis auch er sein Kind würde auf dem Arm halten können. 
"Und endlich haben wir den ersehnten Erben." verkündete er seiner Frau beim Eintreten. Warscheinlich hatte auch Isabel die Nachricht bereits gehört. 
William ging zielstrebig zu dem Bett hinüber auf dem Isabel es sich bequem gemacht hatte und küsste sie zur Begrüßung. Dann ging er vor ihr in die Knie und strich zärtlich über ihren mittlerweile recht beachtlichen Bauch. 
"Und bald bist du an der Reihe." murmelte er lächelnd.

Isabel

Sein breites Grinsen sprach Bände und Isabel konnte nicht anders, als es zu erwidern. "Ja, ich habe es gehört, als ich einen kurzen Spaziergang gemacht habe. Die Nachricht hat sich ja wie ein Lauffeuer verbreitet. Henry ist bestimmt geplatzt vor Stolz, oder?" 
Sie strich ihm sanft über die dunklen Locken, als er vor ihr kniete und sie genoss seine zärtliche Berührung sehr. 
"Ja, bald sind wir beide dran. Ich glaube, sehr lange dauert es nicht mehr. Und ich denke, ich werde froh sein, langsam wird es ziemlich anstrengend.", sagte sie ebenfalls lächelnd. 
Ihre Hand lag inzwischen in seinem Nacken. 
"Hm...wäre es sehr schlimm für dich, wenn es ein Mädchen werden würde?", fragte sie schließlich in einem Anflug von Neugierde. 
Sie konnte sich das nicht vorstellen, aber es interessierte sie. Natürlich wünschte er sich einen Erben, aber er freute sich so oder so. 
Sie legte die andere Hand auf seine, die auf ihrem Bauch lag.

William

William lachte kurz auf bei dem Gedanken wie Henry ihm seinen Sohn präsentiert hatte. "Ja, das ist er in der Tat. Mal sehen, ob der kleine Henry ein ebenso großer Querkopf wie sein Vater wird." antwortete er ein wenig spöttisch. Henry war ein guter König, aber doch zuweilen ein wenig eigen. Deshalb hoffte William wirklich, dass der Kleine zwar den gleichen Namen wie sein Vater trug, aber charakterlich ein wenig mehr von seiner Mutter abbekommen hatte. 
Dann schloss er kurz die Augen und genoss wie ihre Hand durch seine Haare strich und schließlich bis in seinen Nacken wanderte. Bevor er auf ihre Frage reagierte öffnete er wieder die Augen und hauchte einen Kuss auf ihren Bauch. "Natürlich wünsche ich mir einen Sohn. Aber ganz egal, ob es ein Junge oder doch ein Mädchen wird, ich liebe das Kind jetzt schon und das wird sich auch nicht ändern." 
William sah zu ihr hoch, ergiff ihre Hand, die auf seiner gelegen hatte und drückte sie sanft. "Außerdem" und nun trat ein freches Funkeln in seine Augen. "haben wir ja noch genügend Gelegenheit einen Erben zu zeugen, sollte es ein Mädchen werden."

Isabel

"Hast du viel Hoffnung, dass es nicht so wird?", antwortete sie lachend. Sie kannte ihn also inzwischen doch gut und hatte ihn richtig eingeschätzt. Er liebte sein Kind und würde auch eine Tochter vergöttern. Das Kind würde ihn mühelos um den Finger wickeln. 
"Du wirst deinem Kind hoffnungslos verfallen, so wie ich das sehe. Aber nicht, dass ich am Ende immer diejenige sein muss, die für ein paar Regeln sorgt.", schimpfte sie spöttisch und begann dann zu kichern. 
"Mylord, Ihr seid wahrlich unverschämt! Spricht man darüber so offen mit einer Dame?" 
Im selben Moment zuckte sie leicht und ihr Grinsen wurde breiter. "Ich bin nicht sicher, ob ich das als Zustimmung oder Ablehnung deuten soll, aber unser Kind ist gerade ziemlich lebhaft. Kräftig ist es jedenfalls, so wie es mich tritt." 
Sie lächelte liebevoll. Auch sie konnte es kaum erwarten ihr Kind im Arm zu halten.

William

William lachte und stand dann auf. "In unseren eigenen Gemächern und ohne fremde Ohren ... sicher." er grinste anzüglich und erhob sich dann, um nicht möglicherweise noch einen tadelnden Klaps auf den Hinterkopf zu bekommen, da Isabels Hand noch immer in seinem Nacken ruhte. 
Er holte zwei Becher mit Wasser - für Isabel und das Kind war es besser und er ahnte, dass er heute Abend von Henry noch oft genug genötigt werden würde mit einem Becher Wein anzustoßen - setzte sich dann neben Isabel auf das Bett und übergab ihr den Becher. 
"Das ist gut. Es wird bestimmt ein selbstbewusstes kleines Kindchen. Hoffen wir, dass es nach seiner Mutter kommt, damit wir nicht so viel Ärger mit ihm haben." er lachte und nahm einen tiefen Schluck Wasser. Dann legte er einen Arm um Isabel und lehnte seinen Kopf gegen ihren. 
"Ich kann es kaum erwarten." murmelte er zufrieden und schloss die Augen, um den Moment zu genießen.

Isabel

Allzu lange warten mussten die Beiden auch nicht mehr. Der Frühling begann gerade in den Sommer überzugehen, es war nicht mehr kalt draußen und Blumen und Bäume blühten in ihrer ganzen bunten Pracht, als bei Isabel die Wehen einsetzten. 
Doch ihr Kind wollte es ihr nicht unnötig leicht machen und so vergingen einige, lange Stunden, in denen die junge Lady Cornwall sich quälte und ihren Schmerz herausschrie, wenn es besonders schlimm wurde. 
Sie hatte letztlich gar keine Zeit mehr gehabt, sich wirklich Gedanken zu machen oder Angst zu haben, denn irgendwann war sie nur noch darauf fixiert gewesen das Ganze möglichst bald hinter sich zu bringen. 
Als die Nacht hereinbrach, hatte sie es schließlich auch geschafft und der Schrei des Neugeborenen klang durch den Raum. 
Isabel ließ den Kopf völlig erschöpft zurücksinken und schloss einen Moment die Augen. 
Sie hatte es wirklich geschafft und so wie es sich anhörte, ein gesundes Kind zur Welt gebracht. Doch war es der ersehnte Erbe oder ein hübsches Töchterchen?
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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Mi Jul 29, 2015 11:17 pm

William

Hatte William Henry vor noch nicht allzu langer Zeit noch ausgelacht, so war nun er es, der unruhig hin und her lief, sich zwischen durch hinsetzte und wieder aufstand. Nur um wieder auf und ab zu laufen. Nachdem er einmal versucht hatte, die Hebammen zu überzeugen, ihn drinnen warten zu lassen, aber gescheitert war, ging er sogar einmal nach draußen auf den Hof, nur um kurz darauf wieder nervös zurückzueilen. 
Dieses Mal war es Henry, der ihm mit den Augen folgte und grinsend den Kopf schüttelte. William war ausgesprochen froh, dass sein Cousin sich die Zeit genommen hatte und nun mit ihm wartete. 
Als sich dann plötzlich die Tür öffnete, fuhr William ruckartig herum und starrte die Hebamme an, die lächelnd nach draußen trat. "Mylord, ..." 
Weiter kam die gute gar nicht, da war William bereits an ihr vorbei geeilt. Er wollte nur noch Isabel und das Kind sehen und sicher gehen, dass es beiden gut ging. Umso erleichterter war er, als er seine Frau sah, die völlig erschöpft war, der es aber ansonsten gut zu gehen schien. 
"Mylord." noch bevor er das Bett erreicht hatte, trat die Amme an ihn heran, auf dem Arm ein Bündel in dem man erst auf den zweiten Blick das rosige Gesicht ausmachen konnte. "Es ist ein wunderschönes, gesundes Mädchen." erklärte die Amme mit freudig strahlendem Gesicht und übergab William das Kind. 
Dieser hatte das Gefühl sein Herz würde aussetzen als er endlich seine kleine Tochter auf dem Arm hielt, die ihn aus wachen Augen anblinzelte. 
Mit einem Lächeln, das kaum breiter sein konnte, ließ er sich mit der Kleinen auf das Bett sinken und gab Isabel einen kurzen liebevollen Kuss. 
"Sie ist wunderschön." murmelte er und legte die Kleine in die Arme ihrer Mutter.

Isabel

Isabel lächelte matt. Eine Tochter also...Sie war selig vor Glück, dass sie gerade ein gesundes Kind zur Welt gebracht hatte und als sie die Kleine schließlich im Arm hielt, schien es ihr, als würde sie gleich zerbersten vor Stolz. 
Auch Williams Gesicht strahlte vor Freude und das machte sie, falls das noch möglich war, noch eine Spur glücklicher. Jetzt hatten sie wirklich eine eigene Familie und es würde sicher nicht bei ihrer süßen Tochter bleiben. "Das ist sie.", stimmte sie leise zu und betrachtete das Gesicht ihrer Tochter. Ihre Augen gleichen fast identisch denen ihres Mannes, aber es war wohl davon auszugehen, dass sie blondes Haar haben würde. Sie musste darüber lächeln. 
"Wie soll sie heißen, William?", fragte Isabel schließlich etwas wacher, nun wieder in der Lage, ein bisschen mehr Neugierde aufzubringen, als noch kurz zuvor, als sie sich gefühlt hatte wie aus Stein, als ob sie auf der Stelle einschlafen würde. 
Jetzt aber war das kleine Mädchen erst einmal wichtiger.

William

William strich Isabel durch die feuchten Haare und küsste sie dann zärtlich. Er war einfach nur überglücklich, dass sowohl Isabel als auch das Kind die Geburt gut überstanden hatten und er nun auf seine Tochter hinab sehen konnte. 
Er musterte das rosige Gesicht und sah in die dunklen Augen, die seinen so furchtbar ähnlich waren. Würde sie nun, wie der Flaum auf ihrem Kopf es andeutete, blonde Haare bekommen, würde sie später genauso ein wunderschöner Engel werden, wie ihre Mutter. 
William legte den Kopf schief und riss dann seinen Blick von der kleinen los, um Isabel anzusehen. 
"Was hältst du von Beatrice? Nach meiner Mutter." er hob fragend eine Augenbraue und wartete auf Isabels Reaktion. Er hatte sich im Vorfeld absolut keine Gedanken über einen Namen gemacht, weder für einen Jungen noch für ein Mädchen. Die Entscheidung für den Namen seiner Mutter war ihm ganz spontan in den Sinn gekommen.

Isabel

Isabel nickte langsam und gab ihre Zustimmung. "Ja. Ein schöner Name für unsere schöne Tochter. Ich bin sicher, sie wird einmal eine wirkliche Schönheit werden. Dann sollten wir langsam beginnen uns Sorgen zu machen." 
Sie lachte leise. 
"Ich glaube, ich werde ein Weilchen brauchen um mich davon zu erholen, deine Tochter hat es mir wahrlich nicht leicht gemacht." 
Beatrice also. Sehr bald würde die Kleine auch auf diesen Namen getauft werden und in ein paar Wochen stand der Rückreise nach England nichts mehr im Weg. Sie mochte das Meer zwar nicht sonderlich, aber sie hatte es auf der Hinreise auch überstanden und nun hatte sie ja einen Grund mehr sich abzulenken. 
Je länger das Gespräch nun dauerte, desto mehr fühlten sich ihre Glieder an wie Blei und sie musste dagegen ankämpfen, dass ihr die Augen zufielen. Also gab sie nach einer Weile William seine Tochter zurück. "Ich glaube, ich schlafe wirklich gleich ein. Ein bisschen Ruhe schadet sicher nichts...", murmelte sie leise.

William

William nahm seine Tochter wieder entgegen und nickte. "Ruh dich aus. Dein Tag war wahrlich anstrengend genug." er gab ihr einen Kuss auf die Stirn und erhob sich dann von dem Bett. 
Er gab der Amme ein Zeichen, dass sie sich um Isabel kümmern sollte. Er selbst wollte Henry erst einmal seine Tochter zeigen und würde sie dann zum Stillen wieder zurück zu der Amme bringen. 
William sah auf das Bündel in seinen Armen hinunter und stupste dann mit dem Zeigefinger auf die kleine Nase des Mädchens. Als Antwort bekam er ein leises, vergnügtes Quietschen. 
"Beatrice, ich entschuldige mich jetzt schon einmal dafür, dass ich warscheinlich ein furchtbar anstrengender Vater werde. Aber so etwas hinreißendes wie dich muss ich doch gut beschützen." murmelte er dann mit tiefer Stimme und öffnete die Tür, die ihn von Henry trennte. 
"Ich bereue wirklich, dass wir verwandt sind, mein Guter. Sonst könnte ich dir jetzt bereits Henrys zukünftige Braut präsentieren." erklärte William lachend und zeigte seinem Cousin stolz sein kleines Mädchen.

Isabel

Während William stolz seinem Cousin und König seine neugeborene Tochter präsentierte, war Isabel schon bevor er das Zimmer verlassen hatte in einen tiefen Schlaf gesunken. 
Sie würde sich am nächsten Tag wohl wie zerschlagen fühlen, aber das war wohl normal und Beatrice wog dies mehr als auf. Ein Geschenk, fand sie und dafür war sie wirklich außerordentlich dankbar. 
William würde seine Tochter mit seinem Leben beschützen, das war ihr klar und irgendwie war es ein schönes Gefühl zu wissen, dass man jemandem so viel bedeutete. Seine Familie würde wohl das Wichtigste sein in nächster Zeit. Und bald würden sie wieder in England sein. Auch, wenn sie sich hier ausgesprochen wohl fühlte: ihre Heimat blieb die grüne Insel. 
Nun aber schlief sie erst einmal und sammelte neue Kräfte für die nächsten Tage. Bis zum Morgen, ohne auch nur einmal aufzuwachen.

William

William saß vor dem kalten Kamin und genoss noch einmal die letzten Minuten Ruhe, die ihm für die nächsten Tage gegönnt sein würden. Er sah auf das kleine Bündel in seinem Arm hinunter und lächelte. 
"So meine Liebe, heute wirst du auf deine erste Seereise gehen." erklärte er dann und stupste erneut mit dem Zeigefinger auf die kleine Nase. 
Seine Tochter gab ein vergnügtes Quietschen von sich und die kleinen Hände schossen hervor, um Williams Finger festzuhalten. 
Ein Lachen bahnte sich den Weg über Williams Lippen. "Das gefällt dir, was?" 
William war wirklich froh, wieder nach England zurückzukommen, doch gleichzeitig war ihm ein bisschen Unwohl bei dem Gedanken an die Überfahrt. Es lag nicht an den üblichen Widrigkeiten auf See, es war eher die Sorge, um seine kleine Tochter. Da sie erst einige Tage alt war, war William sich nicht sicher, ob die Überfahrt nicht reichlich strapazierend für so ein kleines Wesen war. 
Allerdings hatte er dann keine Zeit mehr darüber nachzudenken als sein Finger nach unten gezogen wurde und Beatrice ihn nur wenig später in ihren kleinen Mund steckte und zufrieden daran zu nuckeln begann.

Isabel

Isabel hatte gerade noch ihre letzten Sachen gepackt, denn heute würde es zurück nach England gehen. Sie kam gerade zurück und blieb einen Moment lang im Türrahmen stehen, um William und seine Tochter zu beobachten. Ein feines Lächeln huschte über ihr Gesicht. 
Er war jetzt schon vollkommen hingerissen von der Kleinen, wie das erst werden würde, wenn sie größer war? 
Die Niederkunft war erst einige Tage her, doch Isabel hatte sich gut erholt und war schon längst wieder auf den Beinen. Sie war froh, das sich alles noch in den Zeitplan gefügt hatte und sich die Abreise nicht verzögerte. 
Langsam löste sie sich aus der Tür und trat zu William hin, legte sanft eine Hand auf seine Schulter und küsste ihn auf die Wange. 
"Man könnte sich fragen, wer von euch wen um den Finger wickelt. Sie fühlt sich bei ihrem Vater jedenfalls ausgesprochen wohl." 
Wieder lächelte sie und betrachtete ihre Tochter, die einen sehr zufriedenen Gesichtsausdruck zeigte.

William

William sah zu Isabel auf und lachte. "Ich denke das ist eindeutig. Sie weiß schon ganz genau, was sie machen muss, um ihren Vater zu überzeugen." 
Er fragte sich wirklich, wie er später auch einmal nein sagen sollte. Sobald die kleine ihn mit ihren dunklen Augen ansah und zu lächeln begann, schmolz William dahin. 
Er nahm Beatrice auf einen Arm, legte Isabel den anderen um die Taille und zog sie zu sich auf den Schoß. 
"Was könnte einen Mann glücklicher machen als zwei solch wunderschöne Frauen?" fragte William dann grinsend und gab Isabel einen langanhaltenden Kuss. Zum Glück hatte sie alles gut überstanden, so dass seine einzige Sorge nun die Überfahrt nach England war - und wahrscheinlich war selbst diese unbegründet. 
Auch wenn er mit Isabel noch nicht darüber gesprochen hatte, so hatte er schon den ein oder anderen Gedanken daran verschwendet seinen Vater zu besuchen, sobald sie wieder in England war. Und natürlich wollte er Isabel und Beatrice mitnehmen. Und er war sich ziemlich sicher, dass auch Isabel einen Besuch bei ihren Eltern begrüßen würde. Aber sie hatten während der Überfahrt ja noch genügend Zeit sich darüber zu unterhalten.

Isabel

Isabel lachte. "Dann überleg dir schonmal, wie du dem Widerstand leisten kannst, damit nicht ich immer die strenge Übeltäterin bin." 
Schließlich saß sie auf dem Schoß ihres Mannes und fühlte sich rundum wohl. Eine glückliche, kleine Familie, das hatte sie sich immer gewünscht und jetzt hatte sie es bekommen. 
"Lass mich überlegen...nichts? Außer vielleicht, seine Heimat wieder zu sehen. Vermisst du England?" 
Sie selbst musste sich eingestehen, dass sie es doch tat. Alles, was ihr Leben bisher ausgemacht hatte, befand sich dort, also zog es sie auch dorthin. Und sie würde wahnsinnig gerne ihren Eltern stolz ihre Enkelin präsentieren. 
"Ich hoffe, Beatrice übersteht die Überfahrt gut.", murmelte sie dann besorgt. 
"Wir müssen bald aufbrechen, nicht, dass unser Schiff ohne uns zurück nach England segelt. Alles eingepackt?"

William

William legte den Kopf schief und dachte kurz über seine Antwort nach. "In gewisser Weise schon. Allerdings habe ich auch viel Zeit hier verbracht. Ich bin im Grunde damit groß geworden mal hier und mal in England zu sein." er machte eine kurze, nachdenkliche Pause und grinste dann. "Ich freue mich jedes Mal nach England zu kommen und ich freue mich ebenso jedes Mal wieder hier her zu kommen." schloss er dann ein recht diplomatisches Fazit. 
Dann wanderte sein Blick wieder hinunter zu seiner Tochter, die über das Daumenlutschen hinweg eingeschlafen war und nun friedlich vor sich hin schlummerte. 
"Das wird sie schon. Ich bin sicher, dass sie und der kleine Henry bald ganz England entzücken werden." versuchte er Isabel dann zu beruhigen, obwohl er ihre Sorgen selbst teilte. 
Dann lachte er und gab Isabel einen Kuss. "Alles was mir wichtig ist, halte ich gerade in den Armen." 
Vorsichtig hob er Isabel von sich hinunter und stand langsam auf. "Aber du hast recht, wir sollten los." So schwer es ihm fiel, übergab er Beatrice nun wieder an ihre Mutter. Er musste noch seinen Schwertgurt anlegen und würde danach keine Zeit mehr für das Kind haben.

Isabel

Isabel konnte ihm nur zustimmen und einige Stunden später befanden sie sich schon an Deck des großen Schiffes, das sie zurück nach England bringen würde. Es war windig, aber nicht unbedingt kühl. Trotzdem hatte Isabel ihre Tochter mit in das Tuch gewickelt, das sie sich um die Schultern gelegt hatte. 
Ein Risiko eingehen kam nicht in Frage. Nun stand sie hier, schaute auf das graue Meer hinaus und wartete darauf, dass die weißen Felsen von Dover in Sicht kamen. Sie freute sich auf diesen Anblick, denn er musste wohl etwas Besonderes sein. Man konnte England näher kommen sehen, die erste Verbindung zum Festland. 
Isabel seufzte leise und stich ihrer Tochter zärtlich über den blonden Schopf, ehe sie soch von der Reling abwandte. 
Ihr Mann unterhielt sich wohl gerade mit Henry. 
Was sie in England wohl erwarten würde? Neuigkeiten? Der Winter war lang gewesen, sicher war einiges passiert. Aber es würde wohl nicht der letzte Winter sein, den sie in der Normandie verbrachten.

William

"Ihr kennt meine Meinung dazu, Sire. Ich denke, es wäre sicherer, wenn Ihr einen anderen Weg für Ihn einschlagt." William unterstrich seine Worte mit einem leichten Schulterzucken. Henry sah ihn nachdenklich an und seuftzte dann leise. "Wir werden sehen." warf er dann ein und wandte sich an den Schreiber, der neben ihm stand. Damit war ihre Unterhaltung vorerst beendet und William sah zu, dass er das Weite suchte. 
Henry war der mitunter etwas schroffere Wellengang reichlich auf den Magen geschlagen und dementsprechend war auch seine Stimmung. Somit war William nicht traurig darum, sich die Beine ein wenig vertreten zu können. Er entschied sich, Isabel einen kurzen Besuch abzustatten und sich erst danach mit Geoffrey zu unterhalten. Auch wenn sie jetzt noch unterwegs waren, so musste William jetzt schon die nächsten Schritte in England planen. 
Mit einem lauten Seufzen ließ er sich neben Isabel nieder und fuhr sich müde über die Augen. "Manchmal möchte ich fast den Gerüchten Glauben schenken, dass das angevinische Blut, das des Teufels ist." brummte William. "Mein König ist zuweilen wirklich anstrengend."

Isabel

Isabel lächelte, als William sich zu ihr setzte und streichelte nebenbei seinen Nacken. "So schlimm? Das legt sich auch wieder, er ist bestimmt nur unleidlich wegen der Reise. Das macht euch Männer irgendwie alle mürrisch. Dich auch.", fügte sie schließlich grinsend hinzu.
"Nimm dir ein Beispiel an deiner Tochter, sie ist das bravste Kind der Welt, jammert und quengelt nicht ständig herum und treibt die Amme nicht in den Wahnsinn wie der kleine Henry." 
Sie lächelte und lehnte sich leicht an seine Schulter an. 
Eine Weile schwieg sie. 
"Wie lange werden wir noch brauchen, bis wir wieder in England sind? Langsam kann ich kein Wasser mehr sehen, auch wenn ich glücklicherweise nicht seekrank werde. Das hätte mir gerade noch gefehlt." 
Sie lächelte leicht. 
"Aber sag...das Blut des Teufels...woher stammt dieses Gerücht? Eigentlich müsste es doch Verrat sein, dergleichen auszusprechen."

William

Ein kurzes Grinsen huschte über Williams Gesicht. Isabels Worte und ihre Finger in seinem Nacken mochten sein Gemüt zumindest kurzweilig ein wenig zu erleichtern. "Das kann sie allerdings nur von ihrer Mutter haben. Ich konnte wohl schon als kleines Kind nie stillsitzen." 
William seuftzte als Isabel die Stille wieder unterbrach. "Für meinen Geschmack noch viel zu lange." Auf den Schiff nach England zu sitzen machte William in der Tat immer nervös. Er konnte kaum länger an ein und demselben Ort bleiben und durch die Enge des Schiffes fühlte er sich noch mehr eingeschränkt. Und dazu kam, dass er selbst die Überfahrt nicht beeinflussen konnte. Das war wahrscheinlich auch das Schlimmste - untätig herum sitzen zu müssen. 
Dann lachte er jedoch auf. "Ach, das sind alberne Ammenmärchen. Die Engländer haben schon früh mit solchen Dummheiten angefangen nachdem sie Henry das erste Mal haben kämpfen sehen. Mit seinen rötlichen Haaren und einer Entschlossenheit wie sie angeblich nur der Teufel haben kann." William musste erneut lachen. "Keine Frage, Temperament hat unser werter König für zehn. Wenn er einmal einen seiner Wutausbrüche hat, weil er seinen Querkopf nicht so durchsetzen kann, wie er es gerne hätte ... glaub mir, dann möchtest du nicht in seiner Nähe sein."

Isabel

"Dann hoffe ich für uns beide, dass du das an das nächste Kind nicht weitergibst. Das wäre ja schlimmer als einen Sack Flöhe zu hüten, irgendwie tut mir deine Mutter leid." 
Sie küsste ihn auf die Wange. 
"Wir haben es ja bald geschafft. Hoffentlich, bevor Henry einen Wutausbruch bekommt. Darauf kann ich nämlich wirklich verzichten. Das darfst du dann ausbaden, geliebter Gemahl."
Lächelnd schüttelte Isabel den Kopf, strich ihrer schlafenden Tochter sanft über die Wange und schloss dann einen Moment die Augen. 
Die salzige Meerluft hatte durchaus etwas für sich. Sie war angenehm. 
"Eigentlich mag ich das Meer. Nur nicht, wenn ich darauf reisen muss. Ich konnte schon in der Normandie kaum gerade aus laufen, nachdem ich das Schiff verlassen habe." 
Sie verzog bei dem Gedanken daran das Gesicht. Sie hatte das Gefühl gehabt, jeden Moment zu stürzen und erst an Land hatte sie gemerkt, wie übel ihr eigentlich war. Allerdings konnte das auch, wenn sie so darüber nachdachte, mit der da noch unbemerkten Schwangerschaft zusammengehangen haben.

William

William rollte mit den Augen. "Das werde ich in der Tat noch früh genug machen müssen. Sobald der Hof sich in England wieder eingerichtet hat, wird die ein oder andere unbequeme Sache auf uns zukommen." er warf die Hände verzweifelt nach oben. 
Als wolle er die Gedanken vertreiben, schüttelte er den Kopf und legte dann einen Arm um Isabel. Das kleine Bündel in ihren Armen war bis auf die leisen, regelmäßigen Atemzüge völlig still. Innerlich dankte William Gott dafür, dass seine Tochter so friedlich war und kaum etwas von der Überfahrt mitbekam. Der junge Prinz war da ganz anders und William hätte beinahe gemeint, er könne das Geschrei sogar am anderen Ende des Schiffes hören. 
"Ich bin froh, wenn ich wieder festen Boden unter den Füßen habe. Eine der ersten Sachen, die ich tun werde, sobald die Zeit es zulässt, ist mein Pferd satteln und einen langen Ritt durch den Wald machen. Ich muss einmal mit Henry sprechen, vielleicht veranstaltet er ja bald eine kleine Jagd." 
Der Gedanke daran mit einer kleinen Meute und einer ausgewählten Jagdgesellschaft einen Tag zuverbringen, fand bei William ausgesprochen großen Anklang. Dabei würde man einmal nicht an die ganzen höfischen Geschäfte denken müssen.

Isabel

Isabel nickte langsam. Wenn ihm das Spaß machte, sollte er das nur tun. Sie selbst fand recht wenig an Pferden. Sie konnte reiten, aber mehr auch nicht. "Solange du dich nicht von einem Keiler niedermachen lässt, kannst du das gerne tun." 
Und einige lange Tage später erreichten sie endlich England. Isabel war außerordentlich froh darum, denn so langsam hatte die Reise in Verbindung mit ihrer gegen Ende doch zunehmend unleidlicher gestimmten Tochter an ihren Kräften und ihren Nerven gezerrt. 
Als sie endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, hatte sie das Gefühl, als schwanke eben dieser immer noch, seufzte aber erleichtert auf. 
"Endlich..."Und als sie schließlich die Burg erreichten und sie alle sich wieder häuslich einrichteten, fühlte sie sich wieder sehr heimisch. 
Allerdings würden sie wohl nicht allzu lange bleiben, denn William wollte seinen Vater besuchen und vielleicht auch ihre Eltern. 
Dagegen hatte sie wirklich nichts einzuwenden, ihre einzige Sorge galt ohnehin ihrer Tochter.

William

Der erste Tag zurück in der heimischen Burg, war ausgesprochen anstrengend gewesen. Henry hatte schließlich zwei seiner Diener regelrecht niedergebrüllt und wäre ihn vermutlich sogar mit dem Schwert zu leibe gerückt, wären der Earl of Norfolk und William nicht bei ihm gewesen, um ihn zurückzuhalten. Grund des unverhältnismäßig starken Wutausbruchs war das noch nicht vorbereitete Bad für den König. Und das hatte Henry genutzt, um sämtlichen angestauten Unmut herauszulassen. 
William hatte die Diener schließlich mit einem Tadel weggeschickt, hielt aber keine weitere Strafe für angemessen - der Zorn ihres Königs war wohl mehr als genug Strafe. 
Das war ein Grund weshalb sich William nun sehr nach der Ruhe seines Gemaches sehnte. Er wollte nichts weiter als den Rest des Abends mit Isabel zuverbringen. 
Auf Grund dieser erhellenden Aussicht, betrat William ihr Gemach mit einem zufriedenen Lächeln. "Ich bin ja schon froh, dass wir wieder zurück sind. Aber am meisten freue ich mich gerade auf ein warmes und vor allem bequemes Bett." er schloss die Tür hinter sich und sah zu seiner Frau hinüber. "Noch verlockender ist es natürlich, da ich es mit dir Teilen kann."

Isabel

Nachdem Isabel ihre Tochter der Amme übergeben hatte, die sie auch schlafen legen würde, hatte sie die Zeit genutzt um ein wenig auszuruhen. Sie war erschöpft, aber ziemlich erleichtert, endlich wieder in der Heimat zu sein. In England war es nun wirklich schön. Nicht mehr kalt, Baum und Strauch standen in voller Blüte und sogar die Sonne kam ab und zu hervor. 
Als William hereinkam, ließ sie sich auf dem Bett nieder. 
"Oh ja, das kann ich absolut verstehen. Vor allem, da die Kleine wohl schon selig schlummert und wir nicht damit rechnen müssen, durch Geschrei geweckt zu werden." 
Sie seufzte zufrieden und ließ sich zurücksinken. Zuhause...EIgentlich hatte sie nicht lange hier gelebt nach ihrer Hochzeit, aber es fühlte sich trotzdem vertrauter an als die Normandie. Und mit jedem Ort verband sie Erinnerungen. In diesem Bett hatte sie ihre Unschuld verloren, in der Normandie schließlich ihr erstes Kind geboren. Erstaunlich, welche Wendung ihr Leben so rasch erhalten hatte.
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GreyStorm



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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Do Jul 30, 2015 6:01 pm

William

"Hm, wie angenehm." kommentierte William die Tatsache, dass sie sich heute Abend nicht mehr um ihre Tochter kümmern mussten. 
Er beobachtete wie Isabel sich auf das Bett sinken ließ, zog seine Stiefel aus und trat dann langsam an das Bett heran. Es war nicht nur die erste Nacht, die sie wieder in dem bequemen Bett in England verbringen konnten, sondern auch die erste Nacht seit langem, die sie wieder in Ruhe zusammen verbringen konnten. 
Bevor William sich neben Isabel auf dem Bett niederließ, zog er sich die Tunika über den Kopf und behielt nur noch das dünne Hemd an. 
"Unsere kleine ist wirklich in jeder Situation ein Engel. Sogar wenn sie schläft." William grinste, er hätte wohl eher 'gerade wenn sie schläft' sagen sollen. Wobei er sich wirklich nicht beschweren konnte. Wann immer er Zeit fand, die er mit Isabel und ihrer Tochter verbringen konnte, genoss er diese ausgesprochen. 
Langsam lehnte er sich zu Isabel hinüber, strich ihr zärtlich über die Wange und küsste sie dann liebevoll. "Das hat mir ziemlich gefehlt, meine Liebe."

Isabel

Isabel ließ ihn nicht aus den Augen und ein zartes Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie hob die Hand und strich durch seinen dunklen Haarschopf. "Oh ja...Ein Schiff ist wirklich kein Ort für ein Ehepaar." 
Sie hob den Kopf an um ihn ebenfalls zu küssen. 
"Den Titel Engel muss ich wohl abgeben. Beatrice verdient ihn eindeutig mehr." 
Isabel seufzte zufrieden und schloss einen Moment die Augen. "Es ist schön wieder hier zu sein. Und endlich nicht mehr dieses ewige Schaukeln auf dem Meer. Beatrice wurde auch schon ganz unleidlich." 
Einen Moment überlegte sie, dann zeigte sich ein untypisches Grinsen auf ihrem Gesicht. 
"Was denkst du...wir könnten einen neuen Versuch wagen für einen Erben. Wo wir schon einmal wieder ungestört einen Abend zusammen verbringen können." 
Ja, Isabel hatte ihre Schüchternheit weitestgehend abgelegt. Sie ging in ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter vollkommen auf.

William

Williams Augen funkelten zufrieden. Er entdeckte gerade eine Seite an seiner Frau, die er vorher kaum kennengelernt hatte. Und er musste zugeben, dass sie ihm ausgesprochen gut gefiel. Anfangs war Isabel ausgesprochen schüchtern gewesen, wenn es um die ehelichen Pflichten ging. Aber William hatte sich geduldig gezeigt, er konnte wohl kaum etwas anderes von ihr erwarten. Und wie es schien, zahlte sich seine Geduld nun langsam aus. 
Als Antwort gab er zunächst nur ein Grinsen und ließ seine Lippen dann an ihrem Hals hinunter bis zu ihrem Dekolleté wandern. Dann sah er mit einem herausfordernden Grinsen zu Isabel auf. 
"Das klingt in meinen Ohren nach einer ausgesprochen guten Idee." murmelte er dann und strich ihr durch die blonden Haare. Ja, diese Abendgestaltung sagte ihm mehr als zu. 
Noch immer grinsend, richtete er sich auf und zog mit einer geschickten Bewegung nun auch noch sein Hemd über den Kopf. Als der weiße Stoff achtlos auf den Boden neben dem Bett fiel, beugte William sich wieder zu Isabel hinüber. "Dann versuchen wir uns mal an unserem Erben." hauchte er gegen ihre Lippen, bevor er sie erneut küsste.

Isabel

Isabel lachte leise. "Stell dir vor, geliebter Gemahl, ab und an habe sogar ich gute Ideen." 
Sie erwiderte den Kuss und ließ die Fingerspitzen die lange Narbe entlang gleiten, die sich über seinen Oberkörper erstreckte. Sie gehörte zu ihm, anders kannte sie ihren Mann nicht und anders wollte sie ihn auch nicht. 
Es war gut, wie es war. 

Isabel saß auf einer der Bänke im Garten und genoss die Frühlingssonne, ihre Tochter beobachtend, die fröhlich einen der Hunde streichelte, der dösend in der Sonne lag. Eine ganze Weile war vergangen und inzwischen war die kleine Beatrice schon recht sicher allein auf ihren kurzen Beinchen unterwegs. Sie sah mehr denn je aus wie ein Engel. Kurze, blonde Löckchen umspielten ihr noch kindlich rundes Gesicht mit den dunklen Augen und ihr Lächeln ließ jeden dahin schmelzen. Vor allem ihren Vater. 
Bisher war Beatrice allerdings Einzelkind geblieben, Isabel war seit deren Geburt nicht mehr schwanger geworden und war darüber ein bisschen unglücklich, denn so blieb der Erbe ihnen versagt. Vielleicht konnte sich das noch ändern, aber solche Gedanken drängten sich natürlich auf. Wenigstens hatten sie Beatrice, ihren kleinen Sonnenschein.

William

William hatte schon von weiter weg die blonden Haare seiner Frau in den Gärten schimmern sehen. Als er nun vom Pferd stieg, überreichte er dem Stallburschen die Zügel seines Fuchses und wandte sich dann an seinen Begleiter. 
"Treffen wir uns nachher und Essen eine Kleinigkeit zusammen? Dann können wir den Rest in Ruhe besprechen." bot er Richard de Redvers an, der ihn auf seinem Ritt begleitet hatte. Der Earl of Devon nickte zufrieden. "Dann kann ich erst noch den Staub von meiner Tunika loswerden." er grinste, wenn auch etwas gezwungen, und entschuldigte sich dann. Redvers war in Williams Augen ein zuverlässiger Mann und die beiden verstanden sich gut. Das Redvers gerade ein wenig abweisend war, lag schlichtweg daran, dass sein neuer Hengst unterwegs gescheut hatte und Redvers samt Hengst im Graben gelandet war. William hatte sich das Lachen verkneifen müssen und auch Redvers hatte das Missgeschick eher locker genommen, doch ganz spurlos war es an ihm doch nicht vorbei gegangen. 
Mit einem munteren Grinsen machte William sich nun schleunigst auf den Weg in den Garten, wo er Isabel mit ihrer Tochter vermutete. 
Die kleine Beatrice hatte mittlerweile ihre ersten zwei Winter gut überstanden und begann immer mehr aufzublühen. Sie war und blieb Williams ganzer Stolz.

Isabel

Isabel lächelte, als ihre Tochter sich von dem braunen Hund löste und auf sie zu kam, um ihr zu erzählen, wie weich dessen Fell war. Beatrice strahlte sie an, hielt plötzlich inne und wandte den blonden Kopf. 
Sofort begannen ihre Augen noch mehr zu leuchten, dann rannte sie auch schon los, so gut sie das mit ihren zwei Jahren konnte. 
"Papaaaaaaa!" 
Kurz bevor sie ihn erreichte, streckte sie ihre Arme aus. 
Isabel lachte und erhob sich ebenfalls. William war seiner Tochter vollkommen verfallen, aber Beatrice war ebenso vernarrt in ihren Vater. Sie vergötterte ihn und war immer vollkommen begeistert, wenn er von einer längeren Reise zurückkehrte. 
Isabel entlockte das jedes Mal ein Lächeln und sie freute sich einmal mehr, ihre Tochter zu haben. Jeder Tag mit ihr war ein Geschenk. 
Sie seufzte zufrieden und setzte sich ebenfalls in Bewegung, wenn auch ein wenig langsamer.

William

Lachend ging William in die Knie, um seine Tochter aufzufangen, die in einem, für ihre kurzen Beinchen, beachtlichen Tempo auf ihn zugerannt kam. Er hob sie hoch und drehte sich einmal mit ihr im Kreis, so dass Beatrice ein vergnügtes Quietschen von sich gab. 
Als er stehen blieb, schlang sie dann ihre Arme um seinen Hals und gab William einen etwas feuchten Kuss auf die Wange. 
"Na, meine Süße, warst du auch schön artig und hast auf deine Mutter gehört?" fragte er, nachdem er der kleinen ebenfalls einen kurzen Kuss gegeben hatte und auf Isabel zuging, die nun ebenfalls aufgestanden war. 
Beatrice nickte so heftig, dass ihre kurzen blonden Löckchen wild auf und ab hüpfte. 
"Ist das so, ja?" lachte William als er Isabel in den Arm nahm und ihre Lippen für einen liebevollen Kuss zur Begrüßung gab. 
"Ich frage mich immer wieder aufs Neue, wie ich früher nur ohne meine beiden Frauen habe leben können." murmelte er eine Schmeichelei gegen ihre Lippen. "Ich habe gerade noch ein wenig Zeit, wollen wir einen kleinen Spaziergang machen und ihr erzählt mir, was ihr ohne mich getrieben habt?"

Isabel

Beatrice schmiegte sich an ihren Vater und schien ihn gar nicht mehr loslassen zu wollen. Isabel lächelte ihren Mann an und erwiderte seinen Kuss. Sie hatte ihn vermisst, obwohl er gar nicht mal allzu lange fort gewesen war. 
"Sicher, unser Engel ist doch immer artig. Fragt sich nur, wie lange noch.", fügte sie leise hinzu und schüttelte den Kopf. "Wir haben dich auch vermisst." 
Ja, auch sie empfand es so, dass ihr Leben früher furchtbar leer gewesen war. Ihre kleine Familie war ihr Lebensinhalt geworden. Manchmal hätte sie gerne das Leben am Hof des Königs getauscht gegen ein etwas ruhigeres Leben auf einem kleinen Landgut, aber sie war zufrieden. 
"Das klingt nach einer guten Idee. Dann kann deine Tochter dir gleich erzählen, dass sie sich mit einem von Henrys Jagdhunden besonders angefreundet hat. Ich glaube, in ein paar Jahren wirst du ihr reiten beibringen müssen, sie lässt sich jetzt schon kaum von den Pferden fernhalten, egal, wie groß sie sind. Du weißt ja, wie sehr Uriel sie fasziniert." 
Ihre Tochter nickte heftig. "Uriel ist so groß...und schwarz."

William

Einmal mehr sorgte der kleine Blondschopf dafür, dass William in lautes Gelächter ausbrach. "Groß und schwarz? Das ist er wohl. Mal sehen, vielleicht kann ich dich morgen für ein paar Minuten mit aufs Pferd nehmen." erklärte William dann und fuhr seiner Tochter durch die blonden Locken. Als Antwort bekam er ein begeistertes Strahlen und Beatrice drückte ihre Ärmchen so fest um seinen Hals, dass William für eine Sekunde nur schwerlich Luft bekam. 
Alleine ließ er seine Tochter noch nicht auf dem großen Hengst sitzen, aber sie hatte schon das ein oder andere Mal vor ihm auf dem Sattel sitzen dürfen. Auch hatte William schon öfter mit dem Gedanken gespielt, ihr im nächsten Jahr ein Pony zu kaufen. Schließlich konnte sie nicht auf seinen Streitrössern reiten lernen, doch so versessen wie sie auf die Vierbeiner war, wollte er ihr die Freude auch nicht allzu lange vorenthalten. Diese Begeisterung schien Beatrice ganz eindeutig von ihm geerbt zu haben. 
Dann runzelte William die Stirn. "Mit einem von Henrys Hunden?" wiederholte William nachdenklich und grinste dann schelmisch. "Was denkst du, soll dein Vater einmal mit dem König sprechen und sehen, ob er ihm den Hund ab schwatzen kann?" 
William war sich ziemlich sicher, dass Henry ihm den Hund mit einem desinteressierten Abwinken überlassen würde. Nur auf die Reaktion von Isabel war er gespannt. Beatrice hingegen bekam ganz große Augen und starrte ihren Vater ganz überrascht an. Ein kleiner Hoffnungsschimmer trat in ihre Augen, doch noch traute sie sich nicht, ihrer Freude frei Bahn zu lassen. So als bräuchte sie noch einmal eine Bestätigung von einer zweiten Person sah Beatrice zu Isabel hinüber.

Isabel

hahaha xDD ich hab beim lesen grad voll den Lachflash gekriegt xD Das is so typisch Will 
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Isabel konnte nur mit einem resignierenden Seufzer den Kopf schütteln. Ohne Zweifel, Beatrice war ihres Vaters Tochter. Sie empfand ihre Tochter als viel zu klein, um auf dem großen Hengst zu sitzen, dem sie selbst sich nur ungern näherte, aber sie hatte es aufgegeben zu protestieren. Beatrice kannte einfach keine Angst vor irgendeinem Pferd, sei es auch noch so groß und man musste die Augen überall haben, wenn man mit ihr auch nur in die Nähe des Stalles ging. William unterstützte sie zumeist in dieser Begeisterung und so hatte Isabel schon mehr als einmal widerstrebend zugesehen, wie er die Kleine vor sich in den Sattel gesetzt hatte. Nicht, dass er nicht mit Argusaugen darüber wachen würde, dass ihr nichts geschah, aber ihr selbst gefiel allein der Gedanke nicht, dass Beatrice in der Nähe eines Schlachtrosses war. Die Beiden ließen sich allerdings schwerlich davon abbringen, also fügte sie sich und machte sich trotzdem Sorgen. Das hing aber wohl auch stark damit zusammen, dass sie von Pferden generell nicht wirklich begeistert war und sich auch niemals auf ein anderes als ihre brave Schimmelstute setzen würde. 
Doch damit nicht genug, jetzt kam er auch noch auf die Idee ihr diesen Hund zu besorgen. 
Isabel konnte nur noch den Kopf schütteln. Als Beatrice gerade nicht hinsah, verdrehte sie die Augen seufzend gen Himmel, lächelte dann aber wieder aufmunternd, als ihre Tochter sie Bestätigung suchend anschaute. Es würde jetzt ohnehin nur noch Tränen geben, wenn sie sich querstellte, da er ihr diese Hoffnung einmal gemacht hatte. 
Sie trat auf ihn zu und küsste ihn auf die Wange. "Du bist unmöglich.", raunte sie in sein Ohr. "Wenn sie später vollkommen verzogen ist, weil sie immer alles bekommt, was sie will, wenn sie dich mit großen Augen anschaut, darfst du das ausbaden." 
Isabel musste nun doch grinsen. Ihre Tochter konnte sich wirklich keinen besseren Vater wünschen. "Nun solltest du aber zusehen, dass Henry dir den Hund auch überlässt. Und beten, dass es nicht sein Lieblingshund ist."

William

William grinste schuldbewusst und lachte dann leise. "Keine Sorge, ich werde sie schon nicht völlig verziehen. Höchstens ein kleines bisschen." entgegnete er leise und zerzauste dann die goldenen Locken seiner Tochter. 
"Nicht wahr, Kleine, dein Vater verwöhnt dich nur ein bisschen." er gab ihr einen kurzen Kuss auf die Wange und erntete einen leicht verwirrten Blick. Natürlich war Beatrice noch viel zu klein, um wirklich zu verstehen worüber ihre Eltern sprachen. 
"Und da ich sie ja leider nicht immer sehen kann, wann ich möchte, muss ich mir diese Kleinigkeiten bewahren." er zwinkerte Isabel zu. "Allerdings hätte ich dich vielleicht zuerst fragen sollen, um welchen Hund es sich handelt. Aber ich bin sicher, ich werde ihn schon bekommen." William lächelte zufrieden. Henry hatte nur zwei Hunde auf die er wirklich Wert legte und diese wurden in der Regel mit Argusaugen gehütet. Es war also eher unwarscheinlich, dass Beatrice sich ausgerechnet einen von diesen ausgeguckt hatte. Außerdem gefiel William die Idee. Er hatte schon öfter darüber nachgedacht sich einen Hund aus der Meute zufischen, aber bisher hatte er es immer wieder verschoben. Insgeheim erfüllte er sich damit also selbst auch einen Wunsch. 
Allerdings hätte er für seine beiden Frauen auch die Sterne vom Himmel geholt, wenn es hätte sein müssen. 
Lächelnd legte William seinen Arm um ihre Taille. "Lass uns ein Stück gehen." Und ohne auf eine Antwort abzuwarten, setzte er sich in Bewegung und zog Isabel quasi mit sich.

Isabel

"Sicher, und wenn du nicht da bist, darf ich dann sehen, ob sie mit dem Hund keine Dummheiten anstellt.", seufzte sie schließlich ergeben und ließ sich von ihm mitziehen. Isabel wusste ja, dass sie wenig dagegen vorbringen konnte und Beatrice war wenigstens dann beschäftigt, wenn sie mit dem Hund spielen würde. Immerhin etwas... 
Und immerhin war William vorerst wieder da. "Ich hoffe, du bleibst diesmal ein bisschen länger hier. Wir vermissen dich immer so, wenn du weg bist." Es war gelegentlich wirklich lästig, dass William so viel für Henry unterwegs war, aber es war nun einmal seine Pflicht und das akzeptierte sie auch ohne Proteste. So war es nun einmal. 
"War deine Reise wenigstens erfolgreich?" 
Beatrice schien das Gespräch allerdings weniger interessant zu finden und spielte gelangweilt mit einem der Knöpfe an seiner Kleidung. Runter wollte sie natürlich nicht, sie liebte es, wenn ihr Vater sie auf dem Arm durch die Gegend trug und brachte dann auch eine engelsgleiche Geduld auf, die ihr sonst in vielen Situationen vollkommen fehlte. Woran das nun lag, versuchte Isabel schon länger erfolglos zu ergründen.

William

William sah ein wenig betroffen drein. Auch ihm missfiel es zuweilen sehr, dass er seine Familie immer wieder zurücklassen musste. Aber so war sein Leben nun mal. Und das würde sich wohl auch nie wirklich ändern. Sollte er eines Tages das Erbe seines Vaters antreten, dann würde es wohl weniger werden, doch das lag - so hoffte er - noch in weiter Ferne. 
Dann mühte William sich ein Lächeln ab. "Doch, es war ausgesprochen erfolgreich. Die Verhandlungen liefen gut und ich konnte einiges für Henry herausholen." fasste er dann kurz zusammen, dann wurde sein Lächeln wieder ehrlicher. 
"Sollte nicht gerade ein Krieg ausbrechen - was mehr als unwahrscheinlich ist, aber das muss ich dir ja nicht sagen - müsst ihr mich nun wohl erst einmal länger ertragen." William gab Isabel einen Kuss auf die Wange und verharrte dann mit seinen Lippen auf Höhe ihres Ohres. "Außerdem wollen wir uns doch noch einmal an einem Erben versuchen, nicht wahr?" raunte er ihr zu und seine Stimme ließ keinen Zweifel daran, was er für heute Abend plante. William wäre wirklich überglücklich, sollte Isabel ihm noch einen Sohn schenken. Dann wäre sein Familienglück wahrlich perfekt.

Isabel

Isabel lächelte. "Das ist gut." Sie würden sie endlich einmal ein bisschen mehr Zeit füreinander haben und Beatrice war sowieso wunschlos glücklich, wenn sie ihren Vater um sich hatte. 
Ein leises Lachen entrang sich ihrer Kehle, während sie sich um eine angemessen empörte Miene bemühte und ihn spöttisch auf den Arm schlug. "Sei nicht so frech." Der Versuch misslang allerdings, weil sie eigentlich ganz und gar nichts gegen seine Planung einzuwenden hatte. Sie hoffte, dass sich irgendwann der Wunsch nach einem Sohn noch erfüllen würde, ein Erbe war das Einzige, das noch fehlte. Isabel allerdings verdrängte meist die Sorge, dass es vielleicht nicht mehr klappen würde, denn noch war genügend Zeit, sie war noch längst nicht zu alt und Beatrice Geburt lag gerade einmal zwei Jahre zurück. Objektiv betrachtet gab es also gar keinen Grund zur Sorge. 
"Oh, übrigens, unsere Tochter hat noch einen neuen Freund gewonnen. Unser Prinzchen und sie verstehen sich erstaunlicherweise plötzlich ausgesprochen gut." 
Bisher hatte Beatrice den kleinen Henry nicht wirklich gern in ihrer Nähe gehabt, weil er gelegentlich ein wenig ungestüm und obendrein ein ziemlicher Hitzkopf war, was sich in gelegentlichen Trotzanfällen zeigte. In letzter Zeit aber hatten die Beiden unter Aufsicht der Amme einträchtig mit ein paar Holzpferdchen gespielt.

William

William grinste anzüglich. "Ich spreche nur die Wahrheit aus, Mylady." 
Vielleicht hatten sie ja dieses Mal wieder Glück und ein Sohn würde ihn gewährt werden. Und wenn nicht ... nun, William wurde bald 25 und Isabel war zwei Jahre jünger als er, sie hatten also beide noch mehr als genug Zeit. 
Außerdem musste er sich eingestehen, dass er sogar ganz froh war, dass Isabel nicht wie Eleonore bereits ihr drittes Kind erwartete. 
William zog eine Augenbraue nach oben. "Tatsächlich?" Das waren Neuigkeiten, die ihn doch reichlich überraschten, denn seine Tochter hatte bisher nichts für den ältesten Spross Henrys übrig gehabt. Die Erkenntnis, dass sich das nun scheinbar geändert hatte, erinnerte ihn schmerzlich daran, dass er doch eine ganze Menge im Leben seines Kindes verpasste. 
"Ist Henry jetzt etwas freundlicher zu dir, ja? Du musst nachsichtig mit ihm sein, Beatrice, er ist auch nur ein Junge." er zwinkerte seiner Tochter verschwörerisch zu und stupste ihr auf die Nase, woraufhin sie ein glockenhelles Lachen ertönen ließ. 
"Ach, wo wir gerade bei den königlichen Nachkommen sind" William machte eine kurze Pause und sah Isabel dann mit ausgesprochen zufriedener Miene an. "Rate mal, wer in nächster Zeit für die Ausbildung Geoffreys verantwortlich sein wird." 
Geoffrey war eines von Henrys illegitimen Kindern und da der Junge mittlerweile 6 Jahre alt war, hatte Eleonore es für wichtig gehalten, dass er nun eine Ausbildung am Hofe erhielt. Henry war sich zwar sicher, dass der Junge die geistliche Laufbahn einschlagen sollte, hatte jedoch beschlossen, dass Geoffrey zunächst einige weltliche Dinge erlernen sollte. Und für diese Aufgabe hatte er William auserkoren.

Isabel

Isabel nickte. "Ja. Sie haben ihre gemeinsame Liebe für Pferde entdeckt und spielen seitdem ständig mit Holzpferdchen. Glücklicherweise hatten sie bisher noch keinen Streit, denn dann ist es mit der Freundschaft wohl ganz schnell wieder vorbei.", erzählte sie und lächelte. 
Über seine Neuigkeiten war sie durchaus erstaunt. 
"Du? Wie kam Henry denn auf diese Idee?", fragte sie erstaunt. "Nun, dann kannst du schonmal üben, findest du nicht?", fügte sie dann mit einem Grinsen hinzu. 
Isabel war gespannt, wie William sich bei seiner neuen Aufgabe schlug, hatte aber vollstes Vertrauen in seine Fähigkeiten. Er hatte ein Talent dazu mit Kindern umzugehen, also würde er auch bei geoffrey Ausbildung keine Schwierigkeiten haben. Es sei denn, der Junge stellte sich quer. 
"Meinst du, er wird sich gut machen?" 
Sie fand es gut, dass Henry auch seine unehelichen Nachkommen nicht einfach vergaß und sie bewunderte Eleonore für ihren Großmut. Diese Nachsicht hätte sie selbst vermutlich nicht aufgebracht.

William

"Offensichtlich brauchte er einen guten Grund für sich selbst, um mich mehr hier am Hof zu halten. Ihm ist selbst aufgefallen, dass er mich in letzter Zeit recht viel durch das Land geschickt hat. Außerdem" und nun trat ein gewisser Stolz in Williams Stimme. "vertraut er mir und ist der Meinung, dass ich der beste für diese Aufgabe bin." 
William hatte es in der Tat viel bedeutet, dass Henry ihn mit dieser Aufgabe betreut hatte. Zwar war Geoffrey nicht der königliche Erbe, aber immerhin ein Nachkomme Henrys und somit war seine Zuunft ausgesprochen wichtig. Und wer konnte schon wissen, vielleicht ermöglichte das William später noch einiges mehr. Zwar war der kleine Henry gerade einmal so alt wie Williams Tochter, aber sobald er größer war, würde auch der königliche Erbe jemanden an seiner Seite brauchen. 
"Geoffrey ist ein guter Junge. Manchmal ein wenig unleidlich, aber das ist kein Vergleich zu den Wutausbrüchen seines Vaters." William grinste. "Ich denke, der Junge und ich werden gut zurecht kommen. Und wenn er sich nicht ganz ungeschickt anstellt, wird er noch eine ganze Menge lernen können bevor er seine geistliche Laufbahn einschlägt." 
Bei dem Gerede über Henrys Kinder fiel William noch eine Sache ein, die ihm unter den Nägeln brannte. "Wie geht es eigentlich Eleonore? Die Königin muss doch mittlerweile auch kurz vor der Niederkunft stehen, nicht wahr?" Gleichzeitig vermerkte William sich, dass er auch Eleonore unbedingt einen Besuch abstatten musste. Nicht zuletzt ihr hatte er seine neuste Stellung zu verdanken.

Isabel

"Oh, das trifft sich gut. Dann sehen wir ein wenig mehr von dir als in letzter Zeit." Isabel freute sich wirklich darüber, denn sie vermisste ihn jedes Mal, wenn er ein paar Tage für Henry unterwegs war. Aber sie freute sich auch mit ihm, denn seine neue Aufgabe schien ihm wirklich zu gefallen und die Anerkennung, die sie mit sich brachte, war nicht zu unterschätzen. 
"Nun, ich bin sicher, du wirst ihm schon den Kopf zurecht rücken, wenn es sein muss. Und mit Wutausbrüchen hast du ja auch schon Erfahrung. Ich denke, bei dir ist er wirklich in guten Händen. Ich freue mich für dich. Wer weiß, vielleicht stellt er sich ja so gut an, dass Henry ein Einsehen hat und ihm das Kloster erspart. An wirklich guten Rittern kann er doch nie genug haben, oder? Warten wir einmal ab, wie der Junge sich entwickelt, er ist ja erst sechs Jahre alt." Sie fand es sowieso ein wenig früh für eine Ausbildung an den Waffen, aber so war es nun einmal üblich. 
"Oh, Eleonore geht es soweit gut, glaube ich. Es dürfte bald soweit sein und sie findet, es wird auch Zeit, weil dieses Kind ihre Geduld auf eine harte Probe stellt. Die Schwangerschaft ist beschwerlich wie die letzte auch, aber sie ist außerordentlich erleichtert, dass sie diesmal nicht so viel herumreisen muss, sondern hier ein wenig Ruhe finden kann. Aber du kennst den König, er macht sich trotzdem übermäßig viele Sorgen um sie."

William

William zuckte mit den Schultern. "Wir werden sehen. Ich denke allerdings, dass Geoffrey am Hofe nicht allzu gut aufgehoben ist. Als Geistlicher kann er es ausgesprochen weit bringen. Dort wird ihm die Verwandtschaft hilfreich sein. Fuer eine weltliche Karriere ... nun, er waere auch nur einer unter vielen. Besonders bei der Anzahl von Kindern, die Henry mit Eleonore hat. Es reicht schon, wenn diese alle Ansprueche an ein Erbe stellen." William fuhr sich nachdenklich mit der Hand uebers Kinn. Geoffrey wuerde sicherlich einen Adelstitel verliehen bekommen, aber damit war es dann auch schon genug. Er wuerde immer der illegitime Sohn Henrys bleiben. Warscheinlich wuerde er sich als Bischof besser machen. Ausserdem hatte William von dem schmaechtigen Jungen bisher den Eindruck gewonnen, dass er war einen hochmuetigen, aber letztlich doch sehr weichen Charakter hatte. 
Bei Isabels naechsten Worten konnte William ein belustigtes Schnauben nicht unterdruecken. Uebermaessig viele Sorgen? Naja, besorgt war Henry, so viel musste William ihm doch zugestehen, aber Henrys Sorge um Mutter und ungeborenes Kind waren doch deutlich anders geartet als es seine eigenen waeren. Henry hatte ein wenig eigene Ansichten was seine Treue gegenueber seiner Gemahlin anging. Noch hatte er sich zwar beherrschen koennen, aber William hegte keinen Zweifel daran, dass das nicht ewig so bleiben wuerde. Und das hatte Eleonore in seinen Augen wahrlich nicht verdient. 
"Es freut mich zu hoeren, dass es ihr gut geht." William zoegerte einen Moment und grinste dann. "Vielleicht bringt uns ihre Schwangerschaft dieses Jahr ja wieder Glueck so wie bei unserem kleinen Engel hier." Er strich Beatrice liebevoll durch die Haare.

Isabel

Isabel nickte nur zustimmend. "Du hast sicher Recht, du kannst diese Dinge besser beurteilen als ich. Wer weiß schon, was die Zukunft bringt." Ihre Bemerkung über Henrys Sorge seiner Frau gegenüber schien ihn irgendwie zu belustigen, wenngleich sie auch nicht verstand warum. Henry schätzte seine Frau sehr und Eleonore hatte sich beschwert, er behandele sie manchmal wie ein rohes Ei. Andererseits musste sie sich auch eingestehen, dass der König wohl nicht der Treuste aller Ehemänner war, wenn man sich seine Bastarde wie Geoffrey ansah. Nicht, dass die Kinder etwas dafür könnten, aber der Makel würde ihnen immer anhaften, da hatte William wohl recht. 
"Nun, zumindest schien es so, als mache er sich dieses Mal mehr Sorgen als sonst, dabei gibt es keine Anzeichen für irgendeine Komplikation. Aber ich glaube, ich kenne ihn zu wenig um ihn dahingehend einschätzen zu können." Sie begegnete ihm natürlich ab und zu, wechselte ein paar höfliche Worte mit ihm, zumeist, wenn sie an Williams Seite war, aber viel mehr Kontakt bestand nicht. Das war ihr auch recht gelegen, es genügte, dass er Williams Cousin war. 
"Vielleicht, ich hoffe es. Ein bisschen Glück schadet nie." Sie lächelte. Es wäre wohl ein ziemlich ungewöhnlicher Zufall gewesen, wenn sie ausgerechnet jetzt wieder ein Kind empfangen würde.
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GreyStorm



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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Do Jul 30, 2015 6:26 pm

William

William nickte lächelnd. "Wir werden unser Glück einfach heute Abend versuchen." Wer weiß, vielleicht würden sie dann in rund 9 Monaten zu viert sein. 
Dann wurde er wieder ernst. "Was Henry angeht ... ich habe nichts dergleichen erwähnt, das weißt du, nicht wahr?" Auch wenn er es nicht ausgesprochen hatte, war beiden klar gewesen in welche Richtung Williams Gedanken gingen. Zwar vertraute er Isabel, dass er ihr solche Dinge anvertrauen konnte ohne dass sie sie weitergab, doch sein schlechtes Gewissen meldete sich gerade zu Wort. Er stand natürlich treu hinter seinem Cousin, was bedeutete, dass er solche Gerüchte natürlich nicht zulassen oder gar forcieren durfte. Selbst wenn er wusste, wie es um sie bestellt war. Schließlich stammte Geoffrey noch aus der Zeit vor Henrys Heirat mit Eleonore und war somit zwar kein legitimer Nachfahre, aber wenigstens hatte Henry seine Ehe nicht gebrochen. Gerüchte über etwaige Aktivitäten Henrys seit seiner Hochzeit sollten deshalb besser nicht aufkommen. 
"So, ich muss langsam wieder. Wollt ihr beiden Hübschen mich noch nach drinnen begleiten und ich komme nachher so schnell es mir möglich ist wieder zu euch?" Williams Augen funkelten amüsiert als er sich an seine Tochter wandte. "Und mit etwas Glück bringe ich dir dann schon deinen neuen Freund mit."

Isabel

Isabel nickte erst, hob dann aber eine Augenbraue. "Ich weiß nicht, wovon du sprichst, geliebter Gemahl." Sie wusste genau, dass sie nicht einmal Andeutungen weitergeben durfte und sie war auch nie in Versuchung gekommen, anders zu handeln. Seine Bemerkung war überflüssig gewesen, was traute er ihr eigentlich zu? Vertraute er ihr nicht? Wahrscheinlich bist du nur wieder zu empfindlich. 
Sie lächelte einfach unschuldig und seufzte leise. "Und schon bist du wieder weg. Was würden sie nur alle ohne dich tun? Aber sicher begleiten wir dich. Wir waren lange genug hier." 
Während Isabel den Gedanken an den Hund nur mit einem neuerlichen resignierenden Seufzen quittierte, strahlte Beatrice ihren Vater selig an. 
"Au jaaa..." 
Woher sie diese Tierliebe nur hatte? Ach, was fragte sie sich eigentlich noch? William war doch genauso, selbst, wenn es selten so nach außen drang wie bei Beatrice. Von ihr hatte die Kleine das jedenfalls nicht und jetzt musste sie sich wohl doch an einen vierbeinigen Mitbewohner gewöhnen. Sie setzte sich nun in Bewegung. Wenn Beatrice glücklich war...

William

William verzog gequält das Gesicht und atmete geräuschvoll aus. "Bitte Isabel, mach mir kein schlechteres Gewissen als ich es ohnehin schon habe." warf er dann ein. Ihm gefiel es selbst schon reichlich wenig, dass ihm oft nur kurz Zeit mit seiner Familie vergönnt war, doch was sollte er denn machen? Wollte er seinem Treueid gerecht werden und seine Stellung am Hofe gesichert wissen, musste er nun einmal viel Zeit und Mühe in seine Aufgaben stecken. Einfach nur der Cousin des Königs zu sein reichte da nicht aus. 
"Ich werde versuchen mich so schnell wie möglich wieder abzuseilen und mir den Abend frei zu halten. Damit ich den Ansprüchen meiner beiden Damen gerecht werde." er lächelte und gab Isabel einen Kuss. 
Beatrice hob er dann einmal mit ausgestreckten Armen in die Luft und entlockte ihr damit ein freudiges Jauchzen. 
Die Kleine war wirklich ein Sonnenschein. William wurde ganz flau im Magen wenn er sie ansah und darüber nachdachte, dass auch sie eines Tages nicht mehr ein kleines Mädchen sein würde. Der Gedanke sie irgendwann verheiraten zu müssen plagte William jetzt schon. Am liebsten würde er die Zeit einfach anhalten.

Isabel

"Das war doch überhaupt nicht meine Absicht. Das war nur eine bedauernde Feststellung, ich weiß doch, dass du es nicht ändern kannst. Es tut mir leid, wenn es dich anders erreicht hat.", erwiderte sie dann erstaunt. Sie hatte ihm wirklich kein schlechtes Gewissen einreden wollen, dazu wusste sie zu genau um seine Pflichten Henry gegenüber. 
"Der Rest klingt allerdings nach einem sehr guten Plan. Ich werde auf dich warten." Sie lächelte vielsagend. "Und vergiss ja nicht, dass du deiner Tochter solche Hoffnungen bezüglich des Hundes gemacht hast. Wenn es nicht klappt, darf ich nämlich ihre Tränen ertragen." 
Sie nahm ihm die Kleine ab und setzte sie sich auf die Hüfte. "Na komm, Süße, wir schauen mal, ob wir einen Apfel für dich bekommen." 
Sie streckte sich noch einmal um ihren Mann zu küssen. 
"Wir sehen uns später. Viel Erfolg. Bei was auch immer du vorhast." "Tschüss, Papa!" 
Lachend setzte Isabel sich in Richtung ihres Gemachs in Bewegung und hörte sich Beatrices fröhliches Geplapper an.

William

William sah den beiden noch einen Moment lang nach, einen zufriedenen und gleichzeitig sehnsüchtigen Ausdruck in den Augen. Wie gerne wäre er noch bei ihnen geblieben. Stattdessen machte er nun auf dem Absatz kehrt und beeilte sich noch rechtzeitig zu de Redvers zu kommen, den er ein wenig vertröstet hatte. Und danach würd er zu Henry. Unter anderen, um ihm um einen gewissen Vierbeiner zu erleichtern ... 

William stellte erleichtert fest, dass wenigstens die Sonne noch nicht untergegangen war als er sich auf den Weg zu seinem Gemach machte. Allerdings war er dieses Mal nicht alleine. An der Leine in seiner Hand zog gerade ein braun-weißes Fellmonster, um an der nächsten Ecke zu schnüffeln. Anders konnte man den Hund allerdings auch nicht bezeichnen, den seine Tochter so sehr ins Herz geschlossen hatte. Obwohl der Hundeführer den langhaarigen Exemplaren in Henrys Meute vor noch nicht allzu langer Zeit erst das Fell für den Sommer gestutzt hatte, schien dieser hier als hätte er noch keine Klinge gesehen, so wuschelig war er bereits wieder. Kein Wunder, dass Beatrice den Hund so anziehend fand. 
Als wüsste der Rüde, das ihn hinter der Tür jemand erwartete, stellte er die braunen Kippohren auf und wartete schwanzwedelnd bis William die Tür geöffnet hatte. 
"Schaut mal wer da ist." grinsend betrat William das Gemach, gefolgt von seinem tapsigen Begleiter.

Isabel

Isabel hatte ihre Tochter den Nachmittag über zu beschäftigen gewusst, obwohl sie gegen Abend zunehmend quengeliger geworden war. Als schließlich die Tür aufging, sahen sie beide auf und Isabel lächelte, als William eintrat. Ihr Lächeln verblasste allerdings, als sie das Monstrum von einem Hund entdeckte, das hinter ihm hereingetapst kam. So groß hatte sie ihn gar nicht mehr in Erinnerung gehabt, aber jetzt gab es wirklich kein Zurück mehr. 
Beatrice war außer sich vor Freude, als sie ihren Spielkameraden entdeckte. Sie strahlte ihren Vater an, rutschte vom Bett auf den Boden und schlang dem Hund die Ärmchen um den Hals, während sie das Gesicht im langen Fell vergrub. Isabel seufzte nur. Wunderbar...es würde außerordentlich schwer sein, sie ins Bett zu bekommen. "Hundiiii..." 
Der Angesprochene bellte kurz, hielt dann aber schwanzwedelnd still. 
Auch Isabel erhob sich und ging zu ihrem Mann hinüber. 
"Hat er wenigstens einen Namen? Hundi ist wirklich keine gute Alternative. Und übrigens..." Sie grinste. "Du hast heute Abend die Ehre sie ins Bett zu bringen."

William

William wurde ganz warm ums Herz als er beobachtete wie sehr sich seine Tochter über den struppigen Familienzuwachs freute. Genau das war der Grund weshalb er ihr kaum etwas abschlagen konnte. Er sah es einfach unwarscheinlich gerne, wenn sie sich so freute. 
Er machte sich von dem Anblick los und sah zu sener Frau, die nicht einmal annähernd so begeistert von dem Tier war wie Beatrice. William grinste, legte seine Arme um Isabel und küsste sie zur Begrüßung. 
Ihre Worte entlockten ihm dann ein leises Lachen. "Ich werde sie einfach so lange mit dem Hund spielen lassen bis sie dabei einschläft." scherzte er und beoachtete die Szene, die sich zu seinen Füßen abspielte. Es würde wahrlich nicht ganz leicht werden, Beatrice zum Schlafen zu bewegen. Aber da er selbst das oft genug verpasste, würde er auch ohne weiteres länger damit zubringen sie ins Bett zu bringen. 
Dann zuckte er mit den Schulter. "Nicht wirklich. Ich schätze es ist ganz an uns ihm einen vernünftigen Namen zu verpassen. Hast du irgendwelche Vorschläge?"

Isabel

Isabel musste ja zugeben, dass es wirklich erwärmend war die Glückseligkeit ihrer Tochter zu beobachten. Zwar würde sie selbst nun mehr Kontakt mit diesem braun-weißen Ungetüm haben als ihr lieb war, aber sie würde sich schon irgendwie daran gewöhnen. Etwas Anderes blieb ihr ohnehin nicht übrig. 
"Wenn du sie spielen lassen willst, kannst du aber sehr, sehr lange warten, mein Lieber. Ich glaube, dann hat sich unsere Abendplanung wirlich erledigt. Aber nimm den Hund mit, vielleicht lässt sie sich dann gnädig stimmen. Solange dieses Monstrum nicht mit ins Bett kommt..." 
Sie dachte eine Weile nach. Jetzt mussten sie sich auch noch einen annehmbaren Namen für diesen wandelnden Fellball überlegen und darin war sie wirklich nicht begabt. Sie war froh gewesen, dass ihre Stute ihren Namen schon besessen hatte, 
"Hm....ich bin nicht wirklich gut darin. Aber wenn man sich mal ansieht, wie er ihr Herz erobert hat....Filou?" 
Sie verzog leicht die Miene, als der Hund Beatrice begeistert übers Gesicht leckte, was diese nur mit einem Kichern beantwortete und den Hund noch fester drückte, was er sich erstaunlicherweise widerstandslos gefallen ließ.

William

William nickte grinsend. "Das ist doch ein passender Name. Du schlägst dich wirklich hervorragend." er gab Isabel einen Kuss auf die Wange und beobachtete das Treiben von Beatrice und dem Fellmonster noch eine Weile. Dann löste er sich von Isabel und ging neben Beatrice und dem Hund in die Hocke. 
"Na meine Kleine, der gefällt dir, ja?" er lächelte und wuschelte Filou durch das lange braune Fell an seinem Kopf. Beatrice nickte übereifrig und warf sich dann William an den Hals um ihn kurz zu drücken. "Dankeschön!" flüsterte sie in sein Ohr, so als wäre es ein Geheimnis zwischen ihnen beiden und drückte ihrem Vater einen Kuss auf die Wange. Dann warf sie sich wieder auf den Hund, der sich einfach fallen ließ und sich so unter Beatrice begraben ließ. William hob eine Augenbraue nach oben und fragte sich ernsthaft, wie dieser Hund ein ausgebildeter Jagdhund sein konnte. 
Schließlich setzte er dem Treiben aber widerstrebend ein Ende. "So, was hälst du davon, wenn dein neuer Freund Filou und ich dich jetzt ins Bett bringen?" 
Beatrice schob beleidigt die Unterlippe vor und schaute William einen Moment lang trotzig an. Gerade als dieser die Augenbrauen hochzog und Luft holte, um seiner Tochter Einhalt zu gebieten, nickte sie langsam und hob ihren kleinen Zeigefinger in die Höhe. 
"Aber nur, wenn Filou bei mir schlafen darf!" verkündete sie und schlang die Ärmchen um den Hund so als wolle sie ihre Worte noch unterstreichen.

Isabel

Isabel beobachtete ihren Mann dabei, wie er sich zu Beatrice und Filou hockte. Ja, sie musste eingestehen, der Hund hätte schlimmer sein können. Er schien zwar nur aus Fell zu bestehen, aber er war offensichtlich außerordentlich kuschel- und schmusefreudig. Vielleicht war das gar nicht so schlecht für Beatrice. 
Außerdem erstaunte es sie, wie rasch Beatrice klein bei gab und sich bereit erklärte schlafen zu gehen. Sie brauchte immer mindestens dreimal so lang und musste oftmals strenger werden, damit sie überhaupt ihr Spielzeug Spielzeug sein ließ und sich fügte. 
William stellte sich außerordentlich geschickt an und sie wünschte sich einmal mehr, er wäre öfter hier bei ihnen. Aber die Zeit, in der er es war, genoss sie immer in vollen Zügen. 
"Na gut, Filou darf mitkommen. Aber er schläft neben deinem Bett, nicht in deinem Bett, einverstanden?" 
Allein der Gedanke, dieser Hund könnte sein langes Fell auf den Decken verteilen war schrecklich.

William

Erneut schob Beatrice die Unterlippe nach vorne und verschränkte dieses Mal sogar die Arme vor dem kleinen Oberkörper. William sah sie einen Augenblick erstaunt an, dann konnte er ein Lachen nicht mehr zurück halten - was ihm allerdings auch nur einen weiteren vernichtenden Blick seiner Tochter einbrachte. 
Nachdem er sich wieder beruhigt hatte, schüttelte er den Kopf. "Deine Mutter hat Recht. Du musst deinen Freund schon vor deinem Bett lassen. Aber du kannst ja morgen wieder ganz viel mit ihm spielen." bezog William Partei für Isabel. 
Beatrice sah ihn weiterhin böse an, gab jedoch den ersten Widerstand auf und brach zumindest nicht in lautes Gebrüll aus. William konnte wirklich nur den Kopf über die Kleine schütteln. Er war sich ziemlich sicher, dass er nur gegen diesen Dickkopf ankam, weil es schon fast etwas besonderes war, dass William seine Tochter ins Bett brachte. Als er Beatrice also hochhob und sich auf die Schulten setzte, erntete er anstelle eines Protestes einen unterdrückten Jauchzer. Ganz offensichtlich war sie ziemlich begeistert von seinem Vorhaben, wollte aber noch nicht ganz aufhören zu schmollen. 
William drehte sich zu Isabel um und grinste. "Ich hoffe, dass ich gleich wieder da bin."

Isabel

Isabel schaute interessiert zu, wie William es schließlich schaffte den Sturkopf seiner Tochter zu bändigen und das Zimmer mit ihr verließ. Filou fühlte sich bei seinen neuen Herren scheinbar vollkommen wohl und trottete gemächlich hinter William und Beatrice her. 
Isabel schloss die Tür und streckte sich mit einem Seufzer auf dem Bett aus. Es war doch ganz angenehm sich einmal nicht eine geschlagene Stunde lang mit Beatrice herumzustreiten, weil sie partout nicht schlafen gehen wollte. Ohne einige Gute-Nacht-Geschichten funktionierte es kaum. Sie konnte nur hoffen, dass sich das irgendwann gab. 
Es dauerte trotzdem ein Weilchen, bis William wiederkam. 
"Schläft sie?", fragte sie. "Erstaunlich, ich brauche mindestens doppelt so lange. Sie ist ein wirklicher Sturkopf. Genau wie du manchmal." 
Sie lächelte amüsiert. 
"Und ich hoffe, dieser Hund bleibt auch neben dem Bett." 
Sie setzte sich wieder auf und löste die Haare aus der praktischen Hochsteckfrisur, die sie den ganzen Tag getragen hatte, damit die blonden Locken nicht immer im Weg waren. Jetzt hatten sie wohl endlich einmal wieder einen ungestörten Abend vor sich.

William

"Warscheinlich verstehen wir uns deshalb so gut." grinste William und nahm einen Schluck aus dem Becher, der an der Seite stand. Dann fuhr er sich durch die dunklen Locken und ging zum Bett hinüber. 
"Mach dir keine Sorgen, der weiß schon wo er hingehört und wo nicht. Und da Beatrice nun endlich tief und fest schläft, wird sie ihn davon auch nicht abbringen können." 
William folgte den goldenen Locken mit den Augen als Isabel ihre Hochsteckfrisur löste, so dass ihre Haare nun wie ein goldener Teppich über ihre Schultern fiel. William liebte es, wenn sie ihre Haare offen trug. Dann erinnerte sie ihn immer noch mehr an einen Engel. 
Mit einem erleichterten Seufzen ließ er sich auf dem Bett nieder und legte einen Arm um Isabel. 
"Momentan freue ich mich wirklich auf den Tag an dem ich das Erbe meines Vaters antrete. Wir werden dann viel mehr Zeit in Cornwall verbringen und ich muss nicht mehr ganz so viel Zeit an Henrys Seite zubringen. Zeit, die ich stattdessen mit dir und dem Kind ... oder bis dahin, so Gott will, mit den Kindern verbringen kann." 
Er war sich zwar sicher, dass es eine ziemlich Umstellung für ihn werden würde, aber William fand an dem Gedanken durchaus Gefallen.

Isabel

"Daran könnte es liegen. Ich hoffe, dieser Hund ist wirklich so gut erzogen, wie du sagst." 
Sie seufzte leise und schmiegte sich in die Arme ihres Mannes. Wie schön es doch war, endlich wieder einen Abend mit ihm verbringen zu können, wo er doch so oft weg war. 
"Ich weiß, wie du es meinst. Ein bisschen mehr Ruhe wäre wirklich schön, aber mit solchen Sachen sollte man doch vorsichtig sein. Er ist schließlich dein Vater und wenn er eines Tages stirbt, hast du auch viel mehr Verantwortung als jetzt. Solche Dinge spricht man besser nicht aus, denn sie könnten sich allzu schnell erfüllen." 
Mochte sein, dass das ein bisschen abergläubisch war, aber man erzählte es sich überall, dass solche Aussprachen oftmals Unheil zur Folge hatten. 
"Wie hast du Henry eigentlich überzeugt, dass er dir den Hund überlässt? Ist er so schlecht als Jagdhund, dass er froh war ihn loszuwerden?" 
So schmusig, wie Filou sich gezeigt hatte, würde sie das kaum wundern. Er entsprach nicht dem Bild eines drahtigen, schnellen Jagdhundes.

William

William verzog das Gesicht. "Du hast natürlich recht." Dann kam jedoch ein leises Lachen über seine Lippen. "Allerdings muss der Sturkopf ja nicht gleich sterben. Mir würde es völlig ausreichen, wenn er sich eingestehen würde, dass er langsam alt wird. Er holt mich doch so schon mindestens einmal im Jahr für einen gewisse Zeit zu sich, um einiges vor Ort zu regeln." William zwinkerte Isabel zu und zog sie etwas enger an sich. Sein Verhätnis zu seinem Vater war seit ihrer Hochzeit deutlich besser geworden, doch hin und wieder lagen sich die beiden immer noch in den Haaren. Und doch, es war kein Vergleich mehr zu vorher. Sollte Isabel nun möglicherweise wieder schwanger werden und ihm dieses Mal einen Sohn gebären, dann würde das die Beziehung zu seinem Vater vermutlich noch zusätzlich verbessern. 
"Oh, ehrlich gesagt ist Filou sogar ein ausgesprochen guter Jagdhund." ging William ein wenig verspätet auf Isabels Frage. "Allerdings nur, wenn er auch wirklich Lust hat. Und bisher hat man ihn wohl nur sehr selten motivieren können." William grinste und gab Isabel einen liebevoll Kuss. "Mal sehen, vielleicht sollte ich ihn probehalber ja einmal mit in den Wald nehmen." murmelte er gegen Isabels Lippen.

Isabel

"Glaubst du wirklich, sein Stolz lässt das zu? Schwerlich." Sie lächelte und setzte sich dann wieder halb auf, stützte die Hände auf seine Schultern und schaute mit funkelnden Augen auf ihn herab. 
"Das kannst du gerne tun. Aber untersteh dich und nimm deine Tochter auch mit. Und jetzt lass dieses Fellknäuel von Hund Hund sein und uns erfreulicheren Dingen zuwenden, wo du doch so ungewohnte Gnade bei Beatrice entdeckt hast." 
Ihr Lächeln wurde ein bisschen tiefgründiger, als sie sich nach vorne beugte und ihm die Lippen versiegelte. 
Vielleicht brachte Eleonores Schwangerschaft ihnen wirklich wieder Glück, sie hoffte es sehr. Isabel wollte ihm doch so gerne den ersehnten Erben schenken. Sie hätte keinen besseren Mann bekommen können, fand sie und im Laufe der letzten drei Jahre hatte sich ihre Zuneigung immer weiter gesteigert.

William

William setzte zu einer Antwort an, schluckte diese jedoch herunter als Isabel sich über ihn beugte. Stattdessen erwiderte er ihren Kuss und ließ seine Hände über ihre Schultern zu ihrem Rücken wandern, um sich an ihrem Kleid zu schaffen zu machen. 
Er war wirklich froh, wieder zu Hause zu sein. 

William zog die Decke etwas höher, so dass nun auch seine Schultern bedeckt waren. Die Arme hatte er um Isabel gelegt und strich ihr mit einer Hand sanft über den flachen Bauch. 
"Wollen wir doch einmal sehen, ob wir heute erfolgreich waren, hm?" raunte er ihr lächelnd ins Ohr. Langsam aber sicher übermannte ihn die Müdigkeit und er spürte deutlich, dass die Reise recht lang gewesen war. Umso dankbarer war er nun für das warme Bett, das er mit seiner Frau teilen konnte und die Ruhe, die ihnen heute Abend beschert war. 
"Ich liebe dich, meine Schöne." murmelte er und liebkoste die weiche Haut an Isabels Hals.

Isabel

Isabel stand in der Nähe der Stallungen und beobachtete ziemlich skeptisch die Szene, die sich ihr bot. William hatte sich gegen ihren Protest durchgesetzt, dass Beatrice noch viel zu klein war, und ihr ein Pony besorgt, auf dem er sie das Reiten lehren wollte. 
Ihre Tochter war gerade hellauf begeistert und bürstete unter den wachsamen Augen ihres Vaters eifrig das goldene Fell ihres neuen Ponys, das gemütlich kauend und mit halb geschlossenen Augen da stand. 
Filou lag träge mit dem Schwanz wedelnd neben Isabel auf dem Boden und döste. 
Sie hatte sich inzwischen an den Hund gewöhnt, wenn sie sich auch nicht recht mit ihm hatte anfreunden können. Sie beachtete ihn einfach kaum, streichelte gelegentlich mal durch das scheckige Fell, den Rest überließ die Anderen, wenn es ging. 
Langsam setzte sie sich in Bewegung und stellte sich neben ihren mann, legte einen Arm um seine Hüfte und schmiegte sich ein wenig dichter an ihn. 
"Manchmal frage ich mich, wohin eure Tierliebe noch führt. Was ist das Nächste? Ein Reh?" Sie lächelte und suchte seinen Blick. "Fang schonmal an zu sparen, mein Lieber. Du kannst dich bald nach dem nächsten Pony umsehen.", sagte sie dann beiläufig.

William

William beobachtete aufmerksam wie seine Tochter eifrig über das Fell ihres Ponys schrubbte. Zwar hatte einer der Stallburschen schon dafür gesorgt, dass kein Dreck mehr an dem goldenen Fell hing, aber zum einen war William der Meinung, dass jeder der Reiten konnte auch in der Lage sein musste sein Pferd zu versorgen und außerdem war Beatrice völlig schockiert gewesen als sie sah, dass ihr Pony bereits sauber war. Nur Williams beschwichtigende Worte, es würde sicher nicht schaden noch einmal zu putzen hatten ihn vor einem Gefühlsausbruch seiner Tochter bewahrt. 
Die Kleine kam zwar nicht einmal richtig an den Rücken des Tieres, aber das war ihr egal. Emsig wie eine Ameise ging sie unbeirrt zu Werke. 
William legte seinen Arm um Isabel als sie neben ihn trat und sich an ihn lehnte und lachte über ihre Bemerkung. "Ein Reh wäre hier sicherlich nicht sonderlich gut aufgehoben. Spätestens wenn Filou das Tier vor der Nase herum laufen sieht, würde er sich daran erinnern, dass er ein Jagd- und kein Schmusehund ist. Aber vielleicht-" William unterbrach eine Überlegungen abrupt und starrte seine Frau irritiert an. "Wieso sollte ich noch ein Pony-" wieder brach William mitten im Satz ab. Dieses Mal jedoch, da langsam durchsickerte was Isabel da gerade gesagt hatte. 
Er legte nun auch seine andere Hand an Isabels Taille und drehte sie zu ihm herum, so dass sie ihm direkt gegenüber stand. 
"Isabel, hast du mir damit gerade sagen wollen, dass wir bald noch so einen kleinen Wirbelwind haben?" seine Augen funkelten bereits vor ungebändigter Freude. Das würde seinen Tag wirklich perfekt machen.

Isabel

Isabel grinste. Es geschah nicht oft, dass man William aus der Fassung brachte, aber mit dieser Nachricht hatte sie es schon bei Beatrice geschafft. Er freute sich immer riesig, aber sein Gestottere gerade war ziemlich amüsant. 
"Nein, ich wollte damit sagen, dass ich auch gerne ein Pony zum Reiten hätte, das ist nicht so groß wie meine Stute.", erwiderte sie trocken. Isabel begann wieder zu lächeln. "Manchmal bist du wirklich schwer von Begriff, das weißt du, oder? Daran solltest du noch ein bisschen arbeiten. Natürlich wollte ich das sagen, aber ich hingegen hege die Hoffnung, dass der Wirbelwind nicht ganz so stürmisch gerät." 
Sie entdeckte in seinen Augen wieder diese Freude, die sie so gerne an ihm sah. Als wäre das ganze Leben vollkommen perfekt, als mache sie ihn gerade zum glücklichsten Mann der Welt. 
Isabel seufzte zufrieden und strich ihm eine Strähne aus der Stirn. In diesen Moment drang Beatrices Stimme. 
"Papaa....guck mal, gut so? Fast fertig..."
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GreyStorm



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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Sa Aug 01, 2015 1:58 pm

William

Ein Lächeln tauchte nun auf seinem Gesicht auf, das glücklicher nicht hätte sein können. Dann zog er Isabel grinsend an sich heran und küsste sie innig. Das waren wirklich fabelhafte Nachrichten. 
"Vielleicht begreife ich es beim nächsten Kind schneller." murmelte er gegen ihre Lippen. 
Bevor er sich jedoch noch mehr in seiner Freude verlieren konnte, rang Beatrice wieder um seine Aufmerksamkeit. Sein kleiner Sonnenschein. Bald würde sie noch ein Geschwisterchen bekommen. William konnte jedoch nur hoffen, dass sie sich nicht bockig stellen würde, sobald sich nicht mehr alles nur allein um sie drehte. 
"Sehr gut. Sobald du fertig bist können wir den Sattel holen und du kannst loslegen." 
Beatrice nickte freudestrahlend und machte sich an die letzte Stelle, die sie noch bürsten wollte. Die Kleine war wirklich zu niedlich, wenn sie sich über etwas freute. Zwar konnte sie genauso gut zu einem kleinen Teufel werden, aber nun ja, William erduldete ihre Eskapaden meist mit einer beinahe stoischen Ruhe. Nur wenn sie es allzu weit trieb mit ihren Ausbrüchen griff er ein - was dann allerdings äußerst effektiv war und seine Tochter wieder auf den Boden brachte. 
Wenn er daran dachte bald noch ein Kind zu haben, wurde ihm ganz warm ums Herz. Und wenn es dann möglicherweise noch ein Sohn werden würde ... 
"Wann ist es soweit?" fragte er Isabel mit leiser Stimme und beobachtete aus dem Augenwinkel weiter seine Tochter.

Isabel

Auch Isabel hatte ein Auge auf ihre Tochter, das hatte sie sich so angewöhnt, da Beatrice, wenn man nicht aufpasste, gerne mal plötzlich verschwand um den nächstbesten Hund zu streicheln. Jetzt hatte sie wenigstens Filou, der sie ablenkte. Wie sie sich wohl anstellen würde, so allein auf ihrem Pony? 
"Im Frühling. Ich denke, im Mai." 
Sie seufzte leise und sprach schließlich aus, was ihr durch den Kopf ging. "Wir begleiten über den Winter den Hof wieder in die Normandie, nicht? Ich bin nicht sicher, ob mir das gefällt. Die Reise missfällt mir schon in normalen Zustand, aber jetzt..." 
Sie legte nicht gerade Wert darauf, während fortgeschrittener Schwangerschaft Tage auf einem Schiff zuzubringen und gleichzeitig noch ein Auge auf Beatrice und Filou haben zu müssen, den sie sicherlich nicht zurücklassen wollte. Allerdings würde ihr kaum etwas Anderes übrig bleiben. Isabel war sich recht sicher, dass Henry nicht auf seinen Cousin verzichten wollen würde. Also würde sie ihrem Mann folgen, wie sie es versprochen hatte.

William

Williams überschwängliche Freude erhielt einen jähen Dämpfer und er biss sich unbehaglich auf die Unterlippe. 
Daran hatte er ja noch gar nicht gedacht. Die Reise in die Normandie würde vielleicht noch gar nicht das Problem sein. Sollte Isabel jedoch recht behalten und es würde Mai werden bis das Kind kam, würde die Rückkehr nach England ein Problem darstellen. Und William war auch mit Nichten darauf aus seine Frau oder das Kind in Gefahr zu bringen, weil sie eine Schiffsreise hinter sich bringen mussten. 
Andererseits konnte er schlecht den gesamten Winter über vom Hof fern bleiben. Unglücklich knirschte William mit den Zähnen. 
"Wir könnten ..." ja was könnten sie denn eigentlich. Keine Lösung, die William spontan einfiel, erschien ihm ideal. "Ich kann nicht den gesamten Winter über hier bleiben. Aber ich will auch nicht, dass du dich und das Kind möglicherweise in Gefahr bringst." William kaute nachdenklich weiter auf seiner Unterlippe herum. "Falls du dir die Überfahrt in die Normandie zutraust, könnten wir bis nach der Geburt dort bleiben. Wir könnten bei meiner Verwandtschaft im Anjou bleiben. So könnte ich den Winter über meinen Pflichten nachgehen und Henry müsste halt im Frühjahr auf mich verzichten." schlug er dann vor, grübelte aber noch immer darüber nach, ob das eine sinnvolle Lösung war. Zumal er wusste, wie gern Isabel in England war. 
"Oder du bleibst bei deinem Vater." Eine Lösung die ihm gar nicht gefiel. William würde nämlich nicht darum herum kommen Henry nach Frankreich zu folgen und somit würde er Isabel im Winter kaum sehen. Und mit ihr auch Beatrice nicht.

Isabel

Isabel war von keiner Lösung begeistert. "Am Liebsten würde ich natürlich hier bleiben, aber den ganzen Winter ohne dich? Das will ich auch nicht. Also wird mir wohl nichts Anderes übrig bleiben, als mit zu kommen." 
Sie seufzte leise und dachte eine Weile nach. 
"Entweder wir bleiben wirklich länger, falls du denkst, deine Verwandten würden sich bereit erklären uns aufzunehmen oder wir kehren früher nach England zurück, ich weiß allerdings nicht, wie das Wetter sein wird. Vielleicht solltest du Henry fragen, ob er lieber im Frühjahr oder eben eine Weile vorher auf dich verzichten will. Ich weiß nicht." 
Isabel wusste wirklich nicht, was das Beste war. Ihr Vater hätte sie und Beatrice sicherlich gerne aufgenommen, aber den ganzen Winter allein mit einer launischen Tochter, während sie ein weiteres Kind erwartete, war nicht gerade das, was sie sich wünschte. 
Wieder eine fremde Umgebung im Anjou war auch nicht erstrebenswert, ebenso wenig wie eine Schiffsreise kurz vor der Niederkunft. Es war wirklich zum Verzweifeln. Wahrscheinlich blieb das Verweilen bei Williams verwandten noch die beste Alternative.

William

William seuftzte resignierend. Das durfte doch einfach nicht wahr sein. "Ich werde mit Henry sprechen, vielleicht hat der ja eine Idee. Wobei ..." William runzelte nachdenklich die Stirn und schüttelte dann den Kopf. "Vielleicht sollte ich besser mit Eleonore sprechen. Sie hat dafür sicher mehr Verständnis." 
William gab Isabel einen kurzen Kuss und lehnte seine Stirn dann gegen ihre. "Wir finden schon noch eine passable Lösung. Nun lass uns einfach erstmal den Tag genießen." murmelte er, doch bevor er noch weiter reden konnte wurde er von einem Zupfen an seinem Hosenbein unterbrochen. 
"Ich bin fertig!" verkündete Beatrice stolz und sah begeistert zu ihren Eltern empor. "Kann ich jetzt reiten?" 
Unweigerlich musste William lachten und wandte sich seiner Tochter zu. "Aber natürlich. Dafür sind wir schließlich hier, nicht wahr?" Er strich ihr über die blonden Locken, die mittlerweile schon ein gutes Stück weiter gewachsen waren. "Lauf schon mal vor, ich habe dir ja gezeigt wo der Sattel hängt. Ich komme sofort." Und während Beatrice losflitzte, löste William sich widerstrebend von Isabel, musste jedoch grinsen. "Dann wollen wir doch mal schauen, wie unsere Kleine sich so im Sattel macht."

Isabel

Isabel nickte. "Tu das. Es ist ja noch eine Weile hin, wir müssen ja nicht sofort eine Lösung finden." 
Ihre Tochter riss sie beide schließlich aus den Gedanken um die Reise in die Normandie und entlockte ihr ein Lächeln. Wie eifrig sie doch bei der Sache war...ob das so bleiben würde? 
Allerdings hatte sie auch vermutet, ihre Begeisterung für Filou würde bald abflauen. Und das war nicht eingetreten. 
Beatrice war schon unterwegs zum Sattel und Isabel konnte ihr nur kopfschüttelnd nachschauen. Woher dieses Kind nur immer seine unerschütterliche Energie nahm? Es war fast unmöglich sie wirklich müde zu bekommen. 
"Ich bin gespannt. Aber sei vorsichtig, ja? Ich will nicht, dass sie fällt." Sie war immer um das Wohlergehen der Kleinen besorgt, egal, was sie tat. Sie traute dem Pony nicht, obwohl es immer noch vollkommen ruhig da stand und sich nicht vom Fleck bewegt hatte. 
Wahrscheinlich machte sie sich mal wieder zu viele Sorgen.

William

Mit einem "Du kennst mich doch." ließ er Isabel auf dem Hof bei dem Pony zurück und folgte seiner Tochter in den Stall, um das Sattelzeug zu holen. 
Nur wenig später stand er mit dem Pony am Zügel und Beatrice freudig auf und ab hüpfend auf dem Trainingsplatz. 
"Nun, nun. Beruhig dich mal, sonst machst du dein Pony noch ganz nervös." tadelte er seine Tochter lachend, die daraufhin zwar nicht mehr auf und absprang, aber immer noch ungeduldig von einem Fuß auf den anderen trat. So wie das Pony jedoch dastand, hätte William neben ihm warscheinlich eine ganze Schlacht losbrechen lassen können und es hätte trotzdem nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Auch das war ein Grund weshalb William sich für das Pony mit dem cremfarbenen Fell entschieden hatte. 
William konnte nur den Kopf schütteln. "Du musst dich wirklich noch ein bisschen in Geduld üben." murmelte er als er Beatrice hochhob und in den Sattel setzte. Er legte ihre Hände an den Riemen, den er am Sattel befestigt hatte. "Du hälst dich schön daran fest, ja?" Beatrice nickte konzentriert und klammerte sich an den Riemen.

Isabel

Isabel stand an der Umzäunung des Trainingsplatzes und beobachtete ihre kleine Familie. Beatrice war völlig aus dem Häuschen, dass sie endlich reiten durfte und sie ahnte schon jetzt, dass sie den ganzen Tag von nichts sonst reden und sich nur schwer ins Bett bewegen lassen würde. Glücklicherweise war William da, das konnte er dann wohl übernehmen und sie musste nicht endlos diskutieren. 
Beatrice wirkte plötzlich ernsthafter als sonst und war äußerst konzentriert, zumindest schaute sie so. Das Pony war von allem ziemlich unbeeindruckt und kaute gelassen auf seinem Gebiss herum, nur darauf wartend, ob irgendetwas Interessantes passieren würde. 
Isabel ahnte schon, dass sie ihre Tochter von nun an ständig im Stall bei ihrem Pony finden würde, wenn sie sie mal wieder aus den Augen verloren hatte. Blieb zu hoffen, dass William in nächster Zeit wirklich mehr Freiraum für seine Familie blieb, sie würde die Kleine sicherlich nicht aufs Pferd setzen. Solange Beatrice noch so klein war, sollte William dabei sein und aufpassen. Da sie selbst für Pferde wenig Begeisterung aufbringen konnte, konnte sie auch kein Wissen weitergeben.

William

William verbrachte einige Zeit mit Beatrice und dem Pony auf dem Platz und gab irgendwann für einen Moment den Bitten seiner Tochter nach, das Pony traben zu lassen. Allerdings bewusst nur ein kurzes Stück, so viel traute er seiner Tochter dann doch noch nicht zu. 
Und so stand er nach einer Weile mit dem Pony am Zügel am Zaun bei Isabel und hob Beatrice schließlich vom Pferd. Die Kleine grinste von einem Ohr zum anderen als sie auf ihre Mutter zulief. 
"Hast du gesehen wie ich geritten bin!?" fragte sie völlig aufgeregt, was natürlich absolut überflüssig war, schließlich hatte Isabel die gesamte Zeit über am Zaun gestanden. 
William stützte sich mich den Armen auf dem Zaun ab und sah grinsend zu Isabel hinüber. Er wusste wie wenig es ihr behagt hatte, dass er Beatrice aufs Pferd gesetzt hatte. 
"Vielleicht sollten wir mal zusammen ausreiten, Isabel." schlug er dann mit einem schelmischen Funkeln in den Augen vor und sah sie herausfordernd an. Er wusste, um ihre Abneigung gegenüber langen, unnötigen Ritten. Sie stieg nur aufs Pferd, wenn sie es musste. In der Regel störte ihn das auch nicht, aber hin und wieder wünschte er sich schon, sie könne sich ein bisschen mehr dafür begeistern.

Isabel

Mit Argusaugen sah sie zu, wie er die Kleine dann ein Stückchen traben ließ. Sie musste sich eingestehen, dass sie unnötig viel Angst um Beatrice hatte. Sie machte sich viel zu viele Sorgen. 
"Ja, mein Schatz, das hast du wirklich toll gemacht!", lobte sie pflichtschuldig ihre Tochter und strich ihr durch den blonden Schopf. Einmal mehr war sie fasziniert von der Kombination der blonden Locken mit den dunklen Augen ihres Vaters. Sie schienen bei ihr regelrecht zu glühen, wenn sie besonders starken Gefühlen ausgesetzt war. 
Isabel riss sich vom Anblick ihrer Kleinen los und wandte sich dem zugehörigen Vater zu. Seinen Vorschlag quittierte sie zunächst nur mit einer hochgezogenen Augenbraue. 
"Und du glaubst wirklich, dass ich mich darauf einlassen würde? Du gibst die Hoffnung nicht auf, oder?" Es war nicht das erste Mal, dass er versuchte sie zu einem Ausritt zu überreden.
"Aber ich habe im Moment die einzige Ausrede vorzubringen, die du akzeptieren wirst." Sie grinste zurück. "Oder nicht?" Nun, zumindest wenn die Glück hatte. Wenn sie Pech hatte, würde er das nicht gelten lassen und sie so lange necken, bis sie nachgab.

William

William legte den Kopf in den Nacken und lachte. "Du hälst mich aber auch wirklich lange hin." Er hatte schon oft genug versucht Isabel dazu zu überreden ihn einmal zu begleiten, doch bisher völlig erfolglos. 
Er lehnte sich über den Zaun etwas weiter hinüber und sah Isabel ein wenig spöttisch an. "Du weißt aber schon, dass diese Ausrede momentan sehr schwach ist? Wenn dein Bauch schon kugelrund wäre, würde ich das ohne zu widersprechen gelten lassen, aber so ..." neckte er sie und warf einen vielsagenden Blick auf ihren flachen Bauch. 
Beatrice sah währenddessen ein wenig verwirrt zwischen ihren Eltern hin und her und erinnerte William dabei daran, dass sie ihrer Tochter irgendwann erzählen mussten, dass sie bald ein Geschwisterchen bekommen würde. 
Hoffentlich einen Bruder schoss es William durch den Kopf. Natürlich würde er sich auch über ein weiteres Mädchen freuen, doch dieses Mal war sein Wunsch nach einem Sohn noch größer als bei Beatrices Geburt. 
Aber vielleicht sollten sie ja dieses Mal doppelt Glück haben.

Isabel

"Naja, ich könnte herunterfallen.", bemerkte sie unschuldig. Innerlich wusste sie schon, dass ihre Ausrede mehr als dürftig war. "Aber du musst zugeben, einen Versuch war es wert. Es hätte ja sein können, dass du dir mehr Sorgen um mich machst. Schade." 
Sie seufzte leise, hatte aber bereits die nächste Idee. "Wenn ich dich einmal begleite, bist du künftig damit zufrieden, einverstanden? Dann komme ich mit." 
Isabel lächelte schwach. "Soll ich mich auf das Pony setzen und losreiten? Es könnte mir leidtun. Wie heißt es überhaupt?" 
Auch sie dachte in dem Moment, da sie Beatrices verständnislosen Blick sah, darüber nach, wie die Kleine darauf reagieren würde. Ob sie wohl eifersüchtig sein würde? 
Die junge Frau zuckte plötzlich erschrocken zusammen, als sich eine kalte, feuchte Nase an ihre Handfläche drückte und riss eben diese Hand ruckartig weg. Im nächsten Moment bedachte sie den Übeltäter mit einem bösen Blick. "Filou!" 
Dieser Hund würde sie irgendwann noch alle Nerven kosten. Spätestens, wenn Beatrice etwas älter und ständig mit ihm unterwegs war.

William

"Oh, ich bin überzeugt, dass du gar nicht mehr genug kriegen wirst, wenn du erst einmal mit mir unterwegs warst." prophezeite er mit erhobenem Finger und einem verschwörerischen Lächeln. 
"Allerdings glaube ich, dass unser Wallach hier genug mit unserer Tochter zu tun hat. Für dich wäre etwas größeres passender." William musterte den Wallach, der nicht den Eindruck macht, dass er sich gerade verausgabt hatte. Trotzdem stand er völlig gelassen neben William um döste vor sich hin. 
"Der Händler sagte, er habe ihn immer Champagne genannt." was zugegebener Maßen ein recht passender Name war für den blonden Wallach. 
Als William den Hund entdeckte, schnalzte er einmal leise was Filou dazu verleitete sich unter dem Zaun hindurch zu quetschen, um sein Herrchen zu begrüßen. Dieser beugte sich zu dem Rüden hinunter und kraulte ihn hinter dem Ohr. "Na Junge, willst du dein Frauchen und mich auch bei einem Ausritt begleiten?" fragte er den Hund und beobachtete Isabel dabei aus dem Augenwinkel, um ihrer Reaktion ja nicht zu verpassen.

Isabel

"Das glaubst auch nur du.", erwiderte Isabel unbeeindruckt. Nichts würde sie davon überzeugen sich öfter als nötig auf das Pferd zu setzen, auch Williams Charme nicht. 
"Champagne...wie passend..." 
Sie schaute zu, wie Filou freudig mit dem Schwanz wedelnd seinen Herrn begrüßte und traute ihren Ohren nicht, als er anfing mit dem Hund zu reden! Drehte er jetzt völlig durch? Der Hund gab ihm mit Sicherheit keine Antwort. Isabel verdrehte die Augen gen Himmel. 
"Es war die Rede von einem Ausritt, ja, nicht von einer Jagd. Wenn er mein Pferd erschreckt, weil er einem hasen nachjagen will, dann kann er in Zukunft draußen im Burghof schlafen." 
Manchmal fühlte sie sich ein bisschen überfordert von der ganzen Tierliebe um sie herum, die sie einfach nicht teilen konnte. Gut, es fiel ihr schwer ein Tier leiden zu sehen und sie hatte großen Kulleraugen auch nichts entgegen zu setzen, aber das ganze Fell war nichts, auf das sie nicht verzichten konnte. 
Auch Beatrice hockte nun neben Filou auf dem Boden und hatte die Finger in dessen langem Fell vergraben. "Papa, darf ich auch mit?"

William

William machte eine wegwerfende Bewegung. "Mach dir keine Sorgen. Unser Filou hier weiß schon wann er was zu tun hat." er zwinkerte Isabel zu und strich dem Hund beiläufig über den Kopf. 
Dann forderte Beatrice erneute Aufmerksamkeit und brachte William mit iher Frage in Erklärungsnot. 
"Nun weißt du" begann er langsam und überlegte wie er Beatrice am besten beibrachte, dass sie dafür zu klein war. "sobald du Champagne alleine galoppieren und wieder anhalten kannst, nehme ich dich mit." veruschte William die Lage diplomatisch zu lösen. Beatrice runzelte die Stirn und schien zu überlegen, was die Antwort nun für sie eigentlich bedeutete. So recht schien sie sich zunächst nicht entscheiden zu können, dann schob sie jedoch ihre Unterlippe ein wenig trotzig hervor. 
"Dann musst du aber jeden Tag mit mir üben!" entschied sie trotzig. William, der die Gefahr noch nicht ganz gebannt sah, bemühte sich möglichst rasch zu nicken. "Natürlich. Immer wenn meine Zeit es zulässt, können wir üben." Natürlich hätte er sicher auch einmal Geoffrey überzeugen können mit seiner Tochter zu üben, allerdings wollte er das seinem treuen Gefolgsmann dann lieber doch noch nicht zumuten. Schließlich wusste er wie anstrengend Beatrice manchmal werden konnte.

Isabel

Isabel seufzte leise. Da hatte sie sich etwas eingebrockt. Hoffentlich war Filou wenigstens wirklich so gut ausgebildet, wie William sagte. Sie würde ihre Drohung sonst ohne mit der Wimper zu zucken wahr machen, egal, welchen Trotzanfall das bei Beatrice zur Folge haben würde. 
Immerhin schaffte er es, seiner Tochter schonend beizubringen, dass es noch eine Weile dauern würde, bis sie in den Wald mitreiten durfte und das war ganz in ihrem Sinne. 
Aus dem Üben jeden Tag wurde wohl nichts, aber das musste sie ja nicht jetzt erfahren. So viel Zeit hatte ihr Vater gar nicht. 
Sie richtete die Augen auf ihren Mann und verschränkte die Arme. "Morgen? Wenn du die Amme überzeugst, für ein paar Stunden allein auf Beatrice aufzupassen." 
Das konnte sich nämlich ein wenig schwierig gestalten. Beatrice empfand die Gesellschaft der Dame als langweilig, diese hingegen die des kleinen Mädchens als äußerst anstrengend. Aber das bisschen Zeit würde doch irgendwie zu machen sein. Nun, vielleicht auch nicht und ich muss leider, leider Zuhause bleiben.

William

William musste sich zusammenreißen um nicht übermäßig zu grinsen. Langsam nickte er. "Die werde ich schon überreden. Keine Sorge" er betonte die Worte bewusst so, dass kein Zweifel daran aufkam, dass er um Isabels Hoffnung auf eine Absage der Amme hoffte. "wir zwei werden morgen schon Zeit für einen schönen Ausritt haben." 
Grinsend löste William sich von dem Zaun und führte das Pony vom Platz. Er konnte nicht ewig hier stehen bleiben, schließlich hatte er da noch einen anderen Zögling, der heute unbedingt noch Williams Zeit beanspruchen wollte. Geoffrey schlug sich bisher recht passabel, wenn er sich auch hin und wieder quer stellte, weil ihm irgendetwas nicht sinnvoll erschien. 
"Ich schätze, wir sehen uns erst heute Abend wieder." gestand William seiner Frau. Dadurch, dass er sich den ganzen Vormittag für Beatrice freigehalten hatte, war er für den Rest des Tages ziemlich eingespannt. Besonders nachdem Henry angekündigt hatte, dass er heute Abend mal wieder den ein oder anderen Becher Wein mit William leeren wollte. Dieser war zwar nicht allzu begeistert von der Idee, konnte jedoch kaum nein sagen.

Isabel

"Daran zweifle ich nicht.", gab sie wenig begeistert zurück. Da musste sie wohl durch. Isabel nickte langsam. "In Ordnung. Aber lass dich nicht allzu lange aufhalten, ich hätte heute gern auch noch was von dir." Ein leichtes Lächeln huschte über ihre Lippen, dann nahm sie Beatrice an die Hand. 
"Kommt Filou mit dir oder mit uns?" 
Der Hund stand gerade fröhlich hechelnd zwischen ihnen Beiden und hatte die Augen auf den unbeeindruckten Champagne gerichtet. 
Beatrices Augen leuchteten immer noch und Isabel wusste, dass sie sich den restlichen Tag von dem kleinen, cremefarbenen Pony vorschwärmen lassen musste. Aber wenn die Kleine damit glücklich war... 
"Na komm, Beatrice, wir gehen wieder rein, ja?", forderte sie schließlich auf und erntete einen beleidigten Blick. "Will aber hier bleiben." 
"Beatrice, jetzt komm. Wir kommen bald wieder her, für heute ist es genug." Sie sah die Unterlippe ihrer Tochter schon zittern und ahnte, dass gleich ein tränenreicher Ausbruch folgen würde, wenn kein Wunder passierte. "Aber Papa bleibt auch hier!" Isabel seufzte. Die ersten Tränchen flossen schon..."Er hat noch zu tun. Wir kommen wieder, Schatz, aber jetzt gehen wir wieder rein, in Ordnung? Filou kann auch mitkommen.", startete sie einen neuerlichen, recht hoffnungslosen Versuch.

William

William konnte sich eine Antwort sparen, denn es stand außer Frage, dass seine Tochter warscheinlich einen fürchterlichen Aufstand machen würde, sollte er den Hund mitnehmen. 
Er atmete geräuschvoll aus und hätte um ein Haar die Augen verdreht. Dann ließ er die Zügel des Ponys länger und ging neben Beatrice in die Knie, um sie an sich zu ziehen. 
"Beatrice, ich muss hier bleiben, da ich noch mit Geoffrey trainieren muss. Das ist aber absolut nichts für dich. Wenn du mir versprichst artig zu sein, dann können wir heute Abend bevor du schlafen gehst noch ein bisschen spielen." 
Hin und wieder fragte er sich, ob er nicht doch das ein oder andere Mal etwas strenger mit seiner Tochter sein sollte. Der Wirbelwind brauchte vielleicht mal ein paar mehr Grenzen. Allerdings würde er sich selbst dazu reichlich zwingen müssen, da es ihm selbst ausgesprochen viel Spaß machte seiner Tochter immer wieder irgendwelche kleinen und größeren Freuden zu bereiten. 
William stand wieder auf und strich ihr über die blonden locken. "Und nun sei ein großes Mädchen und schluck deine kleinen Tränen runter, ja?"

Isabel

Auch Isabel fragte sich einmal mehr, wie sie ihre Tochter jemals bändigen sollte. Sicher, sie war noch sehr jung, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass sie einfach viel zu oft ihren Willen bekam. 
Wenigstens schien Beatrice nun ein bisschen gnädiger gestimmt und nickte tapfer. 
Isabel atmete auf und wiederholte ihre Aufforderung. "Komm, Schatz." Diesmal ging sie auch wirklich mit, zur großen Erleichterung ihrer Mutter, die sie nun den Rest des Tages beschäftigen durfte. 
"Filou!" 
Der Hund reagierte auf die Stimme seiner Herrin, obwohl die so wenig für ihn übrig hatte. Er sprang auf und trottete schwanzwedelnd neben Beatrice her in Richtung Burg. 
Isabel überlegte schon fieberhaft, wie sie sie bis zum Abend ablenken sollte und hoffte inständig, dass sie vielleicht mit dem kleinen Henry spielen konnte. Vielleicht war der ja ebenso ungnädig mit seiner Amme und diese suchte Beschäftigung für ihren Schützling.Manchmal wäre ein weniger temperamentvolles Kind wirklich angenehm.
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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   So Aug 02, 2015 5:34 pm

William

William sah seinen beiden Liebsten noch eine Weile nach bis sie schließlich verschwunden waren, dann brachte er das Pony in den Stall und übergab es dort an einen der Stallburschen. Von einem der anderen ließ er sich Cuivre bringen und wieß ihn an Geoffreys Pferd mit zum Trainingsplatz zu bringen, da der Junge bald eintreffen würde. 
Wieder schoss ihm der Gedanke an einen Sohn durch den Kopf. Wie gern würde er bald seinen Erben im Arm halten. Später könnte er ihm dann all die Dinge beibringen, die er momentan Henrys Spross beibrachte. Alles Dinge, die er Beatrice nicht lehren konnte. 
Bei dem Gedanken an seine Tochter fiel William auf, dass er mit Isabel noch über Beatrices Erziehung reden wollte. Ihm war sehr viel daran gelegen, dass sie eine gute Ausbildung bekam und sowohl lesen als auch schreiben lernen würde. Wenigstens das wollte er seiner Tochter garantieren. 
Bevor er jedoch noch weiter darüber nachdenken konnte, kam der junge Geoffrey auf den Platz. William konnte schon von weitem sehen, dass der Junge heute schlechte Laune hatte. Er würde also zusehen müssen, dass er seine Laune entweder schnell bessern konnte oder er würde sich auf einen anstrengenden Nachmittag vorbereiten müssen.

Isabel

Am nächsten Morgen stand eine weniger gut gelaunte Isabel neben ihrem Mann vor dem Stall und nahm gerade ihre Schimmelstute entgegen. Sonderlich begeistert war sie nicht, aber nun musste sie da durch. William hatte es geschafft die Amme einzuwickeln, damit sie auf Beatrice aufpasste und so gab es keine Ausrede mehr für sie, ihn nicht zu begleiten. 
Auch Filou stand schon fröhlich vor den Hufen des großen Hengstes, den sein Herr reiten würde. 
Mit einem Seufzer bestieg sie ihr Pferd und wartete. 
"Aber damit ist mein Soll bezahlt. Du wirst mich nicht nochmal breitschlagen." 
Sie fühlte sich unwohl, sie ritt eben einfach nicht gerne. Aber manchmal musste man eben ein Zugeständnis machen und vielleicht würde es ja recht erträglich werden, immerhin war ihr Mann bei ihr und sie waren, wenn man von Filou absah, erst einmal ungestört. Und das waren sie tagsüber eigentlich nur selten. Das würde sich allerdings auch kaum ändern, nun, da sie ein zweites Kind erwartete. Wie sie wohl das Problem lösen würden, das sich bei der Rückreise auftat?

William

William gab Isabel einen Kuss und lächelte aufmunternd. "Nun schau nicht so missmutig drein. Es wird schon nicht so schlimm werden." murmelte er gegen ihre Lippen bevor er an seinen Hengst heran trat und aufsaß. 
Ein wenig setzte es ihm insgeheim schon zu, dass Isabel sich so sehr sträubte. Aber jeder hatte schließlich in den Augen anderer 'Fehler' und William war froh, Isabel zu haben und sah somit darüber hinweg, dass sie seine Leidenschaft nicht teilte. 
Umso mehr freute er sich, dass sie nun doch, wenn auch sehr widerwillig zumindest einmal nachgab. Zumal dies wohl sowieso eine der letzten Gelegenheiten sein würde bei denen Isabel aufs Pferd steigen konnte. Bald würde es für das Kind zu riskant werden. 
Heute hatte er wieder seinen Fuchs gesattelt. Cuivre würde auch eine ruhige Runde heute begrüßen, zumal der Hengst langsam auch in die Jahre kam und William schon ernsthaft darüber nachdachte, wie lange er ihn tatsächlich noch als Streitross nutzen würde. Er hatte im letzten Jahr von einer seiner Stuten ein Fohlen bekommen, dass möglicherweise ein guter Nachfolger werden würde. Doch bis dahin müssten noch ein paar Winter ins Land ziehen.

Isabel

Isabel seufzte leise. "Du hast leicht reden.", brummte sie missmutig in sich hinein. Sie fand ja, dass er wirklich ein sehr gutes Bild auf seinem Fuchs abgab, den gescheckten Hund neben den Hufen des Pferdes, aber warum musste sie ihn dabei begleiten? 
Sie beschloss, das Beste daraus zu machen. 
"Meinst du, die Amme kommt mit Beatrice klar? Ich glaube, unsere Kleine ist heute nicht so gnädig gestimmt. Wenn ich nur wüsste, wie sie reagiert, wenn wir ihr sagen, dass sie hoffentlich einen Bruder bekommt." 
Sie setzte ihre Stute mit leichtem Schenkeldruck in Bewegung und hoffte inständig, dass Filou sich zu benehmen wusste. 
Ihre Gedanken verweilten noch eine Weile bei den Worten, die sie zuvor gesprochen hatte. Ja, sie wusste nicht, ob es ihr gelingen würde in Beatrice Freude zu wecken, denn wenn die Kleine eifersüchtig würde, war das wirklich keine gute Kombination. 
"Ich hoffe, sie lässt sich ein bisschen begeistern." 
Die Stute streckte sich und schnaubte. Viel bewegt worden war sie in letzter Zeit wirklich nicht.

William

William nahm die Zügel ein wenig auf und ließ seinen Hengst dann in ein ruhiges Tempo fallen in dem er perfekt neben Isabels Stute hertrotten konnte. Filou lief ein paar Meter vorweg und sah kurz zu William zurück bevor er noch ein Stück lief. William gestattete dem Hund einen kurzen Moment der Freiheit bevor er einen scharfen Pfiff ausstieß und Filou somit an seine Seite rief. 
Mit einer hochgezogenen Augenbraue sah er zu Isabel hinüber. "Vermutlich wird die Dame mir nachher wieder in den Ohren liegen. Aber so ist das nun mal." William zuckte mit den Schultern. Man konnte wahrscheinlich einfach nur hoffen, dass die Kleine irgendwann ein klein wenig ruhiger werden würde - oder zumindest besonnener. "Sobald sie alt genug ist, werde ich mich nach einem passenden Lehrer umsehen. Ich denke es wäre nur gut für sie, wenn sie schon in jungen Jahren Lesen und Schreiben lernt. Dann hat ihr kleiner Kopf wenigstens einmal etwas zu tun." William grinste. Beatrice schien manchmal wirklich über zuquellen vor Energie. Und das obwohl sie noch so klein war. "Außerdem wird sie sicher irgendwann in Mathilde eine gute Gesellschaft finden." In der Tat setzte William sehr auf die Tochter von Eleonore, die gerade einmal ein Jahr jünger als Beatrice war. Schließlich war Henry auf Dauer kein Umgang für seine Tochter.

Isabel

"Ja, vielleicht wird das das Beste sein. Wenn sie sich darauf einlässt und ihren Lehrer nicht zur Verzweiflung treibt." Sie lächelte leicht. "Manchmal frage ich mich, wo sie das her hat. Warst du als Kind genauso? Ich jedenfalls nicht. Ja, Mathilde...ich weiß nicht recht, ob sie mit dem Sturkopf unserer Beatrice zurecht kommt, aber versuchen kann man es ja mal." 
Die beiden Pferde schritten gemütlich nebeneinander her. "Hier war ich noch nie.", stellte sie fest. Weiter vorne plätscherte ein Bach träge vor sich hin, es war ziemlich idyllisch, wenn man es so betrachtete. 
"Du?" 
Sicherlich. Er kannte den Wald gut, denn er ritt im Gegensatz zu ihr regelmäßig und oft auch in Henrys Gesellschaft. Einfach so oder eben zur Jagd. Apropos... 
"Wann ist eigentlich die nächste Jagd? Henry verzichtet doch normal nicht so lange auf seine Lieblingsbeschäftigung." 
Ihr Blick folgte Filou, der gerade Anstalten machte, sich Richtung Wasser zu begeben.

William

William lachte als er über ihre Worte nachdachte. "Wahrscheinlich wäre ich so gewesen, wenn mein Vater mich nicht bei jedem Ausrutscher zusammen gestaucht hätte." erklärte er Isabel und dachte an die teilweise recht rauen Erziehungsmethoden seines Vaters zurück. Letztlich musste er gestehen, dass es ihm nicht geschadet hatte, wahrscheinlich war wohl sogar eher das Gegenteil der Fall, doch er selbst hatte kein Interesse daran seine Kinder mit einer solch harten Hand großzuziehen. 
"Vielleicht sollte ich einfach jetzt schon anfangen mit Beatrice Französisch zu sprechen, dann hat sie etwas zu tun." schlug William grinsend vor, eher er sich etwas genauer umsah und schließlich nickte. 
"Stell dir vor, aber ich bin öfter hier." neckte er Isabel, die vermutlich ganze zwei Bäume aus diesem Wald kannte, so wenig wie sie hier war. 
Bevor er jedoch auf ihre letzte Frage antwortete, stieß er erneut einen etwas leiseren Pfiff aus und forderte Filou damit erneut auf an seine Seite zurückzukehren. Sie würden etwas weiter oben am Bach halt machen können und dort würden sowohl Filou als auch die Pferde etwas trinken können. 
"Henry ist im Moment ein wenig durch den Wind auf Grund der kurz bevorstehenden Geburt seines vierten Kindes. Man sollte meinen er habe sich mittlerweile daran gewöhnt, aber er ist schon wieder völlig von der Rolle." und das obwohl er andere Frauen mindestens so oft ansieht, wie seine eigene 
"Aber ich denke nach der Geburt wird sicherlich bald eine nächste Jagd stattfinden." William machte kurz eine nachdenkliche Pause und sah auf den Hund hinab, der artig neben ihm herlief. "Ich denke, ich werde dann Filou auch mit nehmen, sollte es soweit sein."

Isabel

Isabel nickte leicht. "Nun, vielleicht würde ein bisschen mehr Strenge unserer Tochter ganz gut tun. Aber es ist so schwer ihr etwas abzuschlagen. Wenn du mit ihr Französisch redest, könnte das ein #!?@#!* sein, möglicherweise aber auch das Gegenteil bewirken. Versuch es einfach, wie sie reagiert, sehen wir ja dann." 
Henry blieb ihr ein Rätsel, das musste sie gestehen. Manchmal war er so besorgt um seine Frau, um dann wieder einer hübschen Dame am Hof nachzusehen. Eleonore musste wahrlich hart im Nehmen sein. 
"Ich bin ehrlich gesagt ganz froh, dass wir erst beim zweiten Kind sind. Eine Schwangerschaft ist immer recht anstrengend, zumal mit einem Wirbelwind wie Beatrice um einen herum. Hast du eigentlich schon mit Henry oder Eleonore über unser Problem gesprochen?" 
Ihr Blick huschte von William zu Filou und wieder zurück. "Naja, warum nicht? Bisher macht er sich ja ganz gut. Wenn er wirklich ein guter Jagdhund ist, wird dein Cousin Augen machen, nicht." 
Ein Lächeln huschte über ihre Lippen.

William

William zog es vor zunächst den leichteren Teil zu beantworten. "Er wird sich schwarz ärgern." lachte er und ließ den Blick nach wie vor auf Filou verweilen bevor er dann doch zu Isabel hinüber sah. "Ich bin zuversichtlich, dass Filou gute Arbeit macht, sofern ihm der Wind nicht aus der falschen Richtung wehte." William schmunzelte bei dem Gedanken an seine Übungen mit dem Hund. Das Tier war mindestens genauso launisch wie seine Tochter. Allerdings vermochte er bei Filou wesentlich härter durchzugreifen, was mittlerweile erhebliche Früchte trug. 
Nachdem William einige Zeit in Schweigen verfallen war, sah er sich schließlich gezwungen Isabel auch auf ihre andere Frage zu antworten. "Mit Henry noch nicht" gestand er dann. "Aber mit Eleonore. Sie hatte vollstes Verständnis für unsere Überlegungen und riet mir, wir sollten am besten länger in Frankreich bleiben." William grinste bei dem Gedanken an seine Unterhaltung mit der Königin. Es war seit langem Mal wieder ein längeres Gespräch unter vier Augen gewesen. "Immerhin sei das Wetter dort besser als in England." fuhr William fort. Es hatte ihn nicht überrascht, dass Eleonore ihm dazu riet, schließlich kam sie selbst aus dem Poitou und liebte ihre Heimat nach wie vor.

Isabel

"Ja, Eleonore wird wohl gut verstehen können, in welcher Lage wir uns befinden. Ich glaube, dann wird es wohl das Beste sein, wenn wir länger bleiben. Falls Henry nichts dagegen einzuwenden hat. Ich möchte ungern allein bei deinen Verwandten bleiben, weil er dich braucht, dann würde ich lieber gleich in England bleiben." 
Sie hoffte, dass Henry auch zustimmen würde. Es war die einzige Möglichkeit in Williams Nähe zu sein und sich gleichzeitig nicht zu gefährden. Mit einem Seufzer richtete sie sich etwas gerader auf. 
Dieses Gespräch hätten sie auch Zuhause führen können, befand sie, wenn auch Beatrice wohl in der Nähe gewesen wäre. Trotzdem, dieser Ausritt war recht unnötig und auch, wenn die Atmosphäre recht angenehm war, sie hätte darauf verzichten können. Sie tat das nur ihm zuliebe und auch deshalb, weil er dann nicht mehr argumentieren konnte, dass sie ihn ja nie begleitete.

William

"Er wird wohl nicht umhin kommen, mir zu erlauben länger bei dir zu bleiben. Schließlich glaube ich nicht, dass er sich sowohl mit mir als auch mit seiner Frau überwerfen will. Und Eleonore sagte mir bereits ihre Unterstützung zu." William zwinkerte Isabel aufmunternd zu. 
Wenn es nach ihm ginge, war es absolut kein Problem, dass sie noch länger im Süden verweilten. Er hatte sowohl im Anjou als auch im Poitou Verwandschaft bei der sie sicher unterkommen würden und da er selbst seit jungen Jahren immer längere Zeit in Frankreich verbracht hatte, war es für ihn wie ein zweites zu Hause geworden. 
Allerdings wusste er auch, dass Isabel wohl nicht allzu glücklich mit dem Gedanken war. "Aber letztlich liegt es bei dir, Isabel. Du musst entscheiden, wie lange du dich wo aufhalten möchtest. Wenn du lieber hier in England bleiben möchtest, kann ich das verstehen." er machte eine kurze Pause, um seine Worte noch etwas mehr zu betonen. "Und auch in dem Fall werde ich alles tun, was in meiner Macht steht, um so viel wie möglich bei euch zu sein."

Isabel

"Nein, bei so bedeutender Unterstützung wird Henry sich hüten, irgendetwas verlauten zu lassen, dass dich zurück nach England beordert. Du weißt, dass ich gerne in England bin, aber im Winter ist das Wetter meist so schlecht, dass eine Überfahrt unmöglich ist. Ich würde gerne in deiner Nähe bleiben, also wird es wohl die Normandie sein. Und es ist mir egal, wo, solange ich dort nicht allzu lange allein in fremder Umgebung bleiben muss. Es behagt mir nicht, dass dort fast nur Fremde sein werden, aber irgendwie wird es schon gehen. Unser Kind hätte sich wahrlich einen besseren Zeitpuntk aussuchen können, aber es wird schon werden." 
Ob Henry jemals auf die ständige Anwesenheit seines Cousins verzichten können würde? Ein Leben auf einem ruhigen Landgut würde ihr sehr zusagen, aber das war wohl ein Wunschtraum. 
"Manchmal wünschte ich, wir hätten ein bisschen mehr Ruhe. Aber vielleicht wird es den Winter über ja besser. Und wenn wir wirklich länger bleiben, bist du deine Aufgaben auch für eine Weile los und wir haben ein bisschen mehr Zeit für uns. Allein dafür würde es sich wirklich lohnen, wenn man so darüber nachdenkt." 
Isabel lächelte versonnen und vergaß für einen Moment, wie gern sie einen Moment vorher noch in der Burg gewesen wäre.

William

"Zumindest der Frühling wird nur uns gehören." versprach William und nahm sich auch fest vor es so zu halten. Sobald der Hof wieder nach England reisen würde, war er von seinen Aufgaben vorerst befreit. Er würde mit Isabel und Beatrice in Frankreich bleiben und irgendwann, sobald sie zu viert waren, würden sie wieder nach England reisen. 
Zwar würde die Zeit, die er dann noch für seine Familie haben würde, erneut verschwindend gering werden, aber zunächst freute er sich einmal auf die Wochen, die er nur mit seinen Liebsten und ohne Verpflichtungen verbringen konnte. 
"Ich freue mich jetzt schon drauf. Vielleicht ist der Zeitpunkt, den unser Kind gewählt hat, in gewisser Weise doch sehr günstig." William lächelte zufrieden und deutete dann nach vorn. "Lass uns dort vorne kurz Pause machen. Ich glaube Filou würde gerne einen Abstecher ins Wasser machen und wir können derweil die Pferde trinken lassen." 
William hatte die Zügel bereits eine Hand vor gegeben und Cuivre machte den Hals länger. Der Hengst schien den ruhigen Ritt durchaus zu genießen.

Isabel

"Das stimmt. Ein bisschen Zeit für uns ist das Beste, was uns passieren konnte. Ja, eigentlich ist der Zeitpunkt nicht so schlecht, wie ich anfangs dachte. Vielleicht ist das ja ein Zeichen, dass es ein Sohn wird." 
Sie lächelte nun wesentlich besser gelaunt. Auch die Aussicht auf eine Pause, während der sie aus dem Sattel kommen würde, war äußerst verlockend. Filou vollkommen nass allerdings nicht. 
"Dann darfst du aber den Hund bewachen, bis er trocken ist, wenn wir zurück sind. Nass kommt er mir nicht zurück in unsere Gemächer.", erwiderte sie süßlich und grinste dann. 
"Oder du musst ihn scheren. Wobei ich nicht glaube, dass eine Kurzhaarfrisur ihm stehen würde." 
Ihre Stute schnaubte leise und streckte sich ebenfalls ein wenig mehr, ihre Schritte ein bisschen erweiternd, da das Wasser näher kam. 
Das Zwischenziel erreichend ließ sich Isabel aus dem Sattel gleiten und seufzte leise. Die Schimmelstute machte sich schon fröhlich auf den Weg um etwas zu trinken. Isabel sah sich um. Ein umgestürzter Baumstamm lag da, es war ein sehr idyllisches Plätzchen, das musste sie zugeben.

William

William half Isabel aus dem Sattel, nicht weil sie Hilfe brauchte, sondern weil er es gerne tat. Er legte seine Arme um ihre Hüften und gab ihr einen Kuss auf die Wange. "Ein Sohn wäre wirklich schön." murmelte er und strich über den flachen Bauch, der bald beginnen würde zu wachsen. 
Erst dann ließ er den Blick schweifen - und realisierte plötzlich wo sie waren. William hatte nicht erwartet, dass es ihm so ergehen würde. Schließlich war es schon fast vier Jahre her, dass er mit Joanna hier gewesen war. Und er war auch auf seinen Ausritt und der ein oder anderen Jagd hier gewesen seit er mit Isabel verheiratet war. 
Doch heute traf ihn die Erinnerung wie ein Faustschlag in den Magen und er musste sie beharrlich bemühen sich nichts anmerken zu lassen. 
Verdammt, wieso hatte er auch ausgerechnet hier anhalten müssen? Hätte er nicht einen Platz weiter oben am Fluß wählen können? 
Um sich von dem Gedanken abzulenken, griff er Isabels letzte Worte auf, unbeachtet der Tatsache, dass seine Antwort nun reichlich spät kam. 
"Aber er ist doch wirklich nur mit langem Fell unser Fellmonster. Und du musst gestehen, dass du ihn doch genau deshalb so gern hast." versuchte er Isabel zu necken.

Isabel

"Ich weiß. Aber vielleicht meint Gott es ja gut mit uns und Beatrice bekommt ein Brüderchen. Wenn es so ist, wie wird er heißen?" 
Isabel entging sein langes Zögern nicht und es irritierte sie. Manchmal hatte er solche Aussetzer und sie konnte es nicht erklären. 
"Alles in Ordnung? Fühlst du dich nicht gut?" Die Art, wie er plötzlich versuchte an das Gespräch anzuknüpfen war doch ein wenig verdächtig. Andererseits hatte er ihr nie Grund gegeben an ihm zu zweifeln. Sie vertraute ihm und, das hatte sie feststellen müssen, irgendwie liebte sie ihn auch. Es war eine arrangierte Ehe gewesen, aber sie war ausgesprochen glücklich geworden. 
Das war der Grund, warum sie auf das Gespräch weiter einging und seinen halbherzigen Versuch über sie zu spötteln mit einem Lächeln bedachte. 
"Und was sagt dir, dass ich ihn überhaupt gern hab? Filou ist und bleibt ein Hund. Er ist ein Fellmonster, wohl wahr, aber eure Zuneigung teile ich wirklich nur bedingt. Aber da Beatrice so viel an ihm liegt, finde ich mich damit ab."

William

William wusste nicht worauf er zuerst antworten sollte. Es kam ihm so vor als würden seine Gedanken nur äußerst langsam, regelrecht zäh durch seinen Kopf fließen und es fiel ihm trotzdem schwer einen einzelnen festzuhalten. 
"Ich" begann er langsam, brach dann aber wieder ab als ihm bewusst wurde, dass er gar nicht wusste, was er hatte sagen wollen. Dann atmete er tief durch und stützte sein Kinn leicht auf Isabels Schulter ab, um darüber hinweg zu sehen. Er konnte Isabel schlecht erzählen, was genau er alles mit diesem Ort verband, doch er fühlte sich noch schlechter bei dem Gedanken ihr alles zu verschweigen und ihr nichts darüber zu erzählen. 
"Ich verbinde einige alte Erinnerungen mit diesem Ort und mir war bis eben gar nicht richtig bewusst, dass wir gerade hier angehalten haben." gestand er dann umsichtig. Er konnte nach wie vor nicht einschätzen wie Isabel reagieren würde, sollte er ihr die gesamte Wahrheit erzählen. Und das machte seine Miesere nur noch schlimmer. 
Erneut versuchte er sich an einer anderen Antwort - nicht, um Isabel nichts weiter erzählen zu müssen, sondern vielmehr um nicht selbst weiter darüber nachdenken zu müssen. 
"An was für einen Namen hast du denn gedacht?" fragte er deshalb.

Isabel

Isabel konnte förmlich spüren, wie er um eine Antwort rang und verstand deshalb, dass er offenbar nicht darüber reden wollte. Sie fand es schade, dass er ihr in diesem Punkt nicht vertraute, aber es hatte sicherlich keinen Sinn ihn zu drängen und womöglich noch einen Streit anzuzetteln, weil sie sich einmischte. 
Das musste nicht sein. Er würde sicherlich gute Gründe haben. Dass er etwas zu verbergen hatte, konnte sie sich nur schwerlich vorstellen. Also seufzte sie nur leise und nickte. 
"Keine guten Erinnerungen, scheint mir. Aber wenn es dich schmerzt, können wir ja einen anderen Platz zum Rasten suchen, wenn dieser hier auch sehr schön ist." 
Ein fragender Blick, ehe sie nahtlos auf seinen Themawechsel einging. Eigentlich wusste sie die Antwort gar nicht. 
"Ehrlich gesagt, noch an nichts. Ich habe noch nicht viel darüber nachgedacht. Wenn wir nach meiner Familie gingen, müsste er ebenfalls William heißen. Ich schätze, wir dürfen für alles offen sein."

William

William biss sich auf die Unterlippe. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund machte es ihm die Sache nur noch schwerer, dass Isabel Verständnis zeigte und ihn nicht weiter drängte. 
"Ich weiß nicht wie ich es dir erzählen soll. Ich dachte, das wäre eine Sache mit der ich bereits endgültig abgeschlossen hätte, zumal es nun schon so lange her ist. Aber ..." er ließ den Satz unvollendet. Wenn er doch nur wüsste, wie er es richtig in Worte fassen sollte. 
Es war so lächerlich. Sonst wusste er immer ganz genau was er sagen sollte. Ganz egal in welche Lage und auf was für aufregenden Neuigkeiten er reagieren musste, William of Cornwall war dafür bekannt nie um eine Antwort verlegen zu sein. 
Doch Isabel gegenüber wurde er zögerlich. Es lag ihm zufiel an ihrem Urteil und an ihrer Reaktion als dass es ihn kalt gelassen hätte. 
"William ist allerdings ein guter Name." warf er dann eher unvermittelt mit einem schwachen Grinsen ein und küsste seine Frau liebevoll.

Isabel

Isabel seufzte leise. „Das ist er, aber ich halte wenig davon, Vater und Sohn gleich zu benennen. Und du lenkst schon wieder ab.“ 
Sie beschloss, dass es nun genug mit den Heimlichkeiten war und nahm seine Hände. „Hör zu, William. Wir sind über drei Jahre verheiratet und ich hatte nie Geheimnisse vor dir. Ich gestehe dir zu, dass du nicht darüber mit mir reden willst, aber frag dich doch selbst: ist es so schlimm, dass es weiterhin zwischen uns stehen soll? Ich kann kaum glauben, dass du irgendetwas so Verwerfliches getan haben sollst, dass du es mir nicht sagen kannst. Immer wieder kommen solche Situationen wie eben vor und ich frage mich, was solche Macht über dich hat, wenn es doch schon lange her ist. Aber ich habe geschwiegen. Ich wünschte, du würdest mir ein bisschen mehr vertrauen, aber ich dränge dich nicht. Ich will nur sagen, dass du mit mir sprechen kannst, wenn du das willst. Ich bin glücklich bei dir, das weißt du. Du weißt alles über mich, aber ich habe das Gefühl, es gibt einen Teil von dir, den du sorgsam verbirgst. Ist etwas vorgefallen?“ Es war gut, es endlich ausgesprochen zu haben. Nun konnte er entscheiden, was er tun wollte.
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GreyStorm



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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   So Aug 02, 2015 7:01 pm

William

William atmete geräuschvoll aus und senkte für einen Moment die Augen, um seine Gedanken zu ordnen und einen vernünftigen Anfang zu finden. 
"Erinnerst du dich daran, dass ich gesagt habe, ich hätte vor unserer Heirat eigentlich ganz andere Pläne gehabt?" es war eher eine rhetorische Frage und so fuhr William fort bevor Isabel zu einer Antwort ansetzen konnte. 
"Um genau zu sein hatte ich sehr konkrete Pläne. Heiratspläne, die ich meinem Vater hatte unterbreiten wollen, sobald ich aus der Normandie wieder zurück nach England gekommen wäre." William war über sich selbst überrascht, dass seine Stimme fest klang und nicht wie er erwartet hatte am Zittern war. 
"Wäre mein Vater mir mit seinen Plänen nicht zuvor gekommen, hätte ich alles daran gesetzt, die meinen umzusetzen." William sprach bewusst nicht aus, dass er Isabel nicht hatte heiraten wollen, denn das erschloss sich aus seinen Worten ohnehin. Da musste er es nicht auch noch in Worte fassen. Was ihm ohnehin schwer gefallen wäre, denn seine Meinung hatte sich seit dem in einigen Punkten drastisch geändert. Er liebte Isabel und war ausgesprochen glücklich mit ihr. 
Und doch konnten ihn die Gedanken an Joanna an manchen Tagen und Orten doch nicht loslassen. 
"Und hier haben wir ebenfalls einmal Rast gemacht." setzte er dann mit gedämpfter Stimme hinzu.

Isabel

Isabel hörte schweigend zu, bis er geendet hatte und machte sich selbst ein Bild. Etwas in dieser Art hatte sie fast erwartet, sie hatte es schon damals geahnt, als er ihr gesagt hatte, dass er eigentlich andere Pläne gehabt hatte. Nur wie konkret sie gewesen waren, hatte sie nicht gewusst. William hatte sie nicht heiraten wollen. Er hatte eine Andere geliebt und doch verzichtet, sicher darunter gelitten. Und trotzdem war er ihr an ihrer Seite nicht unglücklich erschienen. 
"Und trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass du unglücklich mit mir bist. Also wird es wohl gut sein, wie es jetzt ist. Es ist schon lange her. Denkst du oft an sie? Was ist aus ihr geworden?" 
Über drei Jahre waren sie nun verheiratet. Drei Jahre, in denen sie viel geteilt hatten und nicht zuletzt Beatrice hatte sie zusammengeschweißt. Sie hatte nie wirklich das Gefühl gehabt, dass er an eine Andere dachte, also glaubte sie daran, dass er sich wirklich nur dann und wann erinnerte. Vielleicht hatte dieser ort eine besondere Bedeutung. 
Rast gemacht...was wohl hier geschehen war?

William

Ein ganzer Teil der Last fiel von William ab als Isabel seine Erklärung so ruhig aufnahm und sogar zu seinen Gunsten sprach. Sie war und blieb einfach eine wunderbare Frau. 
"Mal mehr, mal weniger. Anfangs natürlich regelmäßig, mittlerweile nur noch ab und an. Es gibt einfach Dinge, die mich an sie erinnert und an machen Tagen wecken sie so einiges von dem ich dachte, ich hätte es vergessen." erklärte er dann langsam. "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was aus ihr geworden ist. Sie war es" nun wurde seine Stimme doch wieder leiser. "die am Tag unserer Vermählung den Hof verlassen hat." 
Wenn er sich nun so reden hörte, kam er sich auf ganzer Linie schäbig vor. Joanna gegenüber, dass er sie regelrecht hatte Fallen lassen, kaum das sein Vater Druck ausübte und Isabel gegenüber, dass er ihr anfangs gar nicht hatte gerecht werden können, da seine Gedanken noch um Joanna keisten, und vor allem dass er ihr da bis jetzt verschwiegen hatte. 
Er streckte die Hand nach ihr aus und legte sie an ihre Wange, fuhr mit dem Daumen sachte über ihre Haut. Sollte nicht eigentlich nur das Jetzt zählen?

Isabel

"Oh. Das macht natürlich Sinn. Damals kam es mir merkwürdig vor, dass du einfach eine Hofdame verabschieden wolltest, aber wenn man die ganze Geschichte kennt...Verständlich, dass sie gegangen ist. Und wohl auch besser so. Du hättest dich mit ihr in der Nähe nie wirklich auf mich eingelassen, glaube ich. Um ehrlich zu sein bin ich froh darum, dass sie fort ist." 
Das mochte zwar nicht sehr nett erscheinen, aber eine gewisse Eifersucht flackerte eben doch auf. Wer war diese Frau, die ihrem Mann so den Kopf verdreht hatte und seine Gedanken immer noch zu fesseln wusste? 
"Aber das ist die Vergangenheit. Wir sind jetzt glücklich. Und so soll es bleiben." Sie lächelte leicht. "Jetzt bist du Mein." 
Sie schloss unter seiner Berührung die Augen. "Ich bin froh, dass du es mir jetzt erzählt hast, William. Ich wusste immer, dass da etwas war, wenn du solche Aussetzer hattest wie eben. Nur wusste ich nie, woran es lag." 
Sie seufzte zufrieden. 
"Hm, meinst du, Beatrice ist heute gnädig?"

William

Um ein Haar wäre er bei ihren Worten zusammen gezuckt. Aber sie hatte natürlich recht. Es war Joannas Entscheidung gewesen zu gehen und er hätte sie damals am liebsten daran gehindert, doch nach und nach hatte auch er sich eingestehen müssen, dass es vermutlich nicht funktioniert hätte, wenn sie sich beide jeden Tag über den Weg gelaufen wären. 
Dankbar zog er Isabel an sich und legte seine Stirn an ihre. "Das bin ich wohl." murmelte er erleichtert. "Und du hast mich wirklich schnell von dir überzeugt." setzte er dann mit einem flüchtigen Grinsen hinzu. In der Tat hatte Isabel es ihm leicht gemacht, sich mit seinem Schicksal zu arrangieren und darüber hinaus sogar glücklich mit ihr zu werden. 
William musste lachen als er an ihre Tochter denken musste. Der kleine Wirbelwind war aber auch ein kleiner Sturkopf. 
"Vielleicht haben wir Glück. Ich denke sie wird schon noch etwas ruhiger, sobald sie etwas älter ist. Spätestens wenn sie noch ein Geschwisterchen bekommt, muss sie lernen damit umzugehen, dass sie nicht allein der Mittelpunkt ist."

Isabel

"In der Tat. Aber du hast es mir auch leicht gemacht. Du hast mich nie spüren lassen, was vorher war. Also lassen wir die Vergangenheit Vergangenheit sein. Wir haben jetzt unser eigenes Leben. Mit Beatrice. Und hoffentlich bald einem Sohn." 
Sie lächelte und legte die Arme um ihn. 
"Hast du ernsthaft Hoffnung, dass unser kleiner Wildfang ruhiger wird? Solange du es nicht übers Herz bringst strenger mit ihr zu sein, fürchte ich, kannst du darauf lange warten. Aber ich weiß, wie schwer das ist, wenn sie einen mit ihren großen Augen anschaut. Ich bin allerdings nicht sicher, wie sie reagiert. Wir müssten ihr vielleicht mal sagen, dass sie bald kein Einzelkind mehr ist. Vielleicht freut sie sich ja. Sie ist eigentlich noch zu klein um zu begreifen, dass sich dadurch viel ändert." 
Da hatte sie allerdings ebenfalls wenig Hoffnung. Beatrice würde spätestens wenn das Kind da war merken, dass sich ihre Sorge nicht mehr nur auf sie richtete. Aber es würde schon gehen. 
"Wir sollten vielleicht bald zurückreiten. Bevor die Amme einen Nervenzusammenbruch bekommt. Sie hat schließlich Filou nicht da um sie abzulenken."

William

William fühlte sich nun ungleich entspannter als zuvor, ein regelrechtes Gefühl der Erleichterung machte sich in ihm breit. 
"Ich liebe dich, Isabel." murmelte er gegen ihre Lippen bevor er sie mit den seinen verschloss. Er genoss den Kuss und gestattete sich damit die nächsten Sätze noch etwas hinaus zu zögern. 
"Warscheinlich hast du recht. Wir sollten es ihr früh genug erklären, vielleicht kann sie sich dann ja mit dem Gedanken anfreunden." William war sich allerdings nicht sicher, ob er darauf Hoffnungen setzen sollte. Er wusste selbst, dass er seiner Tochter nicht stets jeden Wunsch von den Lippen ablesen sollte, doch noch konnte er einfach nicht anders. Und er wusste nicht, ob Beatrice sich tatsächlich ein Geschwisterchen, möglicherweise sogar einen Bruder, wünschte. 
Dann verzog er kurz das Gesicht, grinste dann jedoch wieder. "Wie du meinst. Vielleicht sollte ich meinen Bonus bei der Amme nicht aufs Spiel setzen, es wäre besser sie bei Laune zu halten." Dann trat ein freches Funkeln in seine Augen und William sah Isabel herausfordernd an. 
"Und, war es denn so furchtbar ganz allein Zeit mit deinem Mann im Wald zuverbringen?"

Isabel

"Ich dich auch, William.", wisperte sie und schmiegte sich einen Moment lang enger in seine Arme. Ja, sie hatte es wahrlich gut getroffen. Ihr Vater hatte gut gewählt. Glücklicher hätte sie nicht sein können. 
"Möchtest du es ihr erklären? Vielleicht hört sie dir eher zu als mir." Denn im Gegensatz zu ihrem Mann legte sie oft die nötige Strenge an den Tag um Beatrice ein paar Grenzen aufzuzeigen. Das führte natürlich dazu, dass Beatrice ihren Vater umso mehr vergötterte. 
Trotzdem ließ sie sich von diesen Gedanken gern ablenken. Das war wieder William, wie sie ihn inzwischen gut kannte, immer einen spöttischen Kommentar auf den Lippen. 
"Nein, natürlich nicht. Eigentlich war das sogar angenehm, mal ohne die Kleine. Ich dachte nur, dass man das Glück nicht überstrapazieren sollte. Allerdings werde ich das nächste Mal nicht mit dir ausreiten, wenn wir uns ein paar Stunden stehlen können." 
Ein kleines Grinsen huschte über ihr Gesicht. 
"Das nächste Mal werde ich wohl ohnehin nicht mehr in der Lage dazu sein."

William

Dieses Mal musste William Henry zumindest in Gedanken um Verzeihung bitten. Er konnte nun deutlich besser verstehen, weshalb dieser auch bei der Geburt seines vierten Kindes noch so unruhig gewesen war. 
William hatte sich außnahmsweise einmal hingesetzt und starrte wie gebannt auf die Tür gegenüber. So als würde er möglicherweise verpassen, dass sie sich öffnete, wenn er auch nur eine Sekunde lang weg sah. 
Er war kein übermäßig frommer Mann, doch heute hatte er schon mehrfach zu Gott gebetete, ihn um eine leichte Geburt gebeten. Und um einen Sohn. 
Beatrice war bei der Amme, da er keine Ruhe hatte, um das Kind um sich zu haben. Zwar hatte sie die Nachricht über den Familienzuwachs gut aufgenommen, doch sie war einfach zu kribbelig als dass William sie nun hätte ertragen können. 
Er konnte sich selbst ja kaum leiden, wie er ständig auf und ab lief, sich ungeduldig setzte nur um gleich wieder aufzustehen. 
William fuhr sich mit der Hand übers Kinn und versuchte sich dann einzureden, dass alles gut ging und er sicherlich gleich Bescheid bekommen würde.

Isabel

Sie hatten ihren Plan in die Tat umgesetzt und waren auch nachdem der Hof nach dem Winter nach England zurückgekehrt war geblieben. Sie hatten Williams Verwandte aufgesucht, die sie gerne aufgenommen hatten, bis sie die Geburt gut überstanden hatte. 
Sie hatten auch nicht allzu lange warten müssen. Pünktlich im Mai hatten die Wehen eingesetzt und Isabel hoffte, dass es ein Sohn wurde. 
Die Geburt war ein wenig leichter als bei Beatrice, fand sie, dauerte aber dennoch einige lange Stunden. 
Als sie es schließlich geschafft hatte, hörte sie bald durch das Geschnatter der Frauen um sie herum, dass es wirklich ein Sohn war. Und sie war überglücklich... 
Williams Tante Sophia hatte ihr ebenfalls beistehen wollen und übernahm nun die Aufgabe, ihrem neffen von seinem Vaterglück zu berichten. Sie trat durch die Tür und lächelte ihn an. 
"Du hast einen Sohn, William. Und deine Frau und er sind wohlauf. Komm, Neffe, du kannst zu ihr." 
Sie deutete mit einer einladenden Geste zur Tür.

William

William schloss für einen Moment die Augen und spürte wie das Blut immer schneller durch seine Adern jagte, als er die wunderbaren Neuigkeiten hörte. 
Kaum hatte er die Augen wieder geöffnet war er auch bereits auf den Beinen und eilte an seiner Tante vorbei durch die Tür, die ihm bisher verschlossen gewesen war und nun das einzige war, das ihn noch von seiner Frau und seinem Sohn trennte. 
Kaum hatte er den Raum betreten, trat eine Hebamme lächelnd an ihn heran und übergab ihm das Neugeborene, dass in so viele Tücher gewickelt war, dass man nur das kleine Gesicht sehen konnte. "Es ist ein gesunder, wunderschöner Junge, Mylord." verkündete sie beinahe feierlich als William seinen Sohn in den Arm nahm. 
Er hätte nie erwartet, dass seine Freude noch größer sein könnte, als sie es bei Beatrice gewesen war. Und doch schien er vor Freude fast zu bersten. Er hatte einen Sohn. 
Als William sich an Isabels Bett niederließ, konnte er gar nicht mehr aufhören zu grinsen. Vorsichtig übergab er den Jungen an seine Mutter. 
"Da ist er also nun, unser kleiner Erbe." murmelte William und küsste Isabels Stirn mit einem zufriedenen Lächeln.

Isabel

Isabel lächelte glücklich, als sie schließlich ihren Sohn im Arm hielt. "Ja. Unsere Hoffnung hat sich erfüllt und Eleonore hat uns offenbar wieder Glück gebracht." 
Sie seufzte zufrieden. "Und bald können wir zurück nach England reisen." 
Der Winter war ihr lang geworden und sie sehnte sich nach Zuhause. Doch die Überfahrt würde einmal mehr äußerst strapazierend für ihre Nerven werden, denn Beatrice war vollkommen fasziniert vom Meer und allem, was mit dem Schiff zu tun hatte. Damit sie der Mannschaft nicht fortwährend auf die Nerven ging, mussten sie sie im Auge behalten. Aber wenigstens hatten sich nun all ihre Wünsche erfüllt, ihr Glück war vollkommen. Sie hatte es geschafft, ihrem mann einen gesunden Erben zu schenken. Alles war gut. 
Und in ein paar Tagen, wenn sie sich erholt hatte, würden sie auf dem Weg nach England sein. Ihr Vater würde fast platzen vor Stolz . 
Bei diesen Gedanken erhellte erneut ein Lächeln ihre Züge. 
"Wie soll er heißen, William?" 
Sie hatten seit jenem Tag im Wald nicht mehr darüber gesprochen.

William

William strich Isabel liebevoll durch die goldenen Locken, den Blick immer wieder zwischen ihr und seinem Sohn hin und her wandernd. "Es sind wirklich gute Neuigkeiten, die wir dann mit nach England nehmen." murmelte er, bevor er den Blick gänzlich auf seinen jüngsten Spross richtete und nachdenklich die Stirn runzelte. 
Er hatte schon öfter über einen Namen nachgedacht, sich aber noch nicht festlegen wollen, so lange das Kind noch nicht auf der Welt war. Nun musste er nur noch kurz überlegen bis er sich entschied. "Ich denke Robert wäre ein ausgesprochen guter Name. Was meinst du?" 
Der Name seines Onkels hatte sich William immer wieder aufgedrängt und er fand ihn auch in diesem Moment äußerst passend. Sollte sein Sohn auch nur annähernd einen solch guten Charakter bekommen wie sein Namensvetter, wäre William bereits mehr als stolz. 
Sein Onkel hatte ihm stets das geboten, was er von seinem Vater nicht erwarten konnte und hatte ihn immer unterstützt, fast als wäre William sein eigener Sohn. Und das obwohl Robert of Gloucester auch bereits mehrere Kinder besaß.

Isabel

"In der Tat, das sind sie. Unsere Väter werden überaus stolz sein auf ihren Enkel. Robert ist ein guter Name. Nach deinem Onkel, nicht wahr?" 
Sie lächelte leicht und strich ihrem Sohn zärtlich über die Wange. 
"Und ich bin froh, dass wir bald nach Hause können. Ich vermisse England." 
Isabel war erschöpft, aber sie konnte einfach nicht aufhören ihren Sohn anzusehen, der friedlich in ihren Armen eingeschlummert war. 
Robert sollte er also heißen. Es war ein guter, starker Name und sie hatte absolut keine Einwende. 
Sie wusste, dass William sich mit seinem Onkel gut verstanden hatte, mehr sogar als das. Es war ihr nur recht, wenn William damit eine weitere Verbindung knüpfte. 
Sie lächelte erneut mit einer Spur Müdigkeit. 
"Mit ein bisschen Ruhe bin ich bald wieder auf den Beinen. Willst du Beatrice vielleicht ihren kleinen Bruder zeigen?" 
Wie ihr kleines Mädchen wohl reagieren würde? Sie hatte sich bisher gefreut und war vor allem in letzter Zeit ein wenig anschmiegsamer als sonst gewesen.

William

William nickte und für einen Augenblick zeichnete sich ein wehmütiges Lächeln auf seinen Lippen ab. "Er war ein guter Mann. Und mir oft mehr Vater als mein eigener es war." antwortete er mit gedämpfter Stimme. Sein Onkel war mittlerweile bereits über 10 Jahre tot und doch dachte William noch oft genug an Robert of Gloucester und alles was dieser ihn gelehrt hatte. 
Dann wandelte sich das traurige Lächeln zu einem begeisterten Grinsen. "Das werde ich. Ich werde den Kleinen mitnehmen, dann kannst du dich ausruhen. Ich schätze Beatrice wäre jetzt eher von Nachteil für deine Ruhe." eine Augen funkelten amüsiert bei der Vorstellung seine Tochter würde hier herum toben. Auch wenn die kleine Beatrice in letzter Zeit ein klein wenig ruhiger gewesen war, strotze sie noch immer vor überflüssiger Energie, die sie bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit heraus ließ. 
William nahm Isabel das kleine Bündel wieder ab und sah auf seinen Sohn hinunter. Dabei konnte er nicht verhindern, dass seine Augen vor Stolz leuchteten und er nicht aufhören konnte zu Grinsen.

Isabel

Inzwischen war ein Jahr vergangen und Isabel und ihr Familie befanden sich längst wieder in England. Robert war vor Kurzem ein Jahr alt geworden und entwickelte sich prächtig. Beatrice war ein klein wenig ruhiger geworden, aber ein Energiebündel war sie geblieben. 
Isabel erwartete dieser Tage ihr drittes Kind, vor wenigen Tagen hatte sie es ihrem Mann gesagt. Sie war glücklich, sehr glücklich.... 
Gerade saß sie im Garten, den kleinen Robert auf dem Schoß und beobachtete Beatrice, die mit Filou spielte und tobte. 
Ihr Blick huschte hinüber zu den Stallungen, als ein Reiter sich näherte. Sie konnte das Wappen nicht erkennen, aber irgendwie fühlte sie, dass er wichtige Nachrichten brachte. 
Doch sie brauchte sich darum erst einmal nicht zu kümmern, wenn er Nachrichten für ihre Familie brachte, würde der Bote ohnehin William aufsuchen. Sie hoffte nur, dass es nichts Schlimmes war.

William

William hatte gerade noch einmal mit Geoffrey auf dem Trainingsplat geübt. Der Junge hatte sich in der letzten Zeit gut gemacht und William bedauerte fast ein wenig, dass er nun bald seine geistliche Laufbahn beginnen und in die Obhut des Erzbischofes von York übergeben werden würde. 
Allerdings hatte Henry mittlerweile bereits drei Söhne mit Eleonore, die - im Gegensatz zu Geoffrey - als legitime Erben galten. Der ältste der drei war der vierjährige Henry, der in letzter Zeit dazu übergeganen war seinem Halbbruder beim Training mit William zuzusehen wann immer es ihm möglich war. 
Nachdem William Geoffrey nun entlassen hatte und sich auch von Henry hatte befreien können, war er auf dem Weg in den Garten, um die wenige freie Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. Beatrice blühte immer mehr auf und ließ sich langsam auch hin und wieder bändigen und Robert war mittlerweile ein Jahr alt und begann die Welt um ihn herum zuerkunden soweit seine Beinchen es zuließen. Und um sein Glück perfekt zu machen, hatte Isabel ihm erst vor kurzem eröffnent, dass sie erneut schwanger war. 
"Na meine Lieben, genießt ihr die Sonne?" mit bester Laune gesellte William sich zu seiner Familie und ließ sich nach einem Begrüßungskuss neben Isabel nieder. "Und wen haben wir denn da." murmelte er lächelnd als Robert ihm die kleinen Ärmchen entgegen streckte und er ihn auf den Arm nahm. 
Dass ein Bote eintraf, registrierte William nur aus dem Augenwinkel und dass er sogar das Wappen seines Vaters trug, bemerkte er erst als der Bote auf ihn zusteuerte.

Isabel

Isabel lächelte, als William sich zu ihnen gesellte und die Gedanken, die sie vorher noch beschäftigt hatten, verflüchtigten sich rasch. "Sicher, man muss das schöne Wetter doch ausnutzen." 
Gerne übergab sie ihren Sohn an seinen Vater und Robert zeigte sein strahlendes Lächeln, das ihn so liebenswert machte. 
"Wie war das Training? Wie stellt sich Geoffrey an?" fragte sie schließlich interessiert und warf einen prüfenden Blick zu Beatrice und Filou. Die Beiden musste man ständig im Auge haben, damit sie keine Dummheit anstellten. 
Dann entdeckte sie, dass der Bote tatsächlich auf sie zusteuerte und bei näherem Hinsehen erkannte auch Isabel das Wappen von Williams Vater. Sofort war sie beunruhigt. Was hatte das zu bedeuten? Sie sollte es bald erfahren. 
Der Mann verbeugte sich höflich. "Mylady...Mylord...Ich bringe Kunde von Eurem Vater, Mylord. Der Earl of Cornwall ist schwer erkrankt. Ich denke, Ihr solltet nach Cornwall reiten. Die Ärzte konnten noch keine gute Prognose abgeben, als ich fortgeritten bin um Euch zu benachrichtigen...."

William

William hatte sich ganz seinem Sohn gewidmet und wollte gerade zu einer Antwort auf Isabels Frage ansetzen als der Bote sie erreichte. 
Seine Worte ließen William mitten in der Bewegung inne halten und für einen Augenblick hatte er das Gefühl, sein Herz würde für mehrerer Schläge aussetzen. 
William biss die Zähne aufeinander und sein Blick, der gerade noch die pure Lebensfreude ausgestrahlt hatte, verfinsterte sich. "Seit wann?" war die knappe Frage, die er an den Boten stellte. Robert, der nur begriff, dass sein Vater plötzlich aufhörte mit ihm zu spielen, sah verwundert zu dem Boten hinüber und zog dann an Williams Tunika, um die Aufmerksamkeit seines Vaters wiederzuerlangen. 
"Vor einigen Tagen begann er über Unwohlsein zuklagen, Sir. Und als er mich losschickte, war es der zweite Tag an dem er das Bett nicht verlassen konnte." berichtete der Mann und musterte William mit einem Blick als würde er gleich einen tätlichen Angriff erwarten. 
William spürte wie sich alles in ihm zusammen zog, als er Robert an Isabel zurück gab und sich erhob. 
"Ich danke dir für die schnelle Benachrichtigung. Lass mein Pferd satteln und ruh dich dann selbst hier so lange aus wie es nötig ist." William starrte auf seinen Sohn hinab. "Ich werde sofort aufbrechen."

Isabel

Isabel folgte dem Gespräch aufmerksam und zunehmend besorgt. Das klang wirklich nicht gut. Sie hoffte, dass der Earl wieder gesund werden würde, denn sollte er sterben, kam noch weitaus mehr Verantwortung auf William zu als bisher. Er schuldete es seinem Vater nun hinzu reiten, aber sie würde, obwohl sie gerne an seiner Seite gewesen wäre und ihm beigestanden hätte, mit den Kindern hierbleiben müssen. 
Isabel erhob sich ebenfalls, Robert auf dem Arm und sah ihren Mann einen Moment lang schweigend an, als der Bote sich abgewandt hatte. Langsam legte sie die freie Hand an seine Wange. 
"Pass auf dich auf, ja? Und verlier nicht die Hoffnung, noch ist nichts verloren. Ich werde für deinen Vater beten. Hoffentlich kannst du bald zurückkommen...." 
Sie versuchte sich an einem aufmunternden Lächeln und küsste ihn noch einmal zum Abschied, während Robert sich weiter an sie klammerte und die veränderte Stimmung irgendwie zu spüren schien, so wie er sie mit verständnislosem Blick ansah. Isabel seufzte leise.
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GreyStorm



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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   So Aug 02, 2015 9:24 pm

William

William nickte steif, brachte jedoch zunächst kein Wort über die Lippen. Zu hektisch waren seine Gedanken, um irgendetwas fassen zu können. 
Wenn sein Vater nach ihm schicken ließ, weil er erkrankt war, verhieß das absolut nichts Gutes. Im Gegenteil. Der alte Sturkopf hatte sich noch nie gern eine Schwäche eingestanden und es wollte somit schon etwas heißen, wenn er ans Bett gefesselt war. 
Die Vorstellung sein Vater könne aus dem Leben scheiden, lag schwer wie ein bleierner Kloß in Williams Magen. Es war das erste Mal seit ewigen Zeiten, dass sich die Panik Williams Gedanken zu bemächtigen drohte und nur mit Mühe konnte er sich zusammenreißen. 
"Ich hoffe nur, dass ich euch nicht bald einen weiteren Boten schicken muss." entgegnete William mit brüchiger Stimme. Es gab nur zwei Möglichkeiten, entweder sein Vater erholte sich wieder, dann würde William wieder selbst an den Hof zurückkehren können oder es trat das ein, was William am meisten fürchtete und sein Vater würde sterben. In diesem Fall würde William länger in Cornwall bleiben und sich um alles kümmern müssen. Und in diesem Fall würde er jemanden schicken, um Isabel mit den Kindern nach Cornwall zu holen.

Isabel

Isabel seufzte leise. "Ich hoffe das Beste." Unwillkürlich musste sie an jenes Gespräch denken, dass sie vor einigen Jahren geführt hatten. Über Williams Vater und was im Falle seines Todes passieren würde. William wäre nicht mehr so viel unterwegs, aber das wollte nun keiner von ihnen. Es würde sich einfach viel zu viel ändern. So konnten sie nur beten und hoffen, dass der Earl sich wieder erholen würde. 
"Nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst, auch, wenn du länger an seiner Seite bleiben musst. Aber sei trotzdem vorsichtig. Und bleib stark, William." Sie lächelte aufmunternd und löste sich dann von ihm, trat mit Robert auf dem Arm einen Schritt zurück. 
"Und nun reite...ich kann Henry oder Eleonore informieren, wenn du willst." 
Sie hätte wetten sollen, dass irgendwann so etwas passieren würde. Sie hatten in den fünf Jahren ihrer Ehe einfach viel zu viel Glück gehabt, als dass es auf ewig so bleiben konnte. 
Aber noch war ja nichts verloren. Noch war Williams Vater am Leben und vielleicht würde er sich erholen, schließlich war er bisher immer recht rüstig geblieben, trotz fortschreitenden Alters.

William

"Ich danke dir." murmelte William und wandte sich dann an Beatrice, um sich zu verabschieden. 
"Du passt gut auf deinen Bruder auf, versprochen?" die Kleine nickte mit möglichst ernstem Gesicht. William sah ihr allerdings an, dass sie nicht verstand was gerade passierte. Aber das war ihm momentan auch recht so, er hatte jetzt keine Ruhe, um sich darum zu kümmern. 
Er gab seiner Tochter einen Kuss auf die Stirn und wiederholte das ganze bei seinem Sohn. Dann wandte er sich noch einmal an Isabel. 
"Passt gut auf euch auf. Ich hoffe, dass ich bald mit guten Nachrichten zurück bin." zum Abschied gab er auch ihr noch einen letzten Kuss, dann wandte er sich mit mulmigem Gefühl im Magen ab und eilte Richtung Stallungen. 
Dort wartete bereits Geoffrey mit den Pferden und warf seinem Herrn einen unruhigen Blick zu. "Wisst ihr wie schlimm es um den Lord steht?" fragte er mit gedämpfter Stimme als William Uriels Zügel übernahm. 
Er antwortete erst nachdem er im Sattel saß und auch Geoffrey sich in den Sattel seines Pferdes schwang. "Ich weiß es nicht. Aber du kennst ihn, Geoffrey." 
Dieser nickte. "Wenn er nach Euch schicken lässt, bietet das nicht all zu viel Grund zur Hoffnung." fasste er mit finsterer Miene Williams Gedanken zusammen und sprach das aus, was William nicht über die Lippen brachte. 
William nickte knapp und trieb dann seinen Rappen an.

Isabel

Zwei Wochen später hatte Isabel immer noch keine Nachricht erhalten und sie war nicht sicher, ob sie das positiv stimmen sollte. Die Kinder, vor allem Beatrice, vermissten ihren Vater sehr und auch Isabel wurde die Zeit lang. Sie hoffte, dass William bald zurückkommen würde. 
Allerdings sollte diese Hoffnung nicht erfüllt werden. 
Sie hatte gerade Robert, Beatrice und Filou nach Draußen gebracht, als ein Mann zielstrebig auf sie zusteuerte. Isabel ahnte nichts Gutes und ließ ihre Tochter mit dem Hund vorlaufen. 
"Mylady..." Sie neigte den Kopf und sah ihn abwartend an. "Ich muss Euch leider mitteilen, dass vor wenigen Tagen der Earl of Cornwall verstorben ist, Lady Isabel. Der neue Earl wünscht, dass ich Euch und die Kinder nach Cornwall begleite" 
Isabel schluckte. Also hatten sich ihrer beider Befürchtungen bestätigt. "Ich danke Euch. Ich werde alles Nötige veranlassen." 
Und einige Stunden später waren sie auf dem Weg. Isabel ritt ihre Stute, Robert hatte sie vor sich im Sattel sitzen und Beatrice, inzwischen recht sattelfest, hatte durchgesetzt den Weg auf ihrem Champagne zu reiten. Filou trottete eifrig nebenher. In wenigen Tagen würden sie wieder bei William sein und ihm beistehen können. Dann lag endlich der lange Ritt hinter ihr.

William

William fuhr sich mit leicht zittriger Hand über die Augen. Er war sich nicht mehr sicher, wie lange er schon hier saß und die Dokumente durchsah, in die er eine Einsicht haben musste, um die Geschäfte seines Vaters nahtlos aufzunehmen. 
Er realisierte, wie gut sein Vater ihn eigentlich auf diesen Tag vorbereitet hatte. William hatte schon genügend Dinge m Auftrag seines Vaters erledigt, dass er ziemlich genau wusste was er alles zu tun hatte. Und der Ordnungssinn seines Vaters erleichterten ihm die Sache zusätzlich. 
Trotzdem begann die Schrift langsam vor seinen Augen zu verschwimmen. William hatte in den letzten Tagen einfach zu wenig geschlafen, um sich jetzt noch viel länger konzentrieren zu können. 
Er hoffte nur, dass Isabel und die Kinder bald eintreffen würden. Die Beisetzung seines Vaters hatte vor zwei Tagen stattgefunden und auch wenn er sich Isabel an seiner Seite gewünscht hatte, war er doch gleichzeitig froh, dass ihr und den Kindern die Beisetzung erspart geblieben war. 
Es klopfte an der Tür und nachdem William den Ankömmling herein gebeten hatte, öffnete sich die Tür und einer der Diner trat zögerlich ein. "Ihr solltet eine Pause machen, Mylord. Ich habe Euch etwas zu Essen und Wein gebracht." der Mann klang nicht ganz so selbstsicher, wie seine Worte den Anschein hatten. William war sich sicher, dass Geoffrey ihn geschickt hatte, um William einmal zu etwas Ruhe zu drängen.

Isabel

Isabel ließ sich aus dem Sattel gleiten und schaute sich um. Das würde also ihr neues Zuhause sein? Sie seufzte leise, aber gewissermaßen erleichtert ihr Ziel endlich erreicht zu haben. Beatrice schmiegte sich müde an ihren Rock und rieb sich die Augen, nachdem Isabel ihr ebenfalls vom Pony geholfen hatte. 
Ihr Begleiter hatte sich als freundlich und zuvorkommend herausgestellt und hob Beatrice nun auf den Arm um sie zu tragen, während er Isabel und die Kinder zu William brachte. 
Als sie ihn schließlich sah, hielt sie sich nicht mehr zurück, sondern ging schnellen Schrittes auf ihn zu und legte den freien Arm um seinen Hals. 
"William....", flüsterte sie. "Es tut mir so leid. Aber ich bin froh, dass wir endlich wieder in deiner Nähe sind. Die Ungewissheit war schrecklich." 
Und sie hoffte, dass sie erst einmal hier bleiben würden, zumindest, bis das Kind da war. Noch mehr so lange Ritte wollte sie wirklich nicht unternehmen, zumal ihre Tochter unterwegs nicht immer sonderlich gut gelaunt gewesen war. "Wie geht es weiter?"

William

William hatte nicht mehr die Zeit gefunden sich frisch zu machen bevor Isabel mit den Kinder eintraf und so sah er noch genauso zerzaust aus, wie er seit heute morgen durch die Gegend lief. 
Allerdings war ihm das reichlich egal, er war einfach nur froh Isabel wieder in die Arme schließen zu können. Er legte seine Stirn gegen ihre und atmete geräuschvoll aus. 
"Es ist gut, dass ihr hier seid. Ihr habt mir gefehlt in den letzten Tagen." murmelte er und strich Robert über die rosige Wange. Es dauerte auch keinen Augenblick länger, da hing Beatrice bereits an seinem Bein. 
"Papa! Ich bin den ganzen Weg allein geritten!" verkündete sie, wenn auch nur halb so euphorisch wie sonst, da sie ganz offensichtlich fürchterlich müde war. "Ist das so?" William zwang sich zu einem Lächeln und strich seiner Tochter über die goldenen Locken. 
Dann suchte er wieder Isabels Blick. "Ich schätze ihr werdet es euch hier erst einmal bequem machen müssen. Vorerst bleiben wir hier. Ich werde sicherlich bald noch einmal an den Hof müssen, allerdings nur für ein bis maximal zwei Wochen, um das Nötigste mit Henry zu klären. Danach werden wir bis auf weiteres in Truro bleiben und ich werde sehen, wie es hier weiter geht."

Isabel

"Du uns auch. Ich habe mir Sorgen gemacht." Sie löste sich langsam von ihm, um ihn zu mustern. Wirklich gut sah er nicht aus und sie verstand ihn. Es war eine wahnsinnige Verantwortung, die er nun zu tragen hatte und sicherlich gab es viel Arbeit, nachdem er gerade seinen Vater verloren hatte. 
"Scheint mir kein schlechter Ort zum Leben zu sein, also werden wir uns wohl bald heimisch fühlen. Ich für meinen Teil bin froh erst einmal nicht mehr reiten zu müssen, damit bin ich schon glücklich." 
Sie lächelte leicht. 
"Wenn du uns zeigst, wo wir schlafen, bringe ich Beatrice und Robert ins Bett. Sie sind müde." 
Sie selbst natürlich auch, aber sie wollte lieber ein bisschen Zeit mit ihrem Mann verbringen, den sie die letzten Wochen hatte entbehren müssen. 
"Es ist also gekommen, wie wir befürchtet hatten. Nun musst du das Beste daraus machen." 
Vielleicht war es auch gar nicht so schlecht, er würde wohl mehr Zuhause sein als vorher und nicht mehr so viel für Henry unterwegs sein.

William

Ein müdes Lächeln zeichnete sich auf Williams Lippen ab. "Einer der Besten Orte." erklärte er mit einem Hauch von Stolz in der Stimme. William liebte sein zu Hause ohne Frage. Auch wenn er früh begonnen hatte, die Hälfte des Jahres in Frankreich zu verbringen und dann dazu übergegangen war mehr und mehr Zeit am königlichen Hofe zu verbringen so war dies hier immer noch seine Heimat. 
William fuhr sich erneut mit der Hand über die Augen und legte dann einen Arm um Isabel. "Komm, ich begleite euch und helfe dir, die beiden in die Betten zu stecken." 
Nur mit Mühe konnte er seinerseits ein Gähnen unterdrücken. Auch wenn er es nicht wahrhaben wollte, langsam forderte sein Körper einen Tribut ein. William war die letzten Wochen ständig auf den Beinen gewesen und hatte nur wenig Schlaf gefunden und langsam hielt auch er diesem Zustand nicht mehr statt. 
Vielleicht würde er heute Abend wieder besser schlafen können, wenn Isabel neben ihm lag. Die letzten Nächte waren schließlich nicht nur kurz, sondern auch reichlich einsam gewesen.

Isabel

Isabel nickte langsam. Auch sie war erschöpft und ein bisschen Hilfe würde sicherlich nicht schaden. Allerdings waren ihre beiden Kleinen heute sicherlich ebenso müde und würden widerstandslos ins Bett gehen und bald eingeschlafen sein. 
"Gut...und vielleicht können wir uns auch bald ein bisschen Ruhe gönnen. Ich glaube, du hast sie ebenso nötig wie ich." 
Und dann würden sie weitersehen. Ein neuer Lebensabschnitt begann, aber vielleicht tat dies auch den Kindern gut. Hier herrschte kein Kommen und gehen mehr wie bei Hof, alles etwas kleiner, ruhiger und vielleicht eine Spur ländlicher. 
Es erinnerte auch sie ein bisschen an Zuhause und genau das war es, was ihr Cornwall gleich so sympathisch gemacht hatte. 
Inzwischen hatten sie die Gemächer erreicht und Beatrice lag schon zwischen den Kissen, untypischerweise war sie sofort eingeschlummert, ohne jegliches Theater. Robert war schon auf ihrem Arm eingeschlafen und hatte sich an ihre Schulter geschmiegt.

William

Als er mit einem Becher Wein in der Hand seine kleine Familie beobachtete, musste William lächeln. Er war wirklich froh, dass er sie hatte. Immerhin gelang es ihnen jetzt schon wieder ein erstes Lächeln auf seine Lippen zu zaubern. Und das obwohl die letzten zwei Wochen mit zu den schwierigsten und düstersten in seinem Leben gehörten. 
Nachdem er einen tiefen Schluck aus dem Becher genommen hatte, stellte er ihn bei Seite und nahm Isabel den schlafenden Robert ab, um ihn in sein Bettchen zu bringen. 
Als er wieder zu ihr zurück kehrte schüttelte er den Kopf. "Wenn man die beiden so sieht, könnte man meinen, dass sie kein Wässerchen trügen könnte." 
Mit einem Seufzen ließ er sich auf dem großen Bett nieder, dass er heute endlich wieder mit Isabel teilen würde und sich nicht alleine unruhig von einer Seite auf die andere wälzen würde. Eigentlich hatte er heute noch ein paar letzte Dinge mit dem Verwalter seines Vaters besprechen wollen, doch das konnte nun auch bis morgen warten. Jetzt da er auf dem Bett saß, realisierte er erst wirklich wie müde er eigentlich war. Und wie leer er sich fühlte. 
"Da ist der alte Sturkopf kaum eine Woche nicht mehr unter uns und er fehlt mir bereits." murmelte William mit rauer Stimme. Es war das erste Mal seit er in Cornwall angekommen war, dass er sich selbst eingestand, wie sehr ihn der Tod seines Vaters zugesetzt hatte.

Isabel

Isabel ließ sich dankbar neben ihren Mann auf das Bett sinken. "Ja, könnte man meinen. Robert hat die meiste Zeit geschlafen, aber Beatrice wurde zwischendurch wirklich quengelig. Aber sie hat darauf bestanden ganz allein auf ihrem Pony zu reiten und ich hatte nicht den Nerv es ihr zu verbieten. Ich bin froh, dass wir endlich hier angekommen sind." 
Sie lehnte sich zurück und schaute zu William auf. 
"Er war eben trotz aller Differenzen dein Vater und gerade in den letzten Jahren habt ihr euch doch gut verstanden. Es ist natürlich, dass du ihn vermisst. Außerdem hinterlässt er dir viel Verantwortung und viele Mühen. Warum solltest du auch nicht trauern, William? Solange du das nicht zum Mittelpunkt deines Lebens machst, ist das nur richtig." 
Sie unterdrückte nun ebenfalls ein Gähnen. 
"Lass uns schlafen, ja? Ich glaube, wir haben es beide nötig, du siehst nicht aus, als hättest du in letzter Zeit viel Raum für Erholung gefunden und ich bin nicht für längere Ritte geschaffen. "

William

"Es ist schwierig, wenn man den Männern gegenüber Haltung bewahren muss, obwohl man selber nicht einmal weiß wo einem der Kopf steht." gab William trocken zu bedenken. "Ich kann es mir gar nicht leisten im Selbstmitleid zu versinken." 
William stand auf, um seine Sachen auszuziehen und über einen Stuhl in der Ecke zu legen. Isabel hatte Recht, er hatte in letzter Zeit kaum eine Minute Ruhe gefunden. Und das spürte er nun deutlich. Er hatte das Gefühl, dass jeder einzelne Muskel völlig verspannt war und auch seine rechte Schulter schmerzte wieder einmal etwas. 
Er blinzelte müde und sah zu, dass er schnell unter die wärmende Decke kam. Kaum hatte sein Kopf Berührung mit den Kissen gemacht, seufzte er erleichtert. Mit einer Hand an der Schulter sah er zu Isabel hinüber. 
"Wenigstens haben wir beide etwas worüber wir uns bald wieder freuen können." stellte er dann in dem Versuch fest sich auf andere Gedanken zu bringen.

Isabel

"Ja, das verstehe ich. Aber ich bin sicher, sie verstehen deine Situation auch, denkst du nicht? Du wirst die Situation meistern, da bin ich sicher. Das tust du doch immer und deine Männer folgen dir.", erwiderte sie mit halb geschlossenen Augen. 
Nachdem sie sich ihr Kleid von den Schultern gestreift hatte, schmiegte sie sich in Williams Arme und fühlte sich ebenfalls viel wohler als in den letzten Wochen. Sie hatte sich in den letzten fünf Jahren einfach so sehr daran gewöhnt, dass William neben ihr schlief, dass sie sich immer ein wenig allein gelassen fühlte, wenn er einmal mehr für Henry unterwegs war. 
Isabel schloss die Augen nun ganz. 
"Hm..du hast Recht. Die Familie wird weiter wachsen. Ich bin gespannt, ob wir noch einen Sohn oder noch eine Tochter bekommen. Glücklicherweise ist Beatrice inzwischen etwas ruhiger geworden." 
Isabel spürte bereits, wie ihre Gedanken davon drifteten und es ihr schwerer fiel, klare Sätze zu bilden. 
"Wir Beide sind müde....", sagte sie schließlich mit einem letzten Lächeln.

William

William lächelte etwas wehmütig. Ja, er hatte es immer irgendwie geschafft und so würde er es auch jetzt schaffen. 
Earl of Cornwall. Es war bisher immer der Titel seines Vaters gewesen und nun war es William, der diesen Titel trug. Es irritierte ihn immer noch, wenn er so angesprochen wurde, doch daran würde er sich wohl bei Zeiten noch gewöhnen. 
William legte seine Arme um Isabel und strich zärtlich über ihren Bauch. "Was auch immer es wird, ich freue mich jetzt schon drauf." Dadurch, dass sie vor einem Jahr Robert bekommen hatten, war William es tatsächlich egal, ob das dritte Kind nun ein Junge oder ein Mädchen werden würde. Er hatte seinen gewünschten Erben und das dritte Kind wäre in jedem Fall eine Bereicherung für seine Familie, die langsam am wachsen war. 
"Jetzt wo du wieder neben mir liegst, wird mir noch mehr bewusst, wie sehr du mir in den letzten Wochen gefehlt hast." murmelte er. "Von nun an wird sich einiges ändern. Und vor allem werde ich endlich mehr Zeit für dich und die Kinder haben." die letzten Worte waren immer leiser geworden. Zwar hielten seine Gedanken ihn noch davon ab sofort einzuschlafen, doch er war zu müde, um noch mehr zu sagen.

Isabel

"Das klingt wunderbar...Vor allem Beatrice wird sich freuen. Du hast ihr schließlich versprochen sie mit in den Wald zum Ausritt zu nehmen, wenn sie allein galoppieren kann." 
Das war wieder so, wie es sein sollte. Sie lag in den Armen ihres Mannes und konnte einfach mal wieder ausruhen ohne fürchten zu müssen, fünf Minuten später von einem weinenden Robert oder einer ängstlichen Beatrice geweckt zu werden. 
Und mit diesen Gedanken war sie auch bald eingeschlafen, schließlich war nicht nur die Reise anstrengend gewesen, die Schwangerschaft war es auch. Und nun würde sie William dabei helfen, sich in seine neue Rolle einzufinden. Auch sie war damit ein Stückchen in der Leiter der Adeligen nach oben geklettert. Sie war nun die Frau eines Earls. 
Isabel schlief traumlos und ruhig bis zum Morgen, als sie von den ersten Sonnenstrahlen geweckt wurde, die sich durch das Fenster stahlen. Sie schlug die Augen auf und fragte sich im ersten Moment, wo sie war. Dann aber kam die Erinnerung zurück und sie lächelte leicht.

William

Es war die erste Nacht seit mehreren Wochen in der William endlich einmal wieder Ruhe fand. Als er am Morgen erwachte, konnte er sich nicht mehr erinnern irgendetwas geträumt zu haben. 
Als er die Augen öffnete, wurde ihm auch bewusst, weshalb er endlich wieder einmal hatte schlafen können - immerhin war er nicht allein. Sein Blick ruhte auf Isabel als diese einige Minuten später die Augen öffnete. 
William grinste. "Guten Morgen, Mylady. Habt Ihr gut geschlafen in Eurem neuen Heim?" fragte er sie und gab ihr einen leichten Kuss. 
Im nächsten Moment hörte William ein dumpfes Poltern und dann ein leises Tapsen. Er runzelte die Stirn, war sich dann jedoch sicher, die Geräuschquelle einordnen zu können. "Ich glaube wir bekommen gleich Besuch." flüsterte William und wurde auch kurz danach bestätigt als plötzlich Beatrice am ihrem Bett auftauchte und ihre Eltern aus großen Augen heraus ansah. 
Sie kaute ein wenig unsicher auf ihrer Unterlippe herum, war sich offensichtlich nicht sicher, ob sie ihre Eltern fragen oder einfach ins Bett kriechen sollte.

Isabel

Isabel lächelte leicht, als sie in Williams Augen blickte. "Oh ja, ausgesprochen gut. Aber das war auch nicht verwunderlich. Ich war todmüde und außerdem endlich wieder bei dir. Du hast mir gefehlt, es war so einsam Nachts." 
Auch sie hielt inne und lauschte, als sie Geräusche vernahmen und sie hatte ebenfalls eine Vorahnung. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. "Ja, ich glaube auch.", flüsterte sie zurück.
Dann stand auch schon Beatrice vor ihnen und schaute sie mit diesem Blick an, bei dem man am Liebsten dahin geschmolzen wäre. 
Isabel musste lachen, setzte sich auf und streckte die Arme aus. 
"Na komm schon her, Süße." 
Beatrice strahlte sie an und krabbelte umständlich in das große Bett und zwischen ihre Eltern. 
Es war noch früh, also konnten sie auch noch ein bisschen liegen bleiben, zumal Robert auch noch selig zu schlummern schien. 
Ihr Blick huschte zu William zurück und sie lächelte ergeben. Manchmal fiel es eben auch ihr schwer, ihrer Tochter etwas abzuschlagen.

William

Isabels Reaktion entlockte William ein breites Grinsen. "Gut, dass es nicht nur mir so geht." neckte er seine Frau und beobachtete dann wie Beatrice überglücklich zwischen sie kletterte. 
Ein warmes Gefühl machte sich in William breit als Beatrice sich zwischen Isabel und und ihn kuschelte. Er legte seinen Arm um seine beiden Frauen und lächelte zurfrieden. Seiner Meinung nach dürfte nun ruhig jeder Tag so beginnen. 
Zumindest in der nächsten Zeit würde ihm der ganze Trubel am Hof nicht fehlen. Hier konnte er Schalten und Walten wie er wollte und hatte gleichzeitig viel Zeit für seine Familie. 
"Papaaa." Beatrice sah ihn mit einem Blick an von dem sie genau wusste, dass William ihr nicht würde widerstehen können. "Ich bin doch schon ganz alleine hier her geritten, nimmst du mich heute mit auf einen Ausritt?" bettelte sie und William konnte innerlich nur den Kopf darüber schütteln was für Pläne seine Tochter bereits wieder gefasst hatte. 
Er lachte und deutete dann ein Schulterzucken an. "Sehen wir mal, was ich heute alles zu tun habe. Wenn ich Zeit habe ... vielleicht."

Isabel

Isabel seufzte leise. "Aber du kannst weitaus weniger oft widerstehen als ich. Ich schaffe es wenigstens ab und zu streng zu bleiben. Manchmal darf ich deshalb wohl auch nachgiebig sein." 
Sie strich ihrer Tochter ein paar goldene Locken aus der Stirn und beobachtete sie. 
Ein leichtes Grinsen huschte über ihre Lippen, als Beatrice ihren Anschlag verübte. Irgendwie hatte sie es geahnt. Solche Dinge vergaß Beatrice einfach nicht. Schon gar nicht, wenn ihr Vater ihr etwas versprochen hatte. 
"Da musst du wohl durch, William.", sagte sie leise. 
Beatrice wirkte mit der Antwort ihres Vater ganz und gar nicht zufrieden. Ein 'Vielleicht' wollte sie nicht gelten lassen. 
"Papaa.....du hast es versprochen. Ich kann alleine galoppieren und wieder anhalten! Vielleicht kommt Mama ja auch mit." 
Isabel hob eine ihrer schmalen Augenbrauen. 
"Eher nicht, Liebes." Sie würde sich so schnell nicht wieder auf ihre Stute setzen, wenn sie nicht musste. Ihr tat immer noch alles weh...
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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   So Aug 02, 2015 9:40 pm

William

William verzog theatralisch das Gesicht, ergab sich dann jedoch mit einem Lächeln. Er hatte einfach keine Lust jetzt noch einen Versuch zu starten Beatrice etwas abzuschlagen. Es würde sonst nur wieder Tränen geben und der friedliche Moment wäre vorbei. 
"In Ordnung, in Ordnung. Ich werde dich mitnehmen." gab er seiner Tochter dann die Antwort, die sie hören wollte. "Auf deine Mutter werden wir aber wohl vorerst verzichten müssen." sein Blick huschte zu Isabel und dann wieder zu Beatrice. "Erinnerst du dich noch daran, dass sie nicht reiten durfte bevor dein Bruder zur Welt kam?" Beatrice nickte eifrig. Natürlich erinnerte sie sich noch. Ihr kleiner Bruder war für sie ausgesprochen spannend gewesen, bereits als er noch nicht auf der Welt war. 
"Nun, du bekommst bald wieder ein Geschwisterchen. Deshalb sollte deine Mutter im Moment lieber nicht mehr so viel reiten." 
Beatrice riss erstaunt die Augen auf und sah dann von William zu Isabel und mit einem Mal schienen ihre Augen noch mehr zu leuchten. 
"Mama, bekomm ich diesmal eine kleine Schwester?" fragte sie völlig aufgeregt.

Isabel

Isabel beobachtete das Gespräch zwischen William und seiner Tochter mit belustigter Miene. Natürlich, William wollte seine Tochter nie weinen sehen und deshalb lenkte er immer recht bald ein. Wohin das später einmal führen würde? 
Aber die Erklärung, warum sie nicht reiten durfte, empfand sie doch als sehr süß von ihm. Beatrices Reaktion war ebenso hinreißend und entlockte ihr leises Lachen, während sie ihr über den Schopf strich. 
"Vielleicht, das weiß ich noch nicht. Du wirst es sehen, wenn das Kind da ist. Wäre noch ein Bruder denn so schlimm?" 
Beatrice hatte erstaunlich gut auf ihren kleinen Bruder reagiert und bisher nie ein Anzeichen von Eifersucht gezeigt. 
Sie hatte die Umstellung besser aufgenommen, als William und sie vermutet hatten. Sie hatte sich sogar sehr gefreut und war sehr fasziniert davon gewesen, wie der Bauch ihrer Mutter immer mehr gewachsen war. 
"Aber vielleicht bekommst du eine kleine Schwester. Wir werden sehen."

William

William hatte den Kopf in die Hände gestützt und starrte auf den Boden zu seinen Füßen. Er war noch genauso nervös wie bei seinen ersten beiden Kindern, doch dieses Mal war er wenigstens in der Lage sich zu beherrschen. 
Doch trotzdem machten sich Magenschmerzen bemerkbar. Er hasste es untätig dazusitzen und nicht zu wissen wie es Isabel ging. 
Schließlich stand er doch auf und ging zum Fenster hinüber. Von hier aus konnte er direkt in den Garten sehen, in dem die Amme mit Beatrice und Robert spielte. Filou tobte um die beiden Kinder herum als wäre er seit Tagen nicht draußen gewesen. 
Der fast zweijährige Robert warf sich gerade voller Eifer auf den gescheckten Hund und krallte sich in dem langen Fell fest. William musste unweigerlich grinsen. Wann immer er seinen Sohn sah, machte sich bereits die Freude darüber breit ihm irgendwann all die Dinge beizubringen, die William auch so gerne tat. 
Für den Augenblick lag seine Aufmerksamkeit jedoch viel mehr bei Isabel und dem Kind, dass sich heute morgen angekündigt hatte.

Isabel

Am Morgen hatten die Wehen eingesetzt und nun waren schon Stunden vergangen, doch es war kein Ende in Sicht. Isabel, die in den letzten Stunden viele Male die Strecke vom Fenster zur Wand und umgekehrt zurückgelegt hatte, lag nun auf dem Bett und kämpfe immer noch. Sie hörte kaum mehr das besorgte Gemurmel der Hebamme, denn das Rauschen in ihren Ohren steigerte sich zunehmend. 
Isabel spürte deutlich den Unterschied zu den beiden vorangegangenen Geburten vor einigen Jahren. Beide waren weder so langwierig noch von so durchdringenden Schmerzen begleitet gewesen und langsam verließen sie die Kräfte. Ihre Sicht flackerte bereits an den Rändern und kalter Schweiß stand ihr auf der Stirn, als sie sich unter einer neuerlichen Wehe aufbäumte. Sie hatte nicht einmal mehr den Atem oder die Kraft zu Schreien, sie wollte nur, dass es endlich vorbei ging. 
Doch das tat es nicht. Weitere Stunden schlichen dahin, zäh und doch kaum bemerkt von der niederkommenden Frau. Eigentlich bemerkte sie überhaupt nichts mehr. Inzwischen driftete sie in einem Art Dämmerzustand dahin, spürte auch nicht mehr die Ohrfeige der helfenden Hand. Ihr Herzschlag geriet ins Stocken, setzte dann ganz aus und Isabel glitt unwiederbringlich ins Dunkel.

William

William wusste nicht wie lange er schon hier saß, den Blick starr auf Isabel gerichtet. Sein Kopf war wie leer gefegt, er verstand noch gar nicht, was gerade geschehen war. 
Irgendwann war eine Hebamme zu ihm gekommen. Noch bevor sie etwas sagte, wusste William, dass etwas nicht stimmte. Während sie ihm mitteilte, dass es nicht gut um Isabel stand, war William schon auf den Beinen. Allerdings hatte auch er nur machtlos dasitzen können. Weder die Hebammen noch der Arzt hatten etwas ausrichten können. 
Und nun saß er wie erstarrt hier neben dem Bett und wagte nicht, sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen in der Angst, dass dann alles auf ihn einstürzen würde. 
Sobald er aufstand würde es zur Gewissheit werden und so blieb er sitzen und dachte darüber nach, dass er sich wohl in einem schlechten Traum befinden musste. 
Heute morgen hatte er sich noch darüber gefreut bald ein weiteres Kind in den Armen halten zu können und jetzt würde er sich damit auseinander setzen müssen, wie er seinen beiden Kindern beibrachte, dass sie ihre Mutter verloren hatten.

Joanna

Joanna unterdrückte ein Seufzen und erhob sich von den Steinplatten, auf denen sie mit den anderen Schwestern gerade noch gekniet und gebetet hatte. Seit nunmehr fast sechs Jahren lebte sie hier im Kloster, betete mit den Schwestern und nahm vollkommen an ihrem Lebensrhythmus teil. Sie war dadurch ein bisschen ruhiger und beherrschter geworden, aber es fiel ihr immer noch oft genug schwer sich anzupassen und nicht ständig anzuecken. 
Ein bisschen magrer war sie geworden, da sie vor allem in ihrer ersten Zeit hier oft genug gefastet hatte, weil sie gebeichtet hatte, wie oft sie wirklich noch an William dachte. irgendwann hatte sie es aufgegeben, die Gedanken verfolgten sie immer noch und würden sie wohl auch nie loslassen. In gewisser Hinsicht war sie glücklich mit dem geregelten Tagesablauf. Sie hatte das getan, was sie auch ins Kloster geführt hatte: sie hatte einige Schriften studiert und ihre Lese- und Schreibkenntnisse wieder aufgefrischt. Und obwohl sie immer noch jeden Tag an die kurze Zeit mit William of Cornwall zurückdachte, von dem sie bis auf ein paar flüchtige Gerüchte, die sie dann und wann erreicht hatten, nichts gehört hatte, hatte sie ein bisschen Frieden gefunden.

William

William strich sich die regennassen Haare aus der Stirn bevor er seinen Männern ein Zeichen gab und seinen Hengst zum Stehen brachte. Sie waren seit Stunden unterwegs und das Wetter hatte sich keineswegs gebessert. Umso beruhigter war William gewesen als sie das Kloster auf ihrem Weg ausmachen konnten und es nun schließlich erreicht hatten. 
Während William absaß kam bereits ein Mönch auf ihn zugeeilt, der vermutlich der Prior war, da er von dem Pförtner begleitet wurde, der William am Tor aufgehalten hatte. 
"Mylord, der Pförtner sagte mir, Ihr gedenkt hier zu rasten?" seine Stimme drohte jetzt schon sich zu überschlagen, so aufgeregt war er. 
William verdrehte die Augen, er ahnte bereits wohin das führen würde. "Da hat er Euch richtig informiert. Wir sind seit heute morgen unterwegs und das Wetter macht eine Weiterreise nahezu unmöglich." entgegnete er kühl und in einem Ton, der eigentlich keinen Widerspruch zuließ. 
"Aber, Mylord, verzeiht, doch wir sind absolut nicht auf solch zahlreichen Besuch eingerichtet." versuchte der untersetzte Mönch noch einmal einen Einwand. Ganz offensichtlich behagte ihm die Vorstellung nicht sonderlich den Earl of Cornwall und seine Männer in seinen Mauern nächtigen zu lassen. 
William zischte abfällig. "Ich bitte Euch. Macht Euch um Eure Ausgaben keine Sorgen. Ihr werdet eine Entlohnung erhalten. Genau soviel wie es nötig ist, um meine Männer bis morgen früh Essen und ein Dach über dem Kopf zu gewähren." William machte eine Pause und setzte dann mit beißendem Spott hinzu. "Allerdings auch keinen Penny mehr, um ihn für irgendwelchen Unsinn zu verprassen, Prior."

Joanna

Joanna hatte eine Weile am Fenster gesessen und dem prasselnden Regen gelauscht. Sie mochte das Geräusch, es hatte eine beruhigende Wirkung und vermochte es immer, ihre Gedanken in unbestimmte Ferne schweifen zu lassen. 
Jetzt aber war sie einmal mehr auf dem Weg in die kleine Kirche. Sie wollte eine Kerze anzünden und noch ein bisschen beten, wieder einmal versuchen sich Gott näher zu fühlen und daf+ür William zu vergessen. Der Schmerz aber saß immer noch tief, obwohl er inzwischen verblasst und zu einer Narbe geworden war. 
Sie kniete sich mit geschlossenen Augen vor den Altar, trug das selbe dunkle Habit wie alle anderen Schwestern. Sie atte heute Glück, außer ihr war niemand hier, weder Schwester noch Mönch. Sie mochte das Gefühl, das steinernde Gebäude ganz für sich allein zu haben, denn es beeindruckte sie jedes Mal und sie betrachtete sich immer gerne jeden Winkel, auch wenn sie dabei oftmals von ihren eigentlichen Absichten abgelenkt wurde. Dieser Ort verlor seine Faszination nie. Joanna seufzte leise und senkte den Kopf.

William

Nachdem der Prior rot angelaufen war, hatte er schließlich nachgegeben und William und seinen Männeren gestattet, die Nacht innerhalb der Klostermauern zu verbringen. 
William brachte seinen Hengst in den Stall und nahm ihm das nasse Sattelzeug ab. Der Dunkelfuchs wirkte durch die Nässe fast schwarz, so sehr hatte der Regen sein Fell durchtränkt. Nur die weißen Beine und die breite Blesse leuchteten noch hell. William strich dem Tier über die Nüstern und besorgte ihm dann etwas zu Fressen. 
Der junge Hengst war der Sohn von Williams Cuivre, den er bereits als Jährling für ein gutes Pferd gehalten hatte. Und seine Vermutung hatte sich bewahrheitet. Zwar steckte der Hengst noch in der Ausbildung, weshalb William auch Uriel mitgenommen hatte, doch der Dunkelfuchs schlug sich sehr gut. 
Nachdem William sein Pferd untergebracht hatte, zögerte er einen Moment und entschied sich zuerst den Weg in Richtung der kleinen Kirche einzuschlagen und sich dann den Männern zum Essen anzuschließen. 
Jemand klopfte ihm lachend auf die Schulter. 
"Es ist wirklich eigenartig, dass ein gottloser Schweinehund, wie der Prior Euch nannte, doch zuerst die Kirche ansteuert." Brian FitzJohn sah William mit einem breiten Grinsen an. Der junge Ritter hatte sich bereits vorhin im Stall über den Prior lustig gemacht - und schien offenbar mehr gehört zu haben als der Prior ahnte. 
William zog eine Grimasse und erwiderte dann das Grinsen seines Begleiters. "Nun, auch ein gottloser Schweinehund muss hin und wieder einmal eine Kerze anzünden."

Joanna

Joanna erhob sich langsam und machte einen schwankenden Schritt nach vorne. Sie hatte wieder einmal zu lange hier reglos verharrt und ihre Beine waren eingeschlafen. Langsam trat sie auf die linke Seite der steinernen Stufen zu und hob eine der kleinen Tonschalen auf, die dort stand. Eigentlich sorgten die Nonnen dafür, dass immer ein paar Blumen aus dem klösterlichen Garten dort standen, doch heute war sie aufgrund des anhaltenden Regens leer geblieben. 
Joanna hatte beschlossen die Schale mitzunehmen und in den Garten zu huschen, sobald das Wetter sich auch nur geringfügig besserte. Der Garten war ohnehin ihr liebster Ort, dort konnte sie immer Ruhe vor ihren Gedanken finden. Doch an solchen tagen wie heute blieb ihr das nicht vergönnt. Die junge Frau seufzte leise, schob eine widerspenstige Strähne ihres rötlichen Haars zurück unter die dunkle Kopfbedeckung und wandte sich zum Gehen. 
heute Nacht würde sie ohnehin wiederkehren, wennn die Anderen auch zum Gebet aufstanden. Ohne zweifel, sie hatte nie so viel gebetet und sich Gott doch fern gefühlt wie in die letzten Jahren.

William

William betrat die kleine Kirche und wandte sich zur Seite, um dort zwei Kerzen anzuzünden. Er hatte aus dem Augenwinkel eine der Nonnen im vorderen Teil der Kirche entdeckt, hatte jedoch kein Bedürfnis auf ein weiteres Gespräch mit einem Mitglied des Klosters und beachtete sie deshalb bewusst nicht weiter. 
Er wollte sich auch keineswegs länger hier aufhalten als nötig. Nur zwei Kerzen entzünden - das war alles was er wollte. William hatte kein Bedürfnis zu beten oder sich auch nur zu bekreuzigen, in seinen Augen war all das zum blanken Hohn geworden. 
Er fuhr sich mit der behandschuhten Hand durch die ohnehin schon völlig zerzausten Haare. Er wollte gar nicht wissen, wie er gerade aussah. Völlig durchnässt, die Haare unordentlich und eher schlecht rasiert. Dazu kamen die dunklen Schatten unter den Augen, die einen Hinweis auf seinen Schlafmangel boten unter dem er nun schon seit Wochen litt. 
Davon abgesehen befand er sich jedoch in ausgesprochen guter Verfassung - zumindest körperlich gesehen. 
Nach Isabels Tod hatte William sich einige Tage zurück gezogen bis Geoffrey ihn schließlich nach draußen zerrte. Von da an hatte er sich in seine Arbeit gestürzt. Nicht nur die Aufgaben als Earl of Cornwall, sondern auch Henry hielten ihn auf Trab. Noch dazu kam, dass er so gut wie jede freie Minute dazu nutze zu trainieren. 
Wenn er sich körperlich verausgabte, musste er zum einen weniger nachdenken und zum anderen fand er so abends wenigstens ein bisschen Schlaf. 
Mit geübten Griffen nahm er erst eine und dann eine zweite Kerze, entzündete sie an der bereits brennenden und stellte sie ab. Die eine Kerze war für Isabel, die viel zu früh von seiner Seite gerissen worden war, die andere für das Kind, dem Gott nicht einmal einen einzigen Tag gewährt hatte.

Joanna

Joanna wandte sich ab und machte sich auf den Weg durch das Kirchenschiff zurück ins Kloster. An der anderen Seite sah sie, wie jemand zwei Kerzen anzündete, offensichtlich aber kein Mönch. Wahrscheinlich wieder ein Durchreisender. Das kam öfter vor. Recht wenig interessiert schickte sie sich an, einfach weiter zu gehen, bis der flackernde Lichtschein der entbrennenden Kerze die Züge des Fremden erleuchteten. 
Joannas Augen weiteten sich erschrocken und ungläubig, die Farbe entwich ihren Wangen, dann entglitt die Tonschale ihren Fingern und zersprang mit einem in der Stille der Kirche sehr lauten Klirren auf dem steinernen Boden zu Scherben. 
Doch das lenkte ihre Aufmerksamkeit nicht auf sich, ihre Augen hingen immer noch am Anblick des Mannes vor ihr fest. "William..." Ihre Lippen formten lautlos seinen Namen. Sie hatte nicht damit gerechnet ihn je wiederzusehen und ihn hier anzutreffen ließ die zurückgedrängten Gefühle und Empfindungen wieder wie eine Welle über sie hinwegspülen. Das konnte nicht sein. Warum jetzt? Jetzt, wo sie endlich geglaubt hatte, darüber hinweg zu sein und nun feststellen musste, dass dem ganz und gar nicht so war. Wollte sie ihn sehen? Eigentlich nicht. Er hatte ein eigenes Leben, ihre Zeitspanne darin war längst erschöpft. Vor sechs Jahren schon... 
Damit riss Joanna sich von diesen Gedanken los und beugte sich hinab um die Scherben aufzulesen, den Kopf gesenkt. Vielleicht hatte William sie ja nicht erkannt. Wobei sie allerdings wenig Hoffnung hatte...

William

In dem Augenblick in dem William die Kerze abstellte, zeriss ein lautes Scheppern die Stille der Kirche. Um ein Haar hätte William laut aufgestöhnt, genervt über die unsanfte Unterbrechung. 
Mit verärgert gerunzelter Stirn drehte er sich zu dem Ursprung des Lärmes um und erkannte, dass die Nonne offensichtlich ein Tongefäß hatte fallen lassen und nun dabei war die Scherben einzusammen. 
William zögerte einen Augenblick, dann entschloss er sich der Frau zu helfen. Mit einigen gezielten Schritten durchquerte er den Kirchenraum. Die Frau hatte den Kopf gesenkt, so dass William nichts von ihrem Gesicht erkennen konnte. 
Langsam ging er vor ihr in die Hocke und griff nach einer der großen Scherben. "Lasst mich Euch helfen." Er hielt ihr auffordernd die Hände entgegen, damit sie ihm die Scherben gab. Immerhin trug er Handschuhe, ganz im Gegensatz zu ihr. 
Dann glitt sein Blick von den Scherben zu der Nonne hinüber und ihm stockte der Atem. Das hatte er nun wahrlich nicht erwartet. 
Sein Blick flackerte und er wusste nicht wie er reagieren sollte. Denn nie im Leben hatte er damit gerechnet auf Joanna zu treffen - und schon gar nicht hier. 
"Du bist ganz offensichtlich noch immer genauso tollpatschig wie damals." stellte William dann spöttisch fest, klang dabei jedoch nicht ganz so selbstsicher, wie es ihm lieb gewesen wäre.

Joanna

Joanna zitterte am ganzen Körper, als er immer näher kam und sie schließlich vor sie hockte, um ihr mit den Scherben zu helfen, offenbar nicht wissend, wer sie war. Doch so würde es nicht bleiben und sie hatte recht. Erkennen flackerte in seinen Augen auf und sie starrte ihn einfach nur an. Sie hatte versucht abzuschließen, doch gelungen war es nicht. Was er wohl hier tat? Was mit seiner Frau war? Wie viele Kinder sie hatten? Unzählige Male hatte sie sich diese Fragen gestellt. Und nun stand er vor ihr. Er hatte Kerzen angezündet, was bedeutete das? 
Ihr Kopf schwirrte vor Fragen und doch konnte sie keinen klaren Gedanken fassen. Sie sah ihn einfach nur an, hörte seine Stimme, die sie sechs lange Jahre vermisst hatte. 
Und dann kehrte ihre Haltung zurück und Joanna konnte zumindest antworten. 
"Scheint so. Allerdings scheinst du Missgeschicke von mir magisch anzuziehen.", erwiderte sie schließlich ruhig und mit mehr Distanz, als sie je gefühlt hatte. Sie war stolz auf sich. Ihre Zeit mit ihm war vorbei...

William

William runzelte über Joannas Reaktion die Stirn und fuhr sich dann mit der freien Hand über die müden Augen. 
"Einige Sachen scheinen sich halt doch nicht zu ändern." entgegnete er trocken und erhob sich langsam. Seine Gefühle und Gedanken tobten und er wusste nicht, ob er sich abwenden und gehen oder bleiben sollte. 
Sechs Jahre war es nun her. Und in den sechs Jahren hatte er immer wieder an Joanna gedacht - und doch war er in diesen sechs Jahren mit Isabel ausgesprochen glücklich geworden. 
Jetzt hingegen schienen die Karten völlig neu gemischt. Zwar war William nun nicht mehr verheiratet und auch sein Vater stand nicht mehr zwischen ihm und seinen Entscheidungen, doch in den letzten Jahren hatte sich so ungemein viel verändert, dass er gar nicht wusste, wie er auf Joanna reagieren sollte. 
"Du hast dich kaum verändert." stellte er schließlich, nach einer schier endlosen Pause, fest. Es war die Wahrheit, Joanna war vielleicht etwas schmaler geworden, wenn er es recht beurteilen konnte, doch ansonsten sah sie noch genauso aus wie damals - noch genauso hinreißend.

Joanna

"Das ist wohl so." Joanna sammelte die letzten großen Scherben ein und erhob sich ebenfalls. Sie fühlte sich ein bisschen unbehaglich, jetzt, wo sie so vor ihm stand und sechs lange Jahre zwischen ihnen lagen. Sechs Jahre, in denen er eine Familie gegründet und sie einer Illusion nachgetrauert und doch ein wenig Frieden hinter Klostermauern gefunden hatte. 
Joanna riss sich zusammen und schaute ihn an. Er hatte sich verändert...er sah müde aus und irgendwie mitgenommen. 
"Äußerlich vielleicht.", antwortete sie leise. "Innerlich denke ich schon, zumindest ein wenig. Das Klosterleben sorgt zwangsläufig dafür. Ich schätze, ich bin ein bisschen besonnener geworden." Nachdem sie lange genug mit ihrer losen Zunge angeeckt war. "Du aber siehst müde aus." 
Sie seufzte leise und wich seinem Blick aus. Sie wusste nicht recht mit der Lage umzugehen.
Wie sollte es nur weitergehen? Er würde wieder gehen, so viel stand fest und sie würde mit aufgewühlten Gefühlen zurückbleiben. Wie immer...wie vor sechs Jahren auch, nur in einer anderen Situation. 
"Bist du glücklich?", fragte sie plötzlich.

William

Joannas Frage weckte wieder den Dolch in Williams Herzen und riss ihn schmerzlich herum.Glücklich für ihn hatte dieses Wort in den letzten Wochen an jeglicher Bedeutung verloren. 
Die einzigen Momente in denen er so etwas wie Glück verspürte, waren die, die er mit Beatrice und Robert verbrachte. Und selbst in diesem Momenten konnte er nicht aufhören darüber nachzudenken, dass sie eigentlich zu fünft und nicht zu dritt sein sollten. 
William ließ ein verächtliches Schnauben verlauten und sah Joanna mit kaltem Blick an. Allerdings galt seine Wut und der aufkeimende Schmerz nicht Joanna, sondern dem Schicksal, dass ihm genommen hatte, was ihm lieb und teuer war. Sein Hass richtete sich allein gegen Gott, der zugelassen hatte, dass Isabel starb und dem Kind nicht einmal die Möglicheit gegeben hatte ein Leben zu beginnen. 
William war nie übermäßig fromm gewesen, aber doch ein gläubiger Mann, der seine kirchlichen Pflichten regelmäßig erfüllte. Doch kein Beten hatte ihm geholfen und so hatte sich seine Trauer in tiefer Verbitterung verwandelt, die sich gegen den einzigen richteten, den William für das Geschehene verantwortlich machen konnte - Gott. 
"Kein Mann kann wohl von Glück oder Glücklichsein sprechen, wenn er Frau und Kind zu Grabe hat tragen müssen." antwortete William schließlich in mehr als finsterem Ton.

Joanna

Joanna wich einen halben Schritt zurück, als sie der Kälte, des Schmerzes und der Wut in seinen Augen Gewahr wurde. Der Bitterkeit… So kannte sie ihn nicht und irgendwie machte es ihr Angst, auch, wenn diese Empfindungen nicht der Begegnung mit ihr geschuldet zu sein schienen. 
Es dauerte einen Moment, bis sie begriff und es war ein sehr merkwürdiges Gefühl. Isabel d’Aubigny war also tot. Die Frau, die die letzten Jahre an Williams Seite verbracht hatte. In seinen Augen las sie, dass er ihr mehr als zugeneigt gewesen war, und das versetzte ihr ebenfalls einen Stich. Dann hast du mich ja schnell vergessen, William of Cornwall. Schneller jedenfalls, als ich dich vergessen konnte. Ich hatte nie den Eindruck, als sprächest du leere Worte und doch ist es das, was ich glauben muss. Wie konnte ich je glauben, dass du mich ebenso sehr liebst? Diese Zeit ist vorbei…Dein Herz gehört immer noch Isabel d’Aubigny. Schließlich war sie deiner Stellung angemessen. 
Joanna biss sich auf die Unterlippe und riss sich erneut zusammen. Dieses Stadium der Bitterkeit hatte sie eigentlich längst abgeschlossen. Das Kloster hatte sie eigentlich Demut gelehrt und sie würde wieder einmal fasten müssen, wenn sie ihre Gedankengänge beichtete. Falls… 
„Das tut mir leid, das wusste ich nicht. Hierher dringen kaum Nachrichten aus der Welt des Hofes. Mögen sie in Frieden ruhen.“ Sie seufzte leise. „Was bringt dich hierher? Das Wetter?“ Warum ausgerechnet dieses Kloster? Warum ausgerechnet dann, wenn sie in der Kirche war?

William

Mit einem kurzen Nicken honorierte William Joannas Trauerbekundung - wenn er auch wusste, dass es kaum mehr als eine leere Floskel war. Dann schnaubte er jedoch veraechtlich. 
"Waeren wir nicht schon stundenlang unterwegs, die Pferde muede und das Wetter grauenhaft, haette mich sicher nichts dazu bewegt ausgerechnet in Klostermauern Unterkunft fuer die Nacht zu suchen." erklaerte er mit einem Ton, der nicht die Nuechternheit inne hatte, die er sich gewuenscht hatte. 
William spuerte, wie sich sein Magen vor Hunger und Durst zusammenzog und fuhr sich mit der Hand uebers Kinn. 
"Ich wuerde mich allerdings freuen, wenn wir diese Unterhaltung anderswo fortfuehren koennten. Ich bin ausgesprochen hungrig, jedoch wuerde ich gerne noch ein paar Worte mit dir wechsel ... wenn du nichts dagegen hast. Immerhin haben wir uns lange nicht gesehen." Williams Blick irrte kurz durch die Kirche und fand dann wieder zu Joanna. Dieses Mal mit einem Grinsen auf den Lippen, dass Williams eigentlichen, munteren Charakter zumindest wieder erahnen liess. "Ausserdem wird wohl niemand etwas verwerfliches daran finden, wenn eine Nonne sich mit einem Earl unterhaelt, der vor kurzem erst zum Witwer geworden ist."

Joanna

Joannas Lippen wurden eine Spur schmaler. "Das mag sein. Aber ein Kloster ist sicherlich nicht der schlechteste Ort um Zuflucht zu suchen. Klostermauern sind stark, sie halten viel Unheil fern." 
Das war ebenfalls nicht William, wie sie ihn gekannt hatte. Ein William, der mit Gott zu hadern schien, das konnte sie seinen spöttischen Bemerkungen unschwer entnehmen. Wie schwer musste ihn also sein Schicksal getroffen haben, dass es ihn soweit trieb. 
Joanna zögerte. Was hatten sie sich noch zu sagen? Sie wollte nicht hören, wie glücklich er geworden war, es würde nur schmerzen. Aber andererseits war es immer noch so verdammt schwer ihm zu widerstehen. 
Ich wüsste zwar nicht, was es zu reden gäbe, aber... "In Ordnung." Sie würde es wohl später bereuen, aber letztendlich...sehnte sie sich ja doch danach. 
"Komm mit mir, ich denke, wir werden in meinem Zimmer ungestört sein und ich kann dir bestimmt etwas zu essen besorgen. Aber wir sollten etwas vorsichtig sein. Einige meiner Mitschwestern sind...recht schwierig und haben etwas gegen männliche Eindringlinge in unserem Teil des Klosters. Ich lege keinen gesteigerten Wert darauf hier auch noch zur Außenseiterin zu werden." Wie überall sonst auch. Und damit setzte Joanna sich in Bewegung um ihn den Gang entlang zu führen.
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GreyStorm



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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Mo Aug 03, 2015 8:25 pm

William

Joannas Worte entlockten William unfreiwillig ein nuechternes Lachen. "Vielleicht. Ich persoenlich kann Gottes Mauern jedoch nur noch recht wenig abgewinnen." Er haette noch mehr gesagt, wusste aber, dass er nur noch zynischer werden wuerde und das wollte er Joanna nicht zumuten. Es reichte, wenn er selbst mit sich nicht zurecht kam. Zwar konnte er nicht nachvollziehen, was Joanna an einem solchen Ort hielt, aber darueber wollte er nicht mit ihr diskutieren. Moeglicherweise gab es dafuer einen Zeitpunkt, aber der war definitiv nicht hier und jetzt. 
Als Joanna seiner Bitte zustimmte, wurde sein Blick eine Spur weicher. "Ich danke dir. Ich weiss, was es dich fuer Ueberwindung kostet ..." seinen letzten Satz hatte er mit etwas gedaempfter Stimme gesprochen. Keine Frage, er hatte ihr angesehen, was in ihrem Kopf vorging. So gut kannte er sie immerhin - noch. 
Auch wenn wir beide uns in einem wesentlichen Punkt sehr von einander entfernt haben 
Er hatte oefter darueber nachgedacht, wohin Joanna gegangen war, nachdem sie seinetwegen den Hof verlassen hatte. Doch auch in der Zeit in der er noch nicht mit Gott gehadert hatte, waere er nicht auf die Idee gekommen sie in einem Kloster zu suchen. Aber vielleicht war das ja doch naheliegender als er bisher gedacht hatte?

Joanna

„Nein, stattdessen haderst du mit Gott, der Kirche und mit dir selbst. Ich war auch nicht nur einmal an diesem Punkt, aber letztlich habe ich meinen Weg immer wieder halbwegs gefunden. Vielleicht stellst auch du irgendwann fest, dass man recht einsam ist, wenn man sich von Gott auch noch abwendet, nachdem man verloren hat, was einem lieb und teuer war.“ 
Prompt hatte Joanna das Gefühl, zu viel gesagt zu haben, aber nun war es ohnehin zu spät. 
So, weißt du das? Das glaube ich kaum. Du magst erahnen, wie ich mich die letzten Jahre gefühlt habe, aber wissen kannst du es nicht. Was willst du jetzt nur von mir? 
Es machte ihr ein wenig Angst, wie viel Macht er dennoch über sie hatte, nach all der Zeit. Sie gab keine Antwort darauf, sondern lotste ihn mit einer mehr oder weniger einladenden Handbewegung in ihr Zimmer, den einzigen Rückzugsort, wo sie ungestört reden konnten. Sie ließ ihn einen Moment allein und kehrte wenig später mit einem Teller mit Brot und Käse sowie einem Becher verdünnten Weines zurück, die sie vor ihn stellte. 
„Hier…mehr kann ich dir nicht anbieten. Das Abendmahl später wird dir sicher mehr zusagen, man hört, die Brüder leben recht gut.“ 
Joanna schloss die Tür hinter sich und ließ sich auf den zweiten Stuhl sinken, sah ihn aber vorerst nicht an. Sie wusste mit der plötzlichen Nähe nicht mehr umzugehen.

William

William biss bei ihren Worten krampfhaft die Zähne zusammen. Er war sich nicht sicher, ob sie es einfach nur dahin gesagt hatte, oder ob sie es beabsichtigt hatte - in jedem Fall hatte sie ihm damit einen ziemlichen Stich versetzt. 
Mit einem Mal kam in ihm wieder das schlechte Gewissen hoch, sich nicht genug bemüht zu haben, sondern damals einfach den Schwanz eingezogen und parriert zu haben, wie ein geschlagener Hund. 
Dieses Mal waren seine Empfindungen nur noch umso stärker, da er gleichzeitig auch noch stark unter den Verlusten litt, die ihn in den letzten Monaten heimgesucht hatten. Er hatte innerhalb von kürzester Zeit seinen Vater, seine Frau und sein Kind verloren - und diese Zeit war für ihn schlimmer als jede Verletzung die er davon getragen hatte. Denn dieses Mal war er völlig machtlos gegen das was geschehen war. 
Und das war vermutlich auch der Grund, weshalb er an den bisherigen Gefügen zu zeifeln began. Er hatte gebetet und gebetet, er hatte Gott regelrecht angefleht - und doch hatte dieser sowohl seinen Vater als auch Isabel und das Kind einfach aus dem Leben gerissen. Wo blieb da der Sinn? Besonders das Kind ... weshalb sollte Gott ein Lebewesen heranwachsen lassen, nur um es noch vor seiner Geburt dahinzuraffen? 
William nickte schließlich dankbar als Joanna ihm Essen und Trinken gab. Schweigend nahm er erst einige Bissen von dem Käse und biss von dem Brotkanten ab. Dann setzte er den Becher an die Lippen und stürzte den Wein schließlich in einem Zug herunter. 
Er fuhr sich mit dem Handrücken über den Mund, um einen kleinen Tropfen aufzufangen, der in seinem Mundwinkel hängen geblieben war. Dann sah er wieder Joanna an - und begang einen riesigen Fehler. 
"Vielleicht gelingt es dir ja einen gottlosen Teufel wieder zurück auf den rechten Weg zu bringen. Du wirst mich doch jetzt sicherlich über Gottes unergründbare Wege aufklären können." William hatte es eigentlich nicht sagen wollen und er verabscheute sich noch mehr als ihm bewusst wurde, wie böse und abfällig seine Stimme geklungen hatte.

Joanna

Irgendwann hatte sie ihn doch angesehen, nachdenklich und zweifelnd. Sie hatte nicht geglaubt ihn je wieder zu sehen, sie hatte sich darauf eingestellt, ihn ihr Leben lang zu vermissen. Ihre Blicke trafen sich und diesmal brach Joanna den Augenkontakt nicht ab. Bis zu dem Zeitpunkt, da er wieder etwas sagte. 
Ihre Miene verschloss sich und gewann fast etwas Abweisendes, während der Zorn in ihren Augen auffunkelte. Es ging nicht nur darum, was er gesagt, sondern auch darum, wie er es gesagt hatte. 
„Was willst du eigentlich von mir, William? Ich habe dich um dieses Gespräch nicht gebeten! Wer bist du eigentlich, dass du mich und mein Leben verurteilen willst? Du hast dich nicht für mich entschieden, also beschwer dich nun gefälligst nicht über den Weg, den ich eingeschlagen habe. Glaubst du wirklich, ich wäre damals hergekommen, wenn ich einen anderen Weg gesehen hätte? Ich wollte nicht mehr heiraten, also war das Kloster der einzige Ort, wo ich Zuflucht suchen konnte. Kennst du mich überhaupt?? Du hast nun wirklich kein Recht dazu dir ein Urteil anzumaßen. Es ist nicht meine Schuld, dass du Frau und Kind verloren hast.“ 
Sie verschränkte die Arme. „Du hast aus deinem Leben gemacht, was du für das Beste hieltest, ich habe das Selbe getan. Ich habe mich verändert, ja, aber das hast du auch. Deshalb bin ich nicht zu einer fanatischen Gläubigen geworden. Gottes Wege sind unergründlich, das ist wahr, aber ich kann mir nicht anmaßen darüber Bescheid zu wissen. Wenn du hier bist um dir ein Urteil zu erlauben oder dich abfällig über diesen Ort zu äußern, der mir ein bisschen Heimat geworden ist, kannst du wieder gehen, Mylord.“

William

Joannas Worte holten William mit einem Schlag wieder auf den Boden zurueck. Mit einem Mal wich er ihrem Blick aus und starrte unbehaglich auf den Rest Brot in seiner Hand. 
Sie hatte ja Recht und das wusste er auch selbst nur zu gut. Es war nicht richtig gewesen seinen Unmut an ihr auszulassen - besonders da er gerade vermutlich die einzige Person vor sich sitzen hatte, die ihn verstand ... verstanden hatte. Und er wollte keineswegs nochmehr Groll zwischen ihnen entstehen lassen. 
Er schwieg recht lange - ihm selbst kam es vor wie eine Ewigkeit, warscheinlich waren es aber nur wenige Minuten - bevor er sie mit der Zunge ueber die Lippen fuhr. 
"Ich haette das nicht sagen sollen." gestand er ein und warf einen kurzen Blick zu Joanna nur um ihn dann wieder zu senken und erneut ins Schweigen zu verfallen. "Ich weiss einfach nicht mehr wo mir der Kopf steht, was ich tun und lassen soll ... und dabei lastet eine Verantwortung auf meinen Schultern, die es mir nicht erlaubt Schwaeche zu zeigen." fasste er seine Gedanken schliesslich in Worte. Und dieses Mal klang seine Stimme keineswegs mehr boshaft, sondern rau und zweifelnd.

Joanna

Joannas Wut ließ ein wenig nach und sie legte die Hand flach vor sich auf den Tisch. Auch wenn er litt, seine Worte hatten sie getroffen. Schließlich war allein er der Grund, warum sie hier lebte. 
"Nein, hättest du nicht. Ich weiß durchaus, dass es nicht einfach für dich ist. Aber deshalb solltest du deine Laune nicht an mir auslassen, meine Schuld ist es nicht." 
Sie seufzte leise. 
"Hör zu...du kannst die Verantwortung tragen und das weißt du sehr genau. Du musst es dir nur zutrauen." Sein Vater war also gestorben. Joanna wusste nicht, was sie darüber denken sollte. Der Earl war der Grund für das Scheitern ihrer Liebe gewesen. Wie sollte sie da viel Mitleid empfinden? Sie fühlte nur mit William, weil er jetzt die Verantwortung tragen musste und zudem seine persönlichen Verluste verarbeiten musste. Joanna beschloss, dass sie ihm einfach nicht länger wegen seiner Worte böse sein konnte und legte vorsichtig eine Hand auf seine. 
"Verlier nicht deinen Weg. Verlier nicht dich selbst, denn es ist schwer dich wiederzufinden. Habt ihr Kinder?" 
Vielleicht tat es ihm ja gut, wenn er erzählen konnte...auch wenn es sie schmerzen würde zuzuhören.

William

Er starrte gedankenverloren auf ihre Hand, die nun auf seiner ruhte. Und ihn ein klein wenig an das erinnerte, was Joanna und er gehabt hatten bevor sein Vater eine Wende in sein Leben gebracht hatte, die er sich vorher nicht hatte vorstellen koennen. 
"Ich schaetze, ich habe mich schon vor einer ziemlich langen Zeit verloren." murmelte er leise und hoffte hinterher, dass es leise genug gewesen war, so dass Joanna die Worte nicht gehoert hatte. 
Dann schluckte er und nickte langsam. Der Gedanke an seine Kinder waermte ihm das Herz und liess es gleichzeitig wieder einfrieden, da er auch an Isabel denken musste. 
Langsam hob William den Blick, um Joannas zu begegnen und versuchte sich an einem Laecheln, auch wenn seine Stimme belegt klang als er ihr antwortete. 
"Zwei. Ein Maedchen und ein Junge." er machte eine kurze Pause und wog ab, ob er weiter sprechen sollte und entschied sich dann dafuer. "Beatrice wird bald fuenf und Robert drei." 
Und das Dritte sollte eigentlich einige Wochen alt sein ...

Joanna

Joanna antwortete erst einmal nicht, sondern ließ das Gehörte nur auf sich wirken. Der alte Schmerz war wieder da, die alte Wut, der alte Groll, dass es nicht ihr Leben war, das sie die letzten Jahre mit ihm hatte teilen können. Doch es war einfach, ihn nichts von dem spüren zu lassen, denn es tat ihr leid, wie er litt. Sie hatte gewollt, dass er glücklich wurde, trotz ihrer Eifersucht auf diesen blonden Engel Isabel d’Aubigny, der einfach alles in den Schoß gefallen war. Alles, was sie sich so sehnlichst gewünscht hatte. 
„Deine Kinder brauchen dich und dafür lohnt es sich doch sicher an deiner Stärke festzuhalten. Widme ihnen so viel Zeit wie du erübrigen kannst und hilf ihnen über den Verlust hinweg. Dann wird es auch dir besser gehen. Und eines ist sicher…“ So ungern sie das auch aussprach, so schwer es ihr fiel. „Isabel of Cornwall lebt in ihren Kindern weiter. Du wirst sie immer in ihnen wiedererkennen. In Beatrice und Robert, umso mehr, je älter sie werden.“ 
Auch Joanna versuchte sich an einem aufmunternden Lächeln, was wohl ein wenig misslang. Sie war stark geworden, aber das war für sie unendlich schwer. 
„Gib dir ein wenig Zeit, euch Drei, dann fällt irgendwann der Schatten von deiner Seele.“ 
Für sie hatte die Zeit wohl noch nicht genügt, es würde noch eine Weile dauern. Jetzt erst recht. Trotzdem drückte sie mitfühlend seine Hand. 

William

William atmete geraeuschvoll aus, wusste nicht was er erwidern sollte. Joannas Worte waren zum einen wie Balsam auf seiner Seele, zum anderen rissen sie die Wunde jedoch auch nur wieder weiter auf. 
Gerade kam William sich mehr denn je wie ein Verraeter vor. Zuerst hatte er nicht zu Joanna gestanden, sondern sich seinem Schicksal ohne allzu grossen Widerstand hingegeben. Dann war er aber nicht einmal in der Lage gewesen, sich voellig auf sein neues Leben zu konzentrieren, sondern hatte immer wieder an Joanna denken muessen. Somit war er keiner der beiden Frauen, die in seinem Leben eine Rolle spielten gerecht geworden. 
Und jetzt sass er Joanna gegenueber und wusste nicht was er fuehlen und denken sollte - so hin und her gerissen war er zwischen dem tiefen Schmerz, der sich seit Wochen in seiner Seele festgesetzt hatte und zwischen der Freude ueber das unerwartete Wiedersehen mit Joanna. Das allerdings seinerseits wieder erneuten Unmut in ihm aufwallen liess, da er spuehrte, dass noch eine Menge seiner Gefuehle fuer sie in ihm schlummerten - und das obwohl er eigentlich nur um seine verstorbene Frau trauern sollte. 
William oeffnete den Mund, um etwas zu antworten, schloss ihn jedoch wieder, da er nicht wusste was. 
So verweilte er einen Moment lang schweigend und brachte seine Gedanken dann wieder von Joannas Worten weg, zu dem Chaos, das in seinem Kopf tobte. 
Er schuettelte den Kopf. "Ich verstehe mich selbst nicht mehr." stellte er dann fest, die Stimme nun ein klein wenig fester. 
Langsam erhob er sich und entzog sich damit automatisch Joannas Beruehrung. Er machte ein paar Schritte durch den Raum und blieb dann mit dem Ruecken zu Joanna stehen. 
"Es gab kaum einen Tag an dem ich nicht an dich gedacht habe. Selbst wenn ich es versucht habe, spaetestens wenn ich vor einem Spiegel stand oder an kalten Tagen meine Schulter schmerzte wurde ich an dich erinnert. Und jedes Mal habe ich mich mit der Frage gequaelt, ob ich nicht einen Fehler gemacht habe. Und dann habe ich Isabel und die Kinder gesehen und fuer einige Zeit konnte ich mich einfach gluecklich fuehlen." er machte eine kurze Pause, gerade lang genug um als unnatuerlich bemerkt zu werden. "Und trotz dieses Gluecks, habe ich staendig gezweifelt ... und frage mich jetzt, ob ich ueberhaupt jemals jemandem dabei gerecht werden konnte." 
Umso laenger William gesprochen hatte, desto fester war seine Stimme geworden, so dass er jetzt wieder den gewohnt sichern Ton zu Schau tragen konnte. Trotzdem wagte er es nicht sich zu Joanna umzudrehen, da er genau wusste, dass er mit seinen Worten nichts besser machte, sondern eher das Gegenteil der Fall war. 

Joanna

Joanna seufzte leise und stützte die Hand an ihrer Stirn ab, die Augen einen Moment geschlossen. Warum musste er jetzt damit anfangen? Warum begriff er denn nicht, dass sie längst nicht abgeschlossen hatte? 
„Und doch hast du sie geliebt. Ich sehe deine Augen, wenn du von ihr sprichst. Den Schmerz, sie verloren zu haben. Du hast bemerkenswert schnell in dein neues Leben gefunden, schneller als ich.“ Das habe ich heute noch nicht wirklich. Ihre Stimme hatte schärfer geklungen als beabsichtigt. „Warum sagst du mir das, William? Du hast damals eine Entscheidung getroffen und mit den Konsequenzen mussten und müssen wir beide leben. Du kannst die Zeit nicht zurückdrehen. Du hast eine Familie gegründet und die Frau an deiner Seite war nicht ich. Es lag in deiner Hand. Ich bitte dich, lass es sein. Es war so schon schwer genug für mich, das ist es immer noch. Glaubst du wirklich, dass auch nur ein Tag vergangen wäre, an dem ich nicht an dich gedacht hätte? Seit sechs Jahren, kein verdammter Tag. Warum stehst du nun hier und sagst mir das? Du bringst mich schon wieder durcheinander. Ich kann nicht damit abschließen, was glaubst du, warum ich hier bin, William? Zu meinem Vergnügen?“ 
Auch Joanna stand nun auf und lehnte sich mit der Schulter an die kühle Wand. Es tat so weh…immer noch. Ich liebe dich doch…immer noch. 
Joanna seufzte leise. „Wie soll es weitergehen? Was erwartest du für eine Antwort von mir?“, fragte sie schließlich leise. 

William

Mit einem Mal flammte erneut Wut in William auf als er zu Joanna herum fuhr. "Schnell?" er musste sich bemühen die Stimme nicht merklich zu heben. "Schnell? Joanna bildest du dir wirklich ein, dass ich schnell damit abgeschlossen hätte? Mit uns?" er machte eine Handbewegung, die sowohl Joanna als auch ihn einschloss. "Natürlich habe ich sie geliebt." Nun wurde seine Stimme wieder ruhiger und William gestand sich selbst ein, dass er nur noch mehr Probleme herauf beschwor, wenn er sich nicht beherrschen konnte. 
"Aber genauso habe ich dich geliebt und ..." er unterbrach sich wieder selbst und sah zu Boden, kaute nervös auf der Unterlippe herum. 
"und auch wenn ich dachte, dass es mittlerweile nicht mehr so ist. Wenn ich dich jedoch so vor mir sehen, muss ich mir eingestehen, dass ich in diesem Punkt reichlich naiv war." 
Ganz bewusst hatte er nicht direkt gesagt, dass er sie noch liebte, aber seine Worte waren trotzdem recht eindeutig. Als er wieder auf sah, wirkte er beinahe trotzig. 
"Und jetzt frag mich nicht wieso ich dir das sage. Ich weiß es nicht. Joanna, ich hinterfrage seit langem so ziemlich alles was ich Tue und Lasse und komme zu keinem Ergebnis, da erwarte jetzt keine Antwort auf diese Frage von mir. Ich kann sie dir nicht geben."

Joanna

Joanna schaute ihn ebenso durchdringend an und wandte den Blick nicht ab. Was erwartete er denn? Dass sie sich über die Maßen freute ihn zu sehen, nach all dem? 
"Es schien mir so. Du hast sie geliebt, ja, aber es fällt mir ehrlich gesagt ziemlich schwer zu glauben, dass du mich genauso geliebt hast. Ach, lassen wir das...ich hatte sechs Jahre in mehr oder weniger großer Einsamkeit Zeit, meine Bitterkeit in mich hinein zu fressen und für meine Gefühle Buße zu tun. Offenbar brauche ich noch einmal solange, bis ich dich nicht mehr jeden Tag vermisse. Du machst es mir nicht gerade einfacher mit dem, was du sagst, weißt du das? Es tut mir wirklich leid, welche Verluste du erlitten hast, aber mehr kann ich dir nicht sagen. Was auch immer du dir erhofft hast, ich kann es dir nicht geben, wenn du es nicht einmal selber weißt. Also ..." 
Ihre Stimme wurde leiser, unsicherer. 
"Vielleicht solltest du gehen, mich vergessen und zu deinen Kindern zurückkehren, so schnell du kannst. Das wird wohl für uns alle die einfachste Lösung sein, wenn wohl auch eine der Schmerzhafteren." 
Sie seufzte leise, wandte niedergeschlagen den Blick ab und drehte sich halb von ihm weg. Was machte sie hier eigentlich? Sie hatte kein Gelübde abgelegt, aber sie gehörte doch zu den Nonnen. Was sie heute tat und gesagt hatte, gehörte sich wirklich nicht.

William

Schweigend betrachtete er Joanna und versuchte seine Gedanken zu ortnen. Ein leises Stimmchen in seinem Kopf drängte darauf, dass er weiter auf sie eingehen sollte, dass er alles daran setzen sollte, sie zurückzubekommen. Aber war das überhaupt noch möglich? Und gut? 
Geichzeitig kam er sich bei diesem Gedanken noch schlechter vor. 
Dann schluckte er und fand langsam seine Sprache wieder - mit leicht gedämpfter, aber ruhiger Stimme. 
"Joanna, das kann ich nicht. Ich kann dich so schon nicht vergessen und nachdem ich dich jetzt hier getroffen habe noch viel weniger." gestand er dann und trat langsam wieder auf sie zu. 
"Ich will dir keine Versprechungen machen, da ich weiß wie sehr ich dich schon einmal verletzt habe und es tut mir Leid. Außerdem habe ich nun mehr denn je den Eindruck, dass du nichts mehr von mir wissen willst." 
Er ging neben ihr in die Hocke und versuchte ihren Blick aufzufangen. 
"Aber trotzdem kann ich nicht einfach so gehen. Ich hätte das Gefühl eine zweite Chance verspielt zu haben. Meine letzte Chance. Selbst wenn es im Grunde vielleicht gar keine ist."

Joanna

Joanna hob den Blick und schaute ihn einfach nur an, wie er da so neben ihr hockte. Er war eben doch noch der Mann, den sie vor mehr als sechs Jahren kennengelernt hatte. Er war William of Cornwall, ein hoffnungsloser Charmeur, zumeist nie um einen Spruch verlegen, unverschämt gut aussehend und einfach....William. Er war der Mann, den sie liebte. 
"Ich....es hat so wehgetan zu sehen, wie du sie geheiratet hast und ich fand mich selbst so abscheulich, so eifersüchtig war ich. Ich fühlte mich wie im tiefsten Winter, alles war grau und trist ohne dich. Und doch war ich froh, dass wir nicht im Streit auseinander gegangen sind, so verletzt und wütend ich auch war." 
Die ersten Tränen verschleierten ihre Sicht. Die ersten Tränen seit vielen Monaten, die sie sich gestattete. 
"Jetzt bist du der Earl of Cornwall, noch viel ranghöher als damals. Wie sollten wir je eine Chance haben? Wer würde mich schon akzeptieren? ich bin einfach nur die Witwe eines nicht sehr königstreuen Earls." 
Sie zögerte, dann aber war ihre Sehnsucht übermächtig und sie schlang für einen Moment die Arme um seinen Hals. 
"Ich vermisse dich so..", flüsterte sie.

William

So absurd es ihm vorkam, William fiel tatsächlich ein Stein vom Herzen als er die ersten Tränen über Joannas Wangen rinnen sah. Er hatte ihren Panzer also doch durchbrochen. Und das was er darunter gefunden hatte, beruhigte ihn ungemein. 
Als sie dann plötzlich sogar ihre Arme um ihn schlang, verschlug sie ihm damit promt die Sprache. Er legte die seinen um sie und hielt sie für einige Augenblicke einfach nur schweigend fest, so als würde er sie nie wieder loslassen wollen. 
"Aber jetzt gibt es auch niemanden außer Henry der uns noch im Wege steht." flüsterte er Joanna schließlich ins Ohr. "Mein Vater, Gott hab ihn selig, war das größte Hindernis. Und so sehr mich sein Tod auch bedrückt, so hat er zumindest die Tür nicht gänzlich verschlossen." 
William löste sich ein wenig von Joanna und strich ihr sanft über die Wange und wischte dabei einige ihrer Tränen fort. 
Auch wenn ihm reichlich flau im Magen war, konnte sich nun doch ein Grinsen auf seine Lippen kämpfen. 
"Und mit Henry dem alten Querkopf, werde ich schon fertig. Schließlich ist unser König wahrlich kein Heiliger. Da könnte er schlecht etwas gegen eine Verbindung zwischen uns sagen."

Joanna

Joanna seufzte und genoss den Moment. Es war fast wie früher. Fast wie in besseren Zeiten, als wären sie unbeschwert. Er war bei ihr, hielt sie fest, war da. 
"Es wäre zu schön, als das es je wahr werden könnte. Dieser Hoffnung habe ich mich schon einmal hingegeben. Was es mir letztlich gebrach hat, sind sechs Jahre im Kloster. Sechs Jahre Beichte, Buße und Fasten, weil all meine Gefühle der Kirche so verboten erscheinen." 
Sie öffnete die Augen und sah ihn an. 
"Ich dachte, ich sehe dich nie wieder." 
Und dann war ihre Zurückhaltung endgültig Geschichte. Unter einigen weiteren Tränen beugte sie sich vor und küsste ihn. Sie konnte nicht anders, obwohl es eigentlich nicht sein sollte, schließlich hatte er gerade seine Frau verloren und sie befanden sich in einem Kloster.
Trotzdem waren ihre Gefühle immer noch viel zu mächtig, um sie noch beherrschen zu können. Sie hatte ihn so sehr vermisst in den letzten Jahren. Jetzt....war er frei. Nur Henry stand ihnen noch im Weg. 
"Und....William de Beaumont, Earl of Warwick."

William

William wollte gerade etwas erwidern als Joanna seine Lippen mit den ihren verschloss. Einen Moment lang war er völlig perplex, da er mit so einer Reaktion wahrlich nicht gerechnet hatte. Dann erwiderte er ihren Kuss, der letztlich allerdings schneller wieder zu Ende war als es ihm eigentlich lieb war. 
Als sie sich wieder von einander trennte, liefen seine Gefühle Sturm. William wusste nicht was er zuerst denken, was zuerst empfinden sollte. 
Einerseits schien es genau das zu sein, was er wollte, andererseits kam es ihm vor als hätte er die letzten sechs Jahre nur auf diesen Moment gewartet - und das wurde Isabel in keinem Fall gerecht. 
Joannas Worte halfen ihm dann, wenn auch auf unbequeme Art und Weise, wieder einen klaren Gedanken zu fassen. 
Langsam stand er auf um sich auf den zweiten Stuhl im Raum zu setzen. Nachdenklich sah er Joanna an und schüttelte dann den Kopf, im Blick eine ungewohnte Härte. 
"Der Kerl ist nun wirklich kein Hindernis mehr." entgegnete William und stellte fest, dass sich ein herablassender Unterton, bei dem Gedanken an Joannas Stiefsohn, in seine Stimme gemischt hatte.

Joanna

Joanna seufzte leise und konnte die Wendung in ihrem Leben immer noch nicht begreifen. William saß vor ihr...William, den sie schon lange aufgegeben hatte. 
"Ich hoffe es. Aber es wäre einfach zu schön um wahr zu sein. Es ist schon so viel schief gelaufen, warum sollten wir einmal Glück haben?" 
Sie schaute ihn an und stellte fest, dass es ihr eigentlich vollkommen egal war, wie. 
"Weißt du noch, früher?" Sie lächelte leicht, als sie sich erinnerte. "Wir haben davon geträumt, uns einfach aus dem Staub zu machen, einfach auf ein kleines Gut. Ich habe gesagt, ich käme mit dir, und wenn wir als Bauern leben müssten. An dem Punkt bin ich wieder. Ich würde mit dir gehen bis ans Ende der Welt. Also werden wir wohl auch mit meinem Stiefsohn fertig." 
Joanna schloss die Augen. Sechs Jahre hatte es gedauert. Und nun hatte sie Angst, dass alles wieder nur wie eine Seifenblase zerplatzen würde. Dass sie wieder nur verletzt und enttäuscht würde. Und doch...sie konnte sich der Hoffnung nicht verwehren. 
"Und wie geht es jetzt weiter mit uns?" Wenn er einfach ohne sie weg ritt, würde sie ständig Angst haben, dass er nicht wiederkam.

William

William überlegte lange, wog seine Antwort sorgfältig ab bevor er schließlich kurz mit den Schultern zuckte. 
"Ich bin mit den Männern gerade auf dem Weg zurück zum Hof, um dem König die Ergebnisse meiner Treffens mit Ludwig von Frankreich mitzuteilen." er kratze sich nachdenklich am Kinn. "Das bedeutet, dass ich so schnell wie möglich am Hof eintreffen muss. Nicht zuletzt, da die Männer sich nach ihrem zu Hause sehen - und mir geht es da nicht anders." 
William war nicht gerade erbaut darüber gewesen, dass Henry ihn persönlich nach Frankreich geschickt hatte. Er war nach wie vor der Meinung, dass es bei der ganzen Sache nur um Formalitäten ging, die auch ein einfacher Bote hätte überbringen können. Schließlich waren Henrys kleiner Sohn und Prinzessin Magarete bereits seit längerem verlobt und William bezweifelte, dass Ludwig seine Meinung bezüglich einer Hochzeit der Kinder so schnell ändern würde. 
"Bei der Gelegenheit kann ich Henry direkt über meine Pläne informieren." William sah Joanna einen Moment abwartend an und fügte dann noch hinzu "Bevor das Ganze offiziell werden kann, solltest du diesen Ort hier" William machte eine wage Handbewegung, die das Kloster umfassen sollte "allerdings verlassen. Nicht, dass es mich ernsthaft interessiert, was die Pfaffen darüber denken, wenn ich dich direkt von hier weg hole, aber du siehst das warscheinlich ein klein wenig anders." stellte er fest.

Joanna

Joanna biss sich nachdenklich auf die Unterlippe. Das war keine einfache Situation und sie war keineswegs so zuversichtlich wie er, was Henrys Reaktion anging. 
"Nun, es wird ohnehin einen Skandal auslösen, wenn du dich so bald einer anderen Frau zuwendest und vor allem weil du es wagst, jemanden wie mich auch nur in Erwägung zu ziehen. Das weißt du ebenso gut wie ich. Um ehrlich zu sein, ist es mir vollkommen gleich. Ich würde diesen Ort sofort verlassen. Nur...wohin mit mir? Es gibt keien Ort für mich. Ich will weder nach Warwick noch dorthin, wo früher einmal mein Zuhause war. An den Hof kann ich auch nicht einfach zurück, zumal ich mich damals bei Eleonore nicht dafür entschuldigt habe, dass ich mich im Tonfall vergriffen habe. Wenn ich das Kloster verlasse, bin ich heimatlos. Bis zu meiner Schwester ist es weit, außerdem habe ich keine Ahnung, wie es ihr geht. Ich habe lange nichts von ihr gehört. Das ist nicht so einfach." 
Da war er wieder: der Zweifel. Es war nun schon kompliziert, bevor es richtig begonnen hatte. Und es würde sehr hart werden, wenn William sie wirklich heiraten wollte. Sie würden viel durchstehen müssen. Und da war ja auch noch die Sache mit seinen Kindern...
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GreyStorm



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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Di Aug 04, 2015 7:48 pm

William

William runzelte die Stirn. Das war in der Tat nicht so einfach und auch er hatte keine Lösung parat. 
"Ich kann dich aber auch nicht mitnehmen. Die Reise ist nichts -" er brach ab und hätte sich am Liebsten auf die Zunge gebissen. Die Reise ist nichts für eine Frau hatte er sagen wollen und war sich erst mitten im Satz bewusst geworden, wie herablassend das geklungen hätte.
"Es geht nicht." zog er dann das schlichte wie auch einfallslose Fazit. "Zumal du ja selbst sagst, dass du nicht an den Hof zurückkehren willst - was nebenbei bemerkt ein Problem darstellen könnte. Du wirst Eleonore so oder so wieder unter die Augen treten müssen. Also wirst du ohnehin über deinen Schatten springen müssen." William bemühte sich ernsthaft um einen möglichst friedlichen Ton, denn besonders seine letzten Worte konnten heikel werden, wenn Joanna sie falsch auffasste. 
Allerdings sprach er nur die Wahrheit. Er ging nach wie vor - oder besser gesagt jetzt wieder deutlich mehr - ständig am Hofe ein und aus und sein Verhältnis zum Königspaar war noch immer bestens; und besonders Eleonore hatte in der letzten Zeit immer wieder ein paar passende Worte für ihn gefunden. 
"Ich kann dich aber auch nicht nach Cornwall bringen lassen. Weder habe ich Männer dafür übrig, noch wäre es klug, dich dort einfach so auftauchen zu lassen." Besonders wegen der Kinder ...

Joanna

"Nein, schwerlich." Joanna war sich ziemlich sicher, was er hatte sagen wollen und das gefiel ihr nicht. Aber was sollte sie tun? Er war eben auch ein Mann und deshalb ließ sie es mit einem tadelnden Blick auf sich beruhen. 
Zumindest vorerst, denn nun bekam sie ernsthaft das Gefühl, dass er sie einfach nicht verstand oder nicht verstehen wollte. 
"Ich sagte nie, dass ich nicht zurückkehren möchte, aber ich kann nicht einfach so. Was soll ich ihr sagen? 'Seid gegrüßt, Majestät, ich war sechs Jahre fort und komme wieder um zu tun, als ob nichts gewesen wäre?' Sicherlich. Ich soll über meinen Schatten springen, natürlich, nachdem sie mich zwingen wollte Isabel d'Aubigny all ihre Fragen über dich zu beantworten. Glaubst du ernsthaft, das war mir so egal? Denkst du wirklich, ich habe überreagiert?" Sie hatte die Stimme nur leicht erhoben. 
Wieder einmal fühlte Joanna sich in eine Ecke gedrängt. Wieder einmal sprach alles gegen sie und eine Lösung war nicht in Sicht. 
"Dann werde ich vorerst wohl hier bleiben müssen. Das wird das Beste sein. Wenn ich mich doch entschließe, Herakles zu satteln und zum Hof zu reiten, wirst du es wohl mitbekommen." Sie versuchte sich an einem kläglichen Lächeln. "Da fällt mir ein...wie geht es Cuivre?" Ihre Finger wanderten wie von selbst zu der schmalen Kette, an der sie den Anhänger um den Hals trug, den William ihr zum Abschied geschenkt hatte.

William

Er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, zog es dann jedoch vor zunächst nicht zu antworten. Was hätte er denn auch sagen sollen? 
Joannas Themenwechsel kam ihm deshalb sehr gelegen und William registrierte nicht ohne Zufriedenheit, dass sie die Kette um den Hals trug, die er ihr damals geschenkt hatte. 
"Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht, er ist in Cornwall. Ich gehe jedoch davon aus, dass es ihm gut geht. Als ich nach Frankreich aufbrach, erfreute er sich jedenfalls bester Gesundheit." er grinste und dachte daran, wie sein einst so treues Streitross seinen Ruhestand genoss - auf saftigen Weiden und hin und wieder mit der Gesellschaft einiger Stuten. 
Wann immer William zu Hause war, ließ er es sich nach wie vor nicht nehmen, seinen Hengst zu satteln und einen Ausritt mit dem Fuchs zu machen. Doch er merkte jedes Mal aufs Neue, dass es eine gute Entscheidung gewesen war, ihn nicht mehr als Streitross, sondern nur noch als Zuchthengst in Cornwall einzusetzen. 
"Mach dir vorerst keine allzu großen Gedanken." griff er dann doch wieder das leidige Thema auf. "Sobald ich meinen Auftrag erledigt habe, werde ich schon den richtigen Weg finden."

Joanna

"Also genießt er seinen Ruhestand..." Sie lächelte. Ja, es war wirklich viel Zeit vergangen. Auch Herakles war nicht mehr der Jüngste, aber noch gesund und kräftig, denn viel zu tun hatte er eigentlich nicht mehr. Joanna schaffte es nur selten, sich für einen kurzen Ausritt davon zu stehlen und dementsprechend sah ihr Grauer nun auch aus. Er hatte ein wenig zugelegt. 
Joanna erhob sich von ihrem Stuhl und ging zu ihm hinüber, legte ihm eine Hand auf die Schulter. 
"Ja, vielleicht wirst du das. Ich hoffe nur, es dauert nicht noch einmal sechs Jahre. Jeder Tag ohne dich ist ein einsamer Tag." 
Sie seufzte leise und beugte sich ein letztes Mal zu ihm hinunter um ihn zu küssen. Es würde wohl das letzte Mal für ungewisse Zeit sein und sie setzte alles daran, bei dem Gedanken, dass er sie bald wieder verlassen würde - wenn auch auf befristete Zeit - nicht in Tränen auszubrechen. Die Angst ihn wieder zu verlieren war groß. 
"Lass dir nicht allzu viel Zeit, Liebster, ja?"

William

William nickte, doch Joannas nächste Worte fegten das Lächeln bereits wieder gekonnt von seinen Lippen. 
Auch wenn sie es womöglich nicht so gemeint hatte, war der Vorwurf zumindest für William deutlich spürbar und er biss die Zähne aufeinander, um sich keine weitere Regung entlocken zu lassen. 
Joannas Bitte hingegen trieb ihm erneut einen Dolch in die Brust. Liebster, so hatte Joanna ihn früher schon genannt. Und doch war bis vor wenigen Wochen Isabel diejenige gewesen, die diese Bezeichnung für ihn in den letzten sechs Jahren verwendet hatte. 
Mit einem Mal kam ihm wieder der Schmerz und damit einhergehend der Zweifel in ihm auf, ob das was er tat, das Richtige war. Aber hatte er nicht vielleicht bereits den ersten Fehler begangen, als er sich gegen Joanna entschieden hatte? Und war das hier nicht seine zweite Chance, wieder gut zu machen, was er vor sechs Jahren falsch gemacht hatte? 
William sah zu Joanna auf und brachte schließlich ein gequältes Lächeln zu Stande. 
"Ich werde mein Bestes geben und mich beeilen."

Joanna

Joanna hatte viel nachgedacht, doch nach ein paar Tagen hatte sie es nicht mehr ausgehalten. Sie hatte das Gespräch mit der Äbtissin des Klosters gesucht und schließlich mitgeteilt, dass es sie zurück in das wetliche Leben zog. Erwartungsgemäß war die Nonne nicht begeistert gewesen, aber hindern konnte sie sie schlecht. 
Also hatte Joanna ihre wenigen Habseligkeiten zusammengepackt und sich zu Herakles begeben, den sie nun sattelte. 
"Nun, alter Freund, wir beide gehen doch noch einmal auf Reisen. Du hast dich wohl gefühlt dort, nicht? Vielleicht geht es dir damit besser als mir. Noch ist die Situation so ungewiss, wenn William keinen Erfolg hat, war alles umsonst und ich stehe wieder vor dem Nichts. Aber da ich ohnehin mit Eleonore reden muss...daran führt kein Weg vorbei, nicht wahr?" 
Sie lächelte unsicher, nahm den Grauen am Zügel und schwang sich vor der Tür in den Sattel. Mit einem letzten Blick zurück auf ihren Zufluchtsort der letzten sechs Jahre machte sie sich auf den Weg zurück in ein altes Leben. Ein altes Leben, in dem sie ein neues Kapitel begann.

William

William runzelte die Stirn und sah seinen Cousin mit prüfendem Blick an. 
"Du weißt, was ich davon halte, Henry." gab er dann zu bedenken und seinem Cousin damit mehr zum Nachdenken als wenn er die Frage genau beantwortet hätte. 
Henry sah ihn schweigend an, nickte dann jedoch. "Natürlich. Aber trotzdem ist es unumgänglich, dass die beiden bald vermählt werden Eine Verlobung ist schnell gelöst." 
William hob die Schulter. "Wie du es für richtig hält, mein König." er grinste und machte dann einen Schritt auf Henry zu, um ihm genau in die Augen sehen zu können. 
"Und wo wir gerade beim Heiraten sind ... du bist mir noch eine endgültige Antwort schuldig, Henry." Williams Stimme klang forschend und zu gleich herausfordernd. Es war nun schon ein paar Tage her, dass er seinem Cousin seine neuen Pläne unterbreitet hatte. Mit dem Ergebnis, dass Henry ihn auf später vertröstet hatte. 
Der Angesprochene seuftzte und nickte erneut. "Ich weiß." William hatte grade die Befürchtung, dass sein Cousin nicht plante noch weiter zu sprechen als Henry doch fortfuhr. "Sprich mit Eleonore darüber. Ich habe dafür gerade keinen Sinn. Außerdem" und William hätte den Ton, den Henry anschlug beinahe lauernd genannt "weiß sie doch oft genug einen guten Rat für dich." 
William tat Henry allerdings nicht den gefallen auf seine Stichelei anzuspringen. Er wusste, dass sein Cousin zur Zeit in reichlich streitsüchtiger Laune allem und jedem gegenüber war und das nicht zuletzt auf sein gespanntes Verhältnis zur Königin zurück ging.

Joanna

Ihre Finger zitterten leicht, als sie nun vor Eleonore trat und zum ersten Mal seit langer Zeit in einen vollendeten höfischen Knicks sank. Es war merkwürdig wieder hier zu sein. Dabei war William nicht der Erste gewesen, dem sie im Kloster begegnet war. Einer der unbedeutenderen Ritter des Königs war ihr vor einigen Jahren ebenfalls in der Kirche begegnet. Er war noch einige Male wiedergekommen und hatte versucht sie zu überreden das Kloster zu verlassen. Er war hingerissen von ihrem Anblick gewesen - und bitter enttäuscht, als sie höflich dankend abgelehnt hatte. 
Unter anderen Umständen hätte sie vielleicht sogar erwogen ihm zuzustimmen, aber William war ihrem Herzen damals zu nahe gewesen. Wie jetzt auch. Doch nun stand sie hier....vor der Königin von England, die sie erstaunlicherweise mit einem Lächeln empfing. 
"Joanna...lange ist es her. Wie schön Euch zu sehen." Joanna schluckte. "Ich...möchte Euch um Verzeihung bitten für meine Worte bei unserer letzten Begegnung, ich hatte mich nicht im Griff. Und ich würde gerne wieder an den Hof zurückkehren, in Eure Dienste, wenn Ihr gestattet." Sie atmete durch, davon hing so viel ab. Doch Eleonore überlegte nicht einmal lange. "Ihr seid mir willkommen, Joanna."

William

Natürlich war es William nicht entgangen, dass Joanna am Hofe eingetroffen war. Als er es jedoch erfuhr, war sie bereits bei Eleonore und somit blieb ihm nichts weiter als zu warten, während Joanna mit der Königin sprach. 
Er hoffte sehr, dass Eleonore kein allzu großes Aufheben machen würde. Das sie Joanna nicht abweisen würde, wusste er. Nachdem Henry ihn regelrecht hatte abblitzen lassen, war er recht zügig zu Eleonore gegangen und hatte sie eingeweiht. 
William war sich zwar nicht sicher, ob Eleonore sich nur seinetwegen so bereitwillig einverstanden erklärt hatte oder ob sie es nur tat, da sie wusste, dass Henry seine Entscheidung hinausschob. Es wäre nicht das erste Mal, dass sie etwas tat nur um ihrem Gemahl eins auszuwischen. 
Im Grunde war das William aber herzlich egal. Für ihn zählte momentan nur, dass Joanna wider ihrer ersten Aussage doch an den Hof gekommen war. Und so blieb ihm nichts weiter als zu warten, dass er Joanna endlich zu Gesicht bekam. 
Um sich die Zeit zu vertreiben hatte er Geoffrey bei sich behalten, der ihm die Nachricht auch überbracht hatte, und diskutierte mit ihm nun über einige recht belanglose Dinge.

Joanna

Als Joanna wieder auf den Gang hinaustrat, konnte sie immer noch nicht glauben, dass das gerade wirklich passiert war. Sie war aus dem Kloster zurück an den Hof gekommen und stand nun wieder in Eleonores Diensten. Zumindest vorerst. Solange, bis sich etwas Anderes ergeben würde. 
Sie hatte der Königin gedankt und in Erfahrung gebracht, dass ihr altes Gemach leer stand. Sie konnte es wieder beziehen und das war ihr nur Recht. 
Sie wusste nicht genau, ob William am Hof war oder nicht, das zu fragen hatte sie noch nicht gewagt. Obwohl erst einige Tage vergangen waren, vermisste sie ihn schon wieder und trotzdem war Joanna nicht sicher, ob er sich so glücklich über ihre Anwesenheit zeigen würde. 
Eigentlich war Unsicherheit eines der vorherrschenden Gefühle in ihrer jetzigen Lebenssituation geworden, denn sie stand wieder dort, wo sie vor mehr als sechs Jahren gestanden hatte, nur um einige Erfahrungen und bittere Erinnerungen reicher. Der Tag von Williams Hochzeit war der düsterste ihres Lebens gewesen, viel düsterer als der Todestag ihres ersten Mannes, als der Tag, an dem sie ihre Familie verlassen hatte. Und jetzt....sollte alles von vorne beginnen? 
Joanna seufzte und beschloss, sich auf die Suche nach ihm zu machen. Sollten die Anderen doch denken, was sie wollten.

William

William entging das Grinsen, das sich plötzlich auf Geoffreys Zügen breit machte keineswegs. Und als er sich umdrehte, um ebenfalls in die gleiche Richtung wie Geoffrey zu sehen, wurde ihm auch umgehend bewusst, weshalb sein Gefolgsmann ein solch breites Grinsen zur Schau trug. 
Er hatte Joanna entdeckt. 
William drehte sich noch einmal mit erhobenem Zeigefinger zu Geoffrey herum. "Glaub ja nicht-" begann er in scherzhaft drohendem Ton, wurde jedoch bereits von seinem Gegenüber unterbrochen, der mit einer Unschuldsmiene die Hände hob. 
"Kein Wort über meine Lippen, Mylord." schmunzelnd wandte Geoffrey sich ab und William setzte sich in entgegengesetzter Richtung in Bewegung, um Joanna entgegen zu gehen. 
Er hatte sie noch nicht ganz erreicht, da zog er fragend eine Augenbraue in die Höhe, lächelte jedoch gleichzeitig. 
"Wie kommt es, dass Ihr Eure Meinung geändert habt, Mylady?" fragte er scheinbar völlig überrascht.

Joanna

Joanna hob den Kopf - und sofort breitete sich ein Lächeln auf ihren Zügen aus, als sie William entdeckte, der auf sie zu kam. 
"Nun...es gibt da jemanden, den ich schmerzlich vermisst habe, Mylord. Nach seinem letzten Besuch erschien mir das Kloster irgendwie...wie ein Kerker. Ich habe der Äbtissin gesagt, dass es mich zurück in das weltliche Leben zieht. Herakles hat sich gefreut." 
Sie schaute ihn mit leuchtenden Augen an und empfand plötzlich mehr denn je ein Gefühl der Richtigkeit. Ja, es war gut, dass sie gekommen war. Um ihn zu sehen... 
Ob er allerdings Erfolg gehabt hatte, fragte sie nicht. Erstens konnte hier jederzeit jemand vorbeikommen und außerdem wusste sie nicht, ob er wirklich so froh war sie zu sehen. 
"Und...ist es in deinem Sinne, dass ich hier bin?", fragte Joanna schließlich leise, vorsichtig. 
Es war merkwürdig, wieder dazu zu gehören. Und es würde wohl so weiter gehen wie es vor sechs Jahren aufgehört hatte: heimliche Treffen, die sie beide irgendwann belasten würden. Wenn er keinen Weg für sie fand...

William

William legte den Kopf schief und musterte Joanna nachdenklich. "Ich hätte es begrüßt, wenn ich eher davon gewusst hätte. Dann hätte ich mich vorbereitet." er zwinkerte ihr zu. "Aber vielleicht macht die Überraschung das ganze nur umso süßer." 
Er machte noch einen Schritt nach vorne und schloss Joanna dann zur Begrüßung in die Arme. Auf einen Kuss verzichtete er jedoch ganz bewusst, sie befanden sich schließlich nicht allein auf irgendeinem Zimmer. Und den Bogen wollte er nicht sofort überspannen. 
Als er wieder einen Schritt zurück machte, um Joanna anzusehen, fuhr er sich mit einer flüchtigen Bewegung durch die Haare, um sie ein wenig zu ordnen. 
Seit er wieder am Hofe war, war er immerhin wieder dazu gekommen sich regelmäßig zu rasieren und auch seine Haare waren nicht mehr so unordentlich wie bei seinem letzten Treffen mit Joanna. Was seinen Schlaf anging hatte sich allerdings noch immer nichts geändert und so machte er noch immer einen recht übermüdeten Eindruck. 
"Ich gehe davon aus, dass du mit Eleonore gesprochen hast?" fragte er dann in der Hoffnung zu erfahren, wie das Gespräch genau gelaufen war.

Joanna

Joanna lächelte und gab sich der Umarmung einen Moment lang vollkommen hin. Es tat gut, wieder seine Wärme zu spüren, seinen Herzschlag. 
Sie musterte ihn, wie er sich durchs Haar fuhr und fand, dass er immer noch ziemlich erschöpft wirkte. Offenbar ließ ihn die Vergangenheit noch nicht zur Ruhe kommen. 
"Ja, das habe ich. Ich bin über meinen Schatten gesprungen, wie du es wolltest." Sie seufzte leise. Ja, es war nicht ganz einfach gewesen ihren Stolz zu schlucken. 
"Ich...habe sie um Verzeihung gebeten und stehe nun wieder in ihren Diensten. Ich bewohne wieder mein altes Gemach. Bis sich irgendwann vielleicht etwas Anderes ergibt. Sie hat es mir leicht gemacht. Sie hat gesagt, ich bin ihr willkommen. Dabei hat sie dazu gar keinen Grund. Ich bin nicht die perfekte Hofdame und sehr höflich war ich das letzte Mal auch nicht." 
Sie zögerte einen Moment, dann legte sie die Hand auf seinen Arm. "Wie ist es dir ergangen in der letzten Zeit?"

William

"Also hat sie Wort gehalten." murmelte William zufrieden und stellte erst im Nachhinein fest, dass er laut gedacht hatte. 
Er hatte zwar nicht erwartet, dass Eleonore anders handeln würde als sie ihm zugesagt hatte, doch es war trotzdem erleichternd es nun von Joanna zu hören. 
Auf ihre Frage hin atmete William geräuschvoll aus. "Das Übliche. Wenn meine Aufgaben mich hier nicht beschäftigt haben, war ich auf dem Übungsplatz ... ich bin wirklich froh, wenn ich bald wieder für ein paar Tage oder Wochen nach Cornwall kann." Er machte eine Pause in der er die Stirn nachdenklich runzelte. "Es wird Zeit, dass Robert alt genug ist, um die Reise an den Hof ohne großen Aufstand zu meistern. Ich bin es Leid ständig hin und her zu reisen, um meine Kinder wenigstens zu Gesicht zu bekommen." 
William hätte es sich natürlich auch einfacher machen können, in dem er Henry erneut nur ab und an aufsuchte und dafür die meiste Zeit in Cornwall verbrachte. Aber sobald er längere Zeit in Cornwall verbrachte, wurde ihm die Zeit lang und er kam sich seltsam einsam vor, obwohl er stets von seinen Kindern und seinem Gefolge umgeben war.

Joanna

Joanna schaute ihn überrascht an. "Sie hat Wort gehalten? Hast du mit ihr über mich geredet?" Sie wusste nicht recht, ob sie das gut finden sollte. Andererseits hatte es die Dinge wohl leichter gemacht, als sie sonst gewesen wären. Ob Eleonore wohl einen Kommentar dazu abgegeben hatte, dass William und sie sich wieder näher gekommen waren?
Sie biss sich einen Moment lang unsicher auf die Unterlippe. Wenn er nach Cornwall zurückkehrte, bedeutete das wieder eine ganze Weile ohne seine Nähe. Du hast es sechs Jahre lang ausgehalten, also stell dich nicht so an. 
"Er ist doch bald drei, da wird es sicher nicht mehr allzu lange dauern. Aber ich bin sicher, sie vermissen dich ebenso." 
Sie überlegte kurz. "Kommst du mit? Ich sollte mir wohl ansehen, wie es in meiner neuen Behausung so aussieht. Ich gebe zu, es ist ungewohnt wieder hier zu sein, nach all der ruhigen, regelmäßigen Zeit im Kloster. Es ist schwer sich wieder umzugewöhnen, aber ich habe ja Zeit genug. Ach das höfische Geplauder habe ich ja so sehr vermisst.", meinte Joanna schließlich spöttisch und schüttelte lächelnd den Kopf.

William

William kaute kurz nervös auf seiner Lippe herum, bevor er nickte. "Zum einen musste ich mit ihr darüber sprechen, um mit ihr meine Pläne durchzugehen. Schließlich hat Henry sich davor bisher erfolgreich gedrückt. Und zum anderen habe ich verhältnismäßig wenige Geheimisse vor ihr - besonders in letzter Zeit." erklärte er dann langsam. 
Eleonore von Aquitannien und er hatten schon immer ein gutes Verhältnis gehabt. Und in der letzten Zeit war sie so ziemlich die einzige Person gewesen mit der William hatte sprechen können und von der er auch Verständnis erhalten hatte. Henry hingegen war momentan zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt als dass er William auch nur einen einzelnen guten Ratschlag hätte erteilen können. 
William beantwortete Joannas nächste Frage mit einem Nicken und grinste dann, wenn auch etwas müde. 
"Oh, du wirst es lieben. Die kleinen Intrigen, die hier und da ausbrechen. Ein Skandal hier, ein Problem dort." er lachte trocken, denn ganz so amüsant war die Situation eigentlich nicht. Eher anstrengend.

Joanna

Joanna nickte erst einmal schweigend. William hatte schon immer Eleonore sehr nahe gestanden, aber es hatte sie nie gestört. Jetzt empfand sie es als merkwürdig. Fast war sie ein bisschen eifersüchtig, weil die Königin so viel Gelegenheit bekam mit ihm zu reden und sie darauf ständig verzichten musste. Aber eben nur fast. In Gedanken maßregelte sie sich bereits dafür, denn solche Empfindungen waren wahrlich nicht angebracht. 
"Warum hat Henry sich gedrückt? Ich dachte, ihr steht euch sehr nahe. Das klingt irgendwie...beunruhigend." 
Schließlich war der König sein Cousin. Gleichzeitig hatte sie das Gefühl, dass sich eine gewisse Distanz zwischen William und ihr aufgetan hatte, die vorher nicht da gewesen war. Vor sechs Jahren hatten sie sich irgendwie bedingungsloser geliebt. Vielleicht konnte er sich auch einfach noch nicht auf sie einlassen. Sie verstand das durchaus, aber unglücklich war sie trotzdem. Es fühlte sich komplizierter an. Angespannter. 
"Ich glaube, ich werde weit davon entfernt sein es zu lieben." Vor allem, wenn wir Teil eines solchen Skandals sein werden, irgendwann. "Aber nun bin ich wieder hier. Vielleicht hat es mir auch ein bisschen gefehlt." Besonders die letzte Zeit ihres Lebens am Hof. "Kommst du nun mit oder hast du keine Zeit?"

William

William legte den Kopf schief. "Tun wir nach wie vor. Allerdings hat mein werter König derzeit reichlich andere Probleme, so dass er eher meine Hilfe in Anspuch nimmt als Zeit dafür hat, sich über mich den Kopf zu zerbrechen." 
Nun stahl sich ein freches Grinsen auf seine Lippen. "Schließlich ist der gute mal wieder Vater geworden ... und Eleonore ist nicht die Mutter." 
Es war mal wieder eine dieser Eskapaden, die Henry Kopfzerbrechen bereitete - denn Eleonore war verständlicherweise wenig begeistert. William hatte absolut kein Verständnis für seinen Cousin. Selbst wenn ihm seine Frau nicht genug war - was im Grunde wahnwitzig war, denn in Williams Augen hätte Henry es nicht besser treffen können - könnte er wenigstens vorsichtiger sein. 
Um das Thema nicht noch zu vertiefen, ging er nun endlich auf Joannas Frage ein. "Ein wenig Zeit habe ich wohl. Immerhin habe ich die letzte halbe Stunde damit verbracht auf dich zu warten. Da werde ich jetzt wohl kaum einfach wieder gehen."

Joanna

Joanna schaute ihn an und verzog leicht das Gesicht. "Autsch. Ist es makaber, wenn ich sage, dass mich das allerdings wenig verwundert? Nun, er hat deine Hilfe sicher nötig." 
Sie lächelte leicht. Es war wirklich nicht verwunderlich, dass Henry einmal mehr Probleme dieser Art hatte und vor allem, dass Eleonore nicht gut auf ihn zu sprechen war. Allerdings waren die Beiden öfter an diesem Punkt. Henry schien einfach nicht treu bleiben zu können. 
Joannas Lächeln wurde eine Spur breiter. "Das ist schön. Du hast auf mich gewartet? Woher wusstest du, dass ich hier bin?" 
Noch während sie auf eine Antwort wartete, machte sie eine auffordernde Handbewegung und setzte sich in Bewegung Richtung ihrer Unterkunft. 
Vorsichtig trat sie durch die Tür und sah sich um. 
"Es sieht wirklich noch aus wie damals.", stellte sie fest. Wie damals, als sie mit William hier viel Zeit verbracht hatte. Er hatte schon bei ihr in diesem Bett die Nacht verbracht, sie hatte in der Zeit nach der Verwundung seine verspannten Muskeln gelocktert. Und er hatte sie hier vor William de Beaumont gerettet. 
"So viel ist hier passiert..." Genug bittere Tränen hatte sie hier auch geweint.
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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Do Aug 06, 2015 10:49 pm

William

William hob beinahe gleichgültig die Schultern. "Im Grunde hat er es ja nicht anders verdient. Er ist selbst Schuld, wenn er sich nicht im Griff hat - oder wenigstens vorsichtig ist." er seuftzte und schüttelte den Kopf. "Aber er ist und bleibt nunmal mein König, nicht wahr?" William lächelte flüchtig, so als wolle er ein kleines Missgeschick rechtfertigen, das nicht weiter ins Gewicht fiel. 
Dann trat ein eigentümliches Funkeln in seine Augen und er grinste breit als er sich an die Nase tippte. "Ich habe meine Augen und Ohren in diesen Mauern beinahe überall. Es ist fast unmöglich, dass jemand kommt oder geht ohne, dass ich es erfahre." er zwinkerte Joanna verschwörerisch zu und folgte ihr dann zu ihrem Gemach. 
Als William hinter Joanna in ihr Gemach trat, schloss er langsam die Tür hinter sich und drehte sich dann wieder zu Joanna um. Allerdings vermied er es ganz bewusst, irgendetwas zu antworten - was hätte er schon sagen sollen? 
Stattdessen legte er seine Arme um ihre Taille und stützte sein Kinn sachte auf ihrer Schulter ab.

Joanna

"Wie wahr. Er sollte es langsam besser wissen. Er lernt nicht aus seinen Fehlern. Aber vermutlich sollte ich das nicht sagen, man könnte es als Verrat auffassen." Sie seufzte leise und schüttelte den Kopf, musste dann aber lächeln. 
"So tatsächlich? Nennst du neuerdings ein Netz Spione dein Eigen? Wie interessant. Aber ich bin froh, dass du es weißt, sonst wärst du ja jetzt nicht hier.", sagte sie schließlich leise. Joanna lehnte sich zurück und schmiegte sich enger an ihn. Ein paar kostbare Minuten der Zweisamkeit, wie hatte sie sich danach gesehnt. Hier würde sie keiner einfach stören, indem er plötzlich eintrat. 
"Es ist ein bisschen wie früher.", stellte sie nüchtern fest. Er würde schon verstehen, wie sie es meinte. Sie waren einander wieder nahe und doch mussten sie sich wieder in Heimlichtuerei üben. Wer wusste, wie lange...Sie würde es akzeptieren, wie sie es damals auch akzeptiert hatte. Und irgendwann würde sie ihn fragen, wie es weitergehen sollte. Diesmal konnte sie nicht wieder gehen. Notfalls würde sie den unehrenhaften Weg wählen und seine Geliebte werden müssen, aber sie wollte ihn nicht missen. Zu lange hatte sie das getan. Aber der Zeitpunkt dieser Frage war nicht jetzt.

William

William musste unwillkürlich lachen. "Spione wäre übertrieben. Aber es gibt genügend Leute, die wissen über wen sie mich informieren müssen und über wen nicht." erklärte er dann. Allerdings war das nicht unbedingt etwas neues. Er war schon immer recht gut über das Kommen und Gehen am Hofe informiert, doch seitdem er nun nicht mehr nur der Sohn eines der einflussreichsten Lords Englands und der Cousin des Königs war, sondern selbst den begehrenswerten Titel des Earl of Cornwall trug, hatte sich sein Einfluss noch vergrößert. 
Joannas Worte wären für sich genommen möglicherweise etwas gewesen über das er erneut hätte hinweg gehen können. 
Doch der Ton den ihre Stimme hatte, jagte William einen Schauer über den Rücken. Er musste schlucken. Die Botschaft war auf jeden Fall angekommen und sorgte sofort wieder für ein schlechtes Gewissen bei ihm. 
Langsam löste er sich von Joanna und trat einen Schritt zurück. Er musste mit sich ringen, um keine unpassende Antwort zu geben. 
"Vielleicht sollte ich dann besser gehen." murmelte er schließlich.

Joanna

Joanna drehte sich zu ihm um und musterte ihn forschend. Manchmal verstand sie ihn einfach nicht. Und das war der Punkt, an dem sie beschloss, dass es besser war Klartext zu reden. 
"Manchmal verstehe ich dich nicht, William. Du ziehst dich immer sofort zurück, wenn ich auch nur einen Ton über unsere vergangene Zeit sage. Wird das immer so weitergehen? Du kannst nicht bestreiten, dass wir eine schöne Zeit hatten, wenn auch kein schönes Ende. Es ist nunmal wie früher, wir sind wieder am selben Punkt angelangt und ich frage mich nur, wie es diesmal ausgehen wird. Kannst du das nicht nachvollziehen? Für mich hängt davon einfach so viel ab. Viel mehr als für dich, scheint mir." 
Sie seufzte leise. 
"Weißt du...ich würde alles tun, um in deiner Nähe zu sein. Inzwischen würde ich sogar alles aufgeben, was mir noch bleibt. Meine Ehre..." 
Ein klägliches Lächeln huschte über ihre Züge, dann wurde sie wieder ernst. 
"Außer, du willst mich vielleicht nicht mehr." Nur schlecht verborgen stand Unsicherheit in ihren blauen Augen.

William

William bemühte sich, Joannas Blick zu begegnen, konnte das allerdings nicht lange durchhalten. Fast wie ein geschlagener Hund wandte er den Blick ab und starrte zu Boden. 
"Joanna" begann er langsam "so ist es nicht. Natürlich will ich dich. Ich" er brach ab, um seine Gedanken zu sortieren und fuhr sich nachdenklich, fast ein klein wenig verzweifelt, durch die Haare. 
"Ich kann nur einfach momentan nicht gut mit Vorwürfen ... oder auch nur Kritik umgehen. Damit belaste ich mich momentan schon selbst ausreichend. Ich kann verstehen, dass du dir Sorgen machst, ob es dieses Mal wirklich anders wird ..." 
William massierte sich die leicht pochende Schläfe und begegnete Joannas Blick nun doch direkt. "Ich bin einfach noch nicht wieder auf der Höhe." murmelte er dann resignierend. 
Er hatte im Grunde weder Lust noch Nerven für dieses Gespräch, aber er wusste auch, dass er es führen musste.

Joanna

Joanna schüttelte leicht den Kopf und seufzte. "Das sollte weder Vorwurf noch Kritik sein, William. Kannst oder willst du nicht verstehen, wie ich es meine? Du blockst sofort ab, wenn es um dieses Thema geht oder rennst davon. Dabei weißt du genau, dass diese Dinge irgendwann ausgesprochen werden müssen. Ich weiß nicht, ob du es auch spürst, aber da ist eine Distanz zwischen uns, die vorher nicht da war. Und ich gebe mir wirklich Mühe, dass sie nicht noch größer wird. Weil ich dich liebe..." 
Sie zögerte einen Moment, dann trat sie auf ihn zu und legte zart die Hand auf seinen Arm. 
"Ich weiß...und ich verlange nichts von dir. Ich will nur nicht, dass du dich ganz abwendest. Ich....fürchte einfach nur, dich wieder zu verlieren. Ich erwarte nichts von dir." 
Es war so schwer ihn so am Boden zu sehen, so gefangen noch im Leid seiner Vergangenheit. Es schmerzte sie zu sehen, wie sehr Isabel d'Aubigny es geschafft hatte, sie aus seinem Herzen zu verdrängen. Dass er diesen blonden Engel geliebt hatte und immer noch trauerte. Es waren diese Momente, die sie immer wieder an der Aufrichtigkeit seiner Liebe zweifeln ließen. Dann waren da diese innere Stimme, die ihr einflüsterte, wie wackleig ihr Stand eigentlich war. Dass sie einen Fehler gemacht hatte das Kloster zu verlassen, weil sie kurz davor stand wieder zu stürzen.

William

Kurz flackerte der Zorn in seinen Augen auf. Zu launisch war er in den letzten Wochen gewesen, um in dieser Situation so beherrscht wie früher zu reagieren. 
"Eine Distanz?" William bemerkte selbst, wie verächtlich seine Stimme geklungen hatte, aber zurücknehmen konnte er es nun ohnehin nicht mehr. "Ich habe in den letzten Wochen sowohl meinen Vater, als auch meine Frau und zudem noch mein Kind zu Grabe tragen müssen. Glaubst du wirklich, dass ich das alles einfach so wegwischen kann? Auch wenn du es nicht hören willst, aber natürlich habe ich Isabel geliebt - schließlich habe ich die letzten sechs Jahre meines Lebens mit ihr geteilt und sie ist die Mutter meiner beiden Kinder die zu Hause auf mich warten und beide noch zu klein sind, um wirklich zu verstehen was passiert ist." 
William knirschte mit den Zähnen - zum einen auf Grund seines Unmuts, zum anderen, weil er sich über seine unbeherrschte Reaktion ärgerte. 
"Ich kann nicht so tun als wäre zwischen uns beiden nie etwas gewesen - und das will ich auch nicht. Aber genauso wenig kann ich so tun als hätte es die letzten sechs Jahre für mich nicht gegeben - und auch das will ich nicht." er schüttelte kurz den Kopf und begegnete Joanna dann wieder mit festem Blick. 
"Deine Sorgen sind wahrlich unbegründet, dann ich hätte nicht so gesprochen, wie ich es im Kloster getan habe, wenn es mir nicht ernst wäre. Aber du musst gleichzeitig auch damit leben, dass ich dir nicht sofort wieder unbefangen in die Arme fallen kann." 
William schloss mit einem geräuschvollen Ausatmen. Wahrscheinlich hatte er sich gerade sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Aber vielleicht war es ja auch gar nicht verkehrt, wenn er einfach aussprach, was er dachte. 
Wenn er das auch wesentlich diplomatischer hätte tun können.

Joanna

Auch Joannas Augen verengten sich und Zorn glühte in ihnen auf. Sie hatte nicht mehr vor, alles einzustecken, alles zu schlucken und alles zu vergeben, nur weil sie diesen Mann so sehr liebte. Er war ihr zu einem guten Teil fremd geworden, reagierte vollkommen anders und war nahezu unberechenbar. 
„Ich frage mich langsam wirklich, warum du mir im Kloster diese Dinge gesagt hast, wenn du längst noch nicht deine Vergangenheit hinter dir lassen kannst. Wag es ja nicht mir vorzuwerfen, ich würde dich nicht verstehen, William of Cornwall!“, brach es schließlich wütend aus ihr hervor. Die Zeit der Zurückhaltung war vorbei, gleichwohl, wie die Konsequenzen sein würden. Zu lange hatten sie geschwiegen, zu lange alles mit sich selbst ausgemacht. 
„Ich habe immer hingenommen, was auch immer das Schicksal für uns bereit gehalten hat. Ich habe dir nie Vorwürfe gemacht, als du dich deinem Vater beinahe kampflos gebeugt hast. Ich war bei deiner Hochzeit, ich habe einen Frieden mit dir gemacht, bevor ich ging, wie weh er auch tat und ich habe sechs Jahre lang jeden Tag an dich gedacht, für dich gebetet und gehofft, dass wenigstens du glücklich sein würdest. Aber ich bin weder herzlos noch gefühlskalt, ich fühle auch Eifersucht, Schmerz und Zorn, wie du! Du hattest jemanden um dich festzuhalten, du hast Familie, deine Kinder, Freunde…ich bin einsam und das seit langer Zeit, ich habe alles mit mir selbst ausgemacht und mit Gott. Ich habe gebeichtet und gebüßt für Dinge, die ich nie als schlecht empfunden habe. Gefastet habe ich, Stunden auf Knien verbracht und ich war so oft bitter. Trotzdem habe ich deiner Frau, deinen Kindern und dir nie Unglück gewünscht und ich glaube, dass du mich so gut wohl kennst.“ Joanna konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme verletzter klang, als sie beabsichtigt hatte. 
„Ich fühle mich dennoch gerade wie eine Marionette. An Fäden hängend, nicht Herrin meines Schicksals, denn wieder einmal habe ich mich in die Hände der Königin begeben. Und in deine, falls du es nicht wissen solltest. Mir steht der Weg zurück in dieses Kloster nicht offen. Noch einmal gewähren sie mir keine Zuflucht, wenn du mich fallen lässt. Und ich habe verdammte Angst davor, dass du es tust, weil du dich so zurückziehst und ich immer vorsichtig sein muss, was ich sage, weil jedes falsche Wort dich sofort zurück hinter deine Barriere treibt, unwiederbringlich und für mich unerreichbar. Glaubst du, es ist leicht, das einfach zu akzeptieren? Ich will dir keine Vorwürfe machen, ich will dich nicht drängen, nichts fordern, nichts verlangen. Und doch verhältst du dich so, als würde ich etwas Unmögliches fordern, wenn ich doch nichts will, als ein normales, unbefangenes Gespräch, wie wir sie als wir uns kennenlernten so oft geführt haben! Ist das so viel verlangt, William? Ich würde alles für dich geben, damit es nicht noch einmal passiert, ich bin so weit, dass ich deine elende Mätresse werden würde! Weil jeder Tag ohne deine Nähe trostlos ist wie kältester Winter, grau und düster, verhangen von Nebel. An dem Tag, als du ins Kloster kamst und mir diese Worte sagtest, da durchbrach zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder ein Sonnenstrahl den Himmel meines Lebens. Weil ich dich liebe. Also wirf mir nicht vor, ich würde dir kein Verständnis entgegenbringen. Ich weiß um deine Trauer und sie berührt und schmerzt auch mich. Es ist nur schwer hinzunehmen, dass du dein Herz einer Anderen geschenkt hast, die es selbst im Tode nicht loslässt.“ Dass du so rasch deine Gefühle für mich verdrängen konntest, dich für eine Andere öffnen. Ich konnte das nicht. Nicht einmal für Gott…. 
„Was erwartest du von mir? Dass ich mich von dir fernhalte, bis du irgendwann einmal über deinen Verlust hinweg bist? Gleich wie lange es dauert, gleich wie vielen Werbungen ich jetzt eine Absage werde erteilen müssen? Gleich, welche Gerüchte über mich wieder entstehen werden? Nun, ein Wort von dir und ich werde es tun. Aber erwarte nicht von mir, dass ich noch einmal durchlebe, was ich vor sechs Jahren durchlebt habe. Das kann ich nicht…meine Kraft ist auch irgendwann aufgebraucht.“ 
Joannas Stimme war immer leiser geworden und sie drängte gewaltsam die Tränen zurück, die sich den Weg über ihre Wangen bahnen wollten. Sie würde jetzt nicht weinen, nicht vor ihm. Wenigstens etwas Beherrschung hatte sie im Kloster erlernt. 

William

William öffnete den Mund, um etwas zu erwidern. Anstatt zu antworten, schloss er ihn jedoch wieder, verengte die Augen und biss die Zähne angespannt zusammen. 
Ihm fiel so einiges ein, das er hätte antworten können - und eins war verletztender als das andere. Unter anderem, dass sie doch einfach einer der Werbungen nachgeben sollte. Und was ihr eigentlich einfiel so mit ihm zu reden. 
Allerdings konnte er sich noch im letzten Moment bremsen und entschied sich dafür lieber gar nichts zu sagen. Es war seltsam ungewohnt seinen Ärger hinunter zu schlucken. Zu sehr hatte er sich angewöhnt damit nicht mehr zurück halten zu müssen - aber dazu kam auch, dass er selten Gelegenheit dazu gehabt hätte. Schließlich gab es kaum jemanden, der wagen würde so mit ihm zu sprechen. 
William knirschte mit den Zähnen und wandte sich dann mit einem Kopfschütteln ab. Ihm war sehr danach einfach das Gemach zu verlassen, aber das würde ihn auch nicht weiter bringen. Somit wandte er sich dem Fenster zu und zog es vor nach draußen zu starren, als Joannas Blick zu begegnen. Zumindest bis ihm endlich eine passende Antwort einfiel.

Joanna

Joanna schaute ihn an, wartete auf eine Antwort - und bekam keine. Sofort loderte der Zorn in ihr einer angefachten Flamme gleich wieder auf und sie verschränkte die Arme. Er kehrte ihr den Rücken zu. Hatte das etwa sein Ego angekratzt, dass sie ihm widersprach und sich nicht kleinlaut entschuldigte, wie er es vielleicht gewohnt war? Nun, so kannte er sie doch. So war sie nun einmal. Und doch... 
"Feigling...", sagte sie leise und fragte sich einen Moment lang, ob sie das wirklich hatte sagen sollen. Aber jetzt war es egal, es tat so gut, sich endlich einmal allen Frust von der Seele zu reden. 
"Bist du es nicht mehr gewöhnt, dass dir jemand widerspricht? Hat es dir die Sprache verschlagen?" 
Joanna musste zugeben, sie suchte diesen Streit. Das war scheinbar das Einzige, was sie noch zustande brachten: Streit. Wenn es keine andere Möglichkeit gab zu reden, bitte. Das konnte er haben, wenn er es so wollte. Und es war ihr gerade herzlich egal, wie unschön die folgenden Szenen werden würden. "Feigling...", wiederholte sie lauter. Sie wollte endlich, dass er reagierte!

William

William schloss kurz die Augen, aber vergeblich. Die Wut kochte noch immer so stark in ihm, dass Joannas Worte sie zum überlaufen brachten. 
Der blanke Zorn blitzte in seinen Augen auf als er sich wieder zu Joanna umdrehte. 
"Niemand nennt mich einen Feigling." zischte er und kam auf sie zu, blieb vor Joanna stehen und fixierte sie mit einem durchdringenden Blick. "Niemand." seine Stimme war nun bedrohlich leise geworden. 
"Was willst du eigentlich von mir hören? Ich habe dir gesagt, dass ich mit Eleonore gesprochen habe, ich habe dir auch gesagt, dass ich mit Henry darüber im Moment nicht sprechen kann - der einzige der momentan noch auf der Liste steht ist dein verfluchte Stiefsohn. 
Wie du also siehst, ist es mir keineswegs egal und ich habe schon einiges in die Wege geleitet. Aber ich habe dir auch gesagt, dass ich noch nicht ganz damit zurecht komme. Was ich von dir erwarte? Nichts weiter als dass du mir mein Leben nicht noch schwerer machst. Und wenn du der Meinung bist, dass ich damit den Bogen überspanne ... es liegt ganz in deiner Hand. 
Und vergiss nicht du bist heute aus freien Stücken hier her gekommen."

Joanna

"Doch. Ich tue es. Und ich habe kein Problem damit.", erwiderte sie nun erst recht sauer. Mühelos hielt sie seinem Blick stand. 
"Ich korrigiere mich allerdings. Du bist nicht nur ein Feigling, du bist auch ein Idiot.", fügte sie dann hinzu. 
"Ich will von dir gar nichts hören, ich will dass du mit mir redest. Normal reden, hörst du? Nicht das, was du in letzter Zeit an den Tag legst." 
Sie hatte das Gefühl, gleich explodieren zu müssen. Das war nicht sein Ernst, oder etwa doch? 
"Ich mache dir dein Leben also damit schwer, dass ich mit dir reden will und nicht immer still und brav hier sitze, bis du dich mal bequemst mir irgendwas zu sagen? Ich bin kein kleines, naives Mädchen mehr, William. Das ist doch jetzt nicht dein Ernst." 
In ihrer Wut richtete sie sich kerzengerade auf und funkelte ihn zornig an. "So, und es wäre dir so egal, ob ich wieder gehe? So viel zu deiner Liebe. Vielen Dank auch. Ich bin hierher gekommen allein deinetwegen! " Ihre Kiefermuskulatur spannte sich merklich an. "Du klingst so lustlos, als wäre es dir vollkommen egal, was aus uns wird. So kühl...Ich kann mir nicht helfen. Du verhälst dich gerade wie ein vollkommener Idiot. Wo ist eigentlich dein Problem??"

William

William wusste sehr genau, dass er sich gerade in Rage redete - und dabei nicht gerade vernünftig blieb. Aber so sehr er sich auch aufregte, auf irgendeine verschrobene, paradoxe Art und Weise tat es ihm sogar gut. 
"Das du es überhaupt wagst ..." begann er mit wutentbrannter Stimme, die gleichzeitig einer unverholenen Drohung gleich kam. Allerdings vollendete er den Satz nicht, da er genau wusste, dass er noch nicht einmal den ersten Teil des Satzes hätte sagen sollen. 
"In letzter Zeit?" langsam wandelte der Zorn sich in Hohn. "Wir sehen uns gerade das zweite Mal seit über sechs Jahren. Wie willst du eigentlich wissen, wie ich mich in letzter Zeit benehme? Hältst du das nicht vielleicht für etwas anmaßend?" 
Williams Lippen kräuselten sich verächtlich als Joanna sich vor ihm aufbaute - und natürlich trotzdem nicht an seine Körpergröße heranreichte. 
"Mein Problem?" echote er dann. "Mein Problem ist, dass ich derzeit auf fünf verschiedenen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen habe und ich nicht einmal ansatzweise in der Lage bin es allen recht zu machen. Und wie du gerade siehst, der, die mir am meisten am Herzen liegt am aller wenigsten." seine Stimme klang noch immer feindselig, allerdings hatte sich zumindest bei den letzten beiden Worten noch ein anderes Gefühl in ihm breit gemacht - er wollte Joanna um jeden Preis hier behalten.

Joanna

Und dann brachte er das Fass endgültig zum Überlaufen. "Schön, jetzt bist du soweit, dass du mir drohst? Zu deiner Information: JA, ich wage es und ich hab kein Problem damit es wieder zu tun. Oder ist dein Stolz angekratzt, weil ich dir ja nicht ebenbürtig bin? Eine Frau und noch dazu keine von so edlem Geblüt wie du es gewohnt bist? Und du nennst mich anmaßend???" 
Das war der Punkt, an dem sich ihre papierdünne Beherrschung verabschiedete und sie ihm eine nicht gerade sanfte Ohrfeige verpasste. Irgendwann war es genug. Sie hatte auch nicht gerade Rücksicht genommen, das wusste sie, aber sie hatte durchaus ein Recht dazu sauer zu sein, fand sie. 
"Wenn ich es bin, die dir am Herzen liegst, verhälst du dich gerade nicht so, dass ich dir das glauben könnte. Vielleicht sollte ich wirklich wieder gehen. Wohin auch immer..." 
Dass er sich eben über sie lustig gemacht hatte, trug natürlich nicht dazu bei sie zu besänftigen. Im Gegenteil. 
"Aber fürs Erste kannst du ja auch gehen, wenn du mir nichts mehr zu sagen hast. Falls du es vergessen hast, das hier ist mein Gemach. Seit ungefähr einer Stunde."

William

Damit hatte sie ihn nun doch überrascht. Hätte er mit der Ohrfeige gerechnet, hätte William sicherlich ihr Hand abgefangen, so aber traf ihn die ganze Wucht, die Joanna in den Schlag legte ungebremst. 
William hatte in seinem Leben schon eine ganze Reihe härtere Schläge eingesteckt, aber Joannas Ohrfeige traf ihn auf zwei Ebenen, nicht nur auf der physischen. 
Ein wenig verwundert fuhr er sich über die Wange und massierte dann den leicht schmerzenden Unterkiefer. Dann begegnete er wieder Joannas Blick. 
"Dafür sollte ich dir eigentlich -" er brach den Satz mit einem abfälligen Schnauben, begleitet mit einem Kopfschütteln ab. 
"Ach zum Teufel." fluchte er, konnte dabei aber schon längst nicht mehr so viel Wut hinein legen wie noch vor einem Moment. Im Gegenteil, es schien als hätte Joannas Ohrfeige ihn endlich wieder auf den Teppich zurück geholt. 
William trat noch einen Schritt dichter an Joanna heran und bevor sie reagieren konnte, hatte er eine Hand an ihr Kinn gelegt und ihre Lippen für einen kurzen Augenblick mit den seinen verschlossen. 
Allerdings löste er sich auch genau so schnell wieder von Joanna wie er sich zu dieser Handlung entschieden hatte. 
"Und nun verabschiedet der Idiot sich besser, damit du noch ein wenig mit Recht und in Ruhe auf ihn wütend sein kannst." erklärte er dann und machte einen Schritt in Richtung Tür.

Joanna

Joanna hatte lediglich eine Augenbraue gehoben. "Was solltest du?" Doch wirklich darüber nachdenken konnte sie gar nicht, im selben Moment spürte sie seine Lippen, er küsste sie, und ihre Wut verflüchtigte sich. 
Viel zu schnell hatte er sich wieder von ihr gelöst. Mit dieser unpassenden Reaktion hatte sie überhaupt nicht gerechnet und dementsprechend war sie erst einmal perplex. 
Als er dann ging, war sie diejenige, die gar nicht mehr überlegte, sondern einfach handelte. Mit zwei Schritten hatte sie ihn eingeholt und versperrte ihm die Tür, stellte sich ihm in den Weg und sah ihn an. Ein zaghaftes Lächeln huschte über ihre Lippen. 
"Ich bin aber viel lieber jetzt wütend. Du Idiot..." Diesmal hatte ihre Stimme ihren scharfen Unterton verloren und etwas liebevolles gewonnen. Es war, als hätte sich ein Gewitter entladen. "Oder eben auch nicht." 
Joanna streckte sich und drückte ihm nun ihrerseits einen Kuss auf die Lippen. Eigentlich war der Streit ganz schön albern gewesen. Aber so wohltuend. 
"Und jetzt?" Sie lächelte immer noch.

William

Ein kurzes Grinsen huschte über Williams Lippen bevor Joanna sich ein wenig streckte, um ihn dann zu küssen. 
"Jetzt ..." begann William, machte jedoch eine Pause in dem er seine Arme um Joannas Taille legte und sie an sich zog. "kannst du deine verrauchte Wut an mir auslassen." murmelte er in einem spöttisch, neckenden Ton. 
Bevor Joanna jedoch zu irgendeiner Antwort fähig war, küsste er sie erneut, dieses Mal etwas länger und legte dann seine Stirn an die ihre. 
"Ich fürchte es wird noch ein Weilchen dauern, bis der Idiot sich wieder im Griff hat. Aber du scheinst das ja wirklich gut händeln zu können." er grinste und fuhr sich mit einer Hand über die Wange, ganz so als würde sie noch immer schmerzen. 
Auch wenn der Streit zwischen ihnen ein wahrer Balanceakt gewesen war, bei dem William sehr schnell hätte scheitern können, fühlte er sich auf eine gewisse Art nun deutlich besser als noch vor einigen Augenblicken. 
Und doch erschreckte es ihn gleichzeitig, wie sehr er die Beherrschung verloren hatte.

Joanna

Auch Joanna legte ihre Arme um ihn und schmiegte sich gern an ihren Liebsten. Jetzt fühlte es sich wieder richtig an und sie konnte die Verletzungen der letzten Minuten hinter sich lassen. Das war ihr William, wie sie ihn haben wollte. 
"Hast du ein Glück, dass ich keine verschüchterte, naive, graue Maus bin, die gleich nachgibt." Sie grinste. "Du brauchst offenbar eine feste Hand, die dich zur Vernunft bringt." 
Scheinbar hatte wirklich ihre Ohrfeige den Durchbruch gebracht, obwohl sie das nicht erwartet hatte. 
Sie legte den Kopf schief und ihre Fingerspitzen wanderten seinen Kragen entlang. 
"Und was mach ich jetzt mit dir? Wie lasse ich meine verrauchte Wut an dir aus? Hm? Vorschläge?" 
Sie legte die Hand in seinen Nacken und fühlte sich wieder an früher erinnert. Ein Lächeln perlte über ihre Lippen. Damals war er verwundet gewesen, sie hatte ihn so oft getadelt.

William

"Scheint fast so." murmelte er und stellte fest, dass er sich gerade das erste Mal seit langem wieder zu entspannen begann. Joannas Anwesenheit hatte auch wenn sie ihn erst fast wahnsinnig gemacht hatte vor Wut - unbestreitbar eine beruhigende Wirkung auf ihn. 
Joannas Finger in seinem Nacken jagten ihm einen wohligen Schauer über den Rücken und zögerten seine Antwort einen Moment hinaus. 
"Ich weiß nicht genau." erklärte er dann. "Da lasse ich dir freie Hand." 
Er grinste flüchtig, nur um Joanna gleich noch einmal zu küssen. 
"Wenigstens musst du dich dieses Mal nicht, um irgendwelche Verletzungen von mir kümmern ... da können wir uns auf das wesentliche konzentrieren." William hätte sich um ein Haar auf die Zunge gebissen als ihm auffiel, wie doppeldeutig seine Worte eigentlich klangen. Ausnahmsweise hatte er das dieses Mal nicht beabsichtigt. Aber gesagt war gesagt und so entschied er sich dafür seine Worte nachträglich noch mit einem spöttischen Grinsen zu unterstreichen.

Joanna

Joanna konnte nur noch den Kopf schütteln. "Ah, da ist er wieder. William of Cornwall, immer einen dummen Spruch parat, so kenne ich ihn. Du hast mir gefehlt." 
Sie ließ ihn nicht los und betrachtete ihn, eine Spur nachdenklich. So weit waren sie schon einmal gewesen, damals hatte sie abgeblockt. Sie musste allerdings feststellen, dass sie diesmal der Doppeldeutigkeit in seinen Worten gar nicht abgeneigt war, egal was für Konsequenzen das für sie vielleicht hatte. Wenn wieder etwas dazwischen kam und sie keine Zukunft hatten, war es da nicht erstrebenswert, ihm einmal ganz nah gewesen zu sein? 
Andererseits...Joanna seufzte leise und zupfte sanft an seinen Locken. 
"Ihr seid wahrlich unverschämt, Mylord. Nur leider scheint das ansteckend zu sein." Sie beschloss, das Spielchen erst einmal noch ein bisschen weiter zu spielen. Es war so amüsant. 
"Nun, dann erklär mir doch mal, was das Wesentliche ist. Wie auch immer du das anstellst..."
Ein vollkommen untypisch verruchtes Lächeln huschte über ihr Gesicht und überraschte sie. Diese Seite kannte Joanna an sich selbst auch nicht.
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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Mi Sep 02, 2015 7:59 pm

William

William zog überrascht die Augenbrauen in die Höhe. Das Joanna nicht auf den Mund gefallen war, wusste er, doch bisher hatte es immer noch eine Grenze gegeben. Solch einen Kommentar hatte er wirklich nicht erwartet. 
"Mylady!" entgegnete er scheinbar entrüstet. "Entschuldigt die Frage, doch erinnere ich mich recht, dass Ihr gerade aus dem Kloster kommt? Ich dachte dort lernt man so etwas wie Keuschheit?" ein Grinsen umspielte seine Lippen, das seinen entsetzten Ton Lügen strafte. 
"Du willst also wissen, was das wesentliche ist?" murmelte er dann, das Grinsen noch immer auf den Lippen und die Augen funkelten herausfordernd. 
"Wie wäre es für den Anfang hier mit?" fragte er leise und suchte erneut ihre Lippen. Dieses Mal jedoch nicht nur für einen kurzen, flüchtigen Kuss. 
Während er eine Hand an ihren Nacken wandern ließ, strich er mit der anderen sanft über ihren Rücken und ließ sie dann wieder an Joannas Taille verweilen.

Joanna

Joanna grinste zurück. Sie schaffte es immer noch, ihn zu überraschen. "Bei mir ist dieses Streben wohl verlorene Müh. Außerdem..." Ihre Stimme senkte sich zu einem Raunen. "...sind die Bewohner eines Klosters nicht immer so keusch, wie sie die Außenstehenden Glauben machen wollen. Sei dennoch so zuvorkommend und erleuchte das Dunkel meiner Unwissenheit." 
Die junge Lady gab sich dem Kuss hin, genoss das Gefühl endlich wieder seine Berührung zu spüren, was sie so lange vermisst hatte. Sie verschränkte die Arme in seinem Nacken und schloss die Augen. 
In einer kurzen Atempause lächelte sie. "Für den Anfang ist das gar nicht so schlecht..." 
Noch vor wenigen Minuten hätte sie nicht mehr gelaubt, dass es so kommen würde. Vor wenigen Minuten, als sie gestritten hatten, hatte Joanna zeitweise ernsthafte Zweifel gehabt, ob sie sich überhaupt je wieder nahe sein und miteinander reden würden, nachdem, was sie sich an den Kopf geworfen hatten. 
Eine ihrer schmalen Hände legte sich auf seine Brust. Die Bedenken waren gerade wie fortgewischt, ganz weit weg. Es fühlte sich so richtig an...

William

William lachte ein wenig heiser bei ihren Worten und schüttelte den Kopf. 
"Ich wusste doch schon immer, dass auch die Pfaffen nicht so heilig sind, wie sie immer tun." seine Stimme klang belustigt, doch er konnte nicht verhindern, dass sich auch ein leicht verächtlicher Unterton hinein mischte. 
Dann kräuselte sich seine Oberlippe spöttisch. "Gar nicht so schlecht?" echote er. "Ich darf doch bitten, Mylady! Da bedarf es wohl noch etwas Überzeugungskraft." 
Und diese leistete er umgehend, indem er seine Hand in ihren Haaren vergrub und ihre Lippen für einen weiteren Kuss suchte. 
Ihre Hand auf seiner Brust jagte ihm einen leichten Schauer über den Rücken. Wie lang war es her, dass sie sich so gegenüber gestanden hatten, dass sie Zärtlichkeiten ausgetauscht hatten. 
In dem Moment in dem er Joanna in dem Kloster das erste Mal entdeckte, hatte er gewusst, dass seine Gefühle für sie noch immer in ihm schlummerten. Jetzt wurde er sich gerade wieder bewusst, wie stark seine Gefühle noch immer waren und wie sehr er sich insgeheim nach ihr gesehnt hatte.

Joanna

Sie überging seinen Kommentar einfach, das war besser so, denn in diesem Punkt würden sie sich vorerst zumindest nicht einig werden, konnte sie seine Verachtung doch nicht teilen. 
"Ja, überzeug mich noch ein bisschen mehr...", murmelte sie dann leise, dabei war das gar nicht nötig. Sie war selten so sicher gewesen. 
Impulsiv schlang Joanna schließlich ihre Arme um ihn, schmiegte sich an ihn, tat es ihm dann gleich und ließ ihre Hand durch den dunklen Schopf gleiten. Wie oft hatte sie sich in den letzten Jahren danach gesehnt und schließlich doch ein schlechtes Gewissen bekommen, weil er einer Anderen gehörte. Irgendwann aber hatte sie aufgehört es zu beichten, es hörte nicht auf. Abgeschlossen hätte sie nie, das wusste sie, und jetzt war das gar nicht mehr nötig, schien es. William war wieder bei ihr. 
"Ich liebe dich...", hauchte sie, hinderte ihn dann aber daran gleich eine Antwort zu geben. Eigentlich brauchte sie auch keine. 
Noch zögerte sie einen Schritt weiter zu gehen, denn sie wusste nicht, ob es das war, was er auch wollte. Ob er dazu schon bereit war...ob überhaupt.

William

William wollte antworten, wurde jedoch von Joanna zugleich wieder daran gehindert - auf eine ausgesprochen angenehme Art und Weise. 
Während seine Hand über ihren Rücken fuhr, kleine Kreise auf den Stoff ihres Kleides malte, wurde ihm aber gleichzeitig bewusst, dass er sich nun unbedingt beherrschen musste. 
Allerdings konnte er nicht anders als Joanna eng an sich zu ziehen und ihr einen weiteren langen Kuss zu entlocken, bevor er seine Lippen von den ihren löste und mit den Augen ihren Blick einzufangen versuchte. 
"Wir sollten es dabei bewenden lassen, Mylady." murmelte er mit rauer Stimme. Ein Grinsen entstand erneut auf seinen Lippen. "Anderenfalls kann ich für nichts mehr garantieren." 
Auch wenn ein leises, tiefes Lachen über seine Lippen kam, entsprachen seine Worte doch der Wahrheit. Es wäre sicherlich besser, wenn sie es dabei bewenden ließen. Denn er glaubte nicht, dass Joanna tatsächlich diesen letzten Schritt machen wollen würde. 
Nicht vor ihrer Hochzeit ...

Joanna

Joanna stand ihm gegenüber und sah in seine dunklen Augen. Sie stand hier und lächelte zaghaft. "Das wäre sicherlich vernünftig, Mylord." 
Sie streckte die Hand aus und legte sie auf seine Schulter. 
"Aber wann wäre ich je wirklich vernünftig gewesen?", setzte sie dann hinzu, kam einen Schritt näher, während sie ihn nicht aus den Augen ließ. 
"Wer sagt, dass ich eine Garantie von dir möchte?" 
Wenn er sich wieder auf sie einlassen konnte, war ein großer Schritt getan. Ein beinah verwegenes Lächeln tauchte auf ihren Lippen auf, dann machte sie sich von ihm los und ging zur Tür. 
Joanna drehte den Schlüssel im Schloss und nahm ihn an sich, kehrte schließlich zu William zurück und blieb erneut vor ihm stehen. 
Sie musterte ihn eine Weile, dann nahm sie seine Hand, legte den Schlüssel auf die Handfläche und schloss seine Finger darum, so wie er es damals mit jenem Anhänger getan hatte, den sie immer noch um den Hals trug und nie abgelegt hatte. 
"Nun liegt wahrlich in deiner Hand, was du zu tun gedenkst. Der Schlüssel bringt dich zurück auf den Weg, den Anstand, Ettikette und Moral vorschreiben, auf den Weg der Vernunft. Möchtest du diesen Weg beschreiten, entscheide dich dafür."

William

William rührte sich keinen Zentimeter von der Stelle, während er Joanna bei ihrem Tun beobachtete. Er spürte, wie sein Herz schneller zu schlagen begann als sie den Schlüssel umdrehte und abzog. 
Als sie wieder vor ihm stand, schwieg er einen Moment, starrte auf seine geschlossene Hand, die den Schlüssel hielt. Dann schluckte er und sah wieder zu Joanna auf. 
Er war sich nicht sicher, ob es daran lag, dass sie sich über sechs Jahre nicht gesehen hatten und sein Begehren nach ihr sich in dieser Zeit einfach angesammelt hatte oder ob sie in diesem Augenblick tatsächlich schöner aussah denn je. 
"Ich schätze, diesen Weg habe ich schon vor einiger Zeit verlassen." erklärte er dann mit heiserer Stimme und ließ den Schlüssel in seine Tasche gleiten. 
Dann trat er auf Joanna zu, überbrückte somit die letzte Distanz zwischen ihnen und nahm ihr Gesicht in seine Hände. 
"Mylady, ..." murmelte er, doch anstatt den Satz weiterzuführen, verschloss er ihre Lippen mit den seinen.

Joanna

Joannas Lächeln wurde weich. "So wie ich...schließlich haben wir über sechs Jahre gewartet. Lange genug..." 
Im selben Moment verschloss er ihre Lippen und sie schloss die Augen. Währenddessen wanderten ihre Hände über seine Brust und öffneten noch ein wenig zögerlich Wams und Hemd. Seine Haut hatte sie früher schon gespürt, in der Zeit nach seiner Verletzung, doch dies war lange her. Und es hatte nun an Sinnlichkeit gewonnen. 
Sie entdeckte die Narbe, die daran erinnerte. Eine Erinnerung an Zeiten, an die sie jetzt wohl anzuknüpfen vermochten. "So lange her...." 
Joanna hauchte einen Kuss darauf. "Und doch so nahe..." 
Gegenwärtig die Erinnerung, als wäre es gestern gewesen. Sie erinnerte sich an jedes Detail. Irgendwann würde sie ihn fragen, ob sie in den Wald reiten würden. An den Ort, an dem er zum ersten Mal den Weg der Vernunft verlassen und sie geküsst hatte. So Großes hatte dort begonnen, es war noch nicht zu Ende. 
Im Gegenteil...es begann erst. 
"Komm..."

William

William schloss die Augen als Joanna sein Wams und dann auch das Hemd öffnete. Kurz darauf öffnete er sie jedoch umgehend wieder, biss die Zähne zusammen und bemühte sich, nicht zusammenzuzucken als Joanna einen Kuss auf das wulstige Narbengewebe hauchte, das sich von seiner Schulter über seinen gesamten Brustkorb zog. 
Die Erinnerung an die Zeit in der er ans Bett gefesselt war -zwischendurch dem Tod näher als dem Leben - und Joanna ihm stets Beistand geleistet hatte, flackerten vor seinen Augen auf. 
Er war in den letzten sechs Jahren oft genug daran erinnert wurde, die Narbe sorgte sehr nachdrücklich dafür, doch so lebendig wie heute war sie lange nicht gewesen. 
Doch schnell hatte Joanna seine Aufmerksamkeit wieder auf sich gezogen. Und nur allzu gern folgte er ihrer Aufforderung. 
Während er zu dem Bett hinüber ging, streifte er Wams und Hemd ab und ließ sie auf den Boden fallen. 
Dann trat er von hinten an Joanna heran und legte seine Arme um sie, seine Lippen suchten die weiche Haut an ihrem Hals und überhäufte sie mit Liebkosungen.

Joanna

Joanna genoss die Liebkosungen und spürte, wie ihr Herzschlag immer schneller wurde. Es hätte sie nicht gewundert, wenn er ihn hätte spüren können. 
Als sie schließlich einige Zeit später eng an ihn geschmiegt in ihrem Bett lag, fühlte sich sich vollkommen glücklich. Glücklich wie lange nicht mehr. 
Ihr Haar fiel offen und ein bisschen wirr über ihre Schulter und kitzelte ihre Haut. 
Ihre Gedanken aber hatten sich auf Wanderschaft begeben und seltsamerweise musste sie kurz an die Zeit ihrer Ehe denken. Wie anders war der Umgang mit dem Earl of Warwick gewesen...Lieblos geradezu, das spürte sie jetzt, höflich zwar, aber mehr als Repekt hatte sie dem wesentlich Älteren nicht entgegen bringen können. 
So viel hatte sich verändert. Sie gehörte William of Cornwall, mit ganzem Herzen, mit Leib und mit Seele. Und es war gut so. 
Immer noch wanderten ihre Fingerkuppen über die warme Haut, beiläufig, beinahe geistesabwesen, wie nachdenklich...

William

William lag auf dem Rücken, die Augen geschlossen und noch immer ein wenig schwer atmend. Eine Hand ruhte auf seinem Bauch, den anderen Arm hatte er um Joanna gelegt, die eng an ihn geschmiegt neben ihm lag und sanft mit den Fingern über seinen Oberkörper fuhr.
Er ließ den Moment noch ein wenig länger andauern, dann schlug er die Augen auf, drehte den Kopf und sah auf Joanna hinab. 
Diesen Augenblick würde er am liebsten einfrieren, um ihn für immer festzuhalten. Sie sah wundervoll aus, wie sie neben ihm lag und völlig versunken in ihre Gedanken mit den Fingerspitzen über seine Brust fuhr. 
Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und ließ seine Finger dann über ihren Hals, ihre Schulter und schließlich über ihren Rücken wandern. 
"Und diesen Moment würde ich gerne festhalten." murmelte er bevor seine Lippen die ihren suchte, dieses Mal für einen unglaublich zärtlichen Kuss. 
Seit mehreren Wochen fühlte er sich gerade das erste Mal wieder halbwegs komplett. Möglicherweise würde seine Welt doch wieder in Ordnung kommen ... und das vielleicht schneller als er noch vor wenigen Tagen gedacht hatte.

Joanna

Joanna ließ sich aus ihren Gedanken reißen. Erst schaute sie einen Moment überrascht, dann erwiderte sie den Kuss und lächelte. "Ich auch. So müsste es bleiben. Nur wir Beide..." 
Sie seufzte sehnsüchtig und kuschelte sich ein bisschen mehr in die Arme ihres Liebsten. Wie wohl sie sich doch fühlte... 
"Weißt du, ich musste gerade an früher denken. An Roger de Beaumont...Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich je so glücklich sein würde. Es ist seltsam..." 
Ein verträumter Ausdruck bahnte sich den Weg auf ihr Gesicht. 
"Manchmal geht das Leben so seltsame Wege..." 
Ihre Augen wurden wieder lebhafter und leuchteten amüsiert auf. "Wer auch immer dich erwartet hat...er wird inzwischen die Suche aufgegeben haben. Dafür, dass du nur ein wenig Zeit hattest für mich." 
Sie kicherte leise und richtete sich halb auf einen Ellenbogen auf. 
"Ich hoffe, es war nicht allzu wichtig.", flüsterte sie und beugte sich vor um ihn noch einmal zu küssen, während ihr rötliches Haar wie ein Vorhang um sie Beide fiel.

William

William zog eine Augenbraue nach oben und sah Joanna mit gespieltem Misstrauen an. "Ich hoffe doch aber sehr, dass du gerade noch nicht an Beaumont gedacht hast." das Grinsen, das seine Lippen umspielte ließ keinen Zweifel daran worauf er hinaus wollte. 
Er hatte gerade wieder begonnen seine Gedanken abdriften zu lassen als Joannas Worte ihn je aus der Ruhe heraus rissen. Fast ein wenig erschrocken fuhr William auf und stützte sich mit den Ellenbogen auf dem Bett ab. 
"Verdammt." fluchte er auch sofort. "Das habe ich ja total vergessen!" William biss sich auf die Unterlippe. Er hatte Eleonore versprechen müssen vorbeizukommen - was jetzt nach dem Joanna bei ihr gewesen war für die Königin wohl noch mehr Anreiz hatte - und anschließend hätte er eigentlich noch zu Henry gemusst. 
Er fluchte noch einmal, ließ sich dann jedoch mit einem resignierenden Seufzen wieder zurück in die Kissen sinken. "Nun ja, jetzt bin ich sowieso zu spät ... und die königlichen Herrschaften werden wohl damit leben müssen." 
Er war im Grund nicht allzu besorgt, weder Henry noch seine Gemahlin hatten wirklich wichtige Dinge mit ihm zu besprechen ... da würde es auf eine Stunde mehr oder weniger auch nicht drauf ankommen. 
Anstatt sich noch weiter darüber den Kopf zu zerbrechen, gab er sich lieber dem Kuss hin, den Joanna ihn erneut entlockte.

Joanna

Joanna lachte leise auf. "Nein, wirklich nicht. Du hast eine sehr überzeugende Methode gefunden mich abzulenken. Keinerlei Konkurrenz für dich." Sie grinste zurück, erschrak aber ein wenig, als William neben ihr plötzlich hochfuhr. 
Gleich darauf beschloss sie, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gab. "Ach, du bist doch sonst immer da, wenn sie rufen, da werden sie dir ein Versäumnis nicht übel nehmen. Die Beiden kommen auch ganz gut ohne dich aus." Sie hob eine Augenbraue. "Im Gegensatz zu mir..." 
Joanna bettete ihren Kopf auf seine Schulter. Im Moment dachte sie noch gar nicht daran ihn freizugeben, dazu hatte sie ihn viel zu lange entbehrt. "Außerdem ist Eleonore wahrscheinlich sowieso nur von einem weiblichen Laster geplagt: Neugierde. Sie wird dich ausquetschen wollen." 
Sie wusste nicht recht, was die Königin von einer Verbindung zwischen William und ihr halten würde, Henry wäre ohnehin nicht wirklich begeistert. Aber Joanna war es inzwischen vollkommen egal, was sie dachten, solange sie nur den Rest ihres Lebens an Williams Seite verweilen konnte. Sie brauchte ihn, liebte ihn. Dennoch sollte das, was gerade passiert war, wohl besser ein Geheimnis bleiben.

William

Er lachte leise und beobachtete Joanna dann mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck. 
"Du weißt, dass ich nur genau das hören wollte?" gab er zu und malte mit den Fingerspitzen erneut kleine und größere Kreise auf Joannas Rücken. Sie ließ keinen Zweifel daran, dass sie ihn noch nicht gehen lassen wollte und das kam ihm ausgesprochen gelegen. Er würde nachher zwar eine gute Ausrede brauchen, aber darüber würde er sich bei Zeiten noch Gedanken machen können. 
Dann seufzte er theatralisch. "Jaja, immer diese Frauenzimmer und ihre Laster." neckte er und runzelte dann kurz nachdenklich die Stirn. "Wobei ich das von Eleonore ja schon gewohnt bin ... allerdings, wenn ich es recht überleg braucht sie gar nicht allzu sehr zu forschen. Die werte Königin hat ein Talent dafür einem so ziemlich alles was sie wissen will bereits anzusehen. 
Ich dachte immer, ich hätte eine ausgesprochen gute Menschenkenntnis, aber Eleonore ist wirklich ungeschlagen in dieser Beziehung." sann er über die Fähigkeit der Königin nach, immer schon zu wissen was ihn bewegte, bevor er es aussprach. 
Dann wandte er sich jedoch wieder Joannas Lippen zu. "Aber das sollte jetzt noch nicht unsere Sorge sein ..." murmelte er gegen ihre Lippen.

Joanna

"Natürlich weiß ich das. Du bist genauso eitel wie alle Anderen auch. Aber bei dir ist das viel sympathischer. Und umso gnädiger du gestimmt bist, desto länger bleibst du bei mir.", erklärte sie grinsend und streckte sich wohlig, während seine Finger Kreise auf ihre Haut malten. 
"Ich hoffe, du sprichst nicht von mir. Ich habe nur ein Laster...und das liegt gerade neben mir. Aber du wirst doch wohl nicht in unserem Bett von einer anderen Frau schwärmen? Pass ja auf.", sagte sie dann mit gespielter Entrüstung. 
"Aber nein, nicht unsere Sorge...", murmelte sie dann zurück und verschloss seine Lippen. Er sollte nicht so viel Unsinn reden, sondern sich lieber der gemeinsamen Zeit widmen. 
Noch vor einigen Tagen hätte sie nie gedacht, dass es so kommen würde. Dass sie so bald mit ihm das Bett teilen und sich dabei vollkommen gelöst und entspannt fühlen würde, obwohl sie sich damit in gefährliche Gewässer begab. Es konnte dauern, bis vielleicht einmal eine Hochzeit zustande kam. Und bis dahin...gab es ein gewisses Risiko, das nicht allein in der Gefahr eines zerstörten Rufes lag.

William

William brach in schallendes Gelächter aus. Joannas Art war wirklich erfrischend - und so ziemlich genau das, was er gebraucht hatte. 
"Ein Laster darf schwärmen so viel es will ... und darf ich dich daran erinnern, dass es dein Bett ist?" gab er mit herausfordernem Grinsen Kontra. 
Nach ihrem Streit vorhin fühlte William sich jetzt nur um so besser. Obwohl sie sich ziemlich harte Worte an den Kopf geworfen hatten, waren die Wogen nun wieder schnell geglättet. Oder vielleicht gerade weil sie sich gestritten hatten. 
Solange er hier im Bett neben Joanna liegen konnte, gelang es ihm alles darum herum weitestgehend auszublenden. Wie es ihm jedoch gehen würde, sobald er die Tür ihres Gemachs wieder hinter sich schloss, vermochte William noch nicht zu sagen. 
"Allerdings war ich auch schon immer der Meinung, dass dein Bett für dich alleine eigentlich verschwenderisch groß ist." neckte er dann und drehte sich um, so dass er sich über Joanna beugen konnte, um sie ein weiteres Mal zu küssen.

Joanna

Auch Joanna lachte leise auf. "Wie gut, dass du mich daran erinnerst, denn das gibt mir das Recht, dich aus meinem Bett zu werfen, wenn du dich nicht benimmst. Und das würde ich wirklich nur äußerst ungern tun, denn wir du schon so treffend bemerkst, in diesem großen Bett ist man allein so verloren. Willst du mir das wirklich zumuten?" 
Sie sah zu ihm auf, als er sich über sie beugte und legte eine Hand an seine Wange, als er sie küsste. 
Wenigstens sie musste erst morgen wieder bei der Königin erscheinen, dass gab ihr einen angenehmen freien Tag um anzukommen und sich William zu widmen, solange er Zeit hatte. Und gerade schien er wirklich geneigt das Königspaar warten zu lassen, weil er bei ihr war. 
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Sie hoffte, dass es so bleiben würde, wie es gerade war. Vollkommen entspannt und unbefangen, genauso vertraut wie früher. Nein, eigentlich noch eine Spur mehr. Es gab nichts mehr zwischen ihnen, sie hatte den letzten Schritt getan. 
Joanna konnte es sich zwar nicht vorstellen, aber sie hoffte, dass sie es nicht bereuen würde.

William

"Oh, das will ich dir keineswegs zumuten." murmelte William gegen ihre Lippen. Gleichzeitig fuhr er mit den Fingern zärtlich über Joannas weiche Haut und ließ seine Hand über ihre Schulter weiter abwärts wandern. 
Er würde nachher wirklich eine sehr gute Erklärung brauchen, schließlich kam er immer pünktlich ... und nun würde er sich reichlich verspäten, so viel stand fest. 
Aber das war William im Moment furchtbar egal, wichtig war nur, dass er Zeit mit Joanna verbringen konnte - und diese mehr als sinnvoll nutzen wollte. 
"Weißt du" raunte er ihr mit heiserer Stimme ins Ohr "ich denke, jetzt kommt es auf ein paar Minuten sowieso nicht mehr an. Da können wir die Zeit auch noch mit angenehmen Dingen versüßen." 
Und um keinen Zweifel daran zu lassen, wovon er sprach, ließ er seine Lippen von Joannas Ohrläppchen entlang zu ihrem Hals wandern, um schließlich aufzusehen und ihr einen reizvollen Kuss zu entlocken.

Joanna

Einige Tage waren vergangen und Joanna hatte sich wieder an die Betriebsamkeit des Hofes und die Gesellschaft der Königin und ihrer Damen gewöhnt. Es fiel ihr allerdings leichter als früher, die eintönigen Stunden höfischen Geplauders zu überstehen. Sie war nicht mehr so rastlos und hatte im Kloster gelernt sich meist in Geduld zu üben. Allerdings war sie auch merkwürdig ausgeglichen, denn William war wieder in ihrer Nähe. Und es verging kaum eine Stunde, in der sie nicht an ihn dachte. 
So auch jetzt. Sie saß einsam in einem der Gänge, in einer Fensternische, und blickte verträumt hinaus in den Hof. 
Sie schaute zu, wie einige Pferde über den freien Platz geführt wurden, einige Reiter kamen und gingen und musste gleichzeitig daran denken, wie oft sie früher im Stall gewesen war um Herakles und auch Cuivre zu besuchen. Sie hoffte, dass sie den roten Hengst noch einmal wiedersehen würde, denn er war ihr ans Herz gewachsen. Außerdem - sie musste lächeln - hatte William ihr einst versprochen, sie dürfe seinen Hengst einmal reiten. Vielleicht war Cuivre ja noch kräftig genug, sie hatte jedenfalls nicht vergessen.
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GreyStorm



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BeitragThema: Re: Archiv - Beiträge bis 08.09.12   Do Sep 03, 2015 9:52 pm

Henry II

Henry war sichtlich entnervt als er sich schließlich beschloss, dass er nun eine Pause brauchte und sich erhob. Er hatte den letzten Händler gerade hochkant heraus werfen lassen, nachdem dieser um horende Preise feilschen wollte und das obwohl seine Angebotenen Stoffe nur von mäßiger Qualität gewesen war. Und ähnlich ermüdend war der gesamte Morgen gewesen. 
Als er nun in Begleitung zweier seiner Diener in die Richtung seines Gemaches ging, stand ihm der Sinn einzig und alleine nach einem entspannenden Bad. Und vielleicht sollte er dann seiner Gemahlin mal wieder einen Besuch abstatten, um zu sehen, wie die Stimmung sich entwickelte. Die Tage an denen sie ihn kaum eines Blickes gewürdigt hatte, waren zwar bereits vorbei, doch gut auf ihn zu sprechen war Eleonore immer noch nicht. 
Er war so in seine Gedanken vertieft, dass ihm die Gestalt in der Fensternische erst auffiel, als er schon fast an ihr vorbei war. 
"Ah, Mylady, ihr gehört doch seit kurzem auch wieder zu dem Gefolge meiner Gemahlin." es war eine Mischung aus einer Frage und einer Feststellung, da er sich in dem Augenblick nicht mehr genau an den Namen der jungen Frau erinnern konnte, doch Henry war sich recht sicher zu wissen wen er vor sich hatte. Er trat einen Schritt näher und senkte die Stimme ein wenig. "Sagt, könnt Ihr mir verraten, ob die Königin heute guter Laune ist?" versuchte er herauszufinden, ob sich ein Besuch bei Eleonore überhaupt lohnen würde. Dabei ließ er den Blick über die junge Lady gleiten und musterte sie nachdenklich.

Joanna

Joanna wurde aus ihren Gedanken gerissen, als jemand sie ansprach. Langsam drehte sie den Kopf und sah sich plötzlich ihrem König gegenüber, mit dem sie bisher kaum je ein Wort gewechselt hatte. Einen Moment war sie erstaunt, dann aber fasste sie sich, erhob sich rasch und knickste. 
"In der Tat, so ist es, mein König." 
Die Frage Henrys überraschte sie dann allerdings doch. Er fragte sie, ob Eleonore guter Laune war? Meine Güte, der muss aber ein schlechtes Gewissen haben. Oder Angst vor seiner Frau. 
Joanna verbiss sich in letzter Sekunde einen unpassenden Kommentar, den sie wohl William, aber nicht seinem Cousin gegenüber hätte aussprechen können. 
"Ich denke, Ihr habt Glück. Sie ist guter Stimmung aufgrund des schönen Wetters und der neusten Fortschritte des Prinzen." 
Sie lächelte höflich, wusste aber nicht so recht, was sie von dieser Begegnung halten sollte. Er war der König und doch fragte er sie, eine einfache Hofdame nach ihrer Meinung. Sie glaubte auch kaum, dass er sie kannte. Sie war ohnehin verwundert, dass er sie seiner Gemahlin zuordnen konnte.

Henry II

Henry hob leicht verwundert eine Augenbraue. "Ist das so?" brachte er seine Verwunderung, aber auch gleichzeitig einen Teil Ungläubigkeit zum Ausdruck. Es käme ihm ausgesprochen gelegen, wenn Eleonore guter Stimmung war ... doch gleichzeitig war er sich noch nicht sicher, ob er eigentlich tatsächlich Lust auf diese Begegnung hatte. Denn mit größter Wahrscheinlichkeit würde Eleonores Laune gegen Null gehen, sobald er sich in einem Raum mit ihr befand. "Vielleicht sollte ich ihr diese eher nicht verderben." murmelte er leise, mehr zu sich selbst." 
Schließlich nickte Henry und wandte sich zum Gehen, verharrte jedoch im allerletzten Moment und wandte sich noch einmal zu der jungen Frau um, die ihm gerade so bereitwillig Auskunft gegeben hatte. 
Er runzelte die Stirn und versuchte ihren Blick einzufangen. 
"Seid wann seit ihr am Hofe? Ich habe das Gefühl Euch schon öfter gesehen zu haben, doch nicht in letzter Zeit." dieses Mal war Henry ernsthaft an der Antwort interessiert. Denn diese würde ihm womöglich seine Vermutung bestätigen, wen er hier vor sich hatte.

Joanna

Joanna kommentierte seine Worte nicht, denn das ging sie nun wirklich nichts an. Sie wollte sich nicht in die Beziehung des Königspaares einmischen, denn dies würde unweigerlich irgendwann zu Schwierigkeiten führen. 
Insgeheim allerdings war sie durchaus der Meinung, dass Henry die Reaktion seiner Frau verdient hatte. Schließlich hatte er sich mehrfach außerhalb des ehelichen Lagers vergnügt und dies nicht ohne Folgen. Nein, das verdiente eine Frau wie Eleonore nicht und auch der König hätte an mehr Vorsicht besser getan, denn die Augen der Herrscher von Europa und auch die des Papstes ruhten auf ihm. 
Ein bisschen irritiert begegnete Joanna schließlich Henrys Blick und hielt ihm eine Weile stand. 
"Das ist durchaus möglich, Mylord. Ich verweile erst einige Tage hier, seit ich zurück in den Dienst Eurer Gemahlin getreten bin. Doch vor sechs Jahren war ich bereits längere Zeit an ihrer Seite, nach dem Tod meines Mannes, bis ich mich schließlich dazu entschloss, mich in ein Kloster zu begeben."

Henry II

Dieses Mal zog Henry beide Augenbrauen nach oben. Kloster? Damit hatte sie seine Vermutung bestätigt, dass es sich um eben jene Frau ging mit der sie sein Cousin vor sechs Jahren schon einmal gelöchert hatte und von der er erst vor kurzem wieder angefangen hatte. 
Eins musste Henry seinem Cousin ja lassen, er hatte einen vortrefflichen Geschmack. 
Doch Aussehen hin oder her, er war noch immer nicht wirklich von der Idee überzeugt einer Heirat zwischen William und ihr zuzustimmen. Schließlich hatte sein Cousin es recht weit gebracht und Henry hatte noch seine ganz eigenen Pläne mit dem jungen Earl of Cornwall. 
Schließlich war eine Verbindung mit ihm ausgesprochen achtbar – und Henry gedachte eher diese Möglichkeit zu nutzen, um Beziehungen in Frankreich zu festigen. 
Schließlich huschte die Andeutung eines Lächelns über seine Lippen. 
„Nun, ich denke die Königin wird erfreut über Eure Rückkehr gewesen sein. Und dem kann ich mich nur anschließen. Ihr seid wahrlich zu schade für ein Leben im Kloster.“ Stellte Henry mit gedämpfter Stimme und einem frechen Funkeln in den Augen fest. 
Dann nickte er der jungen Dame erneut zu und wandte sich ab, um seinen Weg fortzusetzen.

Joanna

Joanna war sich irgendwie sicher, dass er jetzt sehr genau wusste, wer sie war. Doch er ließ sich wirklich nicht anmerken, was er von ihr und ihrer Verbindung zu William hielt. 
Trotzdem gelang es Henry, die sonst so schlagfertige Lady zu verunsichern. War das eben nur ein beiläufiger Kommentar gewesen oder steckte mehr dahinter? Sie wollte es nicht hoffen, allerdings hatte sie solche Worte nun wirklich nicht erwartet. 
"Ich danke Euch.", erwiderte Joanna schließlich nur zögerlich und sah ihm nachdenklich nach, wie er den Gang hinter sich ließ und um die nächste Ecke bog. 
Was war das gerade gewesen? Merkwürdig... Mit einem Kopfschütteln entschloss sie sich schließlich dazu, dem Ganzen wenig Bedeutung beizumessen und es zu vergessen. 
Sie selbst verweilte nun auch nicht mehr hier und sann darüber nach, sie machte sich stattdessen auf den Weg in den Garten um die Sonne ein bisschen zu genießen, die sich endlich wieder hervor gewagt hatte. Und heute Abend konnte William sich sicher wieder für eine Weile von seinen Pflichten loseisen.

William

William seufzte als er das Pergament versiegelte und es dann an Geoffrey übergab. 
"Es reicht ja nicht, dass ich meine eigenen Länderein momentan aus der Ferne verwalte, unser werter König war heute wirklich wieder bemüht darum, dass mir ja nicht langweilig wird." William fuhr sich durch die dunklen Haare und streckte dann die müden und verspannten Glieder. 
"Wir sollten bald wieder nach Hause, Mylord." murmelte Geoffrey, der die ihm anvertrauten Dokumente sortierte und sich einen Überblick darüber verschaffte, was er wann wem zukommen lassen musste. 
William stand auf und nickte dann langsam. "Das sollten wir wirklich." bestätigte er und sah seinem treusten Diener über die Schulter. 
"Du solltest auch zusehen, dass du ins Bett kommst. Der Tag war lang genug." er klopfte Geoffrey auf die Schulter und verabschiedete sich dann. 
Es war doch später geworden als er erwartet hatte, aber dennoch schlug er noch nicht den Weg in sein eigenes Gemach ein. 
Sein Ziel war zunächst ein ganz anderes.

Joanna

Joanna hatte sich nach ein paar Stunden Gesellschaft der Königin schließlich zurückgezogen. Wie früher hatte sie am Abendessen teilgenommen und mit Bedauern festgestellt, dass William offenbar zu beschäftigt gewesen war um daran teilzunehmen. 
Nun aber saß sie in ihrem Gemach mit untergeschlagenen Beinen auf ihrem Bett und wartete, während sie leise eine Melodie vor sich hin summte, die sie irgendwo gehört hatte und ihr im Gedächtnis geblieben war. 
Ein wenig verträumt ließ die junge Frau den Tag innerlich Revue passieren und stellte fest, dass der Alltag sie vollkommen wieder eingeholt hatte. Man hatte sie zwar ein wenig befremdet, aber nicht unfreundlich, wieder in die Kreise des höfischem Lebens aufgenommen und ihre Anwesenheit akzeptiert. Sogar - sie musste leicht lächeln - sogar der König hatte zur Kenntnis genommen, dass sie zurückgekehrt war. 
Fragte sich nur, wie ihre Zukunft denn aussehen würde. Ob sie lange hier verweilen würde. Was das Schicksal wohl mit ihr vorhatte. Fast war sie geneigt zu glauben, dass es es diesmal besser mit ihr meinte. Und über diese Gedanken erwuchs schließlich ihre Ungeduld ihren Liebsten endlich wieder zu sehen. Die wenigen Stunden ohne ihn waren schon zu viel gewesen.

William

Das Anklopfen an der Tür war einfach nur eine Angewohnheit. Tatsächlich wartete William aber nicht auf eine Antwort, sondern trat einfach ein. 
Er schloss die Tür hinter sich und fuhr sich mit der rechten über den verspannten Nacken. 
"Verzeih mir, dass ich jetzt erst komme." begann er noch bevor er sich überhaupt zu Joanna umgedreht hatte. "Es war einer dieser schier endlosen Tage ..." murmelte er und begrüßte seine Liebste dann mit einem kurzen Kuss, bevor er sich an den Tisch setzte. 
Er hatte furchtbaren Durst und griff somit als erstes nach Becher und Krug. 
"Wie war dein Tag? Von meinem habe ich nämlich genug." fragte er dann und sah Joanna mit einem müden Lächeln an. 
Den Vormittag hatte er bei Henry verbracht - was dazu beitrug, dass er die schlechte Stimmung seines Cousins hatte abfangen müssen. Was natürlich nicht gerade gut für seine eigene gewesen war. 
Und auch der Nachmittag hatte seine Laune nicht mehr gehoben, da er eigentlich nur noch ein paar Dingen für Cornwall nachgehen wollte - und Henry dann gekonnt dafür gesorgt hatte, dass er bis heut Abend nicht mehr zur Ruhe kam.

Joanna

Joannas Augen leuchteten auf, als William endlich kam und sie schenkte ihm ein fröhliches Lächeln, bevor er sie küsste. Sie folgte seinen Bewegungen mit den Augen und ließ sich dann rückwärts auf das Bett sinken. 
"Henry hat mal wieder einen ziemlichen Teil seiner Arbeit auf dich abgewälzt, oder? Er sollte dir nicht immer so viel aufbürden, du hast ja kaum noch Zeit für dich.", stellte sich schließlich mit leisem Vorwurf fest, der allerdings nicht an ihn gerichtet war. Joanna seufzte leise und beantwortete dann bereitwillig seine Frage. 
"Nicht sehr aufregend. Der Alltag hat mich wieder. Ich habe der Königin Gesellschaft geleistet, im Garten ein bisschen die Sonne genossen und mich gelangweilt. Alles in allem kein sehr spannender Tag. Ah, ich habe noch etwas vergessen...ich bin Henry begegnet." Sie kicherte leise. "Er hat mich gefragt, wie Eleonore gelaunt ist. Ich war überrascht, dass er mich überhaupt zuordnen konnte." 
Sie lächelte wieder. "Ich hatte irgendwie den Eindruck, er hat entweder immer noch ein überaus schlechtes Gewissen oder er fürchtet sich vor seiner Frau."

William

William nahm einen Schluck aus seinem Becher und grinste als er ihn wieder sinken ließ. "Du meinst wohl eher, Zeit für dich." korrigierte er Joanna. 
Dann leerte er den Becher mit einem Zug und sah verwundert zu Joanna hinüber. 
"Er hat was?" wiederholte William ohne eine Antwort zu wollen. Er hatte Joanna sehr wohl verstanden. Dann schüttelte er den Kopf. 
"Ersteres wohl am allerwenigsten. Angst kann man das allerdings auch nicht unbedingt nennen. Der gute ist schlichtweg genervt von der Situation und will sich vor den ewig unangenehmen Situationen drücken." stellte er dann nicht ohne ein Schmunzeln richtig. 
Dann stand er auf und ging zu dem Bett hinüber, um sich neben Joanna auf die Matratze sinken zu lassen. 
"Hat mein reizender Cousin sonst noch etwas von sich gegeben?" es verwunderte William ein wenig, dass Henry mit Joanna gesprochen hatte - er sprach selten eine der Damen von Eleonore an. Aber Henry war so oder so reichlich unberechenbar. Im Grunde sollte er nicht weiter überrascht sein. Immerhin hatte Henry sich so erspart selbst herauszufinden, welcher Laune Eleonore war.

Joanna

"Wenn du deine freie Zeit mit mir verbringen willst, ja. So direkt wollte ich es nicht ausdrücken, aber durchaus." Joanna grinste ihn an, wartete dann bis er sich neben ihr niedergelassen hatte und drehte sich seitlich zu ihm, den Kopf auf eine Hand gestützt. 
"Wenn er immer so ist, kann ich Eleonore verstehen. Er zeigt nicht einmal Reue für seine Fehltritte, es ist unglaublich. Aber sonst hat er nicht viel gesagt. Er hat mich gefragt, wie lange ich wieder ich wieder am Hof bin, denn er glaubte sich erinnern zu können, dass ich vor einiger Zeit einmal hier war. Viel mehr hat er nicht gesagt. Nur, dass die Königin sich sicher über meine Rückkehr freut, er sich dem anschließt und dass ich zu schade für das Kloster wäre. Es war nur eine belanglose Plauderei. Ich schätze, er war sich noch nicht sicher, ob er sich wirklich in die Höhle des Löwen trauen möchte." 
Sie lächelte, streckte sich und küsste ihn sanft auf die Lippen. "Aber eigentlich sollten wir unsere kostbare Zeit nicht mit Philosophie über Henry vergeuden. Findest du nicht auch?"

William

William runzelte die Stirn und konnte Joannas Kuss nur halbherzig erwidern. Henry hatte was gesagt? Aus irgendeinem Grund hatten ihre Worte ihn hellhörig werden lassen. 
Und so schob er Joanna ein Stück von sich zurück, kaum dass ihre Lippen sich wieder voneinander gelöst hatten und sah sie forschend an. "Habe ich das gerade richtig verstanden? Er sagte, du seist zu schade für das Kloster?" fragte er dann mit leicht verengten Augen. 
Reagierte er gerade über oder machte sich das ungute Gefühl in seinem Magen sich zurecht breit. 
Er kannte seinen Cousin nur zu gut. Sobald er eine schöne Frau sah und mal wieder seiner eigenen aus welchem unerklärlichen Grund auch immer überdrüssig war, vergaß Henry ganz gerne einmal seinen Anstand. Das hieß, der Damenwelt gegenüber nicht, im Gegenteil, er konnte wahrlich überzeugend sein. Aber gerade er sollte sich eigentlich besser beherrschen. 
Andererseits ... man konnte wohl durchaus sagen, dass das in der Familie lag. William selbst war schließlich Sohn eines unehelichen Nachkommens von Henry I. Und auch Henrys Vater war kein Heiliger gewesen.

Joanna

Joanna war irritiert, als er sie plötzlich von sich schob und sie so merkwürdig ansah. Was hatte er denn an Henrys Worten auszusetzen? Das war doch nur eine Floskel gewesen. 
"Ja, das hat er gesagt.", bestätigte sie zögerlich und legte nachdenklich den Kopf schief, hob nach einer Weile eine Augenbraue leicht an. "Warum? Ist das ein Problem? Das hat er doch einfach nur so dahin gesagt, warum sollte er sich überhaupt an dieses Gespräch noch erinnern? Dazu bin ich viel zu unwichtig und das weißt du auch, William." 
Sie lächelte und strich über seine Wange. 
"Worüber machst du dir Gedanken?" 
Seine Reaktion war ihr ein bisschen suspekt. War er jetzt etwa eifersüchtig, dass sie mit Henry geredet hatte? So brauchte er gar nicht erst anzufangen, sie würde sich nicht einsperren lassen, keinesfalls. 
"Jetzt zerbrich dir nicht den Kopf. Den hast du für heute genug beansprucht, denkst du nicht? Entspann dich einfach, Liebster..." 
Sie löste die Hand von seiner Wange und strich eine Strähne aus seinem Gesicht.

William

William brummte unzufrieden. "Es ist nur so, dass" begann er, brach dann jedoch ab. Was trieb er hier denn eigentlich? Es war völlig lächerlich wie er sich verhielt. Und doch konnte er nicht anders. Er war doch aber wohl nicht wegen so einer Banalität bereits eifersüchtig? 
Nein, Eifersucht war es nicht ... oder? Innerlich seufzte er auf. Er wusste ja selbst nicht, warum er so reagierte. 
"Ach, nichts. Du hast recht. Ich sollte nicht weiter darüber nachdenken." stimmte er Joanna zu. 
Trotzdem wollte es ihm nicht so recht gelingen diesen Gedanken zu verbannen. Selbst als er sich wieder nach vorne lehnte, um Joanna zu küssen, gelang es ihm nur schwerlich sich abzulenken. 
Als er sich wieder von ihr löste, ließ er den Kopf zurück sinken und schloss mit einem leisen Seufzen kurz die Augen. 
"Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich fast behaupten, ich werde alt." murmelte er dann mit leicht gequältem Gesichtsausdruck als er seine rechte Schulter ein wenig massierte. Er hatte sich heute definitiv zu wenig bewegt.

Joanna

"Wie du siehst, William, habe ich des öfteren Recht. Und doch bist du jedes Mal in gewisser Weise überrascht." 
Joanna schüttelte den Kopf und beobachtete ihn in seinem Tun, ehe sie nach seiner hand griff und ihn aufhielt. 
"Du bist 27 Jahre alt, dein Alter ist also kaum ein Grund dafür. Wenn du dich allerdings den ganzen Tag nicht von deinem Schreibtisch wegbewegst, musst du damit rechnen." 
Sie überlegte kurz, dann öffnete sie kurzerhand Wams und Hemd und schob ihm beides über die Schultern, ehe sie sich hinter ihn setzte und ihrerseits damit begann seine verspannten Muskeln zu lockern. Sie tat das zumeist gern, das hatte sie auch früher schon getan. Nicht nur, dass er sich dabei entspannte, sie genoss auch das Gefühl der warmen, weichen Haut unter ihren Fingern. 
"Weißt du...wir sollten mal wieder ausreiten, wenn du Zeit findest. Ein bisschen Ablenkung vom Leben bei Hof tut uns Beiden ganz gut und außerdem braucht Herakles wohl Bewegung. Der Gute hat über die letzten Jahre ziemlich zugenommen."

William

William zog eine Grimasse, ließ sich aber bereitwillig von Joanna in seinem Tun aufhalten. "Noch ist das wohl so." spottete er und ließ Joanna dann jedoch ohne ein weiteres Wort gewähren. 
Er genoss es jedes Mal sichtlich, wenn sie ihre Finger über seinen Rücken gleiten ließ und dabei seine verspannten Muskeln so gut wie möglich lockerte. Heute musste er jedoch zunächst die Zähne aufeinander beißen, um nicht aufzustöhnen. Während sein Rücken einfach nur abgespannt war, schmerzte rechte Schulter. Diese Anfälligkeit war wohl der Tribut den er zahlen musste. Aber wenigstens hatte er damals weder Leben noch Arm verloren, also konnte er sich wohl glücklich schätzen. 
Joannas Worte zogen nun wieder seine Aufmerksamkeit auf das hier und jetzt. Bevor er jedoch antwortete, runzelte er kurz die Stirn und dachte darüber nach, wie er darauf am besten antworten sollte. Denn ihre Bitte hatte ihn an etwas anderes erinnert. 
"Werden wir. Ich werde versuchen mir ein wenig Zeit dafür zu schaffen, aber vielleicht kommt das sogar ganz gelegen. Immerhin muss ich meine Pferde auch wieder auf eine längere Reise vorbereiten. Schließlich werde ich zu Hause erwartet." Der letzte Satz klang selbst in Williams Ohren seltam. zu Hause Ja, zu dem war Cornwall wieder geworden, nachdem so lange Zeit der Hof für William ein zu Hause gewesen war.

Joanna

Joanna hatte bemerkt, dass seine rechte Schulter wohl immer noch schmerzte, nach all der Zeit. Das ließ sie behutsamer vorgehen, aber nicht zaghaft. Wenn er nichts dagegen tat, würde es ohnehin auf Dauer nur schlimmer werden. 
Schweigend genoss sie die Nähe zu ihm, bis seine folgenden Worte sie an etwas erinnerten.Zuhause...du hast noch ein Zuhause, aber ich? Bis der Hof es wieder ist, wird es dauern und bis dahin... 
"Ja, das wirst du wohl.", sagte sie leise und senkte den Kopf. Es zeigte ihr einmal mehr, dass sie einfach noch keinen wirklichen Platz in ihrem und in seinem Leben gefunden hatte. 
"Wie lange wirst du in Cornwall bleiben?" 
Sicherlich eine längere Zeit, denn seine Kinder waren dort und er würde ihnen sicher einige Zeit widmen wollen. Sie würde wohl hier verweilen, an Eleonores Seite, und ihn ziemlich vermissen. Seine Besuche bei ihr waren immer der Höhepunkt ihres Tages, es würde schwer sein, darauf zu verzichten. Sie seufzte leise und schmiegte ihre Wange an seine, die Arme von hinten um seinen Hals gelegt. Sie sagte nichts sonst dazu, hoffte einfach, dass er ihre Reaktion nicht richtig deutete. Sie wollte ihn nicht zu irgendetwas drängen.

William

William schluckte als Joannas Reaktion genau dem Entsprach, das er hatte vermeiden wollen, aber genau gewusst hatte, dass es so kommen würde. 
Am liebsten würde er sie bitten mitzukommen, aber das war zum einen keine sonderlich gute Idee und zum anderen wahrscheinlich auch gar nicht möglich. Immerhin stand Joanna wieder in Eleonores Diensten. Und dieses Mal würde die Königin für William nicht erneut eine Ausnahme machen. 
"Ich weiß es noch nicht. Eine Weile." erklärte er dann ohne sich festlegen zu wollen. Natürlich würde er länger bleiben, sobald er erst einmal wieder in Cornwall war. Es gab dort genug zu tun, er brauchte den Abstand zum Hof und seine Kinder brauchten ihren Vater. 
"Es tut mir Leid. Ich hätte damit nicht anfangen sollen. Immerhin steht ja noch nicht einmal fest, wann ich aufbrechen werde." murmelte er dann und lehnte sich sachte gegen Joanna, die ihre Arme um seinen Hals gelegt hatte. 
"Wir sollten einfach die kurze Zeit die wir heute haben nutzen. Bevor ich dir im Sitzen noch einschlafe." feixte er und versuchte somit wieder von dem bedrückenden Thema wegzukommen.

Joanna

Joanna spürte, dass er ihr auswich, aber sie konnte ja auch nichts für die Situation. Es schien ihr immer so, als würde alles sich gegen William und sie verschwören, dabei wusste sie, dass das Unsinn war. Trotzdem fühlte es sich so an. Sie seufzte leise. 
„Schon gut. Es ändert auch nichts an der Tatsache, dass man es nicht ausspricht. Eins steht jedenfalls fest: ich werde dich schrecklich vermissen, wenn du so lange weg bist. Vielleicht findest du wenigstens dann und wann Muße und schreibst mir.“ 
Sie bemühte sich darum ihrer Stimme einen möglichst unbeschwerten Klang zu verleihen, denn ein schlechtes Gewissen wollte sie ihm nun wirklich nicht einreden. Das würde nur zwischen ihnen stehen. Das war auch der Grund, warum sie beinahe erleichtert auf seinen Themawechsel einging. „Ich sollte mir Gedanken machen, wenn du in meiner Nähe auch nur ans Schlafen denkst. Ich fürchte, ich sollte dich wieder ein bisschen aufwecken.“ Das Lächeln kehrte auf ihre Züge zurück, dann beugte sie sich vor um ihn in einem Kuss zu fangen.
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